Arbeitslosigkeit: EU fordert Jobgarantie für Jugendliche

03.12.2012 | 17:57 |  Von Anna Gabriel (Die Presse)

Die EU-Kommission schlägt ein Maßnahmenpaket vor, das künftig eine Beschäftigung für jeden unter 25-jährigen EU-Bürger sicherstellen soll. In Österreich blickt man der Initiative aus Brüssel gelassen entgegen.

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Wien/Brüssel. In den Ohren vieler Jugendlicher vor allem in den südeuropäischen Krisenstaaten mag das neue Vorhaben der Kommission wie ein frommer Wunsch klingen. Nicht länger als vier Monate soll es künftig dauern, ehe ein arbeitsloser EU-Bürger unter 25 Jahren wieder in einem ordentlichen Beschäftigungsverhältnis – sei es ein Job, sei es eine Weiterbildungsstelle – steht. So sieht es ein Maßnahmenpaket vor, das Vorschläge für eben diese „Jugendgarantie“ umfasst. Sozialkommissar Laszlo Andór wird es am Mittwoch in Brüssel präsentieren.

Darin empfiehlt die Kommission den Mitgliedstaaten eine Reihe von Maßnahmen, um das ehrgeizige Ziel zu erreichen: So sollen die Länder künftig für ein intensiveres Zusammenspiel der Sozialpartner sorgen und Arbeitsmarktservices dazu angehalten werden, bei Jobengpässen rechtzeitig zu intervenieren. Zudem fordert die Kommission die Regierungen zu einer besseren Nutzung von Geldern aus dem Europäischen Sozialfonds auf, die quasi als Anreiz für die empfohlenen Vorkehrungen bereitstehen.

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Best-Practice-Modelle

Doch auch das „Lernen voneinander“ soll künftig einen höheren Stellenwert haben: Länder mit vergleichsweise geringer Jugendarbeitslosigkeit wie Österreich (8,5 Prozent) oder Deutschland (8,1 Prozent) sollen Best-Practice-Beispiele an kriselnde Südstaaten weitergeben. Zudem schlägt die Kommission eine „Europäische Allianz“ für Praktikumsstellen vor, die die bessere Qualität und Verfügbarkeit der Ausbildungsplätze sicherstellen soll. Gleichzeitig sollen Hindernisse für die Mobilität junger Menschen innerhalb Europas aus dem Weg geräumt werden.

In Österreich blickt man der Initiative aus Brüssel gelassen entgegen. Das hiesige Erfolgsrezept gegen Jugendarbeitslosigkeit existiert aus Sicht der Wirtschaftskammer bereits – und es besteht in einer Kombination aus starker Sozialpartnerschaft, dualem Ausbildungssystem (einer Kombination aus Praxis in Betrieben und Theorie in Berufsschulen) und einem flexiblen Arbeitsmarkt. Allerdings ließe sich dieses System „nicht eins zu eins auf andere Länder übertragen“, wie Martin Gleitsmann, Leiter der sozialpolitischen Abteilung in der WKÖ, einräumt.

Brüssel darf nur beraten

Doch die Frage der gegenseitigen Übertragbarkeit sinnvoller Maßnahmen ist nicht der einzige Unsicherheitsfaktor in dem noch eher vagen Entwurf der Kommission. Laut Vertrag hat die Institution nämlich kein Recht, den Mitgliedstaaten in arbeitsmarktpolitischen Fragen zwingende Vorschriften zu machen. Brüssel kann in diesem Bereich lediglich „Empfehlungen abgeben“, sagt Europarechtler Walter Obwexer zur „Presse“. Es bleibt also abzuwarten, inwieweit die Mitgliedstaaten diese auch umsetzen werden.

Dass Handlungsbedarf besteht, ist indes unbestritten. In Europa zählen heute 7,5 Millionen Jugendliche zwischen 14 und 25 Jahren zu den sogenannten NEETs (Not in Employment, Education or Training) – sie haben also weder Arbeit, noch befinden sie sich in einem Ausbildungsverhältnis. Mehr als 5,5 Millionen Jugendliche (das ist mehr als einer von fünf) finden auf dem Arbeitsmarkt keine passende Stelle. Eurofound – die Europäische Stiftung zur Verbesserung der Lebens- und Arbeitsbedingungen – schätzt, dass die wirtschaftlichen Kosten dieser Missstände insgesamt 153 Milliarden Euro jährlich betragen; das sind 1,2 Prozent des EU-weiten Bruttoinlandsprodukts (BIP). In manchen Ländern wie Bulgarien, Griechenland, Italien oder Ungarn liegen die Kosten sogar bei zwei Prozent des jeweiligen BIPs.

In knapp der Hälfte aller Mitgliedstaaten hat die Jugendarbeitslosigkeit bereits über 25 Prozent erreicht, in Griechenland und Spanien sogar über 55 Prozent. Wer ohne Job ist, bleibt das auch für längere Zeit. Mehr als 30 Prozent der Arbeitslosen unter 25 sind seit über zwölf Monaten auf der Suche nach einer Anstellung.

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Aussichten sind negativ

Wegen der in vielen Krisenländern starken Rezession, zum Teil bedingt durch harte Sparmaßnahmen, sind auch die Aussichten auf eine Besserung der Situation negativ: Die Erwerbstätigenquote unter den Jugendlichen ist in den vergangenen vier Jahren um knapp fünf Prozent gefallen – dreimal mehr als bei Erwachsenen.

Und die Chancen auf einen Job bleiben vorerst auch weiterhin gering. Nur knapp 30 Prozent jener Jugendlichen, die im Jahr 2010 arbeitslos waren, haben 2011 einen Job gefunden – ein Rückgang von zehn Prozent. Die Spirale dreht sich nach unten also unaufhörlich weiter, wobei die langfristigen Auswirkungen dieses Trends heute kaum absehbar sind.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 04.12.2012)

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120 Kommentare
 
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Vorsicht

"Jobgarantie" riecht mir im Zusammenhang mit der EU verdächtig nach einem schicken Euphemismus für "Zwangsarbeit".

Aber vielleicht bin ich auch einfach nur paranoid?

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Das einzige was in diesem Land seit min.50 Jahren

garantiert ist,ist die Dummheit der Wähler !
Wäre dem nicht so hätten wir andere Politiker und eine Demokratie nach dem Schweizer Modell.

2 0

Was soll die schön rederei

Wenn Schulabgänger weder rechnen,schreiben,lesen und es verstehen können wird ein Jobgarantie nichts bringen.
Die produktiven Betreibsstätten sind zum Großteil schon lange alle ausgelagert.
Also was bleibt sind die sogenannten Neuen Jobs vom Abfall,Ernährungs,Lebens,Fußgänger,Radfahrerberater usw. die braucht echt keine Sau sind nicht produktiv und kosten nur Steuergelder.

...garantie

dann doch gleich grundeinkommen fuer alle. wenn vollzeitbeschaeftigte sich selbst wegrationalisieren weil diese mit ihren steuern die jobs der anderen subventionieren....

kommt schon auch noch zu uns...

im heligen land tirol arbeiten rumänische erntehelfer jetzt schon zu einem stundenlohn von 3,- eur (drei). der halsabschneider, der sie beschäftigt, nimmt sich einen grossteil davon dann wieder für kost und logis zurück.

Sinnlose Kurse

In Österreich gibts sowas bis zum 18 Lebensjahr eh de facto. Leider lässt die Qualität der angebotenen Kurse zu wünschen übrig.

Es hat keinen Sinn mit den jungen Leuten immer nur zu üben wie man Bewerbungsschreiben schreibt.

Der Keim des Übels ist es, dass es in den südlichen EU-Staaten de facto keine Lehrberufe gibt, weshalb alle jungen Leute -ob es deren Neigungen und Interessen entspricht oder nicht- in den Hochschulsektor drängen.

Dies hat zur Folge dass es unzählige Maturanten und Hochschulabgänger gibt, die niemand mehr braucht.

In diesem Sinne sollte Österreich froh sein, weniger Maturaten zu haben und dafür ein höheres Maturaniveau. (auch wenn dieses seit Einführung von Berufsreifeprüfung etc. natürlich auch schlechter wird)

6 0

was

produziert die Job"garantie" eigentlich - und wie hoch (nieder) ist die Entlohnung ?

Re: was


Deshalb will die SPÖGrüne das "freiwillige" Berufsheer und den "freiwilligen" Arbeitsdienst!

Da muß man dann vom AMS gefordert einrücken!


Jobgarantie.

Wohlstandsgarantie.
Gesundheitsgarantie.
Garantie auf ewiges Leben.

1 0

Re: Jobgarantie.

ließe sich fortsetzen...glücksgarantie, freiheitsgarantie, garantie des freien handelns,...
und wenn sie verfällt, kann man sich immer noch versichern lassen.

Fordern kann man alles

Fordern kann man alles, ob man welches bekommt, ist natürlich fraglich. Man kann auch Jobgarantie für jede/n, die/der willig ist zu arbeiten. Das impliziert nicht eine angemessene Entlohnung. Man kann zimmlich viele Begriffe strapazieren. Ich glaube einen nationalen Schulterschluss ist unabdingbar z.B. alle Bevölkerungsschichten müssen ihre Betrag leisten. Die Politiker sollen mehr verzichten (wie in UK -20% Politikerbezüge). Bei uns verlangen unsere Politiker hingegen eine unverschämte Gehaltserhöhung während die breiten Massen immer mehr in die Armut rutschen und der Schuldenberg immer größer und größer wird. Herr Hundsdorfer wird nie müde zu betonen, Österreich hat die niedrigste Arbeitslosigkeit, aber die höchste versteckte Arbeitslosigkeit wie frühe Pensionierung und die höchste Bürokratisierung.

Arbeitszwang

Es ist Sinnvolles zu tun ,Sinnvolles das selbstverständlich angemessen entlohnt wird ,
oder es ist eben nichts zu tun .
Dass das große Kapital sich von der immer schlechter verdienenden Bevölkerung unter schlechter werdenden Arbeits- und Lebensbedingungen
in immer unverschämteren Umfang bedienen läßt ,
ist untragbar .

Re: Arbeitszwang


So einfach ist das nicht!

Der größte Jobverhinderer ist doch der Staat mit unleistbaren Abgaben!

Und den Lohndruck durch die importierten Konkurrenten haben wir auch den Politikern von RotSchwarzGrün zu verdanken!


Re: Re: Arbeitszwang

Das sind leere Behauptungen .
Die Schulden der Staaten sind das private Kapital .
Privates Kapital existiert im Überschuß .
Das ist eben ein absurdes System .
Wer das Geld hat ist grundsätzlich belanglos -- ob privat oder öffentlich .
Tatsache ist ,in der Welt sind hunderte Billionen Euros und Dollars .
Das Schuldsystem ist ein Erpressungssystem .
Darüber hinaus ist selbstverständlich die Frage ,welche Funktionen besser vom Staat und welche Privat erledigt werden .

Re: Re: Re: Arbeitszwang


Wenn Sie heute im Privatkundenbereich ein, voll versteuertes Anbot, legen werden Sie nichts verkaufen!

Weil es sich keiner mehr leisten kann!


Re: Re: Re: Re: Arbeitszwang

Wie gesagt ,das Geld ist da ,
Billionen sind z.B.
in Briefkastenfirmen in Steuerparadiesen
oder Anspruch des Kapitals ,
das für Zinsen Geld erfindet und
heute alleine für diese Handlung (was ist das für eine Leistung ? ,Haftung gibt es keine ,bei Versagen ist wieder der Steuerzahler dran) Billionenansprüche gegen den Steuerzahler hat .

Re: Re: Re: Re: Re: Arbeitszwang


Wenn jemand Anderer Geld hat, hilft Ihnen das nicht weiter!

Warum gehen die Leute den in andere Länder?

Weil die Belastung hier unerträglich geworden ist!

Es gibt dafür kaum Schweizer, die gezwungen sind diesen Schritt zu gehen!


Re: Re: Re: Re: Re: Re: Arbeitszwang

Ist nicht Österreich ,
folgt man den Medienberichten ,
eines der wirtschaftlich erfogreichsten Länder der Erde ?

Wie gesagt ist die Aufgabenverteilung zw. Privat und Staat die eine Frage
die Schulden/Besitz Frage eine andere.

Ich sehe auch viele Menschen nach Österreich komen
und nur wenige gehen .
Und ich sehe den Reichtum der Reichen in Österreich nicht gefährdet ,im Gegenteil

EU fordert Jobgarantie

Ich fordere zwingende Intelligenztests für EU-Abgeordnete.

Dann wäre das EU-Parlament allerdings leer ...

0 0

Re: EU fordert Jobgarantie

Verhält sich so wie wenn sie einen Blinden zum TV setzen würden der ihnen sagen muß ob das Bild entspricht.

Ich überlege mir schon seit Jahren ...

... meine Lizenzen in die Schweiz zu schaffen. Sprich: In der Schweiz eine Firma gründen und die Lizenzen dorthin zu verkaufen, bzw. alte Lizenzen auslaufen zu lassen und in der Schweiz neu aufzubauen - dann entsteht in Österreich kein Gewinn.
Dieses Spielchen machen die Großunternehmen seit Jahrzehnten. Nur wir Familienbetriebe sind so hirnrissig und machen alles im Inland.

Re: Ich überlege mir schon seit Jahren ...

Machen Sie es !

Sie fahren dort definitiv besser, als im neokommunistischen Österreich, in dem Arbeit inzwischen unter Strafe gestellt wurde.

Viel Glück !

Re: Ich überlege mir schon seit Jahren ...

Welchen Kanton würden sie wählen, haben sie schon Kontakt aufgenommen und wenn ja, mit wem (Frage ist ernst gemeint).

Ich habe es noch nicht konkret gemacht.

Ich stell mir das so vor:
Die Lizenzen meiner Produktion gebe ich in eine Firma in der Schweiz.
Wenn wir unser Produkt in Österreich verkaufen bzw. Entwicklungen daran vornehmen, bezahlen wir Lizenzgebühren an die Schweizer Firma.
Damit entsteht ein Gewinn in der Schweiz, der dort versteuert wird (da brauch ich garnicht nachdenken, ob das niedriger als bei uns ist).
Wenn die Gewinne entnommen werden, sind sie wahrscheinlich bei uns steuerpflichtig. Allerdings kann die Schweizer Firma meine Reise- und Hotelkosten in der Schweiz vorher bezahlen (man muss halt dann in der Schweiz Urlaub machen) und halt alles, was so an Kosten anfällt (Anwalt, Treuhänder, Bankkonto ...).
Scheint mir ein legales Modell zu sein. Wer Slowakisch kann, könnte das sicher auch mit der Slowakei machen.

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Re: Ich habe es noch nicht konkret gemacht.

ich gratuliere ihnen allen. ihren privaten urlaub als aufwand der firma zu verbuchen, dadurch weniger steuern zu zahlen und die gesellschaft indirekt zu berauben, find ich eine super idee. da können sie ganz stolz auf sich sein.

als arbeitnehmer verlangt man seine urlaubskosten ja auch beim steuerausgleich zurück. warum nicht ^^

traurig find ich allerdings, dass wir scheinbar schon einen punkt in unserer gesellschaft erreicht haben, an dem man für tricksereien und unsolidarisches verhalten beifall erntet ^^

DAs ist nicht das Thema ...

... bei Abzügen von bis zu 80% halte ich das nicht mehr für einen Solidaritätsakt sondern für Straßenraub.
Jede Form des legalen Widerstands empfinde ich daher als richtig, wobei sogar der illegale Widerstand Verständnis erregt (haben Sie sich von jedem Handwerker eine Rechnung geben lassen?).
Unsolidarisch finde ich die Bürger, die ohne Eigenleistung einfach von anderen, arbeitenden Bürgern verlangen, erhalten zu werden.
Solidarität ist keine Einbahnstraße!

 
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