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Rauer Wind gegen EU-Duo: „Schwach und unbekannt“

20.11.2009 | 18:39 |  REGINA PÖLL UND HELMUT HETZEL (Die Presse)

Van Rompuy steht unter Druck der Länder, Ashton muss Parlament überzeugen. Sie wissen wohl, dass sie der „kleinste gemeinsame Nenner“ der 27 EU-Länder waren und sind.

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BRÜSSEL/WIEN. Es war kein Start, wie es sich ein EU-„Dreamteam“ wünschen kann: Am Donnerstagabend hörten die neue „EU-Außenministerin“ Catherine Ashton und der neue Ratspräsident Herman Van Rompuy noch Höflichkeitsfloskeln aus den EU-Ländern, nachdem sie von Europas Staats- und Regierungschefs in die neuen Ämter gehievt worden waren.

Schon am Freitag regte sich ausgerechnet innerhalb der EU Empörung, das neue Spitzenduo sei „schwach“ und überdies „unbekannt“, so der Tenor. Die EU sei noch nicht bereit, politische Führer großen Formats zu bestellen, meinte etwa der Pole Donald Tusk.

Davor hatte schon der frühere Chef der EU-Kommission, der Italiener Romano Prodi, gefragt: „Ashton? Wer ist das?“ Er sei „entsetzt“ über die Bestellung einer praktisch Unbekannten in ein wichtiges EU-Amt, das der neue EU-Vertrag von Lissabon mit 1.Dezember schafft. Dieser bringt auch den neuen Ratspräsidenten, der den EU-Staats- und -Regierungschefs über zweieinhalb Jahre vorsitzen wird.

Von den ersten, teils negativen Rückmeldungen wollen sich Van Rompuy und Ashton offenbar nicht beirren lassen. Sie wissen wohl, dass sie der „kleinste gemeinsame Nenner“ der 27 EU-Länder waren und sind. Immerhin kommt den Regierungen entgegen, dass sie beide nicht als besonders schlagkräftig, sondern – speziell Van Rompuy – als konziliant gelten. Das dient den Ländern und ihren Interessen. Angeblich machen diese bereits erheblichen Druck auf Van Rompuy, die nationalen Vorlieben als erster „EU-Präsident“ ja nie zu kurz kommen zu lassen. Denn der erste Amtsinhaber wird den neuen Job für viele Jahre definieren.

 

EU-Präsident will allen dienen

Immerhin gilt der 62-jährige belgische Christdemokrat, der seit Ende des Vorjahres Premier ist und davor Parlamentspräsident war, als überaus konsensorientiert. Er hat es geschafft, dass Flandern und Wallonien weiterhin geeint sind, indem er stets den Kompromiss gesucht hat. Verhandeln, bis alle den Vorteil einer Lösung sehen, ist seine Maxime. Van Rompuy selbst ist einer, der bisher nicht gern im Rampenlicht stand, er verhandelt lieber hinter den Kulissen. Als EU-Präsident wird er immer wieder ins Licht der Öffentlichkeit – auch der Weltöffentlichkeit – treten müssen. Ein großer Schritt für den kleinen Premier, der als bescheiden gilt. International helfen wird dem Flamen, dass er fließend Französisch, gut Englisch und auch Deutsch spricht.

Die EU-Länder beruhigte er von sich aus schon in den ersten Reaktionen auf seine Bestellung: „Meine persönliche Meinung ist völlig untergeordnet. Es ist völlig egal, was ich denke, meine Rolle besteht darin, nach dem Konsens zu suchen“, sagte er laut Austria Presseagentur. Er wolle, dass bei Verhandlungen der Regierungen alle Länder als „Sieger“ hervorgehen.

Prononcierten Befürwortern einer EU-Integration geht das allzu Konziliante gegen den Strich: Man habe „Hausmeister und Dienstboten“ der Regierungen statt einer echten Führung bestellt, sagte einer der Architekten des heutigen Lissabon-Vertrags und damit der EU-Topjobs, der frühere grüne EU-Abgeordnete Johannes Voggenhuber, am Freitag. Für die neue Grünen-Delegationsleiterin im EU-Parlament, Ulrike Lunacek, ist klar: Die Länder hätten mit Van Rompuy gewonnen – zu Lasten der EU-Interessen: „Mit den Bestellungen laufen wir Gefahr, weder ein starkes Europa noch echte ,Gesichter‘ in der Welt zu präsentieren“, sagte die EU-Parlamentarierin der „Presse“.

 

Ashton muss noch zittern

Wenigstens für Ashton könnte es noch einmal eng werden. Sie selbst meinte gegenüber britischen Journalisten, sie nehme zwar nicht für sich in Anspruch, eine Außenpolitikspezialistin zu sein. Sie wolle aber zeigen, „dass ich die beste Person für diese Aufgabe bin“. Auf ihrer Bestellung durch die Staats- und Regierungschefs darf sich die 53-jährige Labour-Politikerin und aktuelle EU-Handelskommissarin noch nicht ausruhen. Denn voraussichtlich schon am 2. oder 3. Dezember, zum Start als „EU-Außenministerin“, muss sie sich einem Hearing im EU-Parlament stellen. Dazu ist sie verpflichtet, weil die Außenministerin gleichzeitig Vizechefin der EU-Kommission ist.

„Abwahl nicht ausgeschlossen“, sagt Lunacek. Ashton hat bisher keine außenpolitische Erfahrung, das könnte zum Stolperstein werden. „Aber ich lasse mich auch gern positiv überraschen.“

 

Rot-schwarzer Kompromiss

Wahrscheinlich ist ein Veto der EU-Abgeordneten gegen Ashton nicht. Immerhin kommt sie aus der Familie der EU-Sozialdemokraten, die im Jobpoker gemäß einem inoffiziellen Konsens mit den Christdemokraten auch zum Zug kommen sollten. Und als Britin hat sie eines der „großen drei“ Länder hinter sich – neben Deutschland und Frankreich. Nicht zuletzt kam Ashton zugute, dass ohne ihre Bestellung keine Frau in einem EU-Tobjob zu finden wäre. Als Partner hat sie nun neben Van Rompuy EU-Kommissionschef José Barroso und EU-Parlamentspräsident Jerzy Buzek.

AUF EINEN BLICK

Am Donnerstag wurde die Britin Catherine Ashton zur neuen „EU-Außenministerin“ bestellt. Kritiker halten sie für zu wenig bekannt, um in der Welt als „die“ Stimme Europas wahrgenommen zu werden.

Der neue Ratspräsident Herman Van Rompuy kämpft mit dem Vorwurf, als belgischer Konsenspolitiker sei er nicht gewappnet, um unter bei den Staats- und Regierungschefs den Ton anzugeben.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.11.2009)

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165 Kommentare
 
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Die vergebene Chance auf einen Hahn auf dem 'Misthaufen'!!

Die Europaeer sind schon so daran gewoehnt bei der Konstruktion der endgueltigen EU nicht mitreden zu duerfen, dass sie sich nichts sehnlicher wuenschen als einen starken Mann an deren Spitze, der ihnen dann sagt, wohin und wie es weiter gehen soll.

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Danke, Werner

.. du hast wieder einmal gezeigt, dass du ein großer Kosmopolitiker bist!

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Danke, Werner,


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Ende gut, (bisher) alles gut!

Wenn ein Daniel Cohn-Bendit gegen etwas ist, kann es fuer Europa nur gut sein.
Uebrigens, was hatte man sich erwartet? Auch der erste Habsburger-Kaiser war ein sog. 'Schwaechling', weil die deutschen Fuersten kein Jota ihrer Macht abgeben wollten.
Fuer alle jene, die gegen den Lissabner-Vertrag waren, ist der Ausgang der Wahl die beste Loesung:
Die EU bleibt deutsch-franzoesisch foederal, wurde (noch) nicht an die USA verkauft und und wird (noch) nicht durch einen uneuropaeischen Englaender verdorben.

Gast: kein Aufreger
21.11.2009 23:36
0 0

keine aussenpolitiketrIn

"...Nicht zuletzt kam Ashton zugute, dass ohne ihre Bestellung keine Frau in einem EU-Tobjob zu finden wäre...", schade, dass nicht die Qualifizierung sondern das Geschlecht entschieden hat. Asthon selbst erwähnt oft genug, sie habe keine aussenpolitische Erfahrung.

Gast: alibaba
21.11.2009 23:28
0 0

Alle macht den Provinzaristokraten....

ich lach mir einen ab...

Alleine die Vorstellung die beiden bei verhandlungen mit China , Russland, Nahen Osten

Viel Glück uns allen ... Wir werden von 2 Provinzakrobaten geführt die über eine halbe Millarde Menschen vertreten...

wo soll das hinführen , ma ganz im ernst ?


Gast: Burkhard Unterennser
21.11.2009 19:50
0 0

"... fließend ... und auch Deutsch spricht"

No na! Erstens ist Deutsch (nicht Englisch oder Französisch) die meistgesprochene Sprache
in der EU. Zweitens ist Deutsch (neben Niederländisch und Französisch) eine der drei Landessprachen Belgiens. In Ostbelgien gibt es eine Deutschssprachige Gemeinschaft, auch wenn das leider nicht alle Bundesdeutschen und Österreicher wissen.

Gast: Quit
21.11.2009 14:40
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schwach und unbekannt!

Man kennt sie nicht aber man urteilt negativ natürlich! Ich finde das ist der Weg einer echten demokratischen Presse! Was hat so ein Amt wirklich erfreuliches zu bieten, nicht aber schon gar nichts,

3 0

Man sollte hier wirklich nicht nach dem Äußeren urteilen


Lassen wir sie doch erst mal arbeiten, bevor wir urteilen.

"Diktatur" würden die EU-Gegner schreien, wenn starke Persönlichkeiten mit Alleingängen regieren würden.

Aber: dass sich ausgerechnet "unser" Faymann für diese Dame so ins Zeug gelegt hat lässt (ohne sie zu kennen) das Schlimmste befürchten.

Gast: Tough enough
21.11.2009 13:59
0 3

Für die gesamte EU gilt

nur gemeinsam sind wir schwach!

2 1

NUN ABER IM ERNST:

Ich stelle mir ungern das Gelächter im Kreml, im Weissen Haus und im chinesischem Politbüro über dieses Duo vor.

LG
l.h.

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FREI NACH SERGIO LEONE:

"Mein Name ist Nobody" - und meine Freundin heisst Lucy ...

LG
l.h.

ger49
21.11.2009 12:51
1 2

Lächerlich

Mit dieser Besetzung ist es einfach, über Europa zu lachen. Wer kann diese Besetzung schon ernst nehmen. Aber ich finde die allgemeinen Besetzungen innerhalb von Europa auch äusserst schwach, nicht nur in Österreich. Warum sollte die EU bemüht sein, wirklich stark nach Aussen aufzutreten? Ist es doch ein Anliegen einer gewissen Gruppierung (man kann auch Weltherrscher sagen), dass Europa ja nicht zu stark wird. Und die regierenden Europäer handeln brav nach deren Auftrag! Deren Einmischungen und Manipulationen in Europa lassen mich nichts anderes vermuten!

AG

Auch Alfred Gusenbauer hätte diesem Profil entsprochen.

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Eine Kanone, die nach Hinten losgegangen ist!

Sarkozy und Merkel wollten eigentlich jemanden zum Prasidenten waehlen, der die Türkei vom Anfang an ablehnen sollte... Das haben sie auch geschaft aber...
Die Türkei wird jetzt jedes mal sagen, dass sie der EU nicht vertraut und die EU immer mit den eigenen Regeln bricht! Denn die Eunterschriften der EU-Landern auf dem Aufnahmevertraegen noch Nass.
Wie soll die EU jetzt erklaeren, dass sie nicht mehr zu ihrem Unterschrift steht?

Gertrud
21.11.2009 10:29
0 0

Zwei Unbekannte an der Spitze Europas

@Blunzenstricker!
Sei froh, dass ich die Anordnung meiner Tastatur soweit intus habe und nicht anstatt "Heidi Klumb" "Heidi Plump" geschrieben habe. So köstlich, genauso wollte ich mich selbstironisch korrigieren. Daher: Vielen herzlichen Dank, sehr geschätzter Blunzenstricker, dass Du mir jetzt somit die Möglichkeit auch hierzu geboten hast. Also: Und Du sieh zu, aufdass auch Du die Maschen bei Deiner Blunzenstrickerei*lach* nicht verwechselst; dann passt ohnehin alles wieder!

Gast: kasperl
21.11.2009 10:22
0 0

wieso nur...

... kommen mir die beiden so bekannt vor...Krawuzikapuzi..

ichmeine
21.11.2009 10:14
0 5

mit dem Vertag von Lissabon wird alles anders

da kann die "EU" endlich einheitlich auftreten.

Schöner als jeder Kritiker zeigen die Funktionäre selbst das Unvermögen der EU auf.

1 2

Das ist die EU, was sich Sarkozy und Merkel vorstellen!

Die Briten denken zwar anders aber sie möchten auch die EU das Bach runtergehen sehen!
Italianer und Spanier finden auch ihre Wege. Was ist aber mit den restlichen 22?
Die Amerikaner werden diese EU-Mitglieder ein nach dem anderen schlucken!

Antworten Gast: markus trullus
21.11.2009 10:50
0 1

Re: Das ist die EU, was sich Sarkozy und Merkel vorstellen!

....werden diese EU-Mitglieder ein nach dem anderen schlucken! und als Kolonie weiterführen. Denn die US sind nicht daran interessiert, etwa GB als xten Bundesstaat in die USA aufzunehmen. Schöne Zeiten kommen auf uns zu, wie weiland bei Lumumba im Kongo....

Gast: fixit
21.11.2009 07:32
2 2

Ausdruck der Ohnmacht

Wenn die EU solche Positionen mit selbstlosen Beamten besetzt , so wird dies schon Gründe haben . Damit wird die EU zur politischen Farce und bleibt ein Wirtschaftsbündnis der grossen 3 mit Anhängsel . Die EU bleibt den Eurokraten - die Spielregeln - Lobbyismus und Machteinfluss - bleiben ident , einzig die Bürger dürfen sich verarscht vorkommen - dieser Verwaltungsspass muss ja auch bezahlt werden !

berndmoron
21.11.2009 06:19
1 2

wer ist bloß auf DIE gekommen

so einmal eine richtige schlagzeile der bildzeitung.

Antworten Gast: Pfaffenfresser
22.11.2009 13:47
0 0

Re: wer ist bloß auf DIE gekommen

Was die Medien wieder einmal verschweigen: Die beiden gehören den Bilderbergern an. Also ein weiterer Schritt zur NWO.

Gast: Modelagentur
21.11.2009 00:02
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Quasimodo

war ein Model gegen die beiden.

Gast: Graf Gudenus
20.11.2009 23:25
0 2

Unzufrieden,

man halte such an die Wähler, id est die Regierungen der EU-Staaten. Unter diesen haben manche etwas zu sagen - andere nicht, unter letztere Ö.

Von Paris nach London, dann Dem Haag, Luxembourg und zurück. Aus diesen Punkten mache mann eine geometrische Figur.

Schon zu Kaiser Maximilian's Zeiten war dies der maffgebende Teil Europas. Nichts hat sich verändert.

Bundesrpublik ist nur eine, die erste Randerscheinung. Das Haus Ö war einst hier zuhause. Dividende floss nach Wien, das Europa zu verteidigen hatte.

Antworten ichmeine
21.11.2009 10:30
0 0

sehr "maffgebend"

das mit dem halten und suchen und den wählern

 
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