10.02.2012 14:40 | Meine Presse Merkliste0

Interview: „EU-Vertrag wird durch Irland-Zugeständnisse nicht angetastet“

18.12.2008 | 18:36 |  Von unserer Korrespondentin REGINA PÖLL (Die Presse)

Österreichs EU-Botschafter Hans Dietmar Schweisgut zu Irland, der EU-Wahl und zum ersten Auftritt der neuen Regierung in Brüssel.

Artikel drucken Drucken Artikel versenden Senden Merken AAA Textgröße Artikel kommentieren Kommentieren

Die Presse: Erwarten Sie im Zuge der Ratifizierung des EU-Vertrags noch Gegenwind aus Österreich? Oder etwa, wenn es um Zugeständnisse an die Iren im Zuge eines kroatischen EU-Beitrittsvertrags geht?

Hans Dietmar Schweisgut: Wir hoffen alle, dass der Lissabon-Vertrag vor Ende 2009 in Kraft treten kann. Österreich hat ihn ja bereits ratifiziert. Durch eine Lösung des irischen Problems wird kein neuer Ratifizierungsprozess in den Ländern gestartet werden. Durch Zusicherungen etwa über die Souveränität Irlands in der Neutralitäts- oder Steuerfrage wird der Vertrag ja nicht angetastet. Bei der Frage des EU-Kommissars wird der Vertrag die Möglichkeit bieten, am Prinzip „ein Kommissar pro Mitgliedsland“ festzuhalten. Durchaus etwas, womit sich Österreich voll identifizieren kann. Ob technische Details in den Beitrittsvertrag mit Kroatien aufgenommen werden, wird sich zeigen.

Wie schnell wird die Ratifizierung EU-weit gelingen? Auch im nächsten EU-Vorsitzland Tschechien gibt es eine Verzögerung.

Schweisgut: Man geht davon aus, dass das zweite irische Referendum nicht vor Oktober stattfinden wird. Entsprechen die Tschechen dem eben vereinbarten Fahrplan, dann werden sie den Vertrag bis dahin längst ratifiziert haben. Derzeit ist die Abstimmung im Parlament ja für den 3. Februar vorgesehen.

Was, wenn Irland ein zweites Mal Nein sagt?

Schweisgut: Sollte ein zweites Referendum negativ ausgehen, dann muss man zur Kenntnis nehmen, dass dies das Ende des Lissabon-Vertrags ist. Wobei Lissabon den EU-Institutionen mehr Handlungsfähigkeit brächte, unter anderem durch Verbesserung des institutionellen Rahmens und Ausbau von Mehrheitsentscheidungen. Andererseits hat sich der Vertrag von Nizza auch als anpassungsfähiger erwiesen als befürchtet, selbst in der bereits erweiterten Union. Etwa in der Finanzkrise hat sich gezeigt: Sind der politische Wille da und die Führungspersönlichkeiten stark, dann ist die EU im derzeitigen institutionellen Rahmen durchaus handlungsfähig.

Wird, glauben Sie, die EU-Wahl zu einem Wettlauf der EU-Kritiker?

Schweisgut: Ich glaube nicht. Es geht vielmehr um ein klares europapolitisches Profil. Zum Beispiel, wenn Österreich im Wirtschaftsbereich für mehr Nachhaltigkeit oder in der Nachbarschaftspolitik für eine klare Linie im Bezug auf den Westbalkan eintritt. Dies hat nichts mit EU-Kritik zu tun. Sondern Österreich will sich gestaltend einbringen. Es wäre unsinnig, alles als Kritik zu verdammen, was teilweise zu neuen Ansätzen führt.

Stellen Sie, unter dem Eindruck des jüngsten EU-Gipfels, eine neue EU-Linie in der Regierung fest?

Schweisgut: Ich bin nicht sicher, ob man von einer neuen EU-Linie sprechen kann. Denn auch in den Zeiten, als die Harmonie in der Koalition nicht immer so gut war wie zuletzt beim EU-Gipfel zwischen Kanzler Faymann und Außenminister Spindelegger, hat es immer ein sehr großes Maß an Übereinstimmung in der EU-Politik gegeben.

Allerdings gab es bis zuletzt Differenzen zwischen SPÖ und ÖVP über die Notwendigkeit einer Volksabstimmung über neue EU-Verträge.

Schweisgut: Ich sehe da keinen Konflikt. Die Regierungsvereinbarung bietet einen klaren Rahmen, die Koalitionspartner haben sich festgelegt. Und es ist ja offen gesagt kein Thema, das in nächster Zeit eine Entscheidung erfordert.

Sie selbst haben einmal gesagt, die Forderung nach einer Volksabstimmung mache die Arbeit für österreichische Verhandler in Brüssel nicht gerade einfacher.

Schweisgut: Die Diskussion ist aber eigentlich vorbei. Diese Dinge sind inzwischen weder in der Tages- noch in der Europapolitik wirklich relevant.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.12.2008)

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo
Als Gast kommentieren

...oder einloggen um als registrierter Benutzer zu kommentieren (Vorteile dieser Variante)


Mit dem Absenden Ihres Kommentares erklären Sie sich mit den Forenregeln einverstanden.

*... Pflichtfelder

Sicherheitscode
(Was bringt das?)*


Schwer lesbar?
Neuen Code generieren

Verbleibende Zeichen

4 Kommentare
senfgeber2
06.01.2009 11:15
0 0

Alles halb so wild

Was die Iren angeblich mit ihrem Nein erreichen wollten, war ja (mit Ausnahme des Kommissars) bereits im Vertrag sicher und die Nein-Kampagne hat sie hier belogen... wenn man also nun dies klärt ist es in der Tat keine Veränderung des Vertrages - wie gesagt mit Ausnahme der Frage des Kommissars, wo es jetzt keine Reduktion hier gibt.

derpradler
29.12.2008 17:31
0 0

Die Diktatur in Brüssel

wird den Kapitalismus wieder aufbauen. Dabei ist der Vertrag unheimlich wichtig, weil die letzten Bastionen des Sozialstaates endlich fallen müssen!
Und die Folge dieser Politik der Ignoranten und Abzocker
"Griechenland macht es bereits vor"

Gast: TSCHECHIEN HAT AB 01.Jänner DEN EU-RATSVORSITZ
20.12.2008 15:50
0 0

EU-Vertrag wird durch Irland-Zugeständnisse nicht angetaste

EU-Ratsvorsitz:
Noch keine Einigung zwischen Präsident und Regierung

Noch keine Einigung gibt es zwischen
Staatspräsident Václav Klaus
und der Regierung
über die genaue Aufteilung der Kompetenzen
während der EU-Ratspräsidentschaft.
Klar ist, dass Premierminister Mirek Topolánek
das Amt des Ratspräsidenten ausüben wird.
Fix ist auch, dass Präsident Klaus
am 7.Januar im Namen der Tschechischen Republik
die Europäische Kommission auf der Prager Burg empfangen wird.
Am 19. Februar wird Klaus
dann vor dem Europäischen Parlament sprechen.
Dies bestätigte ein Sprecher des Präsidenten am Freitag.

Weiterhin unklar ist,
ob und bei welchen Veranstaltungen
im Rahmen der EU-Ratspräsidentschaft Klaus
den Vorsitz übernehmen wird.

KÖNNTE "PRAG"
EIN WEITERER STOLPERSTEIN
FÜR DIE EU-EUROKRATEN WERDEN?

0 0

Wenn die Iren wieder Nein sagen...

So wie die Verantwortlichen die Demokratie sehen, kann man ruhig sein, dass der Vertrag irgendwann angenommen wird.

Man kann ja wieder irgendwelche juristischen Spitzfindigkeiten erfinden und gegebenenfalls halt noch einmal abstimmen, wenn Irland erneut Nein sagt.

Es ist jetzt schon untragbar, was mit den Menschen in Europa aufgeführt wird, um die globale Ausbeuterpolitik weiterzutreiben - militärisch abgesichert.

www.webinformation.at
http://helmut-schramm.blogspot.com/2008/12/eu-vertrag-von-lissabon-soll-mit-einem.html