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Drobnjak: "Es gibt immer unvorhersehbare Variablen"

05.02.2010 | 18:58 |   (Die Presse)

Kroatiens EU-Chefverhandler im Gespräch mit der "Presse" über den Willen seiner Regierung, den Korruptionssumpf trockenzulegen.

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Wien(hd). Auf den letzten Metern lässt sich Kroatiens EU-Chefverhandler Vladimir Drobnjak nicht mehr aus der Ruhe bringen. Schon gar nicht von Hannes Swoboda (SP), seines Zeichens Kroatien-Berichterstatter im EU-Parlament. Der Österreicher hatte kürzlich gemeint, Zagrebs EU-Beitritt zum anvisierten Termin Anfang 2012 sei nur „theoretisch“ möglich.

„In einigen Monaten werden wir mehr wissen, aber wir sollten unsere Energien jetzt nicht auf ein bestimmtes Datum konzentrieren“, meint Drobnjak im Gespräch mit der „Presse“. Kroatiens Ziel sei es jedenfalls, noch heuer alle Verhandlungskapitel abzuschließen: „Wie in der Mathematik gibt es aber immer Variablen, die man nicht vorhersehen kann“.

Die gefährlichste Variable ist der Nachbar Slowenien. Man hat sich zwar auf ein Schiedsverfahren geeinigt, um den zermürbenden Grenzstreit beizulegen. Doch Slowenien hat das Abkommen noch nicht ratifiziert. Von einer Verzögerungstaktik will Drobnjak nicht sprechen: „Das Verfahren ist eben sehr kompliziert.“ Solange der Zwist mit Laibach aber nicht begraben ist, wird Slowenien verhindern, dass die letzten Kapitel geschlossen werden. Einige wenige harren sogar noch der Öffnung. Und so verrinnt wertvolle Zeit.

Als unberechenbare Variable erweist sich auch die Korruption (Stichwort: Hypo). Sogar Ex-Premier Ivo Sanader geriet ins Zwielicht. Die Ermittlungen in diesen „hochrangigen Fällen“ seien laut Drobnjak sogar gut für Kroatiens Image: „Es zeigt, dass wir das Problem angehen. Wie unsere Premierministerin vor Kurzem sagte: Niemand ist unantastbar.“

Für Aufsehen sorgte kürzlich auch ein Sager des scheidenden Präsidenten Stipe Mesi?, der Bosnien und Herzegowina mit einer Militärintervention drohte, sollte sich der serbische Landesteil wie angedroht abspalten. Drobnjak versucht zu beschwichtigen: „Kroatien war in den letzten Jahren ein Anker der Stabilität in der Region.“ Das beste Investment in eine weitere Stabilisierung des Westbalkans sei die rasche Aufnahme Kroatiens in die EU: „Man kann Bosnien und Herzegowina zwar nicht so schnell in die EU bringen, aber man kann die EU schnell an die Grenzen von Bosnien und Herzegowina bringen“, sagt er mit einem Augenzwinkern.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 06.02.2010)

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