26.05.2012 09:25 | Meine Presse Merkliste 0

EU-Vertrag: Klaus will "irische Garantie"

16.10.2009 | 17:05 |   (DiePresse.com)

Tschechiens Präsident verlangt von der EU eine Garantie-Erklärung wie sie Irland erhalten hat. Klaus Kritik am EU-Reformvertrag bleibt aufrecht: "Der Vertrag schafft die Grundattribute eines souveränen Staats ab".

Artikel drucken Drucken Artikel versenden Senden Merken AAA Textgröße Artikel kommentieren Kommentieren

Der tschechische Präsident Vaclav Klaus wird nicht verlangen, dass alle EU-Mitglieder den EU-Reformvertrag wegen der von ihm verlangten Ausnahmeregelung für Tschechien erneut ratifizieren. Klaus Forderung nach einer Ausnahmeregelung für Tschechien von der EU-Grundrechtecharta könne auch ohne neuerlichen Ratifizierungsprozess erfüllt werden, erklärte sein Kabinettschef Jiri Weigl am Freitag, wie die tschechische Nachrichtenagentur CTK berichtete.

Irland als Vorbild

Die Garantien für Tschechien, die Klaus von der EU vor seiner Unterzeichnung des Reformvertrags verlangt, könnten ähnlich jener sein, die Irland eingeräumt wurden, erklärte Weigel laut CTK. Klaus, der als letzter seine Unterschrift unter den Reformvertrag setzen muss, verlangt vor seiner Unterzeichnung, dass die EU den Tschechen eine Garantie einräumt, weil er mögliche Eigentumsforderungen von Seiten vertriebener Sudetendeutscher aus der Tschechoslowakei nach dem Zweiten Weltkrieg befürchtet.

Eine rechtliche Garantie jedoch würde eine neue Ratifizierung des Vertragswerks in allen EU-Ländern erfordern. Leichter erreichbar sein könnte eine politische Erklärung der Staats- und Regierungschefs mit ähnlichen Garantien, wie sie Irland erhalten hat. Damit wurden dem Land vor dem zweiten Referendum über den Lissabon-Vertrag Zusagen für den Bestand seiner Neutralität sowie besonderer Regelungen zum Abtreibungs- und Steuerrecht gegeben.

Klaus Kritik bleibt

Unterdessen hält der tschechische Präsident Vaclav Klaus an seiner deutlichen Kritik am EU-Reformvertrag fest. "Der Lissabon-Vertrag ist nicht, wie oft dargestellt, nur ein technisch-juristisches Instrument", schrieb Klaus in einer am Freitag vom tschechischen Verfassungsgericht in Brno (Brünn) veröffentlichten Stellungnahme.

Das Abkommen "bedeutet eine Verpflichtung, die faktisch Grundattribute eines souveränen Staats abschafft", kommentierte Klaus vor einer für den 27. Oktober geplanten Anhörung des Gerichts, bei der eine Klage von EU-kritischen Abgeordneten gegen den EU-Reformvertrag behandelt werden soll.

Viele offene Fragen für Klaus

Damit der Lissabon-Vertrag in Kraft treten kann, muss er EU-weit nur noch in Tschechien endgültig ratifiziert werden. Regierung, Parlament und Senat in Prag unterstützen das Abkommen. Klaus hingegen machte in seiner achtseitigen Einlassung erneut deutlich, dass aus seiner Sicht noch viele juristische Fragen in Bezug auf die Kompetenzverteilung zwischen Nationalstaaten und der Union in Brüssel unbeantwortet seien.

Zuletzt hatte Klaus gefordert, die EU-Grundrechtcharta für Tschechien auszusetzen, um Rückgabeforderungen von im Zweiten Weltkrieg Vertriebenen auszuschließen. Darauf ging er in seiner juristischen Stellungnahme von Freitag nicht detailliert ein. Im Schlusswort schrieb er, die Verfassungsrichter sollten klarstellen, ob "die Republik Tschechien nach der Ratifizierung des Lissabon- Vertrags ein souveräner, geeinter und demokratischer Rechtsstaat bleibt, der auf Achtung der Rechte und Freiheiten des Menschen und Bürgers basiert".

Ob Klaus beim Gerichtstermin am 27. Oktober, wo möglicherweise bereits ein Urteil fällt, persönlich erscheint, ist bisher offen. Die Klage der Senatoren richtet sich auch gegen Zusatzklauseln, die das Abkommen in den vergangenen Jahren erfahren hat.

(Ag.)

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo
Als Gast kommentieren

...oder einloggen um als registrierter Benutzer zu kommentieren (Vorteile dieser Variante)


Mit dem Absenden Ihres Kommentares erklären Sie sich mit den Forenregeln einverstanden.

*... Pflichtfelder

Sicherheitscode
(Was bringt das?)*



Schwer lesbar?
Neuen Code generieren

Verbleibende Zeichen

10 Kommentare
Gast: details
17.10.2009 07:37
3 0

Er unterschreibt nicht, denn die Unrechts-Dekrete müssen unbedingt bestehen und unanfechtbar bleiben!!

Jene die damals enteignet vertrieben oder überhaupt abgemurkst wurden, sollen auch weiterhin keine Chance haben Gerechtigkeit zu erfahren.

0 0

Recht auf Unrecht will Klaus im Gegensatz zu den Iren

festgeschrieben und bewilligt und das ist doch ein bedeutender qualitativer Unterschied. Schamgefühl kennt der offensichtlich keines.

Was ich dabei nicht verstehe, die tschech. Regierung und Parlament hatten kein Problem und wieso kommt der Klaus nun plötzlich drauf nachdem alle anderen Staaten bereits ratifiziert haben? Zeit seine Bedenken zu bestätigen oder auszuräumen hatte er wohl genug.

Sollte er insgeheim gehofft haben, die Iren nähmen ihm den schwarzen Peter weg, dann hat er schlicht und einfach verzockt. Die Tschechen sollten sich besser früher als später dieses Präserls entledigen.

1 0

unrecht!!

im grunde ist es fast eine menschenrechtsverletzung, dass die benes-dekrete bei dem EU beitritt beibelaten werden durften. man misst mit zweierlei maß - die sudetendeutschen wurden genau so überrumpelt wie andere gruppen auch, NUR waren sie halt deutsche.
punkt ist zudem, dass in der BDR sudetendeutsche eine entschädigung (wenn auch nciht viel) erhalten haben, in österreich nie.

man muss keiner rechten ecke angehören - ich selbe bin konservativ - um hier eine große ungerechtigkeit zu sehen!

Antworten optimus
17.10.2009 10:40
0 0

Re: unrecht!!


Gast: Aha
16.10.2009 18:58
1 1

was will die eu?

man hat tschechien bzgl. der benesch-dekrete beim eu-beitritt sonderkonditionen eingeräumt. nun sollen sie auf diese mit dem neuen reformvertrag verzichten, klaus wird ihnen was husten. um rechtsansprüche vertriebener haben sich die tschechen, genauso wie viele ander länder wenig geschert, nur die kriegsverlierer haben gezahlt, zum großen teil zurecht, aber auch in vielen fällen zu unrecht. aber zivilisten und unternehmer wurden nach dem krieg mit zweierlei maß gemessen, alles war paletti, nur durftest kein österreicher oder deutscher sein. ich gehöre bei gott nicht in die rechte ecke, aber eine unrecht bleibt es allemal, nur darf man darüber nicht laut sprechen, ja die erbsünde ist schon eine schwere last.

Gast: Blitzky
16.10.2009 18:40
1 2

40 Jahre Diktatur war den Tschechen eben genug...

... da scheuen sie natürlich jetzt zurück, sich gleich wieder aufs neue und noch dazu "freiwillig" einer Bürokratendiktatur zu unterwerfen.

Gast: freindalwirtschaft
16.10.2009 18:27
4 1

wenn es ihm nicht in der eu gefällt,

dann soll er sich halt wieder mit seinen sowjetischen brüder auf ein packl haun - reisende soll man nicht aufhalten.

Antworten Gast: Zyniker
16.10.2009 18:41
1 4

Blödester Kommentar des Tages, eindeutig!!!


Antworten Antworten br41n
16.10.2009 19:58
2 1

Re: Blödester Kommentar des Tages, eindeutig!!!

Blödster Kommentar war aber mit sicherheit eher der Ihre, Zyniker! Schließlich ist Ihr Kommentar der ohne sinnvoller Aussage!

Wie kommens eigentlich dazu, sich "Zyniker" zu nennen? "Troll" würds eher treffen!

Antworten Antworten Antworten Gast: Zyniker
16.10.2009 20:22
1 3

Zweitblödester Kommentar des Tages!

Gratuliere!