26.05.2012 09:25 | Meine Presse Merkliste 0

Brüssel will schnellere Asylverfahren

21.10.2009 | 18:28 |  Von unserem Korrespondenten OLIVER GRIMM (Die Presse)

Viele wollen rein, nicht alle dürfen es: Die Kommission schlägt vor, das Asylverfahren in der EU zu vereinheitlichen. Abgelehnte Asylwerber sollen leichter Zugang zum Arbeitsmarkt bekommen.

Artikel drucken Drucken Artikel versenden Senden Merken AAA Textgröße Artikel kommentieren Kommentieren

BRÜSSEL. Die Europäische Kommission hat am Mittwoch mit Vorschlägen zur Reform des Asylwesens in der EU eine neue Front gegenüber den Mitgliedstaaten und dem Europaparlament eröffnet. Sie schlägt vor, die Asylanerkennungsrichtlinie dahingehend zu ändern, dass abgelehnte Asylwerber, die aber aus humanitären Gründen nicht in ihre Heimatstaaten abgeschoben werden können, beim Zugang zu Sozialleistungen, medizinischer Versorgung und zum Arbeitsmarkt mit Flüchtlingen gleichgestellt werden.

„Die Entscheidung über den Zugang zum Arbeitsmarkt muss in der Kompetenz der Mitgliedstaaten bleiben“, hieß es dazu aus dem Büro des EU-Abgeordneten und früheren Innenministers Ernst Strasser (ÖVP) auf Anfrage der „Presse“. Gegebenenfalls werde Strasser diesen Grundsatz im Parlamentsausschuss für Bürgerliche Freiheiten, Justiz und Inneres aufs Tapet bringen. Die Zustimmung dieses Ausschusses ist für die Änderung der Richtlinie unabdingbar, denn das Parlament entscheidet gemeinsam mit den Mitgliedstaaten über sie. Vermutlich wird sich der Ausschuss im Dezember oder Jänner mit diesem Thema befassen.

 

EU will Wirrwarr beenden

Solch abgelehnte, aber trotzdem schutzwürdige Asylwerber heißen offiziell „Personen mit Anspruch auf subsidiären Schutz“. Grundlagen für dieses Schutzbedürfnis finden sich in internationalen Abkommen zum Schutz der Menschenrechte, zum Beispiel dem Folterverbot, das Artikel 3 der Europäischen Menschenrechtskonvention festschreibt. Es geht also zum Beispiel um Fälle, bei denen kein Asylgrund vorliegt, dem betreffenden Bewerber in seiner Heimat aber menschenunwürdige Behandlung drohen könnte.

Die 27 EU-Mitglieder regeln unterschiedlich, wie mit diesen subsidiär Schutzwürdigen umzugehen ist. In Österreich etwa bekommen solche Menschen typischerweise für ein Jahr einen Aufenthaltstitel, der abhängig von der Situation im Heimatland verlängert werden kann. Sie gelten währenddessen weder als Asylwerber noch als Flüchtling.

Die Kommission möchte mit ihrem Vorschlag zur Änderung der Richtlinie 2004/83/EC Klarheit schaffen. Diese Vorschrift regelt, wer Asyl erhalten darf, aber ihre Mindeststandards sind so unklar formuliert, dass sie das „Asyl-Shopping“ befördert, das bedeutet: Es spricht sich bei Asylwerbern, aber auch bei Schlepperbanden schnell herum, in welchem EU-Land man am leichtesten Asyl erhält.

 

Sechs Monate für erste Instanz

Auch der zweite Änderungsvorschlag in Sachen Asyl, den die Kommission am Mittwoch machte, hat Konfliktpotenzial in sich. Die Brüsseler Behörde will nämlich auch die Asylverfahrensrichtlinie 2005/85/EC ändern. Sie schreibt Mindeststandards für die Art und Weise vor, wie Asylverfahren in der EU abzulaufen haben und welche Rechte die Bewerber dabei haben. Die Kommission will, dass erstinstanzliche Entscheidungen spätestens sechs Monate nach Antragstellung fallen. Die Staaten, die das derzeit nicht schaffen, sollen drei Jahre Zeit bekommen, diese Vorgabe zu erfüllen. Vor allem Griechenland dürfte damit aber weiterhin überfordert sein. Der Europäische Gerichtshof hat Athen wegen diverser Versäumnisse bereits am 19.April 2007 verurteilt, was aber nichts geändert zu haben scheint.

 

vergrößern

 

Im Gegenteil: Am 9. September dieses Jahres ordnete das deutsche Bundesverfassungsgericht an, dass ein Iraker, der bereits in Griechenland um Asyl angesucht hatte, nicht aus Deutschland nach Griechenland abzuschieben sei, weil ihm dort eine Registrierung faktisch unmöglich sei.

Und auch Italien dürfte mit der Kommission einen Strauß ausfechten. Denn die neue Asylverfahrensrichtlinie soll Polizisten und Grenzwächtern genau vorschreiben, wie sie Flüchtlinge, die sie aufgreifen, zu behandeln haben. Italiens Marine aber sendet viele Bootsflüchtlinge im Mittelmeer zurück nach Nordafrika, ohne zu prüfen, ob diese „Boatpeople“ Recht auf Asyl haben.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 22.10.2009)

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo
Als Gast kommentieren

...oder einloggen um als registrierter Benutzer zu kommentieren (Vorteile dieser Variante)


Mit dem Absenden Ihres Kommentares erklären Sie sich mit den Forenregeln einverstanden.

*... Pflichtfelder

Sicherheitscode
(Was bringt das?)*



Schwer lesbar?
Neuen Code generieren

Verbleibende Zeichen

11 Kommentare
Gast: billo
24.10.2009 12:49
0 0

mist aus brüssel

mit dieser aussage aus brüssel sieht man wieder welche vollidioten dort am werken sind zum nachteil der mitgliedsstaaten. eine enorm hohe arbeitslosigkeit dazu leere töpfe der gesund-und sozialeinrichtungen und trotzdem wollen sie den scheinflüchtlingen, was anders sind sie nämlich nicht, zuwandern lassen. von der gewaltigen ausländerkriminalität etc. gar nicht zu sprechen.

6 1

liebe eu

macht es euch doch einfach.

1. jeder darf rein
2. für die kosten kommen die europäer auf

menschenrechtsunwürdig sind doch sicher die meisten bedingungen in afrika. also alle nach europa.

dann könnt ihr euch, liebe eu, wichtigeren dingen zuwenden:

verhandlung mit petrodollars über die nächste bestechung
mauscheln mit den freunderln
intrigen spinnen
intrigen abwehren
netzwerke auf- und ausbauen

mfg
mc

Antworten Gast: Geheimrat
22.10.2009 14:00
0 0

Re: liebe eu


Aber die “”"”Eliten”"”" entscheiden, was für uns Idioten gut ist, weil wir zu dumm sind, zu begreifen, dass wir uns abschaffen sollen.

Oder vermischen

Antworten Antworten Arethas
22.10.2009 17:02
0 0

Re: Re: liebe eu

Nur dumm, wenn man der Kuh, die man zu melken gedenkt, ständig das Heu verweigert.
Und eine Turbo-Kuh mit irgendeinem Zebu kreuzen wird die Milchleistung nicht verbessern. Allenfalls sind die Nachkommen genügsamer.

semeru
21.10.2009 23:46
5 1

Hinzu kommt noch..

Die EU hat vor, Millionen an Afrikanern einwandern zu lassen.
Lesen Sie doch mal den Barcelona Vertrag (googeln). Dann wissen Sie ziemlich alles, was auf uns zukommen wird. Die vollkommene Öffnung zu den Mittelmeerländern wird eine ungeahnte Masseneinwanderung zur Folge haben.
Ein Bevölkerungsaustausch ist das eigentliche Ziel. Dumm gehalten, sind diese Menschen dann ein willkommenes Werkzeug für die "Macher" der Zukunft.

Die Aussengrenzen de EU sind dann ua auch Iran und Irak.
Und die USA lachen sich krumm. Sie sind eine Riesenlast los.

Antworten enzo
23.10.2009 07:50
1 0

Re: Hinzu kommt noch..

Genau das "Dummhalten fängt ja schon in den Schulen an und wird von gesponserten Medien wie ORF,Heute, Österreich usw. noch kräftig unterstützt.
Dummes Volk ist leicht zu händeln ( Wie die Wahlergebnisse ja immer wieder beweisen.
Daher an die "Tüchtigen " verlaßt das sinkende Schiff EU und wandert aus damit die notwendigen Systemträger genügend Platz haben.

Antworten semeru
21.10.2009 23:48
0 1

Re: Hinzu kommt noch..

Da spielen dann die paar Asylanten mehr keine Rolle mehr...

4 1

aufgezwungen

wenn das bereits nach dem Lissabon verfahren abgewickelt wird, werden die uns jede Menge Flüchtlinge reindrücken - zusätzlich zu denen die wir schon haben - da haben wir dann nichts mehr zu melden.

1 1

Re: aufgezwungen

ein grüner würde auf ihren kommentar antworten: und das ist gut so.

mfg
mc

enzo
21.10.2009 22:31
3 1

Die EU ist ein Garant dafür

Das die Dummheit wirklich unendlich ist wie Einstein schon erwähnte.

Die sind echt nicht dicht !


Aber das wissen wir leider schon !

Danke SPÖVPGRÜNE, daß Ihr uns den EU-Beitritt eingebrockt habt !