LONDON/DUBLIN (rei). Nur noch 33 Prozent der Iren sind gegen den Lissabon-Reformvertrag, den im Juni 2008 noch 53,4 Prozent der stimmberechtigten Bürger abgelehnt hatten. 51 Prozent würden nun zu dem EU-Vertrag „Ja“ sagen, ergab eine am Montag veröffentlichte Umfrage der „Irish Times“. In Dublin wird daher bereits über eine Vorverlegung der zweiten Volksabstimmung spekuliert. Nach Angaben des „Irish Independent“ könnte das Referendum bereits am Tag der Wahl zum Europaparlament am 5. Juni stattfinden. Verteidigungsminister Willie O'Dea bestätigte entsprechende Überlegungen auf Regierungsebene. Bisher war die Neuauflage für Oktober geplant gewesen.
Noch klarer wird die Zustimmung zum Lissabon-Vertrag, wenn man die Zahl der 16 Prozent Unentschlossenen herausnimmt. Dann beträgt die Zahl der Ja-Stimmen 60,7 Prozent, die Nein-Stimmen liegen bei 39,3 Prozent.
Die Krise hat offenbar die allgemeine Stimmung der Iren gegenüber der EU verändert: 80 Prozent halten die Mitgliedschaft für eine gute Sache, 13 Prozent für schlecht und sieben Prozent geben an, dazu keine Meinung zu haben. Das Ja-Lager kann auch aus der Tatsache Hoffnung schöpfen, dass heute die Wähler aller Parteien mit Ausnahme der nationalistischen Sinn Féin mehrheitlich für den EU-Vertrag stimmen würden. Selbst unter den Landwirten, die dem Abkommen 2008 noch besonders kritisch gegenüberstanden, ist die Zustimmung heute mit 66 zu 20 Prozent überwältigend. Frauen sind mit 47 zu 35 Prozent Ja-Stimmen weiter skeptischer als Männer, unter denen derzeit 56Prozent mit „Ja“ und 32 Prozent mit „Nein“ stimmen würden.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 17.02.2009)

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