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Mittelmeer-Union: Die Show des Monsieur Sarkozy

14.03.2008 | 18:36 |  Von unserer Korrespondentin REGINA PÖLL (Die Presse)

Kompromiss. Frankreichs Präsident setzte sein Nordafrika-Vorhaben durch – und gab einen Vorgeschmack auf seinen EU-Vorsitz.

BRÜSSEL. Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy darf sich die Hände reiben, wenigstens ein bisschen: Am Donnerstag und Freitag sorgte er in Brüssel für eines der wenigen konkreten Ergebnisse des EU-Gipfels, allerdings mit erheblichen Einbußen gegenüber seinem ursprünglichen Vorschlag. Die Mittelmeer-Union, die er seit dem Vorjahr propagiert, wurde endlich von den EU-Partnern abgesegnet. Es war die Nagelprobe Sarkozys als künftiger EU-Präsident: Am 1. Juli übernimmt er den Chefsessel von den Slowenen, bereits am 13. Juli soll die Union für eine engere wirtschaftliche und politische Zusammenarbeit mit Nordafrika in Paris aus der Taufe gehoben werden. Fast wäre nichts daraus geworden.


Zugeständnis an Merkel

Im Vorfeld hatte es zeitweise so ausgesehen, als würde der französische Präsident mit seinem Prestige-Projekt eine Bruchlandung hinlegen. Von einem übertriebenen Geltungsdrang des 2007 gewählten Staatschefs auf der EU-Bühne hatten die einen EU-Partner gesprochen. Andere bemängelten, es handle sich um ein unnötiges weiteres Vorhaben in der Nachbarschaftspolitik, das höchstens das Potenzial habe, die EU zu entzweien.

Vor allem die deutsche Kanzlerin Angela Merkel hatte sich dagegen gesträubt, dass die Union nur aus den südlichen EU-Staaten, allen voran Frankreich, sowie den nordafrikanischen Anrainern des Mittelmeers bestehen sollte. Auch Österreichs Außenministerin Ursula Plassnik hatte auf „größtmögliche Einigkeit“ unter den 27 EU-Staaten gedrängt.

Jetzt ist alles gut: „Sarko“ lässt auf Druck der EU-Partner doch alle mitmachen, nur der erste Doppel-Vorsitz in der Union soll einem südlichen EU-Land und einem nordafrikanischen Staat vorbehalten sein. Über Details wollen sich die EU-Staaten bis Juli einigen. Bereits ausgeräumt sind Bedenken, mit der Mittelmeer-Union könnte eine teure Parallelstruktur zum „Barcelona-Prozess“ der EU mit Nordafrika entstehen: Schon seit 1995 besteht der politische und wirtschaftliche Austausch mit Algerien, Ägypten, Israel, Jordanien, Libanon, Marokko, der Palästinenser-Behörde, Syrien, Tunesien, der Türkei und Libyen als Beobachter.

Die EU lässt sich das von 2007 bis 2013 rund 16 Milliarden Euro kosten. Das Geld für Projekte in Nordafrika soll künftig im Rahmen der Mittelmeer-Union ausgegeben werden. Geht es nach Österreichs Außenministerin Ursula Plassnik, sollen vor allem Projekte für Frauen und Jugendliche gefördert werden – „gern mit österreichischer Hilfe“, kündigte die Ministerin an.

„Es ist ein Upgrade des Barcelona-Prozesses“, so beurteilte der slowenische EU-Präsident Janez Jansa die neue Mittelmeer-Union. Der Barcelona-Prozess war in den Vorjahren ins Stocken geraten, die geplante Freihandelszone ist nie Wirklichkeit geworden.

Ist die Mittelmeer-Union nur eine behübschte Version des Barcelona-Prozesses? Sarkozy sah das nicht so und klopfte sich in Brüssel selbst auf die Schulter: Mit diesem „Kompromiss“ habe er seine „Vision“ durchgesetzt, einen engeren Kontakt Europas mit Nordafrika. Spätestens am 13. Juli, bei der offiziellen Gründung in Frankreich, werden wieder alle Scheinwerfer auf den Staatschef gerichtet sein.

Schon bei diesem EU-Gipfel dominierte Frankreich die Diskussion. Für den slowenischen Vorsitz keine angenehme Situation, wie Diplomaten bestätigen: „Sarko“ sei mit seinem Geltungsdrang schon so manchem auf den Schlips getreten. Sarkozy selbst ließ in Brüssel keine Zweifel über seine Vorhaben als EU-Präsident aufkommen: die Ratifizierung des neuen EU-Vertrags, der „Rat der Weisen“ über die Zukunft Europas. Und das werde längst nicht alles sein.

DAS PROJEKT

Die Mittelmeer-Unionsoll den Barcelona-Prozess derEU mit den nordafrikanischen Med-Anrainerstaaten ablösen. Die politische und wirtschaftliche Zusammenarbeit soll zunehmen. Die EU will Projekte fördern, zum Beispiel für Frauen und Jugend. Start: 13. Juli.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 15.03.2008)


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22 Kommentare
 
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Von tarkan-tan am 19.03.2008 um 20:52

Rache ist süss

Die Hauptsache ist:Deutschland und Österreich bleiben draussen,,alle anderen sind wilkommen.Frau Merkel versucht etwas zu erreichen,die Türkei sollte einfach gleichen Kommentar bringen,beide Länder liegen nicht am Mittelmeer..,also nicht zu suchen..Die Türkei soll ihre deutsch freundliche Politik aufgeben,mehr zu Frankreich stehen..Herr Söder,was sagen Sie dazu,als Türkenhasser?Wie die Geschichte sich rächen kann..
Der Präsident Sarkozy,hören Sie nicht auf Deutschland..die Zukunft liegt unten..
Hochlebe Frankreich und Mittelmeerunion ohne Deutschtland und Österreich..

Von Armleuchter am 17.03.2008 um 19:51

Abgehobene Menschen, die glauben, wir könnten nicht selber entscheiden...

Friedensprojekt, ja. Das ist die EU. Ich bin ein richtiger EU - Anhänger, aber was da in den letzten Jahren in den oberen Riegen der Mächtigen geschieht ist ja wohl nur noch mehr als abgehoben, lächerlich und vollkommen weltfremd (im sinne von "gegen den Willen der Bevölkerung") zu bezeichnen.

Es mag sein, dass hier gute Ideen dahinter stecken, aber mit so einem frechen Grinser auf EU - Gruppenfotos zu posieren und dabei genau zu wissen, dass man nicht EINMAL einen Österreicher gefragt hat, ob er das eigentlich will, ist schon ziemlich wild.

Mag auch sein, dass Politiker sich durch Wahlen ermächtigt fühlen Ihre Politik in Brüssel so zu machen. Dem ist aber nicht so. Innenpolitik und EU Politik sind zwei paar Schuhe und zur Not wähle ich die Partei, die mir innenpolitisch am meisten passt. Diese Heuchelei von wegen "wir sind demokratisch legititmiert" regt mich so auf, dass ich jedesmal den Fernsehr ausschalten muss, wenn ich so etwas sehe...

Von roger am 15.03.2008 um 15:07

Ein kleiner Vorgeschmack

was passieren wird, wenn erst der EU-Reformvertrag über die Bühne gegangen ist: dann darf Österreich, natürlich ohne mitreden zu dürfen, nicht nur den Türkei-Beitritt, sondern auch die "Mittelmeerunion" finanzieren. Vermutlich ist diese ohnehin nur ein Hintertürl, um auch Israel endlich in die EU aufzunehmen.

Antworten Von Gast: Der Herrgott muaß a Weaner sei' am 15.03.2008 um 18:26

Re: Ein kleiner Vorgeschmack

Was soll denn das Raunzen? Wir können uns doch mit unserem Gusel die Hände küssen, wenn man sieht, was sich die Frenchies und die Germanen mit Sarko und Angie eingetreten haben! Dagegen sind ja selbst der Kukacka und und das Dorli reines Gold! Von der Visa-Uschi erst gar nicht zu reden!

Von panda82 am 15.03.2008 um 12:43

Erwartung und Ergebnis!!!

Österreich hatte am Anfang diese Mittelmeerunion unterstützt, weil sie dachten, dass sie dadurch die Türkei von der EU fernhalten können...

Ergebnis: Der Beschluss der EU bzgl. Mittelmeerunion kann ohne die Türkei nicht funktionieren kann und der Türkei zusatzlich die EU-Mitgliedsschaft zugesprochen wurde..

Das ist die Politik, die Österreich macht...

Antworten Von Gast: ülül am 19.03.2008 um 07:28

Re: Erwartung und Ergebnis!!!

daß der türkei die eu-mitgliedschaft zugesprochen wurde ist mir neu.
aber panderl glauben sie mir ihre lustige phantasiewelt in der sogar die tr etwas zu melden hat mit der realität nichts zu tun und das ist schön :-))

Von raeter am 15.03.2008 um 12:39

und der Gusenbauer flutet die Sandkiste und

spielt Mittelmeer!


Von Gast: julia am 15.03.2008 um 12:25

weltweite eu grenzen

dies sind die ersten ansätze, lanciert von sarkozy, für eine eingliederung der nordafrikanischen länder in die eu. diese annäherung kostet der eu 16 millarden euro, das muss man sich einmal auf der zunge zergehen lassen. zig milliarden, die die eu dringend selber brauchen könnte. z.b. für gesundheit, sicherheit, verkehr etc., etc. und kein österreichischer politiker traut sich, dazu etwas zu sagen. ein trauerspiel, was hier den zahlenden eu-bürgern zugemutet wird.

Von Pour.le.merite am 15.03.2008 um 10:21

Die Mittelmeer Union dient vor allem einer Sache:

Israel "einzugemeinden" und unser Geld ungebremst dorthin umzuleiten.

Von Gast: NixDenkenNixGutt am 15.03.2008 um 09:50

Die EU lässt sich das von 2007 bis 2013 rund 16 Milliarden Euro kosten

lies: Die Nettozahler. Also wir Österreicher und eine Handvoll anderer EU-Staaten. Zusätzlich zu den Kosten für Osteuropa. Daher wohl der Druck zu "gläsernen Konten", Steuerschnüffelei, weg mit dam Bankgeheimnis in der EU. Damit für Nordafrika genug Geld da ist. Weiters: Spricht man dort nicht französisch ? Könnte es sein das ein Teil der Gelder davon über F fließt oder dorthin zurück ... Was tut man nicht alles für's GELD. Manche verkaufen dafür sogar ihr Gewissen und ihre Großmutter. Zum Abschluß nur eine kleine Frage: Hat uns irgendwer gefragt ob wir (das Volk) das überhaupt will ? Leben wir nicht angeblich in einer Demokratie ? Gilt die EU-Volksabstimmung überhaupt noch wenn ich deren grundlegenden Bedingungen (Ausdehnung über Europa hinaus, regelmäßig EU-Gelder an außereuropäische Staaten in großem Umfang) so verändern ? EU-"Verfassung" wohl damit über derart grundlegende Veränderungen keine neue Volksabstimmung notwendig ist. Wie praktisch für Mächtige und "Geschäft".

Antworten Von Gast: Optimist am 16.03.2008 um 12:04

Re: Die EU lässt sich das von 2007 bis 2013 rund 16 Milliarden Euro kosten

Ihre Formulierung "also wir Österreicher und eine Handvoll anderer EU-Staaten" ist etwas daneben geraten, wenn man bedenkt, dass Österreich zum gesamten EU-Haushalt ca. 3% beiträgt und davon einen Großteil in Form von Förderungen rückerstattet bekommt, während tatsächlich die "Handvoll anderer EU-Staaten" wie D, F und GB den größten Teil des Budgets finanzieren - also die reichen Staaten, die es sich auch leisten können!
Nicht zuletzt durch die EU boomt die Wirtschaft in den meisten Ost-Staaten (z.B. 10% Wirtschaftswachstum in der Slowakei - ähnlich wie China), und ein Aufschwung der Wirtschaft und des Wohlstandes in diesen ehemaligen Ostblock-Staaten ist schließlich für ganz Europa und vor allem für Österreich ein Segen!
Auf kurze Sicht mögen die Nettozahlungen und die teilweise "Fremdbestimmung" für Österreich ein Nachteil sein, aber die EU ist ein langfristiges Projekt, das sein Ziel der Einung eines lange Zeit von Kriegen und Krisen gebeutelten Kontinents erfüllen wird!

Antworten Antworten Von richard am 18.03.2008 um 06:47

Re: Re: Die EU lässt sich das von 2007 bis 2013 rund 16 Milliarden Euro kosten

Und was hat Nordafrika und Vorderasien mit der Einigung Europas zu tun? In der EU scheint man zu glauben, daß sämtliche Probleme dieser Welt durch Beitrittsperspektiven gelöster werden könnten.

Antworten Antworten Antworten Von Optimist am 18.03.2008 um 16:17

Re: Re: Re: Die EU lässt sich das von 2007 bis 2013 rund 16 Milliarden Euro kosten

Afrika hat viel mit der Einigung Europas zu tun! Europa mag wirtschaftlich erfolgreich und wohlhabend sein, aber um das zu bleiben, fehlt es Europa selbst an Resourcen - egal, ob es sich um Bergbau, Ölförderung usw. handelt. Afrika sitzt auf unermesslichen Bergen an Rohstoffen, auf die Europa bereits jetzt angewiesen ist und es in Zukunft noch viel mehr sein wird.
Andere Länder machen hier bereits Europa den Rang als Afrikas Handelspartner Nr. 1 (den es lange Zeit nur aufgrund der Nachwirkungen der Kolonialherrschaft inne hatte) streitig - China arbeitet schon eng mit afrik. Staaten (u.a. Sudan) zusammen.
Außerdem droht der EU (gleich wie den USA) ein Migrationsproblem - sie grenzt im Süden an viele der ärmsten Länder der Welt. Daraus resultiert ein starker Zustrom Not leidender Menschen in die EU. Um diesen zu stoppen, ist das einzig wirkungsvolle Mittel, das Problem an der Wurzel zu packen und mit Nordafrika zusammenzuarbeiten - wie intensiv, das ist eine andere Frage.

Von citoyen am 14.03.2008 um 20:45

Die Sarko Show in der EU

Im 2. Halbjahr werden die Franzosen, ganz ihrem Naturell entsprechend, über Europa hinwegfegen wie ein Wirbelsturm. In der Mitte natürlich der neue Napoleon, Sarkozy. Sie werden alles ihren nationalen Interessen unterordnen und wieder ein paar Blöde suchen, die das alles zahlen werden. Die Deutschen und wir werden da sicher zur Kassa gebeten werden.

Die Franzosen sind nur teamfähig, wenn alles nach ihrem Willen läuft. Ihre große Tragödie ist aber, daß immer weniger ihre Sprache verwenden. Englisch hat sich voll durchgesetzt. Merde!

Antworten Von Gast: NoBadManangement am 15.03.2008 um 08:47

Re: Die Sarko Show in der EU

In Nordafriak sprocht man Französisch ! Ob das vielleicht ... ?

Antworten Antworten Von Geli am 15.03.2008 um 14:50

Re: Re: Die Sarko Show in der EU

Die Eingliederung der Vlker des Mittelmeerraumes in die EU ist die zwingende geschichtliche Notwendigkeit. Nicht weil das größere europäische Imperium Macht demonstrieren will, sondern weil die Völker dieser Region an den Segnungen der EU teilhaben müsen.
Ansonsten würde dem Extremismus und dem islamistischen Islam Tür und Tor geöffnet.

Antworten Antworten Antworten Von roger am 15.03.2008 um 15:20

Blödsinn

Mit diesem Argument müssten wir die ganze Welt eingliedern.

Antworten Antworten Antworten Antworten Von Geli am 15.03.2008 um 19:42

Re: Blödsinn

Dann gliedern Sie man schön ein - Wieder einer, der nur alles oder nichts kennt. Sie Armer.

Antworten Antworten Antworten Antworten Antworten Von roger am 16.03.2008 um 12:39

Was soll ich "man" eingliedern?

Mir scheint, Sie wollen selber eingegliedert werden - mit ihrem Deutsch. Die "Mittelmeerunion" ist ein geschickter Schachzug Sarkozys, die anderen EU-Staaten für Frankreichs Machtbestrebungen in Nordafrika mitzahlen zu lassen - so ähnlich, wie schon unser Zivi Norbert im Tschad den Franzosen in die Falle ging.

"Sie Armer"? Sie haben Recht, bis wir den ganzen Blödsinn finanziert haben, sind wir tatsächlich arm.

Antworten Antworten Antworten Antworten Antworten Antworten Von Geli am 16.03.2008 um 20:45

Re: Was soll ich

Dass Sie französische Politk als "Blödsinn" bezeichnen,
beweist Ihr Defizit an politischer Bildung. Bitte mehr überzeugende Argumente und weniger oder bessr gar keine Beschimpfungen!
Sie können mich gern daran erinnern, wenn "wir" anfangen die französische Politik in Nordafrika mit zu bezahlen.

Antworten Antworten Antworten Antworten Antworten Antworten Antworten Von roger am 17.03.2008 um 07:32

Überzeugen

kann man jemanden, der die "Völker Nordafrikas an den Segnungen der EU teilhaben" lassen will, ohnehin nicht. Träumen Sie weiter, mit Leuten wie ihnen wird die EU noch weiterhin viel Freude haben.

Antworten Antworten Antworten Antworten Antworten Antworten Antworten Von Geli am 16.03.2008 um 20:49

Re: Re: Was soll ich

Dass Sie französische Politik als "Blödsinn" bezeichnen,
beweist Ihr Defizit an politischer Bildung.
Bitte mehr überzeugende Argumente und weniger oder besser gar keine Beschimpfungen!
Sie können mich gerne darauf aufmerksam machen, wenn "wir" anfangen, französische Politik in Nordanfrika mit zu bezahlen.
Was die Erweiterung von Europa angeht: Ich bin lernfähig.

 
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