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Aktionsplan: EU drängt Bürger zum Energiesparen

13.11.2008 | 18:21 |  REGINA PÖLL UND WOLFGANG BÖHM (Die Presse)

Brüssel schlägt strengere Produkt-kennzeichnungen vor. Verbraucher können so auch Kosten senken. Durch den neuen Aktionsplan sollen die 27 EU-Länder gemeinsam bis 2020 ein Fünftel weniger Energie verbrauchen.

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BRÜSSEL. Die EU macht gegen die Stromfresser mobil. Indem Unternehmen, Behörden und Privatpersonen die Energie effizienter einsetzen, könne man am ehesten die gemeinsamen EU-Ziele erreichen und die Abhängigkeit von Öl- und Gaslieferanten senken, so lautete der Tenor in der EU-Kommission gestern, Donnerstag, in Brüssel. Kommissionspräsident José Manuel Barroso und Energiekommissar Andris Piebalgs schlugen den EU-Ländern einen neuen „EU-Aktionsplan für Energieversorgungssicherheit und -solidarität“ vor. Durch diesen sollen die 27 EU-Länder gemeinsam bis 2020 ein Fünftel weniger Energie verbrauchen. Mit dem bisherigen Reformtempo würde man hingegen nur zwölf bis 15 Prozent weniger Energieverbrauch erreichen, warnen Experten.

Nun sind Industrie und Wirtschaft gefordert, aber auch jede einzelne Privatperson müsse zum Energiespar-Ziel in der EU beitragen, mahnte Kommissionschef Barroso. Das werde nicht nur den „Energiehaushalt“ der Union, sondern auch die Geldbörsen der fast 500 Millionen EU-Bürger schonen. Denn Energie sparen bedeutet gleichzeitig Geld sparen.

 

700 Euro Energiekosten im Jahr

Die Energiepreise in der EU sind zuletzt pro Jahr um durchschnittlich 15 Prozent gestiegen. Die Energie schlage zurzeit mit durchschnittlich 700 Euro pro Bürger und Jahr zu Buche, so Barroso. Dazu kommt die Abhängigkeit von Zulieferern. Ihren Energiebedarf deckt die EU derzeit zu 54 Prozent durch Importe – Tendenz steigend.

Der neue „Aktionsplan“ der EU-Kommission sieht strengere Vorschriften vor: solche für die Energieeffizienz von Gebäuden und energiebetriebenen Geräten. Außerdem sollen die Energieeffizienz-Zertifikate aufgewertet werden. Es sind auch Inspektionsberichte für Heiz- und Kühlanlagen vorgesehen. Bessere Kennzeichnung soll auch dem einzelnen Verbraucher im Privathaushalt helfen, künftig zu Produkten mit weniger Energieverbrauch zu greifen.

Experten listen ein erhebliches Einsparungspotenzial in Haushalten auf:
Moderne Haushaltsgeräte wie Geschirrspüler, Kühlschränke oder Waschmaschinen der höchsten EnergieeffizienzklasseA verbrauchen um bis zu 70Prozent weniger Strom als ältere Geräte oder jene einer weniger hohen Energieeffizienzklasse.
Kaffeemaschinen, die mit Abschaltautomatik ausgestattet sind und nicht über Stunden das Getränk warmhalten, verbrauchen um 60 Prozent weniger Strom als herkömmliche Maschinen.
Energiesparlampen verbrauchen bis zu 80 Prozent weniger Strom als herkömmliche Energielampen.
Fenster mit guter Wärmeverglasung können die verbrauchte Heizenergie bis zu 35 Prozent senken.
Stand-by-Betrieb von elektronischen Geräten: Bis zu 7,5 Prozent des Verbrauchs im Haushalt können eingespart werden, wenn die Geräte völlig abgeschaltet werden. Besonders energieintensiv sind ein ständig laufendes Internet und WLAN-System. Laut Österreichs Regulierungsbehörde e-control ist allein für die Erzeugung des gesamten Stand-by-Stroms derzeit ein Kraftwerk mit einer Leistung von 150 Megawatt erforderlich.
Neue Autoreifen: Mit besseren Reifen können Autofahrer laut EU-Kommission bis zu zehn Prozent der Spritkosten sparen. Die Behörde legte daher eine Richtlinie vor, die ein neues Kennzeichnungssystem vorsieht. Verbraucher sollen dank einheitlicher und leicht verständlicher Informationen zu den Eigenschaften der Reifen dazu motiviert werden, kraftstoffeffizientere und qualitativ bessere Reifen zu wählen. So könnten bis 2020 2,4 bis 6,6 Mio. Tonnen Rohöl eingespart werden, hieß es in Brüssel. Das wäre mehr als der derzeitige jährliche Ölverbrauch Ungarns.

Verbindlich sind die Vorschläge der EU-Kommission nicht. In Kraft treten sie erst, wenn die EU-Länder und das EU-Parlament sie abgesegnet haben. Im günstigsten Fall, so glaubt man in der Behörde, werde es in einem bis eineinhalb Jahren so weit sein.

APA, EU-Kommission

("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.11.2008)

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4 Kommentare
democrates
14.11.2008 09:51
0 0

Grob fahrlässige Politik


Laut ökologischem Fußabdruck hat Europa eine ökologische Habitatskapazität für ca. 100Mio. Menschen.
Aufgrund der Einfuhr von Energie und Rohstoffen aus den reichen Teilen der Welt können vorübergehend (z.Z. 500Mio.) auch mehr Menschen hier leben.

Mir Einsparungen und Optimierungen kann die Habitatskapazität vielleicht auf 150Mio. gesteigert werden.

Zur Vermeidung der zukünftigen (Hunger)Katastrophen ist ein ökologisches Bevölkerungssenkungs-Programm unverzichtbar.

60-100 Mio. Remigranten könnten Europas Ökologie, CO2-Kosten und Sozioalsysteme sofort nachhaltig entlasten.

Antworten Gast: Richtigsteller
03.12.2008 11:58
0 0

Re: Grob fahrlässige Politik

"Ökologisches Bevölkerungssenkungs-Programm" - "Remigranten" - soso. Gibt es eigentlich auch Öko-Nazis?

Saskatoon
14.11.2008 07:54
0 0

warum eigentlich nur der bürger

ständig soll der bürger sparen
die industrie braucht es nicht: sie ist angeblich der moter der spaßgesellschaft...
wenn die in der EU mit gutem beispiel vorangehen und im EU parlament zu sparen beginnen - überleg ich es mir auch.
die industrie könnte, wenn sie wollte, sehr viel einsparen - tun sie aber nicht.

Gast: Weitweg
14.11.2008 03:19
0 0

So wenige?

Liebe Presse,

fehlen da nicht ein paar?:

"... sondern auch die Geldbörsen der fast 500 EU-Bürger schonen, ..."