Cameron zeigt deutscher Kanzlerin die kalte Schulter

08.11.2012 | 18:36 |  Von unserer Korrespondentin JULIA KASTEIN (Die Presse)

Angela Merkels Charmeoffensive in London hatte keinen Erfolg: Die Briten bleiben bei ihrem Anti-Europa-Kurs. Der Premierminister hat in der heiklen Frage allerdings sehr wenig innenpolitischen Spielraum.

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London. Angela Merkel hatte sich zwar alle Mühe gegeben: Doch gegen die britische Europa- und Deutschland-Skepsis konnte die deutsche Bundeskanzlerin bei ihrer Charmeoffensive in der britischen Hauptstadt wenig ausrichten.

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Kurz vor ihrem ersten Besuch in London seit drei Jahren hatte die Kanzlerin ein für ihre Verhältnisse geradezu leidenschaftliches Plädoyer für Britanniens Verbleib in der EU gehalten: „Ich bin aus Deutschland. Großbritannien war dabei, als wir von den Nazis befreit wurden. Es sind immer noch britische Soldaten in Deutschland stationiert. Ich kann mir ein Europa ohne Großbritannien überhaupt nicht vorstellen.“ Doch hängen blieb in der britischen Boulevardpresse und bei den Euroskeptikern vor allem Angela Merkels nächster Satz: „Man kann auf einer Insel sehr glücklich sein. Aber allein sind Sie in dieser Welt auch nicht mehr glücklich.“

Daraufhin spottete die Tageszeitung „Daily Mail“: „Deutschland warnt uns, dass wir in der großen bösen Welt allein nicht glücklich werden.“ Das Blatt nennt die Kanzlerin in Anlehnung an Arnold Schwarzeneggers Terminator gern „Merkelator“. Und auch mit ihrem offiziellen Gesprächspartner hatte es die Deutsche nicht leicht: Beim gemeinsamen Abendessen am Mittwoch (Spinat-Tarte, Wild und Donauwelle) wollte sie Premier David Cameron davon abbringen, sich beim anstehenden EU-Gipfel zum EU-Haushalt für 2014 bis 2020 allzu stur zu stellen oder gar sein angedrohtes Veto einzulegen.

 

London gibt in Budgetfrage nicht nach

Doch Cameron machte bereits vor dem Treffen unmissverständlich klar: Die geplante Erhöhung des Budgets auf rund 1000 Milliarden Euro sei „aberwitzig“. Er und Merkel seien sich doch schließlich einig, dass „Länder nicht über ihren Verhältnissen leben können, und das gilt auch für die Europäische Union“.

Der Premierminister hat in der heiklen Frage allerdings sehr wenig innenpolitischen Spielraum: Seine euroskeptischen Hinterbänkler bereiteten ihm erst vergangene Woche eine peinliche Abstimmungsniederlage. Gemeinsam mit der oppositionellen Labour-Partei erteilten sie dem Regierungschef den (allerdings nicht bindenden) Auftrag, den geplanten Haushalt der EU zu senken – oder zu blockieren.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 09.11.2012)

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5 Kommentare

bald sehr bald

bald werden sich die briten entscheiden müssen ob sie sich als 51 bundesstaat der usa, als pudel von obama , sehen oder ob sie ihre insel doch noch in europa liegend und zugehörig meinen. bei allem verständnis dass man für sein land das beste bei verhandlungen herausholen will, aber rosinenpicker mit zusammen gekniffenen arschbacken wie schotten, braucht keiner in einer gemeinschaft

Re: bald sehr bald

Ganz meine Meinung! Außerdem haben die Briten überhaupt kein Recht sich in die EU Finanzen einzumischen, solange es den "Briten-Rabatt" gibt.
Erst wenn der fällt dürfen die Insulaner mitreden. Oder aber sie setzen sich unter den Tisch der USA und warten auf die Brosamen die eventuell für sie herunter fallen!
Für die EU jedenfalls wäre es besser diese Leuten würden zusammen mit den Club-Med Staaten rausgeworfen!
Fool Britannia and god shave the Queen!

Ist doch gar nicht so dumm

den EU Haushalt zu reduzieren!!

Warum sollen nur wir sparen und die EU Subventionen lustig weiter fliessen?

Warum werden unsere Einkommen reduziert aber die EU Abgeordneten und Beamten müssen nicht den Gürtel enger schnallen?


"Charmeoffensive" ?

Unglaublich, wie hier einer eiskalten Person hofiert wird, während man das britische Feindbild schürt ...

EU Zirkus

Leider, sind noch immer britische Soldaten in Deutschland stationiert. Das freut die Merkel.
Wie sich die Merkel hier anbiedert ist widerlich!

Die Briten biedern sich den USA an, sehen sich mehr den USA verpflichtet als Europa, deshalb sollte man die Briten gehen lassen, da man sie nicht wirklich braucht.

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