Luxus-Fitnessstudio für EU-Parlament

18.02.2009 | 18:15 |  Von unserer Korrespondentin REGINA PÖLL (Die Presse)

Um 9,2 Mio. Euro soll ein Sportzentrum für Abgeordnete und Beamte entstehen. Der Großteil der Gesamtsumme käme vom EU-Steuerzahler.

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BRÜSSEL. Die EU-Abgeordneten wollen offenbar nicht nur Fett verbrennen, sondern auch einen Batzen Geld. Am liebsten hätten sie ein eigenes Fitnessstudio, das nicht nur einfache Hometrainer oder Laufbänder bietet, sondern auch einen Pool für Aquagymnastik und einen neuen Ruheraum.

Schon 2007 hat das Parlament gemeinsam mit der EU-Kommission entschieden, das Fitnessstudio im Parlamentsgebäude in Brüssel renovieren und ausbauen zu lassen. Wie sich jetzt herausstellt, könnte dies aber wesentlich teurer werden als geplant: Auf 5,6 Mio. Euro für die Erweiterung sowie 2,3 Mio. Euro für die Renovierung des bestehenden Studios schätzt die CDU-Europaabgeordnete Inge Gräßle vom Haushalts-Kontrollausschuss des Parlaments die Ausgaben. Dazu kämen 1,3 Mio. Euro für Studien und Sicherheitsanalysen.

Der Großteil der Gesamtsumme käme vom EU-Steuerzahler. 1,5 Mio. Euro würde die EU-Kommission beisteuern. Ihre Beamten wollen das neue Sportzentrum später auch nutzen.

In Zeiten der Finanzkrise, in der Millionen Menschen um ihre Arbeitsplätze bangen, wären Kosten von 9,2 Mio. Euro inakzeptabel, sagte Gräßle am Mittwoch der „Presse“. An allen Ecken und Enden werde gespart, nur beim Fitnessstudio der EU-Abgeordneten nicht – das sei nicht einzusehen.

Am Mittwochabend wollte sich das EU-Parlamentspräsidium aus dem Präsidenten, Hans-Gert Pöttering, den 14 Vizepräsidenten und den sechs Quästoren mit dem Projekt befassen. Im Vorfeld war die Stimmung allerdings eher pro Renovierung und Erweiterung. Nur die fünf sozialdemokratischen Vizepräsidenten bezogen bereits Stellung, sie würden lediglich für die Renovierung (dies aus Sicherheitsgründen), nicht aber für die Erweiterung stimmen.

„Das wäre nicht zu rechtfertigen“, sagte die deutsche Vizepräsidentin Mechtild Rothe (SPD), der Prozess müsse gestoppt werden. Voraussetzung für die Zustimmung 2007 wäre neben überschaubaren Kosten auch gewesen, dass die Investitionskosten vom Betreiber des Studios retour fließen, das Ganze die Steuerzahler also nichts koste. Doch davon könne nach dem aktuellen Plan keine Rede mehr sein.

 

„Für Steuerzahler unzumutbar“

Mit Herbert Bösch (SPÖ), dem Chef des Haushalts-Kontrollausschusses, rief das Thema auch einen Österreicher auf den Plan. Er ist ebenfalls gegen eine Erweiterung. Eine solche wäre für den Steuerzahler derzeit unzumutbar.

Der grüne Vizepräsident Gérard Onesta kann die Aufregung nicht verstehen: Das moderne Studio habe „nichts mit Luxus“ zu tun, sagte er der „Presse“. Er sieht es als „Investment“ – in mehr Sicherheit und eine bessere Gesundheit.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.02.2009)

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13 Kommentare

Gast: AF
19.02.2009 22:58
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So ein Käse

Danke, Chris.

Das Fitnessstudio wird übrigens von einem privaten Unternehmen betrieben, es lief eine Ausschreibung und das vom Preis-Leistungs-Verhältnis beste Angebot wurde ausgewählt, so wie es auch private Banken (wie die, die letzte Woche ausgeraubt wurde), Supermärkte oder Bücherläden im Parlament gibt. Was ist daran dann bitte Verschwendung von Steuergeldern? Die Statistik, woher die zahlreichen Kritiker ihre Informationen über den genauen EU-Beitrag möchte ich gerne mal sehen.

Wieso gibt es eigentlich immer noch so viele unfähige Chefredakteure, die so einen Mist anfordern bzw. zulassen? Einfach mal Vorurteilsschublade auf, uralte Berichte auf neue Entwicklungen überprüfen, schön draufkloppen und dadurch sich selbst erhöhen und zur Erosion gemeinschaftlicher Werte beitragen: Große Klasse!

Einen Fußballer würde man nach so einem Fehltritt suspendieren oder mit einer Geldstrafe belegen, Journalisten freuen sich über viele Leser und Resonanz. Traurig

Re: So ein Käse

Und warum ist es so, dass jeder gleich das Schlechteste annimmt, wenn es um die EU geht? Muss man da wirklich gleich dem Journalismus Falschheit und den Bürgern Dummheit unterstellen? Oder ist es doch so, dass man sich seinen schlechten Ruf zunächst selber "erarbeiten" muss, um so dazustehen, wie die EU-Institutionen es jetzt tun?
Es ist ja noch nicht so lange her, dass ein ganz hoher Prozentsatz an EU-Abgeordneten im Verdacht stand, bei Abrechnungen (Sekretariatszulage, Flugspesen etc) geschwindelt zu haben. Man hat da gleich Stillschweigen beschlossen und die Öffentlichkeit hat seither nichts mehr davon gehört. Wundert es Sie wirklich, dass man dann bezüglich EU-Parlament immer bereitwillig alles Negative glaubt, wenn so ein Skandal unerledigt im Raum steht. Von den vielen lobbyismusgetriebenen Entscheidungen rede ich ja gar nicht mehr...

hehe

für den "bladen" Fischler kommt dieses Investment zu spät.

Ich frage mich nur, warum ich noch nie einen Politiker mit wenigestens einen Six-Pack-Ansatz gesehen hab.

Der sportlichste bisher ist der neue US-Präsident.

Das einzige was mich wundert: Warum brauchen diese Herrschaften unbedingt ein Fitnessstudio für über 9 Mio, wo man sich fragt wie man diese Unsumme in dieser Hinsicht so verpulvern kann und Otto-Normal-Student wie ich kommt mit einem Angebot von 19.90 im Monat aus?

Noch wichtiger ist: Warum tritt man in Brüssel andauernd in solche dearartigen Fettnäpfchen?

Damit zieht man das beste Friedensprojekt Europas nur unfairerweise in den Dreck.

In diesem Sinne

MFG vom Elch

Antworten Gast: guest
19.02.2009 15:01
0 0

Re: hehe

und was ist mit putin?

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man darf den KHG nicht vergessen, der war ja schon gut trainiert


Gast: Förderer, freiwilliger
19.02.2009 06:19
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Sehr ungeschickt. Direkt in den Steuertopf hineinzulangen.

Geht man auf www.polizeisv-wien.at/, erfährt man, daß sich die Beamten eines Fitness- und Wellnesscenters erfreuen und sogar rühmen. Staatsdiener bedürfen ganz besonders der Fitness und Wellness.
In Wien des anno dazumal hatte ich 15 Jahre lang die Ehre, diese mit einem Blauen jährlich zu fördern - ganz freiwillig und ohne Zwang. Anfangs wurde man mittels mehrseitiger Abkassierlisten ähnlich freudiger Sponsoren zur Freiwilligkeit überredet, später ging es dann wie geschmiert - genauso selbstverständlich wie es zwei Wochen später weihnachtete. Widerstand gegen die Staatsgewalt erschien nicht ratsam - bei dem Zwei - Meter - Hühnen, der einen an die Fälligkeit der milden Gabe erinnerte. Und damals war der Blaue nicht bloß ein Stück Papier.
Um der Vollständigkeit halber: Gegenleistung war auch vorhanden in Form eines unübersehbaren runden Pickerls, auf dem so ähnlich wie „Förderer des Wiener Polizei – Sportvereins“ stand und vor bösen Geistern auf der Straße behüten sollte.

Gast: petar
19.02.2009 03:45
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Luxus

klar ist das Luxus, wenn die EU-Abgeordneten nix fürs Fitnessstudio zahlen.
Einfach nur korrupt!

Antworten Gast: Ein Steuerzahler
19.02.2009 12:17
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Re: Luxus

was hast das mit korrupt zu tun?? bitte zuerst das ethymologische wörterbuch bemühen!
und ich kann "chris" nur zustimmen: kostenlos ist es ja nicht! wer schon einmal den alltag im parlament miterlebt hat, kann einem solchen fitnesscenter nur zustimmen. stress pur.

Antworten Gast: chris
19.02.2009 09:34
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Re: Luxus

von kostenlos ist keine Rede. Für das aktuell existierende und privat betriebene Fitnessstuido zahlen Abgeordnete (und auch andere die wollen und täglich im Parlament ein und ausgehen) monatlich 55 € oder 115 € für eine Zehnerkarte.

Nachzulesen unter http://www.europarl.europa.eu/interinst/sportscentre/membership.htm

Aber was nützen Argumente, wenn Vorurteile viel einfacher sind?


Antworten Antworten Gast: Loi200
20.02.2009 11:24
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Re: Re: Luxus

Es ist interessant anzusehen wie den Pauschalkritikern bei sachlichen und fundierten Argumenten die Antworten ausgehen, denn auf solche wird nicht mehr geantwortet. Danke fuer die Klarstellung, damit sollte eigentlich einiges aufgeklaert sein.

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Korrupter

Haufen...

Antworten Gast: Barbara S.
18.02.2009 23:25
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Jammern ist zu wenig!

Die Devise kann für Österreich nur lauten:

So bald wie möglich raus aus dem EU-Saustall!

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