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EU-Vertrag: Dunkler Schatten über dem Irland-Referendum

03.06.2008 | 18:46 |  Von unserem Korrespondenten AXEL REISERER (Die Presse)

Die Krise der irischen Wirtschaft drückt vor der EU-Volksabstimmung auf die Stimmung der Wähler.

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London/ Dublin. Kein Land der Eurozone hat in den vergangenen Monaten so sehr unter der Krise der US-Wirtschaft gelitten wie Irland. Der „keltische Tiger“ lahmt dieser Tage an allen vier Beinen. Wenige Tage vor der Volksabstimmung über den EU-Reformvertrag wirft die düstere Wirtschaftslage lange Schatten über die grüne Insel.

Für heuer rechnen Experten aktuell nur mehr mit einem Wachstum von 2,0 Prozent, ein gewaltiger Einbruch gegenüber mehr als fünf Prozent im Jahr 2007. Erst 2010, so sind sich alle einig, wird die irische Wirtschaft wieder in einem Ausmaß zulegen wie in den letzten 15 Jahren, als durchschnittlich fast vier Prozent pro Jahr erreicht wurden.

Weil die Banken Kredite wesentlich zurückhaltender vergeben als noch vor Monaten, ist der Boom der Baubranche zu einem Ende gekommen. Wurden am Höhepunkt vor zwei Jahren noch 90.000 Wohneinheiten fertiggestellt, werden es dieses Jahr höchstens die Hälfte sein. Im ersten Quartal 2008 fiel die Zahl der neubezogenen Wohnungen um 63 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Ein anderes Bein, auf dem der keltische Tiger zum Sprung anzusetzen pflegte, war der Inlandskonsum. Doch nachdem das Vertrauen der Verbraucher auf den niedrigsten Stand seit 1992 gefallen ist, klagt der Handel über massive Einbrüche. „Es ist die Zeit, den Gürtel enger zu schnallen“, sagt David Crumm, Chef der Anglo Irish Bank.

Hohe Rohstoff- und Lebensmittelpreise treiben die Inflation in die Höhe, mit 3,5 Prozent wird sie heuer weit über dem EZB-Zielwert von 2,0 Prozent liegen. Der gegenüber US-Dollar und britischem Pfund so starke Euro macht irische Exporte, das dritte Bein des Tigers, weniger wettbewerbsfähig. Unternehmen wie der US-Computerhersteller Dell reagieren bereits mit Entlassungen. Für heuer wird eine Arbeitslosenquote von bis zu sechs Prozent befürchtet. Von der Vollbeschäftigung als viertes Standbein ist man wieder weit entfernt.


Mehr oder weniger EU?

Aus der düsteren Lage ziehen Befürworter und Gegner des EU-Vertrags diametral entgegengesetzte Schlüsse. Regierung, Opposition (mit Ausnahme von Sinn Feín) und Unternehmerverbände weisen daraufhin, dass die Mitgliedschaft in der EU nicht nur aus dem einstigen Armenhaus eine blühende Insel gemacht, sondern auch die einst fehlende Stabilität geschaffen hat. Die Regierung räumt ein, dass sich die Lage verschlechtert hat, will aber etwa an ehrgeizigen Infrastrukturinvestitionen von 184 Milliarden Euro in den nächsten sieben Jahren festhalten. Das ist nicht völlig ausgeschlossen: Im Gegensatz zum Nachbarn Großbritannien haben sowohl Staat als auch Kommerzbanken gesunde Rücklagen.

EU-Skeptiker hingegen erklären den Euro zum Symbol dafür, wie Irland mit dem EU-Vertrag weitere Souveränität verlieren würde. So wie die Nationalbank in Dublin heute keine Mittel mehr hat, die Konjunktur zu beeinflussen, so würden die angeblichen „60 Vetos, die wir mit dem Lissabon-Vertrag verlieren“ die irische Politik weitgehend entmachten, meint etwa der Milliardär Ulick McEvaddy, der mit seinem Vermögen einen Gutteil der Kampagne des Nein-Lagers finanziert.


Gewerkschaft und Bauern machen mobil

Von den Interessenverbänden sind es vor allem die Gewerkschaften und die Landwirte, die gegen den EU-Vertrag mobil machen. Dabei nutzt Bauernbundpräsident Padraig Walshe die Furcht vor einem „Nein“ bei der Volksabstimmung am 12. Juni zur Erpressung der Regierung in der Doha-Runde der Welthandelsorganisation. Die irischen Landwirte bekämpfen alle Liberalisierungsvorschläge aus Brüssel vehement, Walshe sagt: „Wir können den EU-Vertrag nicht unterstützen, wenn gleichzeitig europäische Politiker unsere Lebensgrundlagen zerstören.“

IN ZAHLEN

Wachstum. Die irische Wirtschaft wuchs 2006 noch um 5,6 Prozent, im Vorjahr um 5,3. Dieses Jahr wird sie lediglich um 1,8 Prozent zulegen.

Die Inflation erreicht nun 3,5 Prozent. Sie lag aber schon zuletzt über EU-Schnitt.

Die Arbeitslosenrate dürfte von 4,4 Prozent 2006 in diesem Jahr auf 6,0 Prozent klettern.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 04.06.2008)

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13 Kommentare
diogenes
05.06.2008 15:32
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Wie geht es der Meinungsfreiheit?

Warum werden Artikel unterdrückt?

diogenes
05.06.2008 15:30
0 0

Schande über die Presse

Mein Artikel zu diesem Thema wurde (als registrierter Leser) zwar sofort veröffentlicht, ist aber jetzt heimlich still und leise verschwunden.
Auch die Artikelbox wird, wenn dreissig Artikel aufgelaufen sind Richtung Papierkorb entsorgt und nur einer davon ins Artikelarchiv übernommen.

Gast: Pourlemerite
05.06.2008 09:42
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Die Presse kann¿s nicht lassen!

.........pausenlos den EUrokraten das Wort zu reden und zu schreiben.
Es ist weiss Gott kein dunkler Schatten, der hier über dem Irland Referendum steht, sondern der noch einzig verbliebene Lichtblick aller europäischen Demokraten, bevor die EU Diktatur endgültig gesiegt hat.


Gast: Gast
04.06.2008 20:02
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Rettet Österreich!

Bitte noch rasch Briefe nach Irland schicken!

http://www.rettet-oesterreich.at/

Jeder der nicht in der EU-Diktatur leben will muß Briefe nach Irland schicken!

....Das monströse Werk enthält zutiefst undemokratische Regelungen, die Angst machen....

http://www.pi-news.net/2007/01/schachtschneider-eu-verfassung-ist-ein-ermaechtigungsgesetz/


Gast: DIE EU IST EINE OLIGARCHIE
04.06.2008 12:28
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DIE EU IST KEINe wirkliche DEMOKRATIe

AUCH WENN SICH DIE MEHRHEIT DER IREN GEGEN DEN EU-VERTRTAG AUSSPRICHT IST DAS BEDEUTUNGSLOS!!!!

Siehe frankreich - siehe holland!!

die volksmeinung ist bedeutungslos!

Wichtig ist, das die PRÜNDE DER ELITE
(POLITIKER - WIRTSCHAFT - gesichert bleiben!



koko
04.06.2008 08:53
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Demokratie

Die Angst in Brüssel ist gross, dass das irische Volk den EU-Vertrag ablehnt. Nicht umsonst wurden millionen Euro für pro-EU Propaganda investiert, damit nicht wieder ein Demokratie-Unfall wie seinerzeit in Frankreich und den Niederlanden passiert. Nun ist Irland die letzte Hürde für die korrupten EU-Bürokraten, die Menschen endgültig den Interessen der Grosskonzerne zu unterwerfen und die nationale Selbstbestimmung abzuschaffen.

Antworten Gast: Dubliner
04.06.2008 12:27
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Re: Demokratie

Sie haben nichts von der EU verstanden. Eine Wirtschaftsgemeinschaft und Staatenbund wie es die EU sein soll ist ein MUSS fuer die wirtschaftliche Zukunft Europas.Wenn Sie Kritik anbringen dann ist es an dem alles verschlingenden Beamtenapparat.
Bruessel ist um nichts besser als es einst Moskau war. DAS IST ein Uebel!
Ireland.
Wer die Insel nicht kennt. Nicht auf ihr ein paar Jahre verbracht hat sollte sich hier nicht Anmassen zu urteilen. Wenn Ulick McEvaddy/Padraig Walshe ein Nein unterstuetzt hat das ganz andere Gruende!
Die Wirtschaft in Ireland hatte nie etwas mit den Iren zu tun.USA und EU Geld. Spezielle Vertraege fuer Firmen. Ankauf dieser Firmen(welche sicher nicht in irischer Hand sind) von Know How aus Europa hat Ireland den Wohlstand gebracht. Die Iren sicher nicht.
Jetzt(ab 2009 sollten die Iren Nettozahler werden)wenn der "Hut brennt" wird die EU dafuer verantwortlich gemacht.
Ireland wird wieder Arm werden.Mit oder ohne Vertrag.

Antworten Antworten Gast: Idefix
04.06.2008 17:33
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Ein MUSS fuer die wirtschaftliche Zukunft?

Dieser Quatsch wurde auch beim Euro laufend runtergeleiert.
Ohne Euro-Teilnahme würde Österreich am wirtschaftlichen Abstellgleis landen. So oder ähnlich wurde noch vor ein paar Jahren laufend der Teufel an die Wand gemalen.
Wieso sind dann DK und S und GB wirtschaftlich in keiner Weise untergegangen?

Fürs Wirtschaftliche reicht die EWR-Mitgliedschaft vollkommen (siehe Norwegen), die POLITISCHE Vereinheitlichungsmaschinerie EU hingegen haben wir jedoch so nötig wie einen Kropf.

roger
04.06.2008 07:07
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Hoffnung Irland

Zum Teufel mit dem EU-Reformvertrag! Nachdem uns die österreichischen "Volksvertreter" für unmündig erklärt und den Vertrag gegen den Volkswillen im Parlament durchgedrückt haben, ist Irland unsere einzige Hoffnung.

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Re: Hoffnung Irland

Nicht nur unsere "Volksvertreter" haben uns ueber den Tisch gezogen.Auch UHBP H.Fischer hat das gesetzeskonforme (verfassungskonforme...?) Zustandekommen der oest. Zustimmung bestaetigt,obwohl gravierende Bedenken bestehen,dass sehr wohl eine Volksabstimmung in Oesterreich noetig ist.
Der Widerstand ist europaweit und ist eine schlechte Voraussetzung fuer die Zukunft dieser EU.

alice
04.06.2008 00:50
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ireland

das trojanische pferd des eu beitritts setzt an den keltischen tiger zu verschlingen.....

Gast: gentzer
03.06.2008 23:23
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Die EU hat schon das Ablaufdatum erreicht

Nur die dümmsten können daran geglaubt haben das die EU ein wirtschaftlicher Gegenpol zur USA sein wird.
Leider wurde darauf vergessen das die Wirtschaft der EU vom Erdöl abhängig ist.
Die USA haben sich durch den Irak Krieg schon die Ölförderung gesichert.
Wenn die arabischen Förderländer drosseln und die Russen den Gaspreis anheben ,ists vorbei mit der Beamtenburg der EU ,das Motto wird dann heißen : "Wie reitetet man ein totes Pferd".

Antworten Gast: Montagmorgen
04.06.2008 07:27
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Re: Die EU hat schon das Ablaufdatum erreicht

Die EU I S T de facto ein Gegenpol zu den USA, nur sind einige Staaten eher mit den Amis verbandelt als mit dem eigenen Kontinent!

Probleme liegen meiner Meinung nach woanders: In der zu schnellen Erweiterung der EU, im Steuerwettbewerb innerhalb des Raumes, in der Förderungspolitik. Noch dazu ist es ja "in", nach China und Indien auszulagern.

Brüssel tut in diesen Dingen rein nichts, es gibt ja die vier Grundfreiheiten!

Hausgemacht sind natürlich Bankenkrisen, die Überstrapazierung der Arbeitnehmer mit Steuern, die Überreizung der Sozialsysteme, die Inflation.

Noch dazu hat in Wahrheit kein normaler Bürger das Gefühl, "Europäer" zu sein. Die EU ist reine Zweckgemeinschaft, von einer Vision kriegt der Steuerzahler nichts mit.