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Krumme Gurke? Proteste gegen Lockerung der EU-Normen

18.06.2008 | 19:29 |   (Die Presse)

Staaten lehnen den Plan der Kommission ab, EU-Normen über die Krümmung von Gemüse abzuschaffen.

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BRÜSSEL (pö/APA/DPA). Da will die EU einmal nicht kompliziert sein, und dann machen es ihr die Mitgliedstaaten schwer: „Viel zu bürokratisch“, geradezu „überreguliert“, so lautet häufig der Vorwurf aus den EU-Hauptstädten. Ausgerechnet bei dem einen absonderlichen Detail, das zum Symbol für die Regelwut der EU-Kommission wurde, wollen die Ländervertreter in Brüssel jetzt aber offenbar, dass alles so bleibt wie es ist: bei der Krümmung der Gurke.

Die Kommission legt für die Gurke einen maximalen Krümmungsgrad fest. Ist sie zu stark gekrümmt, dann kann sie schlecht verladen und quer durch Europa oder auch ins Ausland transportiert werden. Darunter würde der Handel leiden, glaubt man in den Mitgliedstaaten. Besonders krumme Gurken wandern deshalb, kaum dass sie von den Feldern geholt wurden, direkt in den Müll. Außerdem „isst“ auch das Auge der Konsumentinnen und Konsumenten innerhalb und außerhalb der EU mit. So lautet offenbar die Haltung in den 27 EU-Ländern.

Dabei wäre die dänische EU-Landwirtschaftskommissarin Mariann Fischer Boel, die selbst von einem Bauernhof kommt und die Sorgen der Landwirtschaft somit aus erster Hand kennt, durchaus willig gewesen, bei den EU-Normen für die Gurke – und anderes Gemüse – zurückzustecken: Die Gurke solle sich künftig krümmen dürfen, so stark sie will. Brüssel werde das nicht mehr scheren, so lautete der Vorschlag aus der Brutstätte des EU-Rechts.


Keine Chance für „Kochgurken“

Der Entwurf hätte aber – wie alle EU-Rechtsakte – noch von den Mitgliedsländern abgesegnet werden müssen. Die Staaten dürfen auch Nein zu Vorschlägen aus Brüssel sagen – und taten es in diesem Fall. „Überraschenderweise“, wunderte sich der oberste Kommissionssprecher Johannes Laitenberger diese Woche.

Auch ein Etikett, das besonders stark gekrümmte Gurken als „Kochgurken“ ausgewiesen hätte, wollen die Länder zumindest vorerst nicht. Das wäre nämlich Teil des EU-Plans gewesen, der die Gurke ansonsten Gurke hätte sein lassen, ganz ohne EU-Normen.

Durch dermaßen „legitimierte“ Kochgurken hätte man verhindert, dass wertvolle Lebensmittel einfach weggeschmissen werden, glaubt man in Brüssel. Die Nahrungsmittelpreise in der EU sind nämlich bereits empfindlich gestiegen, und der Trend werde sich fortsetzen, vermuten die Experten der EU-Kommission. Die hohen Preise werden aufgrund ihrer Publikumswirksamkeit auch Thema beim EU-Gipfel der Regierungschefs heute, Donnerstag, in Brüssel sein. Nur die arme Gurke nicht.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.06.2008)

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5 Kommentare
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Bitte etwas genauer!

Welche Vertreter welchere Länder waren das?

Wir hören immer, dass die EU sooo demokratisch ist, weil dort ja die demokratisch legitimierten Vertreter der Mitgliedsländer sitzen.

Wenn sich aber diese Ländervertreter hinter der Anonymität von EU-Institutionen verstecken (oder von der Berichterstattung versteckt werden), ist Brüssel eben doch nur der Oberste Sowjet von Europa - genau so demokratisch.

Das ist es, was die Menschen kratzt - geschätzte Politiker, die noch immer grübeln, warum die Iren, die als Einzige tatsächlicg gefragt wurden, Nein gestimmt haben.

Gast: Pour le merite
19.06.2008 14:14
0 0

Die EU wird sich wohl noch öfter mit den Gurken auseinandersetzen müssen

zum einen mit den sauren Gurken, deren Zeit jetzt wohl gekommen ist,
zum anderen mit der Gurke, welche wir diesen Herrschaften geben werden.

Ophicus
19.06.2008 11:14
0 0

Tja

Es zeigt sich einmal mehr, dass unser Problem nicht in Brüssel sitzt sondern in Wien (eventuell auch in Luxemburg).
Der teure Brüsseler Beamtenapperat hat ohnehin kaum etwas zu sagen. Die Entscheidungen treffen die nationalen Regierungen, die dank der EU-Identität ein Doppelleben führen.

harbard
19.06.2008 06:17
0 0

Krümmung von Gemüse

...das nenn ich ein problem!

Gast: 21321
18.06.2008 22:18
0 0

Sehr seltsam das !

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