EU-Einkommen: 23.000 Euro für den Boss, 750 Euro für Bulgaren

01.08.2008 | 18:32 |  Von unserer Korrespondentin REGINA PÖLL (Die Presse)

Von Kommission bis Parlament lockt gutes Geld. Reinkommen ist schwer. Ein Überblick: Wer in Brüssel wofür wie viel verdient.

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BRÜSSEL. Brüssel hat bei den meisten Österreichern einen schlechten Ruf. „Zu viel Verwaltung und zu hohe Gehälter“, so lautet ein häufiger Vorwurf gegen die EU. „Die Presse“ fragte bei den wichtigsten europäischen Institutionen nach, wie viele Mitarbeiter sie zählen und welche Gehälter es in den Topjobs gibt. Und: Wie kommt man eigentlich in „die EU“?
Die EU-Kommission: Sie ist die oberste Verwaltungsbehörde Europas. Dort werden die EU-Gesetze entworfen, beschlossen werden sie im Rat der 27 EU-Staaten, mitentschieden im EU-Parlament. An der Spitze der Kommission locken besonders hohe Gehälter, darunter sind die Einkommen je nach Ausbildung und Status gestaffelt. Der Kommissionspräsident – derzeit der Portugiese José Manuel Barroso – und damit Chef des Teams aus derzeit 27 Kommissaren erhält 23.617,91 Euro Grundgehalt im Monat – zwölf Mal im Jahr.

Die fünf Vizepräsidenten erhalten 21.383,40 Euro im Monat. Die 21 „einfachen“ Kommissare, darunter die österreichische Kommissarin für Außen- und Nachbarschaftspolitik, Benita Ferrero-Waldner, erhalten 19.253,73 Euro im Monat. Ihr Grundgehalt entspricht 112,5 Prozent des Bezugs von Spitzenbeamten in der EU-Kommission. Diese kommen auf 17.114,43 Euro.

 

Zulagen in der Kommission

Zu den Grundgehältern des Kommissionspräsidenten, seiner Vizepräsidenten und „einfachen“ Kommissare kommt ein Ortszuschlag von 15 Prozent des Grundgehalts. Auch eine Repräsentationszulage schlägt zu Buche: mit monatlich 1418,07 Euro für den Präsidenten, 911,38 Euro für die Vizepräsidenten und 607 Euro für die Kommissare. Hat ein Mitglied der Kommission oder ein Kommissionsbeamter Familie, gibt es Anspruch auf eine gestaffelte Familienzulage.

Die Gehälter sind Bruttobezüge. Davon ist in Brüssel noch Gemeindesteuer abzuziehen, die 14 Steuerstufen reichen je nach Höhe des Gehalts allerdings von nur acht bis 45 Prozent. Für den Teil des Gehalts, der 6400 Euro übersteigt, zahlen die Kommissare 45 Prozent. Als Kranken- und Unfallversicherung sind 1,8 Prozent, als Ergänzungsabgabe 3,36 Prozent vom Grundgehalt abzuziehen.

Insgesamt zählte die Brüsseler Behörde zuletzt 34.712,5 Vollzeitstellen inklusive auswärtiger Beschäftigter, zum Beispiel in Exekutivagenturen. Mehr als die Hälfte des Personals arbeitete für die Verwaltung der Verwaltung, für „sich selbst“ also – zum Beispiel im Personalmanagement, in der Informationstechnologie, in der Dokumentation oder in der Logistik. Direkt bei der Kommission beschäftigt sind rund 24.000 Menschen, darunter 440 Österreicher. Das ist ein Bruchteil aller in Österreich beschäftigten Beamten.

 

So viel wie im Nationalrat

Das EU-Parlament: Dort werden die EU-Gesetze mitentschieden. Der Einfluss der einzigen vom Volk direkt bestellten EU-Institution soll künftig noch wachsen. Derzeit zählt das Europäische Parlament 785 Abgeordnete, 18 davon kommen aus Österreich.

Von gleich hohen Gehältern sind die Parlamentarier im gemeinsamen Europa allerdings weit entfernt: Derzeit verdienen sie jeweils so viel wie sie als Abgeordnete im nationalen Parlament erhalten würden. Am schlechtesten stehen die Bulgaren mit 750 Euro im Monat da, am besten die Italiener mit 11.703,64 im Monat. Die Österreicher liegenmit inzwischen 8160 Euro brutto, 14 Mal im Jahr, im oberen Drittel.

Zu den Grundgehältern der EU-Parlamentarier kommen zahlreiche Zulagen. Ins Gerede gekommen sind die Abgeordneten zuletzt durch die Mitarbeiterzulage von 16.914 Euro im Monat, die einige in den Vorjahren zu locker gehandhabt haben sollen. So steht es in einem Parlamentsbericht. Gedacht ist die Zulage dafür, dass die Gehälter von Assistenten gedeckt werden. Sie muss nicht ausgeschöpft werden. Sogar Familienangehörige dürfen Abgeordnete aber mit dem Geld beschäftigen, ebenso Mitarbeiter in auswärtigen Dienstleistungsgesellschaften, die für den Abgeordneten tätig sind. Ab 2009 sollen diese beiden Möglichkeiten eingeschränkt und die Kontrolle verbessert werden. Üblicherweise hat jeder EU-Parlamentarier mehrere Assistenten.

Für ein Büro in ihrem Herkunftsland erhalten die Abgeordneten eine Pauschale von je 4052 Euro im Monat. Für Reisen mit dem Flugzeug zu den Parlaments-Standorten Brüssel und Straßburg wird der Preis eines Flugtickets ersetzt. Wählen die Abgeordneten ein anderes Verkehrsmittel dorthin, gibt es 73 Cent pro Kilometer für die ersten 500 Kilometer und 31 Cent für den Rest der Reise.

Parlamentarier können außerdem bis zu 4000 Euro im Jahr für sonstige Dienstreisen beantragen. Sind sie in Brüssel oder Straßburg, erhalten sie dafür einen Tagsatz von 287 Euro.
Der Rat: Er ist die Vertretung der 27 EU-Staaten in Brüssel. Dort kommen zum einen die Staats- und Regierungschefs sowie Fachminister zu Abstimmungen über EU-Gesetze zusammen. Zum anderen beherbergt das Ratsgebäude in Brüssel 2500 Mitarbeiter. Die (Gehalts-)Riege führt der Generalsekretär des Rates und Hohe Vertreterfür die Gemeinsame Außen- und Sicherheitspolitik, Javier Solana, an – mit rund 20.000 Euro im Monat.

 

Schwierige Auswahlverfahren

Bei der EU einen Job zu bekommen, ist allerdings nicht leicht. Als einzige stellen sich die EU-Abgeordneten bei den alle fünf Jahre stattfindenden EU-Wahlen direkt dem Wähler. Die nächsten Wahlen finden im Juni 2009 statt. Die Abgeordneten nehmen dann üblicherweise selbst Assistenten nach Brüssel und Straßburg „mit“ oder beschäftigen welche im Herkunftsland.

Auf den Parlaments- und den Kommissionspräsidenten einigen sich die europäischen Fraktionen und die nationalen Regierungen, die „einfachen“ Mitglieder der Kommission werden den EU-Partnern ebenfalls von den nationalen Regierungen vorgeschlagen.

Wer als Beamter bei der EU-Kommission, im Rat oder in anderen EU-Institutionen wie dem Europäischen Gerichtshof oder dem Europäischen Rechnungshof in Luxemburg unterkommen will, muss eine schwierige Auswahl bestehen. Das EU-Amt für Personalauswahl hält regelmäßig Test für teilweise tausende Bewerber um wenige hundert neue Jobs ab.

http://europa.eu/epso/index_de.htm

EU-ZENTRALE

Mit drei der fünf wichtigsten EU-Institutionen ist Brüssel die Metropole der EU-Politik und -Verwaltung: Kommission, Parlament und Rat haben dort einen Sitz, mehr als 40.000 EU-Bürger sind bei ihnen beschäftigt.
Auch Interessenvertretungenund Nichtregierungsorganisationen sind in Brüssel stark vertreten, aus Österreich unter anderem die Sozialpartner. Lobbies haben sich ebenfalls in Brüssel angesiedelt und beschäftigen rund 15.000 aktive „Einflussnehmer“.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 02.08.2008)

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28 Kommentare
 
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Gast: Klaus Brandhuber, London
14.08.2008 13:25
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Presse bei Dichand?

Dieser Beitrag dient einzig dem Schueren der Neidkomplexe im Allgemeinen und der EU-Ablehnung im Besonderen. Somit folgt die Presse der SPOe, Anbiederung an die Krone. Wenn mich daran etwas stoert, dann eher der Umstand, dass die EU, also wir, Bruttoghaelter aufwenden und die Stadt Bruessel ordentlich abkassiert, Belgien also nicht nur vom EU-Tourismus gut lebt, sondern von der EU auf diesem Weg Belgien also nochmals kraeftig gesponsert wird.

Lächerlich niedriges Gehalt

für den Präsidenten der EU Kommission. Jeder Bankvorstand in Österreich bekommt mindestens das 5 fache. Aber das stört die Poster hier nicht, Hauptsache es geht gegen die "böse EU".

Gast: gesau
06.08.2008 09:44
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Mehr Visionen

Unter dem Beitrag von Vaclav Klaus Präsident der Tschechischen Republik Berlin 23.04.2008:
Unter:http://www.swg-hamburg.de/Politik/Die_Zukunft_Europas.pdf

Gast: G Ast
03.08.2008 19:34
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Nicht schlecht!

Wenn man bedenkt, daß der Frühpensionist Othmar Karas
wieder quicklebendig ist und so gut verdient!
Man könnt grad neidig werden.
Also ab in die Frühpension - und schnellstens nach Brüssel.
Den Leistungsvergleich braucht keiner zu scheuen.

right on man - give me five

die karas geschichte, die stinkt zum himmel.

23.000 Euro

...sonst noch probleme?

Re: 23.000 Euro

Wenn man als (sehr guter) Uni-Absolvent im Consulting, Investment Banking, etc unterkommt und dann dort nach wenigen Jahren das gleiche wie der BP, Komm.-Präs, etc verdient (und nach ein paar weiteren Jahren um einiges mehr), sollte man sich nicht aufregen dass man unter den Top-Politikern nicht unbedingt nur die hellsten/fleißigsten Leute findet! 23000 euro pro Monat ist für eigentlich die wichtigste Position in Europa lächerlich.

Antworten Antworten Gast: Pour le merite
03.08.2008 14:54
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Re: Re: 23.000 Euro

...dieses posting könnte als das dümmste des Jahres in die Geschichte eingehen.

Antworten Antworten Antworten Gast: Beobachter
03.08.2008 15:26
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Leider nicht

Denn ihre Antwort der persoenlichen Attacke hat immer eine Garantie fuer zumindest einen klitzekleinen Dummheitspreis....

Gast: es kann...
02.08.2008 11:20
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..ja jeder selbst...

EU-Politiker werden. In Wirklichkeit verdienen die gar nicht "die Welt". Man stelle sich einen Konzern mit 450 Mio. Beschäftigten vor. Da würden die 1000 höchsten Manager wesentlich mehr verdienen.

Finde die Gehälter (überhaupt was die Kommission anbelangt) überhaupt nicht überzogen. 90 % der uns betreffenden Gesetze werden in Brüssel gemacht und sollen gleichzeitig auch noch jedem Land möglichst viel bringen bzw. recht sein. Die Aufgabe ist ihrem Grundsatz nach verantwortungsvoll, erfordert Wissen, viel Einsatz & erfährt in der Bevölkerung so gut wie keine Wertschätzung. Ich vergönne jedem sein Geld - möchte perönlich nicht mal aufgemalt in Brüssel sitzen.

Also seids nicht neidig sondern versucht doch selber einen solchen Spitzenjob zu erreichen.....und dann sagts mir ob ihr zuviel verdient;-)

Antworten Gast: G Ast
03.08.2008 19:39
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Re: ..ja jeder selbst...

Sind Sie Freimaurer, daß Sie die EU-Bürger als Beschäftigte titulieren.
Arbeits- und Stimmvieh, quasi!

verantwortung? wissen? einsatz?

wenn ich mir das fräulein ferrero-waldner so anschau, dann kann da was nicht ganz stimmen. beim hp martin ist vielleicht einiges an einsatz dabei, aber mehr auch schon nicht. und beim herrn voggenhuber? da lachen ja nicht mal die hühner.

Antworten Antworten Gast: der da
05.08.2008 13:31
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Re: verantwortung? wissen? einsatz?

ja wenn sie so gscheid sind machens den job doch selber! dia auswahlverfahren sind zwar schwer aber hey ein yoda wie sie schafft das.

ansonsten: behaltens ihre neidischen und missgünstigen kommentare für sich.

Re: ..ja jeder selbst...

Inwiefern erfordert es "Wissen", Richtlinien zuzustimmen, die man nicht kennt?

Gast: Messalina
02.08.2008 11:09
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Raubrittertum


Gast: EU-Man
02.08.2008 11:02
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Am schlechtesten stehen die Bulgaren mit 750 Euro

Diese billige Propaganda hat schon die bulgarische Regierung versucht ihren Wählern zu verkaufen. Bulgarische Parlamentarier verdienen den Durchschnittssatz ausgerechnet aus allen EU Staaten, der irgendwo über 5000EUR im Monat liegt.
Welcher vernünftige Mensch glaubt, dass jemand mit 750EUR in Brüssel leben kann. Alleine eine durchnittliche Wohnung kostet dort soviel.
Recherschiert bitte besser bevor ihr solch einen Unsinn schreibt.
Das einzige was stimmt ist dass man dort sehr gut bezahlt wird. Die Sozial- und Versicherungsleistungen für die Beamten dort sind die besten und teuersten der Welt. Und wenn man es mal rein schafft rückt man in der Gehaltsstufe jede 2 Jahre automatisch weiter.

Antworten Gast: der da
05.08.2008 13:33
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Re: Am schlechtesten stehen die Bulgaren mit 750 Euro

naja, sie verwechseln da natürlich was. das gehalt bekommen die abgeordneten analog zu den parlamentariern im herkunftsland. die zulagen sind für alle gleich.

Gast: Der Balken im Auge
02.08.2008 10:13
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Ha!!!!

ca. 491. Mio Einwohner in der EU.

Der Verwaltungsaufwand der EU ist lächerlich.

Re: Ha!!!!

Stimmt schon. Der Verwaltungsaufwand beträgt 5% des Gesamtbudgets von +/- 1% des BNE.
Legt man das auf die gesamte Wirtschaftsleistung der EU um, wird in die Verwaltung so viel Geld getragen, als ob dort 250.000 Personen beschäftigt wären.
Es geht also sicher noch besser.

Gast: panther
02.08.2008 09:30
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nobel geht die welt zugrunde

es ist ein wahnsinn was diese eu-bonzen abkassieren. und nebenbei gehen jahr für jahr milliarden eu-euro wegen unfähigkeit der überwachung den bach hinunter

Antworten Gast: EinGast
16.08.2008 00:41
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Re: nobel geht die welt zugrunde

Gibt's kein Forum der U-Bahn-Zeitung oder warum sind Sie dann hier?
Wenn Ihnen Ihr Gehalt zu niedrig ist strengen Sie sich ein bisschen mehr an. Einen Job in Brüssel bekommt man schließlich auch nicht geschenkt.

"„Zu viel Verwaltung und zu hohe Gehälter“, so lautet ein häufiger Vorwurf gegen die EU."

dieser vorwurf kann durch diesen bericht leider keineswegs entkräftet werden. im gegenteil, er belegt ihn nur eindrucksvoll.

Gast: Pour le merite
02.08.2008 00:32
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...lockt gutes Geld.

Toll, gratuliere. Man kann wirklich stolz sein.

und das wird die EU Untertanen aber sicher sehrfreuen, dass ihr sauer verdientes Geld so gut angelegt ist.

Gast: Beobachter2
01.08.2008 22:20
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Privilegienritter Hochburg EU Kommission

Das sind Abzocker und charakterlose - meist abgewählte ausrangierte Politiker.
Kaum irgendwo wird mehr gelogen und betrogen - vielleicht in Rumänien ist die Korruption noch schlimmer.
Trotz Olaf wird betrogen das man am Charakter dieser gesamten Polit Clique mehr als zweifeln muß. Da sind mir die Konteninhaber in der Liechtensteinaffäre lieber die behaupten nicht das sie richtig gehandelt haben - aber die Brüsseler Banden - absolute Versager, Privilegienritter und Abstauber - behauptet täglich wie ehrlich sie sind und lächelnd über uns einfältige Steuerzahler

Re: Privilegienritter Hochburg EU Kommission

mir bricht gleich das herz ob der geringen gehälter. was natürlich nicht dabei steht, wie auch, ist die bezahlung durch lobbyisten.

was heißt, bei der mitarbeiterzulage SOLL locker gehandhabt worden sein? IST stimmt. wie verheugen, der seine geliebte reingebracht hat, wie ein englischer funktionär seine ehefrau. ach so, bei der ehefrau ist es in ordnung.

eine bande von arroganten, diktatorischen, miesen, charakterlosen abzockern.

und dazu, daß ö mehr beamte hat, sollte dem schreiber klar sein oder gibt es in brüssel feuerwehren, polizei, rettung, krankenhäuser undundund nur für eu funktionäre?#

OLAF darf ja nur beobachten, konsequenz: keine.

verheugen: würde die eu um aufnahme in die eu bitten, würde sie abgelehnt wegen antidemokratie und korruption.

so schauts aus und da wundert man sich, daß viele österreicher die eu ablehnen? ich wundere mich schon lange nicht mehr.

mfg
mc

Antworten Antworten Gast: der da
05.08.2008 13:40
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Re: Re: Privilegienritter Hochburg EU Kommission

tja leider ist ihr posting typisch für einen eu-feind. vollvon unterstellungen, unwahrheiten und beschimpfungen. hinzu kommt der neidkomplex, aber wenn sie selbst zu dumm sind sich gescheid auszubilden dann brauchens nicht andere um deren gehälter beneiden.

außerdem, die mitarbeiter von feuerwehr, rettung, krankenhäusern etc sind keine beamten. aber fakten sind für eu-feinde nicht wichtig.


 
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