EU will Wasserhähne und Duschköpfe kontrollieren

28.12.2012 | 17:05 |   (Die Presse)

Das Glühbirnenverbot war der Anfang. Auf Druck der Europäischen Union sollen künftig nur noch umweltschonende Wasserarmaturen verkauft werden. Das Gleiche soll für Stromkabel, Fenster und Weinschränke gelten.

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Brüssel/Höll. Im September 2012 trat in der Europäischen Union das Verbot für herkömmliche Glühbirnen in Kraft. Als Nächstes sollen Konsumenten zum Wassersparen gezwungen werden. Künftig sollen Hausbesitzer und Vermieter verpflichtet werden, nur noch sparsame Wasserhähne und Duschköpfe einzusetzen.

Dies geht aus einem Arbeitsplan der EU-Kommission bis zum Jahr 2014 hervor, den die deutsche Zeitung „Welt“ veröffentlicht hat. Das Generalsekretariat der Kommission hat das Papier bereits dem Europäischen Rat geschickt. So, wie es derzeit aussieht, werden die Abgeordneten des Europäischen Parlaments nichts die Möglichkeit haben, gegen das Projekt Einspruch zu erheben. Als Grundlage dient die sogenannte Ökodesignrichtlinie, die bereits die Basis für das umstrittene Glühbirnenverbot gewesen ist. Nun soll das Regelwerk auf weitere Produktgruppen ausgedehnt werden.

Neben Wasserhähnen und Duschköpfen werden in dem EU-Papier auch Fenster, Stromkabel und sogar Weinkühlschränke genannt. Alle Produkte, die nicht umweltschonend sind oder zu viel Energie verbrauchen, sollen verboten werden.

„Die Ökodesignrichtlinie ist ein Musterstück aus der Planwirtschaft und politischem Dirigismus. Mit ihrem Arbeitsplan betreten EU-Beamte bereits die Badezimmer der Bürger“, empört sich der deutsche Europaabgeordnete Holger Krahmer (FDP). Verbraucherverbände behaupten, dass von der geplanten Umstellung in erster Linie die Industrie profitiert. Lobbyisten und Vertreter der Wirtschaft konnten in Brüssel auch das Glühbirnenverbot durchsetzen. Bis auf Restposten dürfen in der EU keine herkömmlichen Glühbirnen mehr hergestellt und regulär verkauft werden. Dies freut die Hersteller von Energiesparlampen.

Experten streiten über die Sinnhaftigkeit. Denn so manche stromsparende Leuchtstofflampe enthält giftiges Quecksilber und darf nicht im Hausmüll, sondern nur in Problemstoffsammelstellen entsorgt werden.

Überflüssige Maßnahme?

Schon fast zwei Jahre arbeitet EU-Umweltkommissar Janez Potocnik an einer Richtlinie zum Wassersparen. Mit dem Einsatz von sparsameren Duschköpfen, Toilettenkästen und Wasserhähnen soll der Wasserverbrauch in den EU-Mitgliedsländern um bis zu 30 Prozent gesenkt werden.

Potocnik will damit vor allem gegen die Wasserknappheit in Südeuropa vorgehen. In vielen Ländern wie in Spanien, Portugal, Italien und Griechenland gibt es im Sommer längere Dürreperioden, die sich fatal auf die Landwirtschaft auswirken.

Allerdings darf die EU-Kommission keine Vorgaben beschließen, die nur in bestimmten Regionen gelten. Viele Politiker in Nord- und Mitteleuropa legten sich gegen das Wassersparprojekt quer. Der Bundesverband der deutschen Energie- und Wasserwirtschaft erklärte die Maßnahme für überflüssig. Denn in Deutschland sei es üblich, dass die Kanalisations- und Abwasserleitungen mit Frischwasser gespült werden, weil durch sie zu wenig Wasser hindurchlaufe. Ohne die Spülung mit Frischwasser würde es Geruchsbelästigungen und Schäden durch Verunreinigungen geben.

Ähnliches könnte in privaten Haushalten passieren. Läuft zu wenig Wasser durch, müssen Verbraucher öfter die Toilettenspülung benutzen. Mittlerweile wurde der Plan abgeschwächt. Toilettenkästen kommen in dem neuen EU-Papier nicht mehr vor. Die Regeln sollen nur für neue Produkte gelten. Bereits installierte Wasserhähne und Duschköpfe müssen übrigens nicht ausgetauscht werden.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 29.12.2012)

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141 Kommentare
 
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"SUPER STAAT"

Orwell "1984"!

Sonst haben die keine Probleme?

Die EU wird immer mehr zum "running gag".

Was ist mit den Toiletten?

Die verbrauchen doch auch sehr viel Wasser, speziell wenn man kaxi musste oder die Toilette keine Option bietet klein zu spülen. Wann schreitet die EU hier endlich ein?
Ich bin für automatische, selbstverriegelnde Toiletten mit Berührungssensoren auf der Brille, die maximal 2 Stuhlgänge pro registrierten User pro Tag erlauben. Der Stuhl wird dann nach erfolgter Benützung der Toilette durch intergrierte Sensoren abgewogen und die Daten nach Brüssel übermittelt. Pro Monat ist dann eine vom Gewicht der Ausscheidungen abhängige Steuer zu entrichten, die dann in die Weiterentwicklung von Wassersparenden Hightechtoiletten gesteckt wird.

Optional gibt es dann noch besonders Umweltfreundliche Modelle oder Warnhinweise auf dem Toilettenpapier:

- Die zum Betrieb der Hightechtoilette benötigte Elektrizität muss der Benutzer selbst erzeugen - mittels vor dem Sitz angebrachter Pedale!

- Mögliche Warnhinweise: "Häufiger Stuhlgang kann Ihrer Umwelt erheblichen Schaden zufügen."

"Zu heftiges Drücken kann zu Hämoriden führen."

usw...

Re: Was ist mit den Toiletten?

Sie haben den EU-Normschixx vergessen.

Alles geregelt - Farbe, Konsistenz, Krümmung, und bitte 3 Kilo +/- 5% . Sonst Zulage fällig.

Monitoring-mässig würde ich das Bundesamt für Eich- und Vermessungswesen anregen.

Re: Re: Was ist mit den Toiletten?

offensichtlich war ich da prophetisch:

http://www.achgut.com/dadgdx/index.php/dadgd/article/der_taegliche_eu_wahn_wasser_stuhlvolumen_beschleunigung_der_darmpassage

Lachts net.. leider kein Kabarett

Eher sollte die Anzahl

der EIERKÖPFE in der EU reduziert werden.

Der europäische Krämerladen

Die EU, die sich ähnlich wie die 'supranationale' UNO unfähig zeigt, die großen und substantiellen Themen anzufassen, verliert sich zunehmend im Klein-Klein politischer Petitessen, die entweder dem Katastrophengetöse der Ökofaschisten 'nachlaufen' oder der Umwertung unseres abendländischen Demokratieverständnisses dienen, welches nach sozialistischer Lesart eben nicht vom freien Individuum ausgehen kann, sondern ausschließlich von den den Staat vollständig dominierenden Parteien.

Wen wundert's da, dass auch unsere veralteten gesellschaftlichen Architekturen der Willensbildung weder hinterfragt, noch auf ihre aktuelle Tauglichkeit überprüft werden - lebt sich's doch als Mandatar oder höherer, von der Partei versorgter Amtsträger in den geliehenen Pfründen relativ gut und sorglos.

Daher ist es erste Politkerpflicht, für einen möglichst langem Verbleib auf seinem Posten Sorge zu tragen; inzweiter Linie hat man dafür zu sorgen, dass sein Posten - wenn man ihn denn verlässt (sei es in den 'wohlverdienten Ruhestand' oder wegen Beörderung auf einen höheren 'Level der Inkomptenz') wenigstens der eigenen Partei erhalten bleibt.

Auf der EU-Ebene kommt noch erschwerend hinzu, dass dort nicht nur Parteiinteressen berücksichtigt sein wollen, sondern auch die nationalen, welche z.B. den Anspruch auf einen Kommissar je Mitgliedsland festgezurrt haben und zwar unabhängig davon, ob der von der ihm zugewiesenen Sache etwas versteht oder nicht.

jö eine marktlücke

richtig grosse megaduschköpfe, am besten aus messing und handgemacht, damit es so richtig edel ist ...
ein gescheiter slogan, ein gescheites youtube video (duschen und modells, das funktioniert immer :-)
und wenn das ding vielleicht sogar beschlagnahmt wird, dann ist es kult, und dann kann man auch ordentlich dafür verlangen ...

Was wirklich schlimm ist, die Generationen nach uns,

die nichts anderes kennen, werden diese Gängelei bis in die intimsten Sphären einer Person für absolut normal halten !!
Darum hoffe ich so auf ein Zusammenkrachen der EU, auch wenn´s uns dann einige Zeit schlecht gehen sollte.
Ein Opfer, das zu bringen ich gerne bereit bin.

Re: Was wirklich schlimm ist, die Generationen nach uns,

Die nächsten Generationen werden schon in den Schulen dahingehend ausgebildet.
Brav alles glauben eigenständiges denken ist nicht erwünscht genauso wenig wie Kopfrechnen,rechnen,lesen,gelesenes verstehen.
Wichtig sind alle Abhängigkeiten damit der Untertan gut funktioniert.

Und was ist mit

Swimmingpools und Golfplätzen?
Vor allem in Länder, wo Wasser ohnehin knapp ist, ist das ein echtes Problem.

Wenn sich jemand einen Pool leisten kann, dann sollte er auch für das Wasser mehr bezahlen, was mit gestaffelten Wasserpreisen leicht zu machen wäre.
10qm sind da pro Füllung schon einmal fällig-das lässt sich mit sparsameren Duschköpfen nie einsparen.

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Vorsicht

Wunderbar, und bei Nichtbeachtung kommt man auf die Liste von Prof. Parncutt von der Musikuni in Graz. Der regelt solche Dinge recht unkompliziert.

Re: Vorsicht

Keine Angst, dies ist ALLES bereits in den BESTEHENDEN Vertraegen vorgesehen. Nur hat die keiner, besonders die Journalisten nicht, gelesen. Parncutt positioniert sich nur bereits fuer eine leitende Rolle im Archipel EULAG. Man muss ja auf seine Karrriere schaun, im neuen Europa.

die EU soll vorher ihre Wasserköpfe auf dichtheit prüfen


Duchköpfe und Wasserhähne - OK, es kostet ja praktisch nichts, die Durchflussmenge zu drosseln

Aber die Energiesparlampen bringen nichts, denn ersten kostet die Herstellung eben dieselbe Primärenergie mehr, welche die Lampen dann im Betrieb sparen sollen, zweitens sind sie allesamt giftig und drittens brennen dann eben mehr Sparlampen länger, "weils jetzt eh wurscht ist".

Re: Duchköpfe und Wasserhähne - OK, es kostet ja praktisch nichts, die Durchflussmenge zu drosseln

Aber man muss für jede Lampe Lizenz an Philips und Siemens zahlen.

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Wichtigtuer

Dann müßten diese Wichtigtuer in der EU erst einmal die Golfplätze in den südlichen Ländern verbieten. Und übrigens interessiert es mich überhaupt nicht, ob die Griechen Wasser sparen müssen. Ich muß es hier in Österreich nicht und werde es auch nicht.

Die Suedlaender waschen sich ja sowieso nicht

So trifft sie dieser neue EU-Affront auch nicht.

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Ich weiss

warum ich gegen den Beitritt zur EU gestimmt habe. Nicht, weil ich ein gegen die anderen EU-Staaten bin, sondern, weil ich genau solche Aktionen erwartet habe.
Leider hat die Regelmentierungswut und noch mehr die finanzielle Situation der Gesamt-EU bei weitem meine kühnsten Vorstellungen bei weitem übertroffen.

Vor Jahren hat man mich ob meiner kritischen Einstellung zur EU und zum Euro verlacht, heute lacht keiner meiner Bekannten mehr darüber.


Re: Ich weiss

Ich war damals dafür. Geradezu euphorisch dafür, weil mir die Idee eines großen starken geeinten Europa mit vielen stolzen und unterschiedlichen Nationen gefallen hat.

Heute nehme ich die EU nur als einen lächerlichen Haufen an überbezahlten Bürokraten wahr, der zwanghaft nach Beschäftigung sucht.

Fragt sich, was giftiger ist...

Quecksilber oder die EU.

Zuerst müssen wir die EU Politiker eine stopfen -

die die sind alle nicht ganz dicht

Humbug!

Derzeit ist es doch so, dass Einsparen von Energie oder Wasser für die breite Masse finanziell durch steigende Tarife und abgeänderte Tarifstrukturen bestraft wird und jene, die kräftig zulangen, durch Tarifsenkungen und Dumpingpaketlösungen belohnt werden.

Vielleicht könnten die EU - Bonzen

auch meinen WC - Abfluß kontrollieren. Möglich, dass dort zuviel Wasser durchrinnt.

dann wird halt niemand mehr in den Süden auf urlaub fahren,

wenn er sich nicht einmal richtig den Sand und das Salz von der Haut abduschen kann.

vielleicht sollte man den Erdbeer und Gemüseanbau in solchen Regionen verbieten, und vielleicht die vielen Freischwimmbecken der reichen EU-Politiker im Süden.

Hey, so schaffen die Teurokraten weitere Arbeitsplätze

... in China & Indien.
Vorsorglich hat man sicher schon ein paar lukrative Werke dort eröffnet. Läuft immer so, kein Scherz ; )
Das funktioniert in Europa recht gut, die Menschen hier nehmen - jeglicher Wirtschaftskrisen zum trotz - alles gelassen hin.

 
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