Türkei: "Dann sagen wir der EU auf Wiedersehen"

30.01.2013 | 18:14 |  von unserer Korrespondentin Susanne Güsten (Die Presse)

Aus Frust über den Widerstand in der EU denkt der türkische Regierungschef Erdoğan offen über einen Beitritt zu den "Shanghai Five" nach, einer Organisation von China, Russland und zentralasiatischen Staaten.

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Ankara. Die türkische Regierung versucht den Druck für eine Fortsetzung der EU-Beitrittsverhandlungen zu erhöhen und droht mit einer Neuorientierung des Landes Richtung Osten. Er habe den russischen Präsidenten Wladimir Putin um die Aufnahme seines Landes in die „Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit“ gebeten, wie die „Shanghai Five“ offiziell heißen, erklärte der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdoğan in einem Fernsehinterview. „Dann sagen wir der EU auf Wiedersehen“, fügte er hinzu. Die Äußerungen haben im Land die Debatte über eine Loslösung der Türkei von ihrer traditionellen Westbindung neu entfacht.

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Sollte die Türkei ihre vor 50 Jahren begonnenen Bemühungen um Aufnahme in den Klub der westeuropäischen Demokratien tatsächlich aufgeben, wäre das eine strategische Neuausrichtung, die beträchtliche Konsequenzen hätte. So wies das US-Außenministerium in einer ersten Reaktion ausdrücklich auf die Nato-Mitgliedschaft des Landes und die damit verbundenen Verpflichtungen hin. Washington hatte sich in der Vergangenheit mehrmals in der EU für einen Beitritt der Türkei eingesetzt.

Erdoğans Ankündigungen sind aber weniger als Anzeichen einer unmittelbar bevorstehenden Achsenverschiebung zu verstehen, sondern eher als Botschaft in Richtung EU-Staats- und Regierungschefs. „Wir brauchen euch nicht“, habe Erdoğan den Europäern übermitteln wollen, sagte die Istanbuler Politologin Beril Dedeoğlu der „Presse“.

Dedeoğlu gehörte zu einer Gruppe von Intellektuellen, die Erdoğan im Nachrichtensender Kanal 24 befragt hatten. In dem Interview sagte der Premier, die Europäische Union halte die Türkei seit Jahren hin, weil sie kein muslimisches Land aufnehmen wolle. Einige aufrichtige europäische Minister gäben das auch offen zu. Die Türkei selbst wolle den EU-Prozess „nicht vergessen“, versicherte der Ministerpräsident. Wegen des Stillstandes im Beitrittsprozess, der sich seit 2005 dahinschleppt, sei es aber seine Aufgabe als Verantwortlicher für 75 Millionen Türken, über Alternativen nachzudenken.

Auf Nachfrage betonte Erdoğan, die „Shanghai Five“ seien „besser und viel mächtiger“ als die EU. Dem Bündnis gehörten ursprünglich China, Russland, Kasachstan, Kirgisistan und Tadschikistan an; als 2001 noch Usbekistan beitrat, wurde die Organisation umbenannt. Die Türkei ist seit dem vergangenen Jahr „Dialogpartner“ der Gruppe, die sich besonders um militärische und wirtschaftliche Kooperation bemüht.

 

Frustration über Beitrittsprozess

In türkischen Regierungskreisen hieß es, Erdoğan wolle die türkische EU-Bewerbung nicht beenden. Es sei aber kein Geheimnis, dass es in der Türkei weit verbreiteten Frust wegen des schleppenden Fortgangs des Beitrittsprozesses gebe. Die wachsende Wirtschaftskraft der Türkei und der Aufstieg des Landes als Regionalmacht sorgen zudem für ein Gefühl der eigenen Stärke.

Europäische Diplomaten in Ankara spielten die Äußerungen herunter. Die „Shanghai Five“ seien keine Organisation, die für die Türkei so bedeutsam sein könne wie die EU, sagte der Vertreter eines EU-Landes. Wenn die Türkei glaube, der EU mit einem angedrohten Wechsel Angst einjagen zu können, dann täusche sie sich.

Die Politologin Dedeoğlu rief dennoch dazu auf, Erdoğans Erklärung ernst zu nehmen. Selbst wenn der Premier nicht vorhabe, sich von der EU abzuwenden, sei es bedenklich, dass er offenbar kein innenpolitisches Risiko darin sehe, öffentlich über einen solchen Schritt zu reden. Laut einer kürzlichen Umfrage befürworten nur noch 33 Prozent der Türken das Ziel der EU-Vollmitgliedschaft; vor zehn Jahren lag die Unterstützung noch bei mehr als 70 Prozent. Die Angekündigte Neuausrichtung des Landes könnte deshalb auch eine Eigendynamik entwickeln.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 31.01.2013)

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561 Kommentare
 
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Asien ist der Markt der Zukunft

Ich finde Shanghai Five wäre eine gute Alternative, Wirtschaftlich ist sie auch mächtiger, wenn man nur die Auswirkungen der Euro Krise sieht, die Eu hat bis jetzt keine Antwort darauf steht ziemlich hilflos da, Die Türkei hat eine sehr erfolgreiche Wirtschaft. die Eu hat es versäumt sich in den Jahren weiter zu entwickeln, und in den letzten Jahren ist in Europa ein gewaltiger Rechtsruck enstanden leider.

"Dann sagen wir der EU auf Wiedersehen"

Auf Wiedersehen?
Ich schlage vor: Adieu...

"Dann sagen wir der EU auf Wiedersehen"

Wäre ich ein in Europa lebender Türke, ich würde kein Geld mehr in die Türkei überweisen.

Es würden zig Milliarden Euro diesem Erdogan in seinem Land fehlen.

Genau genommen hat Erdogan mit dieser seiner Aussage seinen in Europa lebenden Landsleuten wahrlich einen Bärendienst erwiesen. Auch, was die schwierigen Integrationsbemühungen angeht.

Kasachstan, Kirgistan, Tadschikistan...

...irgendwie sind die dem Erdogan und seinen heißblütigen Schnauzbärten ja auch viel näher. Ähnlicher Entwicklungsstand, chauvinistisch, rechtgläubig und auch von der Mentalität wie z.B. dem Ehrbegriff (Familien- und was-weiss-ich-noch Ehre) auf einer Welle.
Außerdem können sie sich dann gegenseitig befruchten und wir sind von einer kulturellen Zwangsbefruchtung ausgespart, mit der hierorts sowieso nur die wenigsten etwas anfangen können.

Was Europa nicht braucht, sind:

Grossmäuler
Machos
Religiöse Fanatiker
Unqualifizierte
Dauerbeleidigte
Nationalisten

Re: Was Europa nicht braucht, sind:

Also die FPÖ

Re: Was Europa nicht braucht, sind:

Nationalisten auch?
Wenn ich mir alle Ihre Kommentare so durchlese, dann komme ich zu dem Schluss, dass auch Sie - sowie die meisten anderen Kommentatoren hier im Forum - ebenfalls auf der von Ihnen verfassten Liste stehen :-)

es ist ein großer Unterschied...

zwischen den Türken in Österreich und den Türken in der Türkei.
Wer verließ Anatolien? Wer suchte sein Glück im Westen?
Im Forum geht es selten um eine sachliche Auseinandersetzung.
Hier prallen Ideologien aufeinander, die eigentlich völlig gleich sind. Sie wissen alles besser, sie haben den Schlüssel für die Zukunft. Nur ein wesentlicher Unterschied existiert. Die Ideologie der Rechten wird im medialen Trommelfeuer als Teufelswerk hoch gehalten. Die Linken haben die mediale Macht übernommen und sind somit meinungsprägend. Und durch geschickte Hirnwäsche, kann man in hunderten von Jahren immer noch die braune Keule schwingen.
Egal, die Türkei hat alle Trümpfe in der Hand. Das alternde Europa ist in wenigen Jahren ohnedies ein verarmter, zahnloser Tiger!

Türkei: "Dann sagen WIR der EU auf Wiedersehen"

Ihr alle?
Versprochen ?

jo

bitte machts des! ciao arrividerci!!!!

Re: jo

elveda!

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die ZUWANDERER

DAS IST JA ECHT SCHON TRAGISCH !!
FÜR MEINE TÜRKISCHEN KOLLEGEN AUS DER BETONFABRIK ( WIE SICH DAS ENTWICKELT HAT ... )

Die Menschen die vor 40 Jahren hierher gekommen sind stehen eigentlich vor einem Scherbenhaufen !

Sie sind damals gekommen ( kein Wort verstanden - haben gut gearbeitet - GUZ verdient - in der Heimat Grund und Boden gekauft - viel Geld bezahlt damit der Sohn nicht zwei Jahre sondern nur ein paar Monate zur Armee muss - dann die Frau und die Kinder hergebracht - in einer kleinen Wohnung gewohnt ... UND WAS MACHEN DIE ENKEL HIER UND JETZT...

ES IST EINE SCHANDE FÜR DAS TÜRKISCHE VOLK - EINFACH EINE SCHANDE ...

Deren Nachkommen haben es geschafft das Land Ihrer Vorfahren so in Verruf zu bringen

Re: die ZUWANDERER

sehr romantisch

31

"Immer mehr Österreicher lernen Türkisch"


hat es unlängst in einem "Presse"-Artikel geheißen.
Diesem Trend habe ich mich angeschlossen.
Und um ganz authentisch zu sein, habe ich mir eine BMW-Rostschüssel gekauft und spucke fest auf den Gehsteig.

Re: "Immer mehr Österreicher lernen Türkisch"

Das mit dem BMW und dem Gehsteigspuken wird schon immer so gewesen sein bei dir und das mit dem Türkischlernen nimmst du jetzt als Ausrede, um das alles zu rechtfertigen.

26

Re: Re: "Immer mehr Österreicher lernen Türkisch"

GUCKST DU kennen Sie hdge weil mit Ihr ( Ihn ) mit " Du " ansprechen ...
und auch sonst noch so viele Einzelheiten zu wissen scheinen

JA JA - DAS IST SCHON WAS TOLLES - ABER ACHTUNG - ALLES WISSEN BEDEUTET AUCH ALLES ZU VERSTEHEN !!

Re: Re: Re: "Immer mehr Österreicher lernen Türkisch"

Mach dir nicht ins Hemd, das hat der Typ doch selber behauptet, dass er das macht:

"Diesem Trend habe ich mich angeschlossen.
Und um ganz authentisch zu sein, habe ich mir eine BMW-Rostschüssel gekauft und spucke fest auf den Gehsteig."

:-))

Re: Re: "Immer mehr Österreicher lernen Türkisch"

Das nennt man einen Witz, Blitzkneißer!

Re: Re: Re: "Immer mehr Österreicher lernen Türkisch"

NEIN!!!, auf was du alles kommst! Das hätte ich mir nie gedacht...

Re: "Immer mehr Österreicher lernen Türkisch"

Der war gut. xD

25

Re: Re: "Immer mehr Österreicher lernen Türkisch"

Ja haben Sie nicht den Artikel ( vor ein paar Tagen .., ) bemerkt ?

1,) So wird man vorbereitet ...
DIE ÖSTERREICHER LERNEN ...

2.) dann wird und nicht nur von dem ( der ) braven ZARA erzählt wer eigentlich unser Land nach diesem Krieg wieder aufgebaut hat ...

DAS HAT MIR VOR EINIGER ZEIT MAL EIN TSCHETSCHENE ERZÄLT : " ÖSTERREICH WURDE NACH DEM KRIEG VON ...

HAB GEDACHT ICH TRÄUME UND IHM DANN VON DEN " TRÜMMER FRAUEN " ERZÄHLT ...

NICHT NUR DIE FASCHISTEN HABEN GESCHICHTSFÄLSCHUNG BETRIEBEN ...

"Die Politik" schaut und hört nur zu und scheint sich sogar zu freuen " wenn das primitive Volk aufeinander losgeht "

Wir sind ja " ALLE UNSELBSTÄNDIG UND HABEN KEINE AHNUNG VOM LEBEN " IM TOLLEN HAUS AN DER RINGSTRASSE DA WISSEN ALLE WAS SACHE IST-WENN DA JEMAND DURCH DIE TÜR GEHT ERLANGT DIESE PERSON SOFORT DIE UNENDLICHE MENGE AN WISSEN - EINFACH SO !

UND WENN JEMAND DIE MENSCHEN AUFRUFT-MACHT EUCH GEDANKEN WAS IM ORF IN DEN ZEITUNGEN VERBREITET WIRD-IST DAS GLEICH EIN NAZI ..,

Re: Re: Re: "Immer mehr Österreicher lernen Türkisch"

Wer wird sich denn Gedanken machen, was bei uns dzt von Regierungs- und Stadtregierungsseite abläuft? Salzburg, Linz, Wien, St.Pölten - fast täglich finden wir die Folgen einer bestimmten Geisteshaltung mit Werteverlust journalistisch aufbereitet. Es hängt auch davon ab, welches Medium sie lesen. Es gibt die gezielte Informations-Politik.

Re: Re: Re: "Immer mehr Österreicher lernen Türkisch"

DER ORF VERBREITET SOWIESO NUR KULTURZERSTÖR-PROPAGANDA! Natürlich wurden nicht nur von den Nazis Geschichtsdaten verdreht. HABEN SIE DIE WAHL IN TSCHECHIEN VERFOLGT! HIER WURDEN AUCH LÜGEN ERZÄHLT, NUR UM KEINEN ÖSTERREICHER INS AMT ZU WÄHLEN!

Re: Re: Re: "Immer mehr Österreicher lernen Türkisch"

...unsere Kultur und Sprache wird durch diese Medien-Propaganda in Ö ja systematisch zerstört.

Re: Re: "Immer mehr Österreicher lernen Türkisch"

Was soll daran gut sein, dass das Hedge-Gespenst auf dem Gehsteig herumspukt auf der Suche nach seinem geparkten Rost-BMW?

Re: Re: Re: "Immer mehr Österreicher lernen Türkisch"

Witz, Blitzi!

 
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