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Agrarpolitik: Nettozahler Österreich

29.06.2010 | 18:39 |  Von unserem Korrespondenten OLIVER GRIMM (Die Presse)

Subvention als Verlustgeschäft: Von jedem Euro, der aus Österreich ins EU-Budget fließt, kommen nur 77 Cent als Direktzahlung an heimische Bauern zurück. Experten fordern radikale Reformen.

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BRÜSSEL. Das rund 40 Mrd. Euro schwere System von direkten Subventionen an die Landwirte ist für Österreichs Steuerzahler ein Verlustgeschäft.

Stellt man die heurigen Einzahlungen von 972 Mio. Euro in diese sogenannte erste Säule der EU-Agrarpolitik den Auszahlungen von 745 Mio. Euro an heimische Agrarbetriebe gegenüber, ergibt sich ein Minus von 227 Mio. Euro. Von jedem nach Brüssel überwiesenen Euro kommen also nur 77 Cent zurück.

Damit ist Österreich mit einem Anteil an der gesamten europäischen Agrarwirtschaft von gerade einmal zwei Prozent der sechstgrößte Nettozahler (siehe Grafik) in diesen größten Topf der Gemeinsamen Agrarpolitik.

Das ist bemerkenswert, weil die heimischen Landwirte vor allem aus der zweiten Säule, der sogenannten Ländlichen Entwicklung, gefördert werden. Das sind derzeit rund 1,1 Mrd. Euro, von denen Österreich die Hälfte selbst finanzieren muss. Dazu kommen rund 290 Mio. Euro an Subventionen, die Österreich im Alleingang vergibt.

 

Steuergeld für Verpächter

In Summe ist die Teilnahme an der EU-Agrarpolitik für Österreich folglich ein Nullsummenspiel. Allerdings eines, das die erklärten politischen Ziele nicht erreicht.

Die meisten der milliardenschweren Direktzahlungen wurden im Jahr 1992 in Betriebsprämien umgewandelt. Statt die Förderung an die produzierte Menge zu knüpfen, was zu den sprichwörtlichen „Milchseen“ und „Butterbergen“ führte, bemessen sich die neuen Direktzahlungen an der Größe des jeweiligen Betriebs beziehungsweise der kultivierten Flächen.

Damit war das Ziel verbunden, die bestehenden Agrarstrukturen zu erhalten. Bloß funktioniert das nicht. Die Betriebe werden immer größer und industrialisierter. Kleinbauern finden nur in Nischen, etwa der Herstellung von Biolebensmitteln, ein Auskommen. Diese profitieren aber nur in sehr geringem Maße von den EU-Geldern. Zudem haben die Direktzahlungen einen perversen Effekt: Sie landen immer öfter beim Verpächter eines Betriebs, nicht beim pachtenden Landwirt. Das treibt die Pachtpreise und damit erst recht kleine Bauern zum Zusperren, weil sie es sich nicht mehr leisten können, die gestiegenen Kosten vorzufinanzieren. „Ein immer größerer Teil der Direktzahlungen wird für die ,aktiven Landwirte‘ zu einem durchlaufenden Posten, der bei den Verpächtern einkommenswirksam wird“, hielt der wissenschaftliche Beirat für Agrarpolitik, das Beratergremium von Landwirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU), am 10.Mai fest.

Angesichts des nahenden Verteilungskampfes um den Rahmen für die EU-Budgets der Jahre 2014 bis 2020 fordern Experten die Abschaffung der Direktzahlungen. Es wäre „unverantwortlich, die gegenwärtige Politik nun für weitere sieben Jahre fortzuschreiben“, hält der Agrarbeirat fest. Agrarpolitik dürfe „nicht länger als Schutz- oder Verteilungspolitik für den heimischen Agrarsektor gesehen werden“. Stattdessen sollten die Mittel der Direktzahlungen für klar umschriebene Ziele wie Naturschutz, Klimaschutz oder Welternährung verwendet werden.

„Am besten wäre die Fokussierung auf wirklich bedürftige landwirtschaftliche Haushalte wie in Australien“, sagte Valentin Zahrnt vom Brüsseler Thinktank Ecipe, von dem die eingangs zitierte Analyse der Direktzahlungen stammt, zur „Presse“.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 30.06.2010)

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14 Kommentare
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Agrarförderungen

"S'ist alles im Oasch, wir wähl'n trotzdem schwarz" (Copyright Simplnummer vor ca. 2 Jahren). Und, genauso ist es. Die Grossen cashen ab - und machen immer mehr Landschaft zur Kukurruzwüste. Dafür kriegen sie auch noch Umweltförderungen, weil sie statt Fruchtwechsel vergiftete, zugekaufte Saaten verwenden), usw usw.
Die Förderungen müssen unbedingt umgestellt werden, und zwar auf tatsächliche Bauern (nicht Industrielle Acker- und Tiervernichter - in riesigen Hallen, mit mörderischen Maschinenparks usw.), auf Bio, auf Naturschutz/Brachflächen und auf tatsächlichen Umwelt/Tier/Landschaftsschutz. Derzeit werden ELER und ÖPUL-Mittel so gut wie ausschliesslich zur Förderung der Vernichter und weiterer Massenproduktion (die ins Ausland gehen muss, da wir sonst ertrinken) ausgeschüttet.
Warum die verbliebenen Bauern nicht die Grünen Bauern stürmen sondern immer noch Raiffeisen + Schwarz einbetonnieren, verstehen sie wohl selber nicht - siehe Simpl.

Antworten Sochard
30.06.2010 15:47
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Re: Agrarförderungen

Das sind träumereien - leider :-(

Die EU wird sich kaum an Österreich beim größt Subventionstopf orientieren, sondern an Länder wie Frankreich ode den Niederlanden, wo die wirklich Großen zu hause sind

Gast: Jolantha1
30.06.2010 10:07
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Der Bürger ist sowieso 100%-Nettozahler

wenn es um Agrarförderungen geht. Wir zahlen - die kriegen unser Geld.

Gast: Steuerzahler2010
30.06.2010 10:02
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Als Steuerzahler und Nicht-Bauern (=98% der Österreicher)

heißt das aber bitte, dass wir sagenhafte 972 Mio. Euro einzahlen und nix als Gegenleistung erhalten ...

Antworten Gast: blablabla
30.06.2010 12:32
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Re: Als Steuerzahler und Nicht-Bauern (=98% der Österreicher)

Naja - wenn Sie ohne Subventionen ein Packerl Milch vom heimischen Bio-Bauern für 3€ zu kaufen bereit wären, haben sie recht.

Antworten Antworten Gast: Heino11
30.06.2010 17:47
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Seit wann kommen die Subventionen

beim Kunden an?

Gast: glaub_nix
30.06.2010 09:36
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Die Tschechen sperren bereits Betriebe mit 1000 Großvieheinheiten wegen Unrentabilität zu..

da werden unsere leichtgläubigen Bauern noch oft nach Taferl wallfahrten gehn, bis sie auf diese
Misswirtschaft der Eu draufkommen werden.
Die Bauern haben sich damals mit dem 5,5 Milliarden Geschenk durch den Schüttlerlois
einfangen lassen um für die EU zu stimmen, heute müssen sie um ihren Fortbestand bangen.

Antworten Gast: Lsis
30.06.2010 10:03
0 0

Unrentable Bauern

brauchen wir genauso wie Greissler, Scherenschleifer und Vulkaniseure. Marktbereinigung und -modernisierung jetzt oder nie!

Gast: Parteiloser
30.06.2010 08:05
1 0

EU Effizienz bei 77%, Österreich Effizienz bei unter 50%!

Von den Zwangsabgaben, welche die Österreichischen Parteien verwalten kommen ja keine 50% an die Bürger als Leistung zurück.

Die EU ist nicht billig für Österreich. Das wissen wir ja schon lange.

Wirklich teuer sind aber die lokalen Versager. Unsere Typen sind so teuer, dass schon 2,7 Mio. steuerpflichtige Österreicher mit unter 786.- Euro (14/12) im Monat leben müssen. Das ist ein Hammer, wenn man die jährlichen Gesamtausgaben dieses "Staates" von 140 Mrd. Euro (=40.000.- Euro pro Haushalt) gegenüberstellt.

Die EU kann ist dafür nur wenig verantwortlich. Die Versager, welche den großen Schaden machen, sitzen schon in Österreich.

Blitzky
30.06.2010 05:13
3 0

Hat irgendwer geglaubt, dass Österreich als eines

der reicheren EU-Länder würde ein Nettoempfänger von EU-Förderungen sein oder werden???
EU-Förderungen sind in Summe auch kein Nullsummenspiel, sondern - wie alle Förderungen - ein Verlustgeschäft. Vom insgesamt einbezahlten Geld müssen nämlich zuerst die Kosten für den Beamtenapparat und für Korruption abgezogen werden. Nur der Rest kann dann zu den Bauern fließen....
Das ist so wie bei der Entwicklungshilfe. Wenn dort 10 % bei der Bevölkerung ankommen ist das schon viel. In Afghanistan geht das offenbar gegen 0%

Gast: speibender regenbogen
29.06.2010 23:24
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bitte zuwas müssen wir uns sorgen um den australischen landwirtschaftshaushalt machen????

eu-austritt! JETZT!!!

Antworten Gast: Bürgerdank1
30.06.2010 09:59
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Wer lesen kann, ist im Vorteil.

Der Bezug auf Australien ist bittte (lesen! denken!) eine Empfehlung - die EU solle sich besser an Australien orientieren. Australien hat nämlich vor 20 Jahren alle Bauernförderungen abgeschafft und es gibt nur noch sowas wie Sozialhilfe für sozial bedürftige Bauern. Das Ergebnis: Milliarden im Staatsbudget gespart; deutliche bessere Qualität da die Bauern nun selbst denken & wirtschaften mussten; deutlich billigere landwirtschaftliche Produkte.

Gast: Thomas Dworak
29.06.2010 21:23
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Änderungen

Es ist davon auszugehen, dass bei der CAP Reform 2013 sowieso kein Stein auf dem anderen bleibt. Es wird eine neueDdefinition von Landwirtschaftliche Dienstleistungen geben.....

Antworten Gast: Berger11
30.06.2010 10:00
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Landwirtschaftliche Dienstleistungen

sind in Wirklichkeit nur ein erbärmlicher Versuch, den Agrarkommunismus (alle zahlen drauf, keiner hackelt) nach Abschaffung der Agrarsubventionen durch die Hintertür wieder einzuführen. Seien wir ehrlich - es gibt keinen Bauern der der Öffentlichkeit landwirtschaftliche Dienstleistungen erbringt, die wir abgelten müssen...