BRÜSSEL/WIEN.In der 200.000- Einwohner-Stadt Fuenlabrada, 20 Kilometer außerhalb Madrids, tat die Polizei vor zwei Jahren etwas Unerhörtes. Statt wie bisher vor allem Marokkaner bei ihren Ermittlungen pauschal ins Visier zu nehmen (das nennt man „Ethnic Profiling“), organisierten die Polizisten monatliche Treffen mit Vertretern der am häufigsten perlustrierten Ethnien. Das Ergebnis: Binnen vier Monaten sank die Zahl der Anhaltungen von 958 pro Monat auf 396. Zugleich schnappte die Polizei mehr Übeltäter: Ihre ethnischmotivierten Kontrollen waren nur in sechs Prozent erfolgreich gewesen. Nach der Umstellung waren es hingegen 28 Prozent.
Terroristen schlüpfen durch
Weniger Arbeit für die Polizei, aber mehr erwischte Gauner: Das Beispiel aus Fuenlabrada ist nur eines von mehreren, anhand dessen das vom US-Milliardär George Soros finanzierte Open Society Institute in der am Dienstag veröffentlichen Studie „Ethnic Profiling in the European Union“ (zu finden in der Onlineversion dieses Artikels auf www.diepresse.com) zeigt, dass die Rasterfahndung nach ethnischen Kriterien nicht nur eine schwere Menschenrechtsverletzung, sondern auch unnütz ist. Vor allem seit den Attentaten vom 11. September 2001 ist das „Profiling“ junger Moslems bei der Suche nach Terroristen in vielen Rechtsstaaten gang und gäbe.
Doch so eng das ethnisch definierte Datennetz der Polizei auch geflochten sein mag: Oft gehen ihr gerade deshalb die wirklich gefährlichen Verdächtigen durch die Lappen. Mohammed Sidique Khan zum Beispiel war bereits im Visier der britischen Sicherheitsbehörden, die ihn aber nicht weiter verfolgten, weil er nicht allen Kriterien entsprach, die sie auf Terrorverdächtige anwandten. Ein fataler Irrtum: Am 7. Juli 2005 sprengte sich der 30-Jährige in der Londoner U-Bahn in die Luft – und riss mit drei weiteren Selbstmordattentätern 52 Menschen in den Tod.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 27.05.2009)

Yigg
Webnews
Mr. Wong
Delicious
Facebook
Scoop
Google
Diskussion um das Habsburger-Verbot
''We are sitting in one boat''Politiker sprechen ''Englisch''
Zitate der Woche''Dem Gorbach weinen sie heute noch nach''
Parlaments-EklatsPrügeleien, Partys, Plakat-Aktionen