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Die Krise treibt Skeptiker in die EU

17.11.2008 | 19:03 |  REGINA PÖLL UND WOLFGANG BÖHM (Die Presse)

Irland könnte laut einer neuen Umfrage nun doch Ja zum EU-Vertrag sagen. Island will 2009 den Antrag stellen und 2011 EU-Mitglied werden, Schweden und Dänemark - eines der EU-kritischsten Länder - drängen in den Euro.

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DUBLIN/WIEN. Die heraufdämmernde Wirtschaftskrise macht es möglich: Das Image der Europäischen Union als sperrige, bürokratische Institution wird von Sehnsüchten nach ihrer übergeordneten Schutzfunktion abgelöst. Am augenscheinlichsten ist das in Irland, wo sich dieser Tage nach einer neuen Umfrage der „Irish Times“ erstmals wieder ein Ja zum EU-Vertrag abzeichnet. Eine zweite, positive Abstimmung wird damit für die unter Druck geratene Regierung unter Brian Cowen greifbar und möglich.

Unter Voraussetzungen, wie jener, dass Irland weiterhin ständig mit einem eigenen Kommissar in Brüssel vertreten ist, würden derzeit 43 Prozent der Bevölkerung mit Ja für den EU-Vertrag stimmen und nur noch 39 Prozent dagegen. Werden die Unentschlossenen nicht berücksichtigt, ergäbe sich laut dem Institut TNS sogar eine klare Mehrheit von 52,5 Prozent für den EU-Vertrag. Die Umfrage zeigt eine deutliche Verbesserung der Stimmung. Denn im Juli haben noch 62 Prozent der Iren in einer Umfrage des Instituts Red-C erklärt, sie würden im Falle eines zweiten Referendums mit Nein stimmen.

Außenminister Micheál Martin spricht im „Presse“-Interview offen aus, dass die Finanzkrise zum Stimmungswandel beigetragen habe. „Die Iren sehen, was Island passiert ist. Und sie sagen sich: Wären wir allein gewesen, wäre Irland womöglich etwas Ähnliches passiert.“

Diese Überlegung treibt derzeit auch die von Martin angesprochenen Isländer an, ihre Haltung gegenüber der EU zu überdenken. Die Insel im Nordatlantik, die durch die Finanzkrise arg in Mitleidenschaft gezogen wurde, hat überraschend schnell einen Zeitplan für den eigenen EU-Beitritt vorgelegt. Das Land, in dem zuletzt nur Politiker mit einer ausdrücklichen Anti-EU-Haltung Chancen auf Erfolg hatten, will 2009 den Antrag auf Mitgliedschaft stellen und 2011 beitreten. Die Zustimmung in der Bevölkerung wäre der Regierung für den Weg in die Europäische Union derzeit sicher. Sie ist in den vergangenen Monaten von 50 Prozent (vor der Finanzkrise) auf nun 70 Prozent gestiegen.

 

„Konsequenz aus Euro-Nein“

In Dänemark, einem der EU-kritischsten Länder, das sich bisher geweigert hat, bei der europäischen Sicherheitspolitik und beim Euro mitzuwirken, wird ebenfalls ein Stimmungswandel offensichtlich.

Im Jahr 2000 hat die Bevölkerung gegen die Gemeinschaftswährung gestimmt. Das Thema Euro galt danach lange als Tabu. Doch nun will Ministerpräsident Anders Fogh Rasmussen die Gunst der schweren Stunde nutzen und die Bevölkerung nochmals abstimmen lassen. Das Referendum soll 2009 oder spätestens 2010 stattfinden. „Erstmals kann die Bevölkerung sehen, dass das Nein zum Euro Konsequenzen hat“, sagt Rasmussen mit Hinweis auf die jüngsten Turbulenzen der Dänischen Krone. Die dänische Notenbank musste entgegen dem Trend in der Euro-Zone den Leitzins im vergangenen Monat gleich zweimal erhöhen.

Kaum anders ist das Stimmungsbild in Schweden, das 2003 ebenfalls den Euro abgelehnt hatte. Die schwedische Krone ist in den letzten Monaten unter Druck geraten. Auch hier wirbt die Regierung nun mehr oder weniger unverhohlen für die stabilere Europawährung. In unsicheren Zeiten wäre es beruhigender, zu den Euro-Ländern zu gehören, so Premierminister Fredrik Reinfeldt.

Der Drang, sich in sicheren Zeiten wieder an die Schutzfunktion der Europäischen Union zu erinnern, ist freilich kein neues Phänomen. In Zeiten der Rezession ist Europa stets beliebter gewesen. Das war in Großbritannien so, als sich das Land 1975 nach einer langen Phase der Europaskepsis und innenpolitischen Querelen in einem Referendum für einen Verbleib in der Europäischen Gemeinschaft entschied. Zwei Drittel der Briten (67 Prozent) stimmten damals für die Mitgliedschaft. Und es war so in Dänemark 1993, als das Land nach einem klaren Nein bei einer Volksabstimmung im zweiten Anlauf doch noch den Maastricht-Vertrag absegnete.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 18.11.2008)

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39 Kommentare
 
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Gast: Kiebitz
20.11.2008 18:38
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Beides ist gut:

Island in die EU,
Dänemark und Schweden zu Euroland!

Gast: mein zweites ich
19.11.2008 15:48
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EU

Die EU an sich ist ja eine gute Sache, aber nicht der EU-Vertrag. Die sollen einen neuen Vertrag aufsetzen und ihn der Bevölkerung zur Abstimmung vorlegen. Dann klappts auch mit den Nachbarn.a

Gast: Gast
18.11.2008 14:02
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EU

ES GIBT KEINE ALTERNATIVE ZUR EU!

Antworten NeroRosso
18.11.2008 17:23
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Re: EU

die EU wird solange wachsen bis sie von selbst wieder zerfällt.

Das ist der Lauf der Geschichte lieber Gast!

Antworten Antworten my2cent
19.11.2008 05:49
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Re: Re: EU

nur kann der prozess einige jahrhunderte dauern ... dann würde die aussage vom gast zumindest für die jetzige generation und die nächste stimmen

Antworten Antworten Antworten NeroRosso
19.11.2008 08:01
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Re: Re: Re: EU

klingt wie für das Fußballteam:
Die Hoffnung stirbt zuletzt!

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Was nun?

Kaum jemand ist gegen ein geeintes Europa. Wer sollte etwas dagegen haben. Es gibt viele Gruende,DIESE EU nicht zu wollen:
Bonzokratie,Sendungsbewusstsein der Bruesseler GnomInnen,Einmischung in alle Lebensbereiche,masslose Geldverschwendung,Selbstbereicherung der Funktionäre,....
Auch hat die EU nichts,aber auch gar nichts,zur Verhinderung der Krise getan.Jetzt soll diese EU uns retten?Wenn es wirklich ernst werden sollte,ist jeder (Staat) sich selbst der naechste!
Haette uns dieser undemokratische Reformvertrag vor der Krise geschuetzt?? NEIN!!!
Die EU braucht ein relaunch,nichts anderes!

Antworten se-michi
18.11.2008 14:29
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Re: Was nun?

lesen sie meine antwort auf den vorwurf von grinch... es gibt genügend gründe weshalb in der EU die positiven Aspekte überwiegen....

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Re: Re: Was nun?

Dann lasst doch die Völker abstimmen,so wie die Iren abgestimmt haben!Oder die Franzosen,oder die Niederländer...

Antworten Antworten Gast: Hermano de Ortiga
18.11.2008 14:39
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Re: Re: Was nun?

Was dem ein sin Nachtigall,ist dem andern sin Uhl...

Bombur
18.11.2008 12:45
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Wer

ernsthaft glaubt es würde uns mit Schilling, genauso "gut" gehen mitten in einer Finanzkrise dem kann man auch nicht mehr helfen.

Ja, seht es doch endlich ein, die EU hat auch Vorteile und nicht nur Fehler.

Antworten Gast: Brennstein
18.11.2008 15:10
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Re: Wer

Ja wenn mir diese Vorteile doch endlich einmal wer aufzählen könnte, weil da hört man nur die üblichen Gemeinplätze mit Konjunktiv.

Bombur
18.11.2008 12:31
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Wer ernsthaft glaubt....

mit Schilling würden wir so "gut" mitten in der Finanzkrise dastehen dem kann man auch nicht mehr helfen.

Die EU, auch wenns viele nicht hören wollen, hat schon ihre Vorteile. Sie hat auch ihre Fehler, aber nicht das man nicht ausbügeln kann.

Klar für Leute, für die Striche auf Landkarten heilig sind, ist es vielleicht nicht so spaßig aber da müssen sie durch.

Gast: gerda
18.11.2008 11:49
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Schande

Ist auch eine altbewährte Möglich: So lange abstimmen bis das richtige Ergebniss kommt

Antworten se-michi
18.11.2008 12:25
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Re: Schande

Wenn das Volk nun unter andern Umständen, es doch für gut heißt den Reformvertrag zu ratifiziern, ist dass doch Demokratie pur, und somit legitim, oder?

Antworten Antworten Gast: Brenner
18.11.2008 15:12
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Re: Re: Schande

und warum stimmen wir dann nur bei negativen Ergebnissen für die EU mehrfach ab? Wie wär es mit einer zweiten EU-Abstimmung in Österreich?

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Auch die EU kann keine Garantie auf Besserung geben!

Daß sich in Zeiten von Not, Gefahr und Bedrängnis Menschen in größeren Gruppen und Gemeinschaften zusammen scharen, hat es seit jeher gegeben und ist auch ganz normal: Wir sind nun einmal soziale Wesen und anders hätten wir auch niemals so lange als Spezies überlebt!

Allerdings können die daraus geborenen Hoffnungen auch trügerisch sein. Wenn niemand einen wirklichen Ausweg aus der jeweiligen Krise kennt, dann wird sich aus personeller Quantität nur schwer intellektuelle Qualität ergeben. Vor allem dann, wenn INNERHALB der Gruppe, von der man sich Schutz verspricht, noch immer etliche sind, die aus der tristen Lage für sich selbst und ihre Interessen Kapital zu schlagen versuchen...

Insofern ist also das Drängen einiger bisher Außenstehender in die Gemeinschaft zwar menschlich durchaus verständlich;anderseits sollten sich diese Staaten im klaren sein,daß auch Brüssel keine schlüssigen Antworten auf die aktuelle Finanzmarktkrise kennt. Die ganzen Folgen wird man 2009 erkennen.


Antworten Sam Lowry
18.11.2008 12:43
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Re: Auch die EU kann keine Garantie auf Besserung geben!

> Vor allem dann, wenn INNERHALB der Gruppe, von der man sich Schutz verspricht, noch immer etliche sind, die aus der tristen Lage für sich selbst und ihre Interessen Kapital zu schlagen versuchen...

Genau dagegen hätte der Vertrag von Lissabon geholfen - aber den wollten wir ja nicht ... ... wir geben den EU Institutionen keine Macht und schimpfen dann, wenn die böse EU nichts macht ...

Und nicht vergessen: die EU ist kein abstraktes isoliertes Gebilde - wir sind die EU ...

Antworten Antworten se-michi
18.11.2008 13:40
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Re: Re: Auch die EU kann keine Garantie auf Besserung geben!

100% agree!

Gast: blondel
18.11.2008 11:06
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das wahre gesicht der eu

die wirtschaftskrise wird jetzt von den eu-bonzen ausgenützt um die iren gefügig zu machen. die hörigen medien singen dazu die eu-loblieder. eine heuchelei wie es nicht mehr besser geht.

grinch
18.11.2008 09:37
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Schön wie auf einmal alle in die EU gedrängt werden
und noch schöner wie eine Zeitung selbst hier zu Lande dafür Stimmung macht. Ginge es nach uns würden wir alle sofort aufnehmen, so gut wie wir von der Presse über die Vorteile informiert wurden. Bedenklich hingegen ist, dass die Krise schon fast mehr "nutzt" als schadet, Großbanken verspekulieren sich, auch die Autoindustrie baut Mist und zahlen darf der Steuerzahler, der wieder um Milliarden erleichtert wird. Die alten Strukturen der defizitären Unternehmen ändern sich jedoch kaum, da kein Bedarf daran besteht, wenn man kracht, dann springt der dumme mit den ach so vollen Geldbeuteln ein, aber für eine Steuer-, Gesundheits-, Bildungs-, Pensionsreform, sorry dafür haben wir leider kein Geld. Die Reichen richten sichs, naja fast alle zumindest der Merckle hat dank Leerverkäufen kräftig daneben gegriffen.
Die Welt wird immer kleiner und bald haben wir gar nichts mehr zu melden, überall bilden sich Unionen, nur wem bringt das was ?!

Antworten se-michi
18.11.2008 09:43
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Re: 1

Dann lesen sie die Kronen-Zeitung oder schnappen sie sich eine Heute vom U-Bahnsitz, da können sie sich mit gleichgesinnten über die EU ausheulen, wie böse sie nicht ist, und was sie uns nicht alles antut. Dies ist eben eine Qualitätszeitung, welche mal zum Glück das richtige Licht auf die EU wirft!

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Die EU ist nicht demokratisch!

Alles (EU, Politiker und Presse) werden von der neuen Weltordnung kontrolliert.
Die Presse schürt gezielt Ängste oder schlägt sich auf die Seite, an deren Nutzen Sie maßgeblich beteiligt ist:
http://www.youtube.com/watch?v=vs6mFtR0Dzc
http://www.youtube.com/watch?v=cjBs0sa2Jg0

Antworten Leser
18.11.2008 12:53
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Re: Die EU ist nicht demokratisch!

glaube youtube braucht man nicht kommentieren, das sagt schon alles. bleiben sei auf diesen forum und nicht bei der presse.

Antworten Antworten Gast: Versteher
18.11.2008 15:14
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Re: Re: Die EU ist nicht demokratisch!

klar wenn einem die Argumente ausgehen braucht man nicht kommentieren. Die Ausrede für Dünnbrettbohrer:-)

Gast: demokrat
18.11.2008 06:49
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Einseitige EU Lobhudelei in der Presse

Eine unabhängige Berichterstattung sieht anders aus!
Im Gegensatz zu den EU Staaten zahlen die nicht zur Wirtschaftsunion zählenden Staaten keinen Obolus für bankrotte EU Staaten - Ungarn, Rumänien.....etc.
Der Schweizer Franken ist zum Euro härter geworden.
Und in Irland läßt man so lange abstimmen, bis das Ergebnis paßt. Danach werden spätere Verträge im Parlament - wie in Österreich und den anderen EU Staaten - von den Brüsselmarionetten durchgewunken werden.
Wir leben in einer Diktatur des Kapitals und der Konzerne - und einer Scheindemokratie, die mit unserer Verfassung in der Realität nichts mehr gemein hat!
Diese Fakten sollte ein Qualitätsjournalismus aufzeigen - aber von diesem hat sich die Presse seit Fleischhacker weit entfernt! Wie schade!

 
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