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23 Amtssprachen in EU: Lost in Translation

05.01.2007 | 00:00 |  Von unserer Korrespondentin SUSANNA BASTAROLI (Die Presse)

506 Sprachkombinationen. Seit Jahresbeginn hat die EU drei neue Amtssprachen: Rumänisch, Bulgarisch und Gälisch.

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Brüssel. Jeder in Brüssel weiß: Wer ein Geheimnis besprechen will, sollte dies in den eigenen vier Wänden tun. Die Chance, dass jemand in einem Kaffeehaus oder Restaurant versteht, was man sagt, ist groß: Die Muttersprache bietet keinen Schutz vor neugierigen Ohren, ganz egal wie selten sie ist. Europas Hauptstadt ist nämlich Sitz des größten Dolmetscherdienstes der Welt. Denn in Brüssel wird in allen EU-Amtssprachen gearbeitet - 23 sind es seit Jänner.

Nicht nur sind mit der neuen Erweiterung rumänisch und bulgarisch dazugekommen, sondern auch Irisch, das die erste offizielle gälische EU-Sprache ist. Eine Herausforderung sogar für Europas Multi-Sprach-Talente: Etliche EU-Dokumente müssen jetzt in all diese Sprachen übersetzt werden. Insgesamt gibt es nun 506 mögliche Sprachkombinationen. Kein Wunder also, dass sogar die EU-Fremdsprachenprofis überfordert sind.

Für Kopfzerbrechen hat in Brüssel monatelang das Gälische gesorgt, das nicht einmal viele Bewohner der grünen Insel richtig beherrschen. So war es nicht ganz einfach, irische Übersetzer zu finden. Deshalb hat sich Dublin schließlich auf einen Kompromiss eingelassen: Nur Verordnungen, die gemeinsam vom EU-Parlament und EU-Rat angenommen werden, müssen ins keltische Idiom übertragen werden. Eine ähnliche Regelung gilt bereits für das Maltesische.

Auf seine Vielsprachigkeit ist Europa stolz: Sogar einen eigenen Kommissar gibt es jetzt dafür, den Rumänen Leonard Orban. Mehrsprachigkeit ist aber freilich nicht ganz billig. Fast eine Milliarde Euro werden 2007 die Übersetzungsdienste für alle EU-Institutionen kosten. Rund 3000 Dolmetscher sind im Einsatz. Im vergangenen Jahr wurden 1,5 Millionen Seiten und 11.000 Konferenzen übersetzt.

Trotz des hohen Aufwands besteht ein ständiger Mangel an Personal. Und so hat sich in den vergangenen Jahren das komplizierte "Relais-System" durchgesetzt: Bei einem Treffen zwischen einem lettischen und griechischen Minister etwa werden die Worte des Redners über eine dritte Sprache - meist Englisch - übersetzt. Der lettische Dolmetscher hört dann die englische Übersetzung eines griechischen Kollegen und überträgt diese in seine Muttersprache.

Um ein wenig Ordnung in diese Babel-ähnlichen Zustände zu bringen, gibt es nur noch bei zentralen Treffen der Kommission und des Rats Übersetzungen in allen Sprachen. Anders sieht es im EU-Parlament aus: Hier halten Abgeordnete gerne Reden in ihrer Muttersprache. Bei Plenarsitzungen sind deshalb mehr als 800 Dolmetscher im Einsatz.

Vielen Europäern geht aber auch das nicht weit genug. Aufgemuntert durch den irischen Erfolg, fordern jetzt Katalanen, Basken, Schotten und die Einwohner von Wales die offizielle EU-Anerkennung ihrer Idiome. Doch Sprach-Nationalismus ist auch den großen EU-Ländern nicht fremd: Die Deutschen murren über die Dominanz des Englischen und Französischen und pochen darauf, dass Deutsch eine der drei "EU-Arbeitssprachen" ist. Demonstrativ hält denn auch die Ratspräsidentschaft alle Pressekonferenzen in der Muttersprache ab. Stolze Franzosen hingegen weigern sich weiterhin strikt, Englisch als die de facto europäische Lingua Franca anzuerkennen.

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