26.05.2012 04:42 | Meine Presse Merkliste 0

"Gläserne Bürger": EU nimmt Flugpassagiere ins Visier

05.11.2007 | 15:19 |   (DiePresse.com)

Justizkommissar Frattini will, dass Fluglinien Daten ihrer Passagiere an die Behörden des Ziellandes weiterleiten. So soll ein "Risikoprofil" der Reisenden erstellt werden.

Artikel drucken Drucken Artikel versenden Senden Merken AAA Textgröße Artikel kommentieren Kommentieren

Web-Links:

  • Statewatch im Netz

Als die USA im Mai 2006 begannen, die Daten europäischer Fluggäste zu speichern und diese zur Suche nach Terroristen heranzogen, war der Aufschrei der Datenschützer groß. Nun will EU-Justizkommissar Franco Frattini das umstrittene US-System für die EU übernehmen und nur geringfügig adaptieren. Das geht aus dem Entwurf eines Gesetzesvorschlags hervor, den die britische Nichtregierungsorganisation Statewatch am Montag - einen Tag vor der offiziellen Präsentation durch Frattini - im Internet veröffentlichte.

Daten 13 Jahre gespeichert

Geht es nach Frattini, dann sollen Fluglinien bei Flügen aus der EU in Drittstaaten und umgekehrt bis zu 19 unterschiedliche Passagierdaten an das betroffene EU-Land übermitteln. Starten soll das europäische Flugpassagierdaten-System spätestens am 31. Dezember 2010. Anhand der Daten soll wie in den USA für jeden Fluggast eine "Risikoanalyse" erstellt werden. Einziger Unterschied: In der EU sollen die Daten 13 Jahre gespeichert werden, das Passagierdaten-Abkommen mit den USA erlaubt den dortigen Behörden 15 Jahre lang, die Daten zu verwerten.

Zudem sollen in der EU sensible Informationen, die Rückschlüsse etwa auf die Religionszugehörigkeit von Reisenden zulassen, sofort gelöscht werden. Die US-Behörden behalten sich hingegen ausdrücklich die Möglichkeit vor, in bestimmten Fällen auch auf solche Daten zurückzugreifen. Gespeichert werden sollen sowohl die Daten von Drittstaatsangehörigen als auch von EU-Bürgern. Die Fluggesellschaften sollen dazu bei Verbindungen zwischen Europa und anderen Weltregionen ihre Buchungs-Informationen an den EU-Staat übermitteln, in dem ihre Maschine landet oder startet.

Europaweiter Austausch möglich

Jede Regierung, so steht es im Frattini-Papier, soll eine spezielle Behörde mit der Datenspeicherung beauftragen. Diese kann die Informationen "an Strafverfolgungsbehörden weitergeben, die für die Bekämpfung von terroristischen Vergehen und organisiertem Verbrechen zuständig sind". Auch ein Austausch der Passagierdaten unter den 27 EU-Staaten wäre nach dem Entwurf möglich.

Jede EU-Regierung kann danach eine andere um spezifische Datensätze bitten, wenn sie diese zur Bekämpfung von Terrorismus oder organisiertem Verbrechen benötigt. Die Datenschützer von Statewatch kritisierten dies scharf. "Dies ist eine weitere Maßnahme, die jedermann der Kontrolle unterwirft und jeden zu einem 'Verdächtigen' macht", erklärte Statewatch in einer Pressemitteilung.

Auch die Datenschutzbeauftragten der Mitgliedstaaten stehen der Einführung eines europäischen Flugpassagierdaten-Systems kritisch gegenüber, wie die EU-Kommission im Entwurf ihres Gesetzesvorschlags selbst einräumt. Die Datenschutzexperten seien um Stellungnahme gebeten worden und seien "von der Notwendigkeit eines solchen Vorschlags nicht überzeugt", heißt es in dem Papier. Damit der Gesetzesvorschlag der EU-Kommission in Kraft tritt, bedarf es der Zustimmung aller 27 Mitgliedstaaten, dem Europaparlament hingegen wird nur eine beratende Rolle zugestanden.

Fluggastdaten (Passenger Name Records - PNR)
Fluggastdatensätze (Passenger Name Records - PNR) werden für jeden Flug angelegt, der von einem Reisenden gebucht wird, und in den computergesteuerten Buchungs- und Abfertigungssystemen der Fluggesellschaften gespeichert.

Anhand der Fluggastdatensätze können die in der Abwicklung von Flugreisen tätigen Unternehmen und Einrichtungen - vom Reisebüro bis hin zu den Abfertigungshallen - auf alle mit der Flugreise des Passagiers zusammenhängenden Daten zugreifen.

Anzahl und Inhalt der Felder mit Informationen in einem Fluggastdatensatz variieren je nach Fluggesellschaft und Passagier und können bis zu 60 Felder aufweisen. Bestimmte Daten werden schon jetzt für die Passkontrolle an die Behörden in den Zielländern weitergegeben.
(Ag./Red.)

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo
Als Gast kommentieren

...oder einloggen um als registrierter Benutzer zu kommentieren (Vorteile dieser Variante)


Mit dem Absenden Ihres Kommentares erklären Sie sich mit den Forenregeln einverstanden.

*... Pflichtfelder

Sicherheitscode
(Was bringt das?)*



Schwer lesbar?
Neuen Code generieren

Verbleibende Zeichen

18 Kommentare
hl_1001
06.11.2007 22:50
0 0

Das wird ja immer schlimmer

Terror gegen das eigene Volk... :(

jta
06.11.2007 14:27
0 0

das gilt natürlich nur für passagiere von fluglinien.

mit seinem privaten jet kann man überall hinfliegen ...

die neuen millionäre und bonzen möchten in ihrer angst und ihrem misstrauen eben alles über den pöbel wisssen.

mfg

Gast: tc_t
06.11.2007 10:37
0 0

wie lange dauert es noch

bis der staat erhebt, wie oft wir urinieren... und das islamisch, katholisch, evangelisch oder ohne religiösen bezug.... der grosse bruder im buche war dagegen ein brüderchen

Gast: ui
06.11.2007 00:03
0 0

das waren noch zeiten...

...wo eine Sektion Control ins Fadenkreuz kam...

Gast: AEIOU
05.11.2007 20:27
0 0

Brav.

EU like. Wer Europa verläßt. wird gemeldet. Innerhalb von Europa dürfen wir ja noch melden wenn wir wollen. Aber das kann sich bald ändern.

Antworten Gast: Berger
06.11.2007 09:11
0 0

Schuld sind, um genau zu sein,

die 27 Innenminister, die im Rat solch einen Schwachsinn ausbrüten. Man sollte Platter und seine 26 Kollegen mal darauf hinweisen, dass es Grenzen gibt.

Gast: flumi
05.11.2007 18:14
0 0

eigenartig

interessant, als die ami begannen daten von eu-flugpassagieren, die in die staaten einreisen wollen, zu verlangen, ging ein aufschrei durch die presse. jetzt will die eu im eigenen bereich auch solche datenerfassung für flugpassagiere einführen. jetzt regt sich niemand auf. eigenartig.

Antworten Gast: AEIOU
05.11.2007 20:29
0 0

Re: eigenartig

Das ist doch nur einLendenschurz. Damit die EU Zwangsbürger glauben, sie sind gleichberechtigte "Partner" mit USRAEL.

0 0

Müssen künftige Terroristen grundsätzlich verreisen?

Um einen terroristischen Anschlag durchzuführen muß man nicht erst vorher in ein anderes Land fliegen. Man kann so etwas mit Gleichgesinnten auch im eigenen Land vorbereiten. Auf diese ganz einfache Idee scheinen die staatlichen Paranoika noch nicht gekommen zu sein!

Und was, bitte schön, soll es wohl bringen, wenn einander die 27 EU-Mitgliedsstaaten einander eine wahre Sintflut im Grunde völlig sinnloser Einzeldaten gegenseitig um die Ohren hauen? Darunter wird doch wohl kaum ein Hakerl bei der Beantwortung der Frage sei, ob man einen Terroranschlag am Zielort plane?

Und wie will man rein anhand von privatem Konsumverhalten erkennen, ob die betreffende Person gefährlich oder ganz harnlos ist? Nun will ich die potentielle Terrorgefahr keineswegs leugnen; daneben existiert jedoch auch noch anderes kriminelles Potenzial in unserer Gesellschaft, doch für dessen Bekämpfung stehen immer weniger personelle, technische und finanzielle Ressourcen zur Verfügung!

DAS beunruhigt MICH!

Antworten Gast: pravda
06.11.2007 09:58
0 0

Der Krieg gegen den Terror

ist doch nur ein Kampf gegen selbst herbeigerufene Geister. Das wahre Ziel ist die Einführung eines globalen Polizeistaates der Superreichen um die verarmten Massen niederzuhalten. Auch die Sicherheitskontrollen beim Flugverkehr sind nur wirkungslose Zeremonien um uns zu absolutem Gehorsam zu erziehen. Dazu einige Sprengmethoden die derzeit nicht entdeckt würden: Kleidung aus Schießbaumwolle, Koffer mit Knallgas gefüllt, Sprengstoff in Kondom verschluckt oder in Körperöffnungen versteckt (mehrere Personen), usw...
Dass dies alles nocht nicht geschehen ist und auch noch niemand damit verhaftet wurde beweist die Unnötigkeit dieser Sicherheitszeremonien. Wirkliche Terroristen würden mit ganz einfachen Mitteln Wälder anzünden, Züge entgleisen lassen, Gefahrenguttransporter hochgehen lassen, Infektionskrankheiten verbreiten (Tollwut, Maul- und Klauenseuche) und müßten dazu auch nicht weit reisen. Aber das wird alles noch kommen als Gegenreaktion zum Polizeistaat.

Antworten hw
05.11.2007 18:16
0 0

Re: Müssen künftige Terroristen grundsätzlich verreisen?

dazu wirds wohl computerprogramme geben, die eine person aus den eben genannten verhalten (reise, relgion, kauf!,...) als riskant, für wen auch immer herausfiltern können.
blöd gelaufen wennst da "zufällig" reinfällst.
was mich stört, dass man keine infos erhält "was" "wen" "wann" weitergegeben wird, so kannst auch nicht reklamieren, wen ein fehler passiert. und dass das system 100% funktioniert wird hoffentlich keiner glauben.

0 0

bringt es irgendwas

Die Religion und alle Daten, die auf sie schließen lassen, werden laut Artikel sofort gelöscht. Abgesehen davon halte ich eine Risikoanalyse basierend auf der Religion für sehr bedenklich.
Generell stellt sich die Frage, ob man potentielle Terroristen wirklich für so blöd hält, dass sie die Daten nicht verschleiern könnten? Selbst mir fallen dazu einige Möglichkeiten ein (und ich weiß von mir, dass ich keinen Anschlag plane).
Es ist also imho eindeutig, dass es nur um die Kontrolle der eigenen Bürger geht, vermutlich um die Daten früher oder später Marketing-Firmen zu verkaufen. Für mehr taugen sie ohnedies nicht.

0 0

bringt das irgendwas??

ich wette: wuerde die passagierdaten-erfassung tatsaechlich irgendeinen fahndungserfolg gebracht haben, dann waere das als riesenerfolg von homeland u.a. verkauft und auf allen titelseiten abgedruckt worden.
kann mich aber an nichts dergleichen erinnern...
in diesem zusammenhang moechte ich an das zahnpasta-verbot in der flugkabine erinnern, eine aehnlich absurde massnahme. ein security-mann in schwechat hat mir kuerzlich gesagt, sie wuerden nach wie vor sachen im wert von tausenden euro taeglich wegschmeissen. what for? for nothing!
und kuerzlich in dubai: komme an und muss vor betreten des transits durch die schleuse und werde betatscht. als ob ich im flieger irgendwelche waffen oder explosivstoffe an mich gebracht haette!

diese sicherheitsmassnahmen erhoehen mein gefuehl fuer sicherheit nicht, sondern im gegenteil: ich denk mir, wenn solch schlaue 'aushecker' am werk sind, dann werden sie ja von jedem mittel-intelligenten terroristen uebertoelpelt!

Gast: Errorist
05.11.2007 14:29
0 0

Wer Überprüft endlich einmal diese Komission...

Auf ihre demokratische Legitimation. Dieses Pack beraubt uns unserer Grundrechte, ohne je gewählt worden zu sein. Es wäre an der Zeit eine kleine Revolution zu starten. So jedenfalls sitzen wir EU weit spätestens in 10 Jahren in einer Nazidiktatur die sich gewaschen hat.

Antworten Gast: Barbara S.
05.11.2007 16:47
0 0

Darum RECHTZEITIGER Austritt aus der EU !


Antworten Antworten phuter
05.11.2007 23:49
0 0

Oh nein...

Denn die Idee der EU ist eine gute. Aber diejenigen die in ihr und auch in Österreich das sagen haben sind Vasallen der Geldindustrie. Deshalb wird die Demokratie zerstört und alles privatisiert - bis hin zu Armee und Polizei - um uns im Interesse von Shareholdern, Bankiers und Konzernherren in armut und Blödheit zu versklaven. Ich hoffe Volkes Zorn spült sie bald hinweg.

Antworten Gast: Poldi
05.11.2007 15:42
0 0

Re: Wer Überprüft endlich einmal diese Komission...

Kaum einer klopft den Politikern auf die Finger und so haben Lobbyisten ein leichtes Spiel.
Es scheint eben hipp zu sein, völlig unpolitisch zu sein, und alle schimpfen hinterher auf die Politiker....das ist wie beim Wechsel von Sommer- auf Winterreifen:
Kaum schneit es, sind alle überrascht, das es einen Winter gibt und schimpfen hinterher auf das Wetter, die Ursache erkennt kaum noch einer...

Antworten Antworten phuter
05.11.2007 23:47
0 0

So ist es.

Genau genommen ist jetzt genau das eingetreten worauf ich vor 15 Jahren beim Heer angelobt wurde. Mein Selbstbestimmungsrecht und meine Freiheit als Bürger werden von einer fremden, nicht gewählten Macht angegriffen. Es wäre also nur richtig sich zur Wehr zu setzen....