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Klaus: Unterschreibe EU-Vertrag nicht

13.10.2009 | 18:42 |  Von unserem Korrespondenten HANS-JÖRG SCHMIDT (Die Presse)

Präsident Klaus verweigert seine Zustimmung zur EU-Reform. Er will nicht nur die Benes-Dekrete sichern, sondern auch den britischen Tories ein Referendum ermöglichen.

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PRAG. Václav Klaus weiß, wie er seine Regierung und die EU-Partner schockt: „Keine Angst, das tue ich nicht“, soll der tschechische Präsident zuletzt bei einem Pferderennen im ostböhmischen Pardubice zu Besuchern gesagt haben – gefragt, ob er bald den EU-Vertrag von Lissabon unterzeichnen wird. Das berichtete gestern die Londoner „Times“ in ihrer Onlineausgabe. Und Prager Quellen untermauern die Aussage des Präsidenten. Nur Klaus ist in der EU seine Unterschrift unter das Reformpaket noch schuldig.

Tschechiens Übergangspremier, Jan Fischer, versuchte am Dienstag in Brüssel die Wogen zu glätten: Er reiste zu den EU-Spitzen, um die Absichten des Präsidenten zu erläutern, und er gab sich zuversichtlich, dass Klaus nach der Erfüllung seiner Bedingungen doch noch unterschreibt.

Klaus befürchtet, die Menschenrechtscharta zum EU-Vertrag würde den Bene?-Dekreten aus den 40er-Jahren widersprechen. Er verlangt eine „Fußnote“ zum Vertrag – eine Bestandsgarantie für die Dekrete gegen mögliche Eigentumsforderungen der nach dem Krieg kollektiv enteigneten und vertriebenen Sudetendeutschen, die dafür die Charta zu Hilfe nehmen könnten. Sonst werde er den Vertrag nicht ratifizieren.

 

Scheingefecht um Bene?-Dekrete

Doch das Gefecht um die Bene?-Dekrete ist offenbar ein Scheingefecht. Stimmt der Bericht der „Times“, dann will Klaus nämlich unter allen Umständen den Lissabon-Vertrag zu Fall bringen. Die Prager Burg lehnte am Dienstag jeden offiziellen Kommentar zu dem Artikel ab. Ein Dementi sieht anders aus. Beobachter betonen, Klaus werde in seinem Widerstand gegen den Vertrag von den EU-Partnern und auch von der Regierung unterschätzt.

Denn schon am 18.Februar, als Lissabon die überwältigende Zustimmung des Prager Abgeordnetenhauses bekam, drohte Klaus mit einer Absage. Er war vom Ergebnis der Abstimmung bei einem Gespräch mit dem sächsischen Ministerpräsidenten, Stanislav Tillich, informiert worden. Klaus soll Berichten von Zeugen zufolge genervt gezischt haben: „Ich unterschreibe das ohnehin nicht.“ Auf Tschechisch. Doch die Sprache ist für den gebürtigen Sorben Tillich kein Hindernis, dessen Mitarbeiter konnten später die Geschichte kolportieren.

Klaus riskiert also den großen Krach mit Europa und der eigenen Regierung. Die hat sich bereit erklärt, mit den EU-Partnern über Klaus' Forderung zu verhandeln, wenn der Präsident danach Ruhe gibt. Doch Klaus scheint so oder so entschieden.

 

Deal mit Cameron

Folgt man der „Times“, dann öffnet er mit seiner Verzögerungstaktik den britischen Konservativen eine Tür: Gehen die Wahlen in Großbritannien im Mai 2010 wie erwartet erfolgreich für sie aus, dann können die Tories im Sommer ein Referendum über Lissabon abhalten. Das hat Parteichef David Cameron angekündigt. Der Ausgang einer Volksabstimmung wäre ein klares Nein. Dann wäre der Lissabon-Vertrag tot.

Dieser würde die europäischen EU-Institutionen stärken. Er sieht neue Tobjobs vor: vom „EU-Außenminister“ bis zum gestärkten Ratspräsidenten, der mindestens zweieinhalb Jahre den Staats- und Regierungschefs bei ihren EU-Gipfeln vorsäße. Der Vertrag würde die Entscheidungen der Länder erleichtern – allerdings um den Preis, dass die nationalen Regierungen künftig weniger Vetorechte hätten. Kommt Lissabon nicht, dann wird ein neuer Vertrag noch lange auf sich warten lassen. Darüber sind sich Experten einig.

AUF EINEN BLICK

Der Lissabon-Vertrag soll die EU stärken. Alle Länder müssen ihn absegnen. Doch Tschechiens Präsident Klaus bremst, weil er befürchtet, dass die Menschenrechtscharta im Vertrag den Bene?-Dekreten widerspricht. Er will Ausnahmen. Zögert er lange, könnte Großbritannien den EU-Vertrag 2010 unter einer Tory-Regierung kippen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.10.2009)

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104 Kommentare
 
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kalathos
19.10.2009 19:20
0 0

Wie lange noch, Herr Vaclav Klaus?

Jetzt rächt es sich, dass es der EU nicht schnell genug gehen konnte mit der Aufnahme der Tschechen und Slowaken. Erst jetzt muss sie erkennen, dass sie sich mit denen Läuse in den Pelz gesetzt hat. Zu sehr schielte die Industrie damals schon nach den billigen Arbeitskräften dort und nach den neuen Absatzmärkten, in den im Vergleich zum Durchschnitt der EU doch unterentwickelten Ländern.
Daher hudelte man und maß den Benes-Dekreten, diesen Unrechtsgesetzen als Folge des Zweiten Weltkrieges, nicht die Bedeutung bei, die ihnen jetzt zukommt, auch wenn sie vermutlich mehr Vorwand als echtes Hindernis sind.
Trotzdem missbraucht der tschechische Staatspräsident diese Unrechtsgesetze als Druckmittel, um eine Begründung zu haben, warum er sich weigert, den Lissabon-Vertrag zu unterschreiben, obwohl ihn sein Parlament schon angenommen hat.
Ihm durften natürlich seine slawischen Freunde, die Slowaken, nicht nachstehen und reklamieren jetzt auch eine Fußnote unter dem Vertrag. Denn die Benes-Dekrete seien ein unverzichtbarer Bestandteil ihrer Rechtsordnung, argumentieren die gar. Und dies im 21. Jh.
Man sollte sie daher wieder laufen lassen, wenn sie glauben, mit dem Rest der EU Katz und Maus spielen zu können.

derpradler
16.10.2009 19:08
0 0

Das ist schon seltsam.

der Grund warum er nicht unterschreibt ist "Schwachsinn" und der Ausdruck eines DEUTSCHENHASSERS....................Trotzdem freue ich mich, wenn er diesen Vertrag nicht unterschreibt. Weil dieser Vertrag das Ende der europäischen Kulturen, das Ende der Vielfälltigkeit und das Ende des christlichen Abendlandes bedeutet, zugunsten einiger weniger Gelsdsäcke!

Antworten Fritz
17.10.2009 17:24
0 0

Re: Das ist schon seltsam.

Wieso soll der Vertrag das Ende der europäischen Kulturen sein und das Ende des christl. Abendlandes?
Können Sie mir diesen Schwachsinn genauer erläutern!

Gast: genau
14.10.2009 19:40
0 0

Er unterschreibt nicht, denn die Unrechts-Dekrete müssen unbedingt bestehen und unanfechtbar bleiben!!

Jene die damals enteignet vertrieben oder überhaupt abgemurkst wurden, sollen auch weiterhin keine Chance haben Gerechtigkeit zu erfahren.

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Jetzt gehts bald los

Man sollte schon mal die Leopard2 auftanken.

Antworten Gast: Grummelbart
14.10.2009 16:01
0 0

Re: Jetzt gehts bald los

Osterweiterung?

Ja, aber richtig! ;-)

4 2

Ausschließen!!!

Höchste Zeit einmal den Tschechen zu zeigen, daß nicht ständig der Schwanz mit dem Hund wedeln kann. Tschechien gehört einfach bedingt aus der EU ausgeschlossen. Sollen die einmal sehen wie es dem land geht, wenn es in Europa isoliert ist.

Wie wollen die überleben wenn sie nicht mehr exportieren können dank hoher Zölle. Können sie ihre schönen Skodas im eigenen Land verkaufen.

Ständig auf die EU dreschen und zugleich alle Vorteile nutzen kann nicht auf Dauer gehen. Das gleiche gilt wenn man auf Kosten Europas innenpolitisches Kleingeld machen möchte.

Antworten Gast: hmv
14.10.2009 14:50
1 1

gratulation

das ist genau der geist, den der neue eu-superstaat braucht!
alle, die gegen die eu-meinung sind, werden ausgeschlossen oder schlimmeres!
jawohl!

ich werde sie für einen posten in der gedankenpolizei vorschlagen.

Antworten Antworten Ophicus
14.10.2009 22:29
0 0

Re: gratulation

Man kanns auch anders formulieren: Wer nicht mitmachen will muss auch nicht mitmachen.

Antworten Antworten Antworten Gast: hmv
15.10.2009 11:50
1 0

Re: Re: gratulation

sie lassen uns doch nicht austreten. was macht die eu ohne die ganzen nettozahler?
ohne nettozahler verlieren auch ganz schnell länder wie rumänien und portugal etc. ihr interesse an der ach so tollen eu, das können sie mir glauben.

Antworten Antworten franzmann
14.10.2009 15:25
2 0

Re: gratulation

na hör mal: die benes-dekrete in den europäischen rechtsbestand retten. ist das für dich ein legitimes anliegen? der gute mann ist ja nicht bei trost. wo ist da das eu-parlament?! wo die ächtung des präsidenten? der klaus gehört hinter gitter und nicht in einen präsidentenpalast. das hat die eu nun davon, dass sie beim eu beitritt der tschechen beide augen zugedrückt hat! bravo verheugen!

Gast: belgarion666
14.10.2009 12:42
2 2

was ist nötig?

wie setzt man einen tschechischen präsidenten ab?
klaus hat kein rückgrat. er ist ein us-amerika-höriger nationalist.

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Re: was ist nötig?

Wenn das ginge, hätten die es wahrscheinlich schon längst gemacht. Der tschechische Präsident sitzt sehr fest im Sattel und "ist kraft seines Amtes keine Rechenschaft schuldig". Einzig eine Anklage des Senates beim Verfassungsgericht auf Hochverrat kann ihm schlimmstenfalls das Amt kosten (http://wcms.uzi.uni-halle.de/download.php?down=6498&elem=1633223).

Ob sich dieses Procedere vor der Britenwahl wohl ausgehen würde? ;)

2 2

was ist nötig?

wie setzt man einen tschechischen präsidenten ab?
klaus hat kein rückgrat. er ist ein us-amerikahöriger nationalist.

Gast: markus trullus
14.10.2009 12:20
1 1

Kolonialreiche in Europa...

Unter diesen Umständen würde ich für eine schnellste und gründliche Auflösung der EU propagiern. Das schwächt zwar die eruopäischen Bürger noch mehr, aber die sind eh schon so am Boden, tiefer gehts eh nicht mehr... Obs dafür was Besseres geben kann, hoffe ich. Aber die Not wird uns nicht nur beten lernen, sondern auch zwingen, was "gescheiteres" auf die Beine zu stellen; denn eines ist sicher: Ein Europa aus lauter Kleinstaaten (da gehört auch die BRD dazu im Vergleich mit asiatischen Konkurrenten, da ist die BDR bestenfalls eine Provinz!) wird sehr schnell in Kolonien asiatischer und anderer Interessenten zerbrechen.... GB ist erster Anwärter, eine US Kolonie zu werden, desgleichen Polen.....

Gast: Ospite
14.10.2009 12:16
2 8

Gut

Bravo! Endlich einer, der sich traut, der EU paroli zu bieten und nicht gleich alles unterschreibt, was ihm vorgesetzt wird.Ich wünschte, es hätte mehr Staaten gegeben, die sich den Vertrag besser und genauer durchgelesen hätten....

Antworten Ophicus
14.10.2009 13:44
1 0

Re: Gut

Wieso "andere Staaten"?
Der Staat Tschechien bzw. dessen demokratisch legitimierten Vertreter haben längst zugestimmt. Es ist die Einzelperson Klaus die sich hier querlegt - und dabei nicht nur der EU sondern dem eigenen Staat "paroli bietet".

Antworten Antworten Gast: Ospite
14.10.2009 15:19
0 0

Re: Re: Gut

Ich meinte alle anderen EU Staaten, die eigentlich (so wie Österreich) nicht genau wissen, was eigentlich in dem Vertrag steht! Klaus hat auch gecheckt, was der Vertrag für sein Land an Negativem behinhalten könnte, oder zumindest Interpretationsfreiheiten, die er nicht falsch verstanden haben will. Gut so. Vielleicht hätten das andere EU Länder auch machen sollen, die einfach kritiklos unterschrieben haben...

Antworten Antworten Gast: hmv
14.10.2009 14:54
0 0

Re: Re: Gut

eine einzelperson mit millionen menschen aus unterschiedlichen ländern hinter sich!

Antworten Antworten Antworten Ophicus
14.10.2009 22:30
1 0

Re: Re: Re: Gut

Und mit den demokratisch legitimierten Parlamenten, Rewgierungen und hunderten Millionen Bürgern aus unterschiedlichen Ländern gegen sich.

Antworten Fritz
14.10.2009 13:42
1 1

Re: Gut

"....und nicht gleich alles unterschreibt, was ihm vorgesetzt wird.Ich wünschte, es hätte mehr Staaten gegeben, die sich den Vertrag besser und genauer durchgelesen hätten...."

Ospite zeigt das totale Unverständnis. Der Vertrag wurde nicht von jemand jemandem vorgesetzt, sondern im Wesentlichen von einem Konvent, bestehend aus allen Mitgliedsstaaten GEMEINSAM ERARBEITET !!!

Es geht auch nicht ums "Durchlesen" wenn man etwas selber erarbeitet hat.

Antworten Antworten Gast: Ospite
14.10.2009 15:23
0 0

Re: Re: Gut

Auch wenn "man" etwas "erarbeitet" hat, heißt das noch lange nicht, daß alle Für und Wider berücksichtigt und inkorporiert worden sind.Ich lege meine Hand ins Feuer, daß da im Laufe der Zeit-sollte der Vertrag wirklich ratifiziert werden-laufend Nachbesserungen gemacht werden müssen, wenn die Unterzeichner draufkommen, was für ihr Land nicht grade positiv ist! Von wegen Unverständnis! Sie scheinen sich blind auf das zu verlassen, was Sie lesen oder hören...

Antworten Antworten Antworten Fritz
14.10.2009 19:02
2 0

Re: Re: Re: Gut

Oh Wunder, Sie sind ja ein bisschen lernfähig geworden!
Selbstverständlich müssen "laufend Nachbesserungen"(=Ihre Worte!) gemacht werden. Genau das ist der Vertrag von Lissabon!

Es geht ja auch überhaupt nicht darum, ob der Vertrag für ein bestimmtes Land besser ist oder nicht, es geht ausschließlich darum, was für EUROPA das beste ist!
Das falsche Grundverständnis ist der Fehler, den ihr nicht begreifen wollt.

Es geht in der Bundesrepublik Österreich auch nicht darum, ob etwas nur für Vorarlberg oder Salzburg von Vorteil ist, sondern ausschließlich um übergeordnete gemeinsame Interessen.

Antworten Antworten Antworten Antworten ramos
14.10.2009 22:19
0 0

Re: Re: Re: Re: Gut

Früher wars mal üblich, über "die in Wien" herzuziehen, heute sinds eben "die in Brüssel". Aber das ist mir tausendmal lieber als irgendwann mal über "die in Washington oder in Peking" herziehen zu müssen, wenn Europa diese Kleinstaaterei nicht aufgeben will.

Gast: Histi
14.10.2009 11:19
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Aufgrund...

...der noch immer gültigen Benes-Dekrete hätte Tschechien (wie übrigens auch Slowenien mit den noch gültigen AVNOJ-Beschlüssen) nie in die EU aufgenommen werden dürfen - also sollte man Tschechien wegen das Bestehens auf den Benesch - Dekreten aus der EU ausschließen - Punkt!

Gast: Markus
14.10.2009 10:54
1 0

tja

sofort nach der zweiten abstimmung irland's sind die hetzer aktiv geworden - bei dem neuen programm "vaclav klaus ist der feind europas" sind sich die massenmedien einig wie kaum jemals zuvor

sehen wir uns die sache mal an:

- das argument "klaus hält den vertrag auf": der vertrag ist ein völkerrechtlicher vertrag der schwere eingriffe in die grundstruktur der mitgliedsstaaten hat. das ist keine entscheidung die einfach zu treffen ist, und deswegen ist die entscheidung jedes einzelnen abstimmenden wertvoll, und wichtig. wenn vaclav klaus den vertrag nicht bestätigen will, dann ist darin nicht eine fehlleistung des tschechischen präsidenten zu sehn, sondern eine unzulänglichkeit des vertrags

- was ist im demokratischen sinne davon zu halten, dass einem abstimmenden (irland) massenweise sonderrechte versprochen wurden, nur um dem vertrag zuzustimmen?

- was ist im demokratischen sinne davon zu halten, dass nach einem fehlgeschlagenen referendum (irland) man einfach noch einmal eines hält, "bis das ergebnis passt"? wo genau bleibt hier der einhergehende sinn der abstimmung?

- was ist davon zu halten, dass nachdem die EU verfassung 2004 an 2 referenden gescheitert ist, die meisten mitgliedsstaaten diesmal darauf verzichtet haben überhaupt referenden abzuhalten?


nachdenken ist in diesen zeiten angesagter denn je

 
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