LUXEMBURG/WIEN (go). Eine neue EU-Verordnung soll ab dem kommenden Jahr den Betrug bei der Ausstellung von Visa für den Schengen-Raum dadurch eindämmen, dass jeder Ausländer, der zum Beispiel nach Österreich reisen will, vorab seine zehn Fingerabdrücke abgeben und ein digitales Foto von sich machen lassen muss. Diese biometrischen Daten werden in das Visa-Informationssystem, das zum Jahreswechsel in Betrieb gehen soll, eingespielt und dort gespeichert.
Diese aus Sicht des Datenschutzes heikle Aufgabe, Visa-Bewerbern Fingerabdrücke abzunehmen und Fotos von ihnen zu machen, dürfen auch Privatfirmen übernehmen. Diese Privatisierung staatlicher Aufgaben ist schon jetzt gang und gäbe. So kostet es Ukrainer zum Beispiel allein 12,45Euro, um telefonisch einen Termin bei der Botschaft in Kiew zu vereinbaren: zahlbar vorab per Kreditkarte.
Wer die Kosten der neuen Datenerfassung trägt, ist offen. Auf heimische Firmen, die regelmäßig Mitarbeiter aus Drittstaaten nach Österreich laden, kommt jedenfalls einiger bürokratischer Aufwand zu. So hat allein das Marktforschungsunternehmen GfK Austria im Jahr 2008 rund 350 Einladungen an Menschen aus vor allem osteuropäischen Drittstaaten ausgesprochen. Diese werden künftig Fingerabdrücke abgeben und sich digital fotografieren lassen müssen.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 26.06.2009)
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