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Eine Million EU-Bürger unterschrieben für öffentliche Wasserversorgung

12.02.2013 | 18:24 |   (Die Presse)

1,02 Millionen EU-Bürger unterzeichneten die Initiative „right2water“. Die Debatte über eine neue Konzessionsrichtlinie für öffentliche Dienste hat der Initiative Popularität verschafft. Die EU-Kommission muss reagieren.

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Brüssel/Wien/Wb. Erstmals hat eine EU-Bürgerinitiative die notwendige Schwelle von einer Million Unterschriften erreicht. 1,02 Millionen EU-Bürger unterzeichneten bisher die Initiative „right2water“. Sie fordert die Festschreibung der Wasserversorgung als „Menschenrecht“ und versucht eine Privatisierung dieser derzeit meist noch öffentlichen Dienstleistung zu verhindern. „Der Menschenrechtsgedanke muss ein zentraler Punkt der Wasserpolitik werden, nicht der Wettbewerb oder die Vollendung des Binnenmarkts“, heißt es in der Begründung der Initiatoren. In Österreich sind bisher 51.984 Unterschriften geleistet worden. In Deutschland 812.948.

In beiden Ländern dürfte die öffentliche Debatte über die neue EU-Konzessionsrichtlinie zu einer verstärkten Teilnahme beigetragen haben. Die Konzessionsrichtlinie sieht Regeln für den Fall von Privatisierungen öffentlicher Dienstleistungen vor. Interessenvertretungen wie die Arbeiterkammer oder Parteien wie die FPÖ interpretierten dies als Versuch der EU-Kommission, die Wasserversorgung zu privatisieren. Tatsächlich bestätigen auch heimische Rechtsexperten, dass im Richtlinienentwurf keinerlei Verpflichtung oder Druckmittel enthalten ist. Es geht lediglich um die faire Abwicklung im Fall einer Privatisierung.

EU-Kommissar gratulierte

Die Bürgerinitiative zum Wasser war bereits im vergangenen Jahr gestartet worden und hatte eigentlich keinen ursächlichen Zusammenhang mit der neuen Richtlinie. Seit 2012 können Initiatoren EU-weit Unterschriften sammeln. Dies sieht der Lissabon-Vertrag vor. Um die EU-Kommission zu zwingen, auf ein Anliegen zu reagieren, müssen mindestens eine Million Unterschriften in sieben Mitgliedstaaten gesammelt werden. Wobei je nach Größe des Landes eine Mindestanzahl zu erreichen ist. In Österreich sind es mindestens 14.250 Unterschriften.

Der Vizepräsident der EU-Kommission, Maroš Šefčovič, hat der Wasserinitiative bereits zu ihrem Erfolg gratuliert. Wobei sie noch nicht alle Länderquoten erreicht hat. So lag diese Woche die Zahl der Unterschriften in Italien noch geringfügig unter der Mindestzahl. Die Initiatoren haben allerdings noch bis September Zeit, die notwendigen Unterschriften zu sammeln.

Die EU-Kommission muss zwar das Anliegen aufgreifen. Sie ist aber nicht verpflichtet, es in einen Gesetzesvorschlag einzuarbeiten. Tut sie das nicht, muss sie allerdings begründen, warum sie das Anliegen zurückweist.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.02.2013)

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10 Kommentare

die spinnen

EU ist doch das Papier nicht wert, auf dem sie irgend etwas festlegt. Wir haben doch schon erlebt, dass sie unterschirebendes und schriftlich vereinbartes einfach über Bord wirft, weil es ihr nicht in den Kram passt. Damit ist sie als player in einem fairen bürgerrechtlichen Verfahren nicht ernst zu nehmen.

Re: die spinnen

Da ist sicher leider was Wahres dran - aber dennoch sollten wir nich resignieren.
Seine Stimme abgeben ist allemal besser als nichts zu tun. Denn Nichtstun der Bürger ist genau das, was sie erhoffen, um sang- und klanglos alles durchzusetzen.
Ich habe unterschrieben und meinen Freundeskreis informiert, und das Feedback war durchwegs positiv.
Die Menschen müssen erst wieder lernen, dass man sich für wichtige Belange EINSETZEN muss, dass nicht alles vom Himmel fällt.

Re: die spinnen

haben sie unter http://www.right2water.eu/
ihre stimme erhoben?

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"Die EU-Kommission ... ist ... nicht verpflichtet, es in einen Gesetzesvorschlag einzuarbeiten."

Und die Begründung wird sein:
"... dass im Richtlinienentwurf keinerlei Verpflichtung oder Druckmittel enthalten ist. ..."

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"Tatsächlich bestätigen auch heimische Rechtsexperten, dass im Richtlinienentwurf keinerlei Verpflichtung oder Druckmittel enthalten ist."

Das kommt dann im nächsten und übernächsten Richtlinienentwurf. Die müssen nichtmal direkt was miteinander zu tun haben. Ein Absatz schön versteckt in irgendeiner unscheinbaren Richtlinie.

Re: "Tatsächlich bestätigen auch heimische Rechtsexperten, dass im Richtlinienentwurf keinerlei Verpflichtung oder Druckmittel enthalten ist."

Sie brauchen ja gar keine Verpflichtung und kein Druckmittel im Richtlinienentwurf. Das wird dann alles über die Staatsverschuldung "geregelt".
Schuldner, denen das Wasser bis zum Hals steht, kann ich auch ohne Richtlinienentwurf erpressen. Und dazu gehört mindestens die ganze EU.

Re: Re: "Tatsächlich bestätigen auch heimische Rechtsexperten, dass im Richtlinienentwurf keinerlei Verpflichtung oder Druckmittel enthalten ist."

Ergänzung: Deshalb sollten wir uns vorrangig für eine Verringerung der Staatsverschuldung einsetzen. Wem ich nichts schuldig bin, der kann mich auch mit nichts erpressen. Niemand kann mich zu etwas zwingen, wenn ich nicht in seiner Schuld stehe.
Warum ein Mario Draghi als Goldman-Sachs-Mitarbeiter den Griechen beim Betrügen geholfen hat und jetzt in der EZB sitzt, kann man hinterfragen ...

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Water Makes Money Wie private Konzerne aus Wasser Geld machen ARTE Ab 22 Uhr

Wasserzähler werden dem Kunden faktisch doppelt berechnet, der Austausch von Bleileitungen erfolgt nur teilweise, dringende Reparaturen werden dem Verbraucher als Neuanschaffung in Rechnung gestellt. Inzwischen liegen die Wasserpreise bei privaten Betreibern in Frankreich um 20 bis 60 Prozent höher als bei öffentlichen Versorgern. Skandalös sind auch die üblichen geheimen Deals der Wassermultis mit den Kommunen: Der Konzern kauft sich bei der Gemeinde ein, um Wasser zu liefern oder Abwasser zu entsorgen. Diese 200 oder 300 Millionen Euro oder mehr gelten als Kaufsumme oder auch als Geschenk an die Kommune. Doch die Zahlung der Konzerne entpuppt sich dann als Kredit, der von den Wasserkunden über 20 oder 30 Jahre mit Zins und Zinseszins in dreifacher Höhe zurückgezahlt werden muss. Beispiele in Frankreich und Braunschweig machen ein System sichtbar, das den Wasserkonzernen erlaubt, ihren globalen Expansionskurs zu finanzieren - ein System, das inzwischen viele Franzosen motiviert, die Rückkehr zur kommunalen Wasserversorgung anzustreben. Noch schockierender ist die Tatsache, dass in Frankreich die Ressource Wasser mittlerweile in einem bedenklichen Zustand ist. Dabei liegt die Lösung nah und ist absolut kostengünstig: die Ausweisung von Wasserschutzgebieten, auf denen nur Biolandwirtschaft erlaubt ist. Nur die Multis verdienen daran nichts. Zusätzlich würde ein sinkender Wasserverbrauch die Rendite der Konzerne schmälern.

Re: Water Makes Money Wie private Konzerne aus Wasser Geld machen ARTE Ab 22 Uhr

In Berlin ist das Wasser schon seit fast 20 Jahren privatisiert. Aus dem einstmals besten Wasser der BRD ist es mittlerweile zu einem der schlechtesten zu einem m³ Preis ( vor 8 Jahren ) von ca 8,00 € verkommen!
Daran sieht man was den Verbraucher erwartet

Re: Water Makes Money Wie private Konzerne aus Wasser Geld machen ARTE Ab 22 Uhr

Über 100% Preissteigerung nach der Privatisierung des Pariser Wasser.

Dieser Neo-Liberalismus st*nkt zum Himmel.