Vertrauen in EU eingebrochen

26.04.2013 | 18:26 |   (Die Presse)

In fast allen Mitgliedstaaten wächst das EU-Misstrauen. Auch in Österreich hat es sich seit Ausbruch der Krise verstärkt.

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Wien/Wb. Umfragen sind so wie alle Statistiken interpretierbar. Bei den jüngsten Präsentation der Ergebnisse der europaweit durchgeführten Eurobarometer-Umfrage war das nicht anders. Auch zu Österreich hieß es in den offiziellen Statements der EU-Kommission, die Stimmung zur EU habe sich stabilisiert, wenn nicht sogar geringfügig verbessert. Doch wer so wie das „European Council on Foreign Relations“ (ECFR) einmal eine längerfristigen Vergleich zieht, für den wird der Einbruch des Vertrauens offensichtlich. Gaben 2007 noch 43 Prozent der befragten Österreicher an, sie hätten „eher kein Vertrauen“ in die Europäische Union, waren es bei der letzten Eurobarometer-Umfrage im November 2012 bereits 55 Prozent. Besonders stark ist das Vertrauen in größeren Mitgliedstaaten eingebrochen, die vor fünf Jahren noch eine sehr positive Stimmung zur EU verzeichneten.

Das betrifft vor allem das ehemals europafreundliche Deutschland. Gaben 2007 lediglich 36 Prozent der Deutschen an, sie hegten Misstrauen der EU gegenüber, schnellte dieser Wert in der Krise auf 59 Prozent hoch. In Frankreich nahm das Misstrauen im selben Zeitraum von 41 auf 56 Prozent zu. In Italien hat es sich fast verdoppelt. In Großbritannien ist das traditionell geringe Vertrauen noch weiter gesunken.

Besonders negativ ist die Stimmung in den von der Finanz- und Schuldenkrise betroffenen Ländern. Gaben 2007 lediglich 23 Prozent der Spanier an, sie hätten „kein Vertrauen“ in die EU, sind es heute 72 Prozent. In Griechenland, das von den Europartnern zwar mit Hilfskrediten unterstützt wird, in dessen Bevölkerung aber das Gefühl wächst, einem allzu harten Sparkurs ausgesetzt zu sein, sank das Vertrauen ins Bodenlose. 2007 gaben lediglich 37 Prozent an, sie hätten kein Vertrauen, im November des Vorjahres erreichte das Misstrauen 81 Prozent. Wohl nicht nur wegen der Krise, sondern auch wegen der politischen Differenzen mit der EU ist die Stimmung in Ungarn eingebrochen. Vor fünf Jahren misstraute lediglich knapp jeder dritte Ungar der Union, Ende vergangenen Jahres war es jeder zweite.

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„Der Schaden ist so groß, dass es keinen Unterschied macht, ob man aus einem Gläubiger- oder Schuldnerland kommt, einem zukünftigen Beitrittsland oder aus Großbritannien: Jeder ist schlecht dran“, sagte José Ignacio Torreblanca, Chef des ECFR-Büros in Madrid, zu der Spezialauswertung seines Instituts im Gespräch mit der britischen Tageszeitung „Guardian“.

WEITERE INFORMATIONEN UNTER

www.diepresse.com/eurobarometer

("Die Presse", Print-Ausgabe, 27.04.2013)

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15 Kommentare

Die EU kann unter keinen Umständen funktionieren

Der ganz simple Grund ist der, daß die Interessen der einzelnen Mitgliedsländer wegen der unterschiedlichen Wirtschaftsgrundlagen völlig verschieden sein müssen. Es muß diesem Umstand durch Selbstbestimmtheit in den wesentlichen Fragen Rechnung getragen werden können. Da das nicht möglich ist, kann die Sache nur schiefgehen. Man trachtet zwar die Identität und das damit verbundene Wir-Gefühl auf Alibi-Schauplätze wie Fußballspiele, Song-Contests und Ähnliches abzuleiten und durch forcierte Migration die spärlichen Reste von Eigenständigkeit zu verwässern und letztlich zu vernichten, dabei unterschätzen die sogenannten Eliten allerdings eine gewisse Restvitalität, die wie Grashalme zwischen Pflastersteinen zum Vorschein kommt und (hoffentlich) noch den Mumm aufbringen wird, diesem Spuk eines Tages ein Ende zu setzen.

Re: Die EU kann unter keinen Umständen funktionieren

Was Sie sagen, ist absolut richtig! Es fehlt nur der Hinweis, dass diese Gegensätze nur durch die Euroeinführung ohne Rücksicht auf die "unterschiedlichen Wirtschaftsgrundlagen" aufgebrochen sind!

Dass der "Spuk", dem "ein Ende gesetzt" werden muss, Euro heißt, muss unbedingt noch hinzugefügt werden!

Re: Re: Die EU kann unter keinen Umständen funktionieren

Mit der Abschaffung des Euro wäre einiges gewonnen, seine Einführung ist aber nicht der ausschließliche Grund für die Malaise, sondern das am stärksten wahrgenommene Symptom für die Unfähigkeit der Brüsseler Zentralverwaltung, ein tragfähiges System zu schaffen.

Re: Re: Re: Die EU kann unter keinen Umständen funktionieren

Schon die Beschränkung des Euroraumes auf Länder, die bereit und fähig sind, mit einer Hartwährung zu leben, würde die unmittelbare Absturzgefahr beseitigen.

An der Unfähigkeit der von den nationalen Parteien nach Brüssel abgeschobenen Versager, die dort nichts Gescheites zusammenbringen, kann das natürlich nichts ändern.

Die EU würde funktionieren

aber man kann aus der EU halt keine billige Kopie der USA herstellen.

27 Staaten (bald 28), Hunderte ja tausende Kultur und Volksgruppen sowie Subkulturen, unterschiedliche Mentalitäten, unterschiedlichste Wirtschaftsleistungen.

die Gleichmacherei der EU macht die EU kaputt.
Noch schlimmer man riskiert frieden, zusammenleben und gegenseitige Akzeptanz in dem man Griechen die selbe Wirtschaftsweise aufzwingt wie sie Deutschland praktiziert und noch schlimmer früher hat man sie für ihre lockere Mittelmeerkultur geschätzt, heute steinigt man sie dafür!

Ein Schotte wird nie gleich sein wie ein Grieche, ein Spanischer Bauer wird nie gleich arbeiten wie ein Tiroler Bergbauer usw..

Nicht die Menschen sind das Problem, auch nicht die EU ansich. Die EU-Behörden haben durch Gleichmacherei die EU selber in Gefahr gebracht.

die EU würde ohne den Club Med und die ehemaligen Ostblockländer ganz gut funktionieren

aber unsere Politiker können halt Netto nicht vom Brutto unterscheiden

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Der Sargnagel Europas,

. . . Brüssel, Europas "Ausgedinge" inkompetenter Apparatchicks!

Jetzt triften Frankreich und Deutschland

auseinander und es wird somit klar, dass diese EU ein Ablaufdatum hat. So kann und so wird es nicht weitergehen. Wenn der EU mittlerweile weit mehr als die Hälfte der EU-Bevölkerung das Vertrauen abspricht, dann ist da was dran und es kann nicht geleugnet werden, auch wenn die EU-Bonzen alles Negative in Abrede stellen. Sie sind es, die Europa ins Chaos stürzen und nun eine Höllenangst um ihre Jobs haben. Doch die Europäer dürfen jetzt darauf keine Rücksicht nehmen und müssen (!) den EU-Bonzen zeigen, dass sie ihre souveränen Staaten ohne Euro wieder zurückhaben wollen. Eine EU-Diktatur ist das Letzte das man haben will. Eine Rückkehr zu Wirtschaftsgemeinschaft muss gefordert werden und ein baldiges Ende einer politischen Union, die keine Zukunft hat.


EU Austritt und österreichischer Schilling jetzt!

Raus aus der EUdssr die uns gängelt und Gesetzte diktieren will. Uns, einem souveränen Nationalstaat!

Das Ende hat begonnen wie die EU vor Jahren

hemmunslos und ohne nachdenken an Erweiterung beharrt hat. Jetzt sind die schon draufgekommen - leider zu spät - dass nicht alle die aufgenommen wurden, haben diese Mitgleidschaft auch verdient... Jetzt wird aber die Rechnung präsentiert...

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Erklärung:

wieder meine - unbeantwortbare -Frage:
Kosten - Erfolge der ÄU - per anno in Euro
(FremdGeldverteilen gilt nicht als Ertrag.)

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Die EU hat den Weg verloren...

...jetzt irrt sie ziellos durch den scheinbar immer größer werdenden Wald und schnallt sich immer mehr und größere Rucksäcke um die Schulter. Und sollte nun die EU den Waldesrand doch finden, bringt das auch nicht viel, da sie weiter am angrenzenden Feldwegen weiter herumirren wird.
Nicht einmal in der Wirtschaft schafft die EU noch was - Finanzen dito, Finanztransaktionsteuer, keine einzige Steuer die zu einem EU-Finanzminister geht - alles national. Die EU wird sich schneller vor einen Abrund verirren in ihren Wegen als ihr lieb ist - aber vielleicht braucht sie diesen Abgrund, die Schlucht - wo die ewigen Jagdgründe sichtbaren werden um das System mal schnell auf den Weg zu bringen.

Was Sie da schreiben, ist nicht gerade eine neue Erkenntnis

Denken Sie zurück an 1994, an die sinngemäße warnende Kernaussage der EU-Gegner:

**Die EU ist zum Scheitern verurteilt, darum sollen wir tunlichst davon ablassen, ein Ticket für die Mitfahrt auf dieser Titanic zu "ergattern"**

U.a. Friedensreich Hundertwasser hatte damals schon die EU mit der Titanic verglichen.
Doch die EU-Gegner wurden ja nur milde belächelt, weil ohne EU-Mitgliedschaft würden wir ja untergehen.
In Wahrheit gehen wir nun MIT der EU unter!

Der Vergleich der EU mit der Titanic kommt ja nicht von ungefähr:

Auch die Titanic ist letztendlich an ihrer Überheblichkeit und Gigantomanie gescheitert.

Auch bei der Titanic waren die unteren sozialen Schichten die wirklich Leidtragenden.

Auch die Titanic ist auf dem Weg in die Vereinigten Staaten untergegangen....

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