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„EU ist mitschuldig am Hunger“

24.04.2008 | 18:42 |  WOLFGANG BÖHM (Die Presse)

Ist die subventionierte EU-Landwirtschaft für die globale Nahrungsknappheit mitverantwortlich? Die Welternährungsorganisation meint „Ja“, Bauernvertreter sagen „Nein“.

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wien. Weltweit liegen laut der Welternährungsorganisation FAO rund eine Milliarde Hektar an Agrarfläche brach. Obwohl der Hunger steigt, die Lebensmittelpreise wegen steigender Nachfrage in die Höhe schnellen, wird das Land nicht bebaut. Einen Grund sieht die FAO in den „großzügigen Agrarsubventionen“ der reicheren Länder – allen voran der USA und der EU-Staaten. Durch diesen verzerrten Wettbewerb gebe es in ärmeren Ländern kaum noch Motivation, Getreide anzubauen oder Vieh zu züchten. „Die Situation ist das Ergebnis einer verfehlten Agrarpolitik in den vergangenen 20 Jahren“, so FAO-Chef Jacques Diouf. Foodwatch-Direktor Thilo Bode geht sogar weiter: „Die EU ist mitschuldig am Hunger.“

Der Druck auf die EU steigt, ihre Agrarpolitik radikal zu reformieren. Und die Lebensmittelkrise spielt auch jenen in die Hände, die intern seit langem eine Umschichtung der hohen Subventionen fordern. Immerhin fließen derzeit pro Jahr rund 55 Milliarden Euro aus dem EU-Budget in die Landwirtschaft. Die Kritiker des Systems sehen nicht nur eine Verzerrung des Weltmarkts. Sie behaupten auch, dass reine Marktmechanismen besser funktionieren würden als die Steuerung durch die Agrarpolitik. Außerdem würden EU-Ziele für Biotreibstoff dazu beitragen, dass auch außerhalb der Union statt Nahrungsmittel vermehrt Energiepflanzen produziert würden.

Tatsächlich zeigen internationale Agrarstatistiken, dass die afrikanischen Länder mittlerweile massiv von Lebensmittelimporten abhängig sind (siehe Grafik). Die EU hat die Exportförderungen zwar reduziert, wird aber um weitere Kürzungen nicht herumkommen. Auch die hohen Direktförderungen stehen zur Diskussion. Schon im zweiten Halbjahr 2008 werden die EU-Regierungen erneut Verhandlungen über eine mögliche Adaptierung der gemeinsamen Agrarpolitik führen.

Die Ursache allein in der EU-Agrarpolitik zu suchen sei eindimensional, sagt der Leiter der Marktpolitik-Abteilung der Landwirtschaftskammer, Karl Bauer. Die Lebensmittelkrise habe viele Ursachen. Bauer zählt beispielsweise den Ernteausfall in wichtigen Exportländern wie Australien und der Ukraine auf und auch die steigende Nachfrage durch das Bevölkerungswachstum. „Pro Jahr wächst die Weltbevölkerung um die Größe Deutschlands – also um etwa 80 Millionen Menschen. Das hat eine erhebliche Auswirkung auf die Nachfrage.“ Und Bauer nennt auch die Spekulation an den Agrarbörsen als Grund, warum die Preissprünge so extrem ausfallen.

(c) Die Presse / LB

Hohe Standards in der EU

Laut Landwirtschaftskammer (LK) geht die Kritik jener, die nun auf eine Kürzung der Subventionen setzen, am Problem vorbei. Auch die Verhandlungen in der Welthandelsrunde würden sich allzu sehr auf diese Aspekte konzentrieren. Soziale, umweltpolitische Aspekte und auch die Standards bei der Tierhaltung würden hintangestellt. Will Europa seine Ernährungssouveränität und die hohen Lebensmittelstandards erhalten, werde es um eine Beibehaltung der Agrarhilfen nicht herum kommen. „Wenn wir das System abschaffen, müssen wir auch mit höheren Preisen rechnen“, ist der LK-Marktexperte überzeugt. Denn das EU-System sorge durch seine Ausgleichsmaßnahmen auch für Preisstabilität.

Tatsächlich erscheint die Auflösung der negativen Außenwirkung der EU-Agrarpolitik und der Wunsch nach Nahrungsmittelsicherheit innerhalb Europas der Quadratur des Kreises gleich zu kommen. Wie widersprüchlich die Debatte ist, kann am Beispiel der Produktionsmengen abgelesen werden. Sogar innerhalb der EU-Kommission gehen hier die Meinungen weit auseinander: Agrarkommissarin Mariann Fischer Boel hat sich gemeinsam mit den EU-Agrarministern für eine Steigerung der Produktion und für ein Auslaufen der Stilllegungsprämien entschieden. Das Argument: Angesichts der gestiegenen Nachfrage ist eine Steigerung der Produktion nur logisch. EU-Entwicklungskommissar Louis Michel spricht sich jedoch gegen eine Erhöhung der Produktion aus, um den Wettbewerb für Entwicklungsländer nicht zusätzlich zu verschärfen. Er fordert stattdessen Hilfsprogramme für Entwicklungsländer, um dort die Agrarproduktion anzukurbeln.

Soll die EU weniger Nahrungsmittel produzieren, um damit dem Hunger entgegenzuwirken? Der wirtschaftsliberale EU-Handelskommissar Peter Mandelson erachtet das ebenso wenig als Lösung wie heimische Bauernvertreter. LK-Experte Bauer sieht die gestiegenen Preise auch als Vorteil. „Es gibt auch für ärmere Länder keine bessere Motivation zur Produktion als hohe Preise.“

(c) Die Presse / LB

GELD FÜR BAUERN

55 Milliarden Euro fließen in diesem Jahr in die europäische Landwirtschaft. Die Förderungen sind an hohe Produktionsstandards geknüpft. Rund ein Viertel der Gelder wird für die Entwicklung des ländlichen Raums aufgewandt. Österreich profitiert hier in besonderem Maß.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 25.04.2008)

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13 Kommentare
Gast: ülül
03.05.2008 12:13
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welch schwachsin!

den agrarsubventionen für den hunger in afrika zu geben ist kursichtig und höchst verlogen!

die aussage daß die agragsubventionen der usa und der eu den afrikanern die motivation nimmt ackerbau und viehzucht zu betreiben ist an schwachsinn nicht zu überbieten. lieber verhungern diese menschen also lieber .......

afrika hungert wegen der mißwirtschaft afrikanischer regierungen und wegen der falsch angelegten bzw. ausgerichteten entwicklungshilfe und wegen der falschen eiwanderungspolitik der gutmenschen die diesen staaten die jungen menschen abzieht!

die afrikanner und diese linken gutmenschen sollten doch einmal eigenverantwortung übernehmen und nicht immer krampfhaft nach schuldigen in europa etc. suchen ansonsten wird dieses problem nie gelöst werden!


Gast: Stofferl
29.04.2008 14:36
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EU bringt Hunger und Elend

Hunger und Elend bring the EU in die Welt, doch ihre fetten Bonzen schwimmen in Geld.

Als EU "Komisär" da lebt's sich's flott in Saus und Braus in einem Super Luxus Haus dort im Schlaraffenland in Brüssel- uns aber knurrt der Magen vor der leeren Schüssel!

Drum flugs wird von den Hochverrätern unterschrieben der elend Schandvertrag- auf das sie ewig uns dann knebeln und unsre Neutralität aushebeln!

Unser treues Volk und schönes Land lebt seither in trauriger Schand.

Zuallererst BIOSPRIT verbieten!!! CO2 änder das Klima NICHT!!!

Gemäss UNO Sonderbeauftragten Jean Ziegler, ist der Biosprit ein Verbrechen. Also BITTE: Die USA macht aus ca. 1/3 der Maisernte "Biosprit" - CO2 neutral :( - und dafür hungern die Menschen. - Schöne brave neue Welt!!!

Dieser Al Gore - Agent der Briten - soll man ruhig mal drannehmen, schlussendlich verbreitet er diesen absoluten Blödsinn und Wahnsinn, dass 0,038% CO2 in der Luft schuld an den Klimaproblemen sei (Aber bitte Al Gore ist mindestens 33° Freimaurer und als solcher natürlich der Vereinigten Grossloge von England unterstellt, wo der Grossmeister - der Herzog von Kent - ein Cousin sowohl von der Queen als auch von Prinz Philip ist.)

Und nicht vergessen, die Queen ist Oberhaupt über 30% der Weltbevölkerung - und auch in Oesterreich sind die Medien in den Händen der FREIMAUREREI --- dies hat mir ein Politiker persönlich verraten und zwar im Rathaus von Wien.

Und die österreichischen "Frei"maurer unterstehen auch der www.ugle.org.

ERBITTE KEINE ZENSUR - DANKE!!

Gast: Crusader
25.04.2008 16:26
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dummes Geschwätz

Afrika hat "Hunger" weil es unfähig ist sich selbst zu regieren.
Die Afrikaner welche nach Europa kommen geben uns ein Beispiel dafür warum es in ihren Herkunftsländern nicht funktioniert.
China hat kein Nahrungsproblem, Indien auch nicht usw.
Sollen die Afrikaner doch ihre Länder zu Tode regieren - aber nicht mit europäischem Geld und auch nicht Hilfe.
Die Ausreden und den Grund für afrikanisches Versagen finden sie auf jedem Asylamt.
Grenzen dicht und sollen sie doch schauen wie sie selbst zurecht kommen - wenn nicht - Pech gehabt.
Für jeden Mist vom Islamismus bis zu Hungersnöten wird die EU angerufen!
Nein! Mit uns nicht!

Antworten Gast: hb
30.04.2008 09:05
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Re: dummes Geschwätz

und der Herr Mugabe hat es geschafft aus der Kornkammer Zimbabwe eine Hungerpartie zu machen. Die Bewässerungssysteme waren nach Vertreibung der weißen Farmer rasch kaputt. Es ist wie wenn man einem A.. eine Uhr gibt.

dresak
25.04.2008 11:21
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Green revolution - gene revolution

Die EU-Agrarpolitik dämpft in der Tat das Problem der Verteuerung von Lebensmitteln, ebenso die Subventionspolitik anderer Industriestaaten und Schwellenländer. Selbst Entwicklungsländer (EW) subventionieren ihre Landwirtschaft.
Hingegen ist einer der Hauptgründe für die Verteuerung von Lebensmitteln die verstärkte Nachfrage nach erneuerbaren Rohstoffen, und die Ablehnung von gentechnisch veränderten Kulturpflanzen in Europa und in vielen EW. Darüber hinaus fehlt es an Infrastruktur in EW.

Die gentechnologische Revolution ist die logische Folge der grünen Revolution der 60er und 70er Jahre. Sie ist der einzige Ausweg aus dem Dilemma der wachsenden Weltbevölkerung und der abnehmenden Nahrungsmittelproduktion durch den Bedarf an erneuerbaren Rohstoffen. Die grüne Gentechnik ist der einzige Ausweg um eine nachhaltige Entw. der Nahrungsmittelversorgung auf diesen Planeten zu gewährleisten. Sie wird die grüne Rev. ablösen und so wie diese das Versorgungsproblem der Menschheit lösen

se123
25.04.2008 10:55
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Die EU-Förderungen

sind dafür verantwortlich, dass in Europa noch flächendeckend Landwirtschaft betrieben wird und wir auch in Zeiten wie diesen uns mit Lebensmittel selbstversorgen können. Das kann man gut oder schlecht finden, man kann auch darüber diskudieren, ob dies 55 Mrd im Jahr wert ist oder nicht. Ich jedenfalls sage JA.

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Endlich weg mit

der EU-Bauernförderung und dem grünen Biosprit-Klima-Wahn und die die Nahrungsmittel werden dadurch automatisch billiger!

Warum sollen z.B. auch Olivenbäume gefördert werden?

Freier Markt für freie Bauern,die ohne staatliche Pragmatisierung endlich ökonomisch mit moderner Technologie(besonders Gentechnik) und größeren landwirtschiftlichen Einheiten arbeiten können.

Die EU könnte sich dadurch fast 50% ihres Budget¿s einsparen,denn Steinzeit-Bauern kosten viel Steuergeld.

Noah von der Arche am Berg der Freude

Antworten Gast: Barbara S.
25.04.2008 15:39
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Und sonst fühlt sich der Fishhof wohl?


Gast: gerdi
25.04.2008 07:33
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Solange in Gemüseanbauregionen

Z.B. Andau ,Tatten, geerntetes Gemüse Tonnenweise verfault weil die Bauern ,keinen entsprechenden Preis bekommen ,liegt es sicher am "Kranken System ".
Die EU ist ein Wirtschaftsmoloch mit Ablaufdatum und noch dazu ein Erfüllungsgehilfe der USA.

Gast: Kommi
24.04.2008 22:16
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Ja, die EU ist mitschuldig am Hunger.

Vor allem am Hunger von "neuen Selbstständigen", "geringfügig Beschäftigten", "freien Dienstnehmern", befristeten Teilzeitkräften und eigentlich aller Österreicher, weil der Reallohn längst auf das Niveau der 90er Jahre gefallen ist.

Schuld daran ist die selbstzerstörerische Wirtschaftspolitik der EU. Wir finanzieren mit unseren Nettozahlungen die Billiglohnländer, die ihren Staat wegen der EU-Einkünfte nicht mehr aus Steuern finanzieren müssen. Das verkaufen uns SPÖVP dann als "Steuerwettbewerb", und die Unternehmen siedeln in die von uns finanzierten Billiglohnländer ab.

Mit der EU finanzieren wir also unseren eigenen wirtschaftlichen Niedergang.

Faktum Est
24.04.2008 21:34
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„Wenn wir das System abschaffen, müssen wir auch mit höheren Preisen rechnen“

Das ist schon in Ordnung: wenn wir uns dadurch 55 Mrd. an Subventionen ersparen, dann sinkt die Steuerlast.

Antworten Gast: Wie war
24.04.2008 22:58
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Re: „Wenn wir das System abschaffen, müssen wir auch mit höheren Preisen rechnen“

Dein Wort in Gottes Ohr.

Solang im tiefsten afrikanischen Festland das europäische Gemüse billiger ist als einheimisches wozu sollten die dann noch ihre Felder bewirtschaften?

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