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EU-Verträge: Verfassungsklage gegen Österreichs EU-Mitgliedschaft

23.10.2008 | 18:15 |   (Die Presse)

Ein Personenkomitee hat Klage gegen alle EU-Verträge eingereicht. Sie widersprächen verfassungsrechtlichen Grundprinzipien.

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WIEN (wb). „Der Verfassungsgerichtshof ist aufgerufen, dem Recht der Österreicher zum Siege zu verhelfen.“ Mit diesem Aufruf hat ein Personenkomitee aus 16 Klägern, darunter Universitätsprofessoren wie der Nutztierökologe Alfred Haiger oder der Biotechnologe Anton Moser, am Donnerstag eine Verfassungsklage gegen die EU-Verträge und auch gegen die EU-Mitgliedschaft Österreichs eingereicht. Die Klageschrift wurde vom deutschen Professor für Öffentliches Recht, Karl Albert Schachtschneider, verfasst.

Schachtschneider, der auch für deutsche EU-Gegner tätig ist, argumentiert, dass 1994 in Österreich zwar eine Volksabstimmung über den Beitritt abgehalten wurde, doch seien die Änderungen der Strukturprinzipien und Baugesetze der Bundesverfassung „nicht zur Abstimmung gestanden“. Diesem Ansatz haben freilich bereits mehrere österreichische Verfassungsrechtler widersprochen.

Auf Widerspruch dürften auch einige Argumente stoßen, die sich gegen weitere EU-Verträge richten. Schachtschneider behautet etwa, durch diese Verträge würden Grundprinzipien der Verfassung, wie Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und der Sozialstaat, unterwandert. Er erkennt das Europaparlament nicht als Volksvertretung an und ortet im Lissabon-Vertrag das Recht der EU auf Kriegsführung. Eine Differenzierung zwischen Friedenseinsätzen und der Teilnahme an Kriegen lässt er nicht gelten. In der Grundrechtscharta, die ausdrücklich die Todesstrafe verbietet, glaubt er, Hinweise auf das Recht zur Tötung durch den Staat zu erkennen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 24.10.2008)

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7 Kommentare
Gast: mike kraitl aus leipzig
09.12.2009 18:02
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allgemein gefragt

wenn sich ein volk das in einem bestimmten gebiet lebt und sich zivilisiert gibt sich eine verfassung und begründet daraufhin ein staat.soweit sogut warum wurde diese möglichkeit 1990 in den besetzten gebieten des ehemaligen 3. reiches nicht genutzt?wieso wurde das sogenannte grundgesetz nicht zur verfassung erhoben.setzen wir doch die verfassung der weimaraner wieder ein und versuchen einen freidensvertrag mit allen ehemaligen kriegsparteien hinzubekommen ohne wer am lautesten schreit bekommt recht.demokratie ist mein empfinden für freien willen und verständnis gegenüber anderen das ist kein standard sondern ethik und solange das kapital regiert ist es aus mit dem traum europa es wird sich nach meinem geschichtlichen wissen kein tausendjähriges reich mehr gründen lassen ich will damit sagen das die europäische union purer faschismus ist!

Gast: Berliner
09.07.2009 05:40
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Bild Dir selbst eine Meinung...

... und höre Dir an, wie Schachtschneider seine Haltung begründet:

http://www.youtube.com/watch?v=BtInXIHfxeM&feature=player_embedded

Gast: Inkorruptus
23.10.2008 23:32
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Keine EU-Gegner sondern Freunde eines freiheitlichen Europas!

Die Darstellung in diesem Artikel scheint arg verkürzt und (bewußt?) irreführend. Prof. Schachtschneider ist kein Gegner des europäischen Gedankens, sondern gegen dessen Instrumentalisierung für undemokratische, machtpolitische Zwecke. Und in der Tat ist die Demokratie auf EU-Ebene, an die der Vertrag von Lissabon viel Macht abgibt, auf dem obrigkeitsstaatlichen Niveau von Anfang des 19. Jahrhunderts. Man muss nur den Vertrag LESEN, eine Kunst, die offenbar vielen Menschen abhanden gekommen ist. Wer für ein demokratisches Europa der Völker ist, muss gegen den Vertrag von Lissabon sein.

Antworten Gast: Lissabon FTW!
07.12.2008 19:32
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Re: Keine EU-Gegner sondern Freunde eines freiheitlichen Europas!

Man muss nur den Vertrag "lesen", eine Kunst die vielen abhanden gekommen ist?

Tja, dann ist Schachtschneider wohl einer der Ersten, die diesen Rat beherzigen müssten.
Denn wenn man sich seine "Verfassungsbeschwerde" an den Verfassungsgerichtshof ansieht (und das habe ich getan!) wird man sehen, wie viel Blödsinn er darin verzapft.

Wenn Schachtschneider als den Vertrag gelesen und verstanden (!) hätte, dann dürfte er so einen Schwachsinn eigentlich nicht behaupten. Es sei denn, er weiß selbst, dass seine Bahauptungen juristisch unhaltbar sind und betreibt bloß Anti-EU Propaganda auf schäbigsten Niveau.

Ich hoffe der österreichische Verfassungsgerichtshof findet deutliche Worte gegen diese Vergewaltigung der Rechtswissenschaften die Schachtschneider seine "Beschwerde" nennt.

Antworten Gast: Ja zur EU, Nein zu dieser "Reform" !
25.10.2008 07:18
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Re: Keine EU-Gegner sondern Freunde eines *demokratischen* Europas!

Das EU-Parlament ist in diesem Vertrag kein Parlament, sondern nur ein Absegnungsgremium der Kommission. Kein Recht, Gesetze zu formulieren, geschweige denn einzubringen - sondern nur das Recht, Kommissionsvorschläge abzunicken (oder zurückzuweisen, und sechs Wochen später teils verändert auf's Neue vorgelegt zu bekommen)

Ich bin für eine Reform des derzeitigen Nizza-Zustandes, aber ein Europa mit Scheindemokratie kann es nicht sein!

Wir haben in jedem der 27 Mitgliedsländer vollwertige Parlamente, die Gesetze ausarbeiten, einbringen und beschließen. Wieso just an der Europaspitze nicht ?

Im übrigen bilden sich in allen 27 Parlamenten auch durch WAHLEN (der Bevölkerung!) die Regierung. Wieso soll just in Europa die Kommission völlig intransparent hinter verschlossenen Türen ausgemauschelt werden ?

Hinfort mit diesem Sowjetvertrag ! Es ist nicht einzusehen, warum es für Chemikalien, Steckdosen und tausende andere Dinge EU-Mindeststandards gibt - allein für Demokratie nicht.

Gast: Idefix
23.10.2008 21:24
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Ein weiterer Schritt in die richtige Richtung!

Die EU hat ein Ablaufdatum, und ein besonders kurzes speziell in Österreich.

Gast: EU-Austretter
23.10.2008 20:25
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EU-Klage- gut so

Differenzierung zwischen sachlicher Berichterstattung und der Teilnahme an einem Propaganda-Feldzug lässt die Presse nicht gelten.