Brüssel/Wien (basta., ag.). Dass die EU-Kommission sich eine Reform der Pensionssysteme wünscht, lässt Wien ungerührt. „Eine Anhebung des Pensionsalters steht nicht zur Debatte“, sagte eine Sprecherin von Sozialminister Rudolf Hundstorfer zur „Presse“. „Uns geht es darum, das faktische Pensionsalter an das gesetzliche anzupassen.“
Am Mittwoch präsentierte die EU-Kommission einen Bericht, der als Diskussionsgrundlage für eine Reform der europäischen Pensionssysteme gelten soll. Darin schlägt Brüssel, wie bereits berichtet, unter anderem vor, das Pensionsalter gesetzlich an konjunkturelle und demografische Umstände anzupassen. Laut Hundstorfers Sprecherin besteht derzeit keine Notwendigkeit, einen Anpassungsmechanismus in Österreich einzuführen.
Indirekt wirbt Brüssel um eine Anhebung des Pensionsalters: So heißt es in einer Aufstellung über das Verhältnis von arbeitender EU-Bevölkerung zu Pensionisten, dass 2010 bei einem angenommenen Pensionsantritt von 60 Jahren auf fünf Erwerbstätige zwei Pensionisten von über 60 Jahren kommen. Um das Verhältnis 5:2 aufrecht erhalten zu können, wäre es notwendig, bis 2040 das Arbeitsleben bis 67 Jahre zu verlängern und bis 2060 um weitere drei Jahre anzuheben – also auf 70 Jahre. Andernfalls werde sich bis 2060 die Anzahl der Pensionisten gegenüber Erwerbstätigen verdoppeln.
Wirtschaftskammerpräsident Christoph Leitl sieht den EU-Vorstoß als Anregung zu Reformen – auch in der Alpenrepublik: „Es ist höchste Zeit, zu handeln, die demografische Bombe tickt“, sagte er. „Die EU-Forderungen sollen Österreich zur Erhöhung des Pensionsalters motivieren.“
("Die Presse", Print-Ausgabe, 08.07.2010)
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