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Datenschutz: EU und USA in den Schützengräben

07.07.2010 | 18:36 |  Von unserem Korrespondenten OLIVER GRIMM (Die Presse)

Das EU-Parlament stimmt heute dem "Swift-Abkommen" mit den USA zu. Der nächste Konflikt ist nur eine Frage der Zeit: zu tief sind die philosophischen Unterschiede.

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BRÜSSEL. Sophie in 't Veld wird sehr zornig, wenn man sie zum Datenschutz und der Jagd nach Terroristen in den USA befragt. „Das ganze dortige System ist auf der Annahme aufgebaut, dass jeder ein potenzieller Übeltäter ist“, sagte die niederländische liberale Europaabgeordnete im Gespräch mit der „Presse“. „Wir sagen stets: Machen wir das zum gemeinsamen Interesse – oder verhandeln wir aus den Schützengräben heraus. Aber dann verlieren alle.“

In 't Veld ist eine der profiliertesten Kritikerinnen des TFTP-Abkommens der EU mit den USA. TFTP: Das steht für Terrorist Finance Tracking Program und beschreibt jene Rasterfahndung, mit der das US-Finanzministerium an einem geheimen Ort in oder um Washington nach den Finanziers von Terroristen sucht.

TFTP steht aber auch für den ersten handfesten transatlantischen Streit, den das Europaparlament mit den US-Behörden vom Zaun gebrochen hat. Denn die Banküberweisungsdaten stammen von der belgischen Firma Swift. Sie sorgt für den reibungslosen internationalen Zahlungsverkehr und hat dabei mehr oder weniger ein globales Monopol: Kaum eine Überweisung kommt ohne Swift-Code aus.

 

Wenn Vater Staat spioniert

Erst 2006 kam heraus, dass die USA vier Jahre lang auf die Swift-Daten zugegriffen hatten. Illegal war das nicht: Die US-Treasury hatte Swift per sub-poena, also per verwaltungsrechtlicher Zwangsanordnung zur Herausgabe der Daten auf dem US-Server der belgischen Firma gezwungen. Aber dass eine Regierung geheim die Bankdaten ihrer Bürger durchstöbert: Das sorgte in Europa für einen Aufschrei.

Erst im zweiten Anlauf wird das Parlament heute, Donnerstag, dem Abkommen zustimmen. Doch schon nahen die nächsten Streitereien – ob es um das Abkommen über Fluggastdaten geht, dass die Amerikaner gerne neu verhandeln würden, weil sie noch mehr Angaben über Flugpassagiere erhalten wollen, oder um ein allgemeines Abkommen mit der EU über den Datenschutz.

Woran das liegt, wollte „Die Presse“ im Rahmen einer Studienreise erfahren, zu der das US-Außenministerium ein Dutzend europäischer Journalisten geladen hatte. Mit wem auch immer man in den USA spricht: Die Antwort fällt fast immer gleich aus.

„In den USA sieht man Daten als handelbare Ware an – in Europa hingegen als etwas, mit dem man nur nach eng umfassten Bedingungen etwas machen darf“, sagte Derek Bambauer von der Brooklyn Law School. Sprich: Der Europäer gibt seine Daten der Drogeriemarkt-Kette, um eine Kundenkarte zu erhalten. Er bleibt aber Eigentümer seiner Daten. Der US-Drugstore hingegen wird, mit Einwilligung des Kunden, Eigentümer von dessen Daten und kann mit ihnen tun, was er will.

Das ist eine Folge unterschiedlicher historischer Erfahrungen, sagte Lisa Sotto, Partnerin der New Yorker Anwaltsfirma Hunton Williams: „Datenschutz ist hier ein Konsumentenschutzthema, kein Grundrecht. Man ist hier glücklich darüber, nie auf Basis von unseren Daten verfolgt oder getötet worden zu sein.“ Darum gibt es kein Datenschutzgesetz wie in der EU, sondern sektorielle Bestimmungen, etwa zum Schutz Minderjähriger oder von Bankkunden.

 

Nixons Liste der Staatsfeinde

Bloß: Einmal haben auch die Amerikaner erfahren, wie das ist, wenn der Staat sie ausspioniert. Im Zug der „Watergate“-Affäre, die Präsident Richard Nixon zum Rücktritt zwang, wurde bekannt, dass der zusehends paranoide Nixon eine geheime Liste von Staatsfeinden anlegen ließ. Als das bekannt wurde, erließ der Kongress 1974 den Privacy Act. Der bietet Schutz gegen allzu freies Schnüffeln des Staates. Er gilt aber nur für US-Bürger und in den USA Ansässige. Und daran dürfte sich so schnell nichts ändern. „Ich wäre überrascht, wenn es große Änderungen in der Datenschutzpolitik der USA gäbe“, sagte Adam Levitin von der Georgetown School of Law.

AUF EINEN BLICK

Das Swift-Abkommen erlaubt den USA im Kampf gegen den Terrorismus einen Zugriff auf europäische Banküberweisungsdaten. Die EU-Regierungen haben dem Abkommen bereits zugestimmt, nun will auch das EU-Parlament grünes Licht geben.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 08.07.2010)

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7 Kommentare
Bombur
08.07.2010 21:50
0 0

"zu tief sind die philosophischen Unterschiede"

Wenn dem so ist, warum geht dann so ein Abkommen überhaupt durch?

Denn das Abgsegnen, dieses Vertrages bestätigt, dass das EU Parlament der Meinung ist, das der Schutz und die Privatsphere der US Bürger wichtiger ist als jene der EU Bürger.

Bleibt nur die Frage, wozu brauchen wir so ein Parlament??

Aber es ist unglaublich war Schmiergeld und das Terror-Schreckgespenst alles durchbringt.

Gast: Fidel Gastro
08.07.2010 10:52
0 0

Liebe Presse-Redaktion!

Wieso darf man hier nicht die Wahrheit schreiben? Es ist doch eine Tatsache, dass Europa seit dem Ende des 2. Weltkrieges von den USA militärisch besetzt ist. Und es ist auch eine unabstreitbare Tatsache, dass die europäischen Staaten bzw. die EU nicht souverän sind, sondern Kolonien des US-Imperiums. Und vor diesem Tatsachen-Hintergrund ist es auch nicht verwunderlich, dass die Daten aller europäischen Banktransaktionen an die Kolonialherren ausgeliefert werden. Das ist in Kolonien eben so üblich. Ich verstehe deshalb nicht, wieso man sich über dieses SWIFT-Abkommen so aufregt!

Gast: hugo23
08.07.2010 09:13
0 0

nochmals

vielen, vielen dank an unsere minister als vertreter im rat und unsere EU-ÖVP sowie hannes swoboda, dass ihr unsere daten nicht mal verkauft, ja sogar verschenkt, habt!

das abstimmverhalten der einzelnen parteien sollte in den medien viel mehr kommuniziert werden.

Groo
08.07.2010 08:39
0 0

die USA sind die größten Terroristen Unterstützer

... wir wissen doch alle wie der CIA seine "im Senat nicht genehmigten Militäraktionen" seit Vietnam finanziert. Fazit ist das Geldwäsche im grossen Stil heute nicht über Banken läuft sondern über Länderübergreifenden Warenhandel. Beispiel: In Nordkolumbien werden Arbeiter einer Computerchip Fabrik in Bar aus Drogengeldern bezahlt; 1 Container voll mit Computer Chips fährt von Kolumbien nach Nicaragua - es wird irgend ein Wert angenommen (die Einfuhrbehörden können den Wert nicht überprüfen!) dort wird der Chip auf eine Leiterplatte montiert - es wird bei der Einfuhr in ein anderes Land wieder irgend ein Wert angegeben; und dann wieder etwas hinzugefügt und wieder in ein anderes Land gebracht zuletzt wird Computer zusammengebaut und irgendwo verkauft. Das funktioniert auch mit Flugzeugersatzteilen und allen Waren deren Werte für Einfuhrbehörden nicht eindeutig feststellbar sind. Die Swift-Abkommen dienen einem völlig anderen Zweck! Uneingeschränkte Macht über das Volk! Wieso gibt es keine EU weite Volksabstimmung zu diesem Thema???

Gast: Parteiloser
08.07.2010 08:38
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Das SWIFT Abkommen verstößt gegen die EU Menschengrundrechtscharta!

www.europarl.europa.eu/charter/pdf/text_de.pdf

Artikel 8 beachten!

Die EU Kommission hat also schon früher gegen die selbst definierten Menschenrechte verstoßen.

Wenn nun Parlamentarier für das Swift Abkommen stimmen, dann begehen diese ein Verbr.echen an den Menschengrundrechte.

Was die Parteibonzen von Grundrechten halten kann man auch in Österreich aktuell gut beobachten. Eine Gesellschaft, welche die eigenen Werte derartig mit den Füssen tritt, hat keine Existenzberechtigung und wird sich selbst zerstören.

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Mehr Macht für die EU

wäre ja kein Problem, wenn wir dort Volksvertreter hätten.
Leider haben wir aber nur Parteivertreter und abgehalfterte Parteigünstlinge dort.
Da liegt das Problem.

Gast: gast
07.07.2010 21:58
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kein datenschutz,aber

der traurige tauschartikel(stichwort:glasperlen)für unsere ehemaligen ,demokratischen rechte, das 'eu-parlament',stimmt zu.
danke für die klasse vertretung,setzen, fünf!
und vor soo einem hintergrund erzählen die dodln weiterhin, daß mehr macht nach brüssel muß-WOZU???? kein jota, kein atomerl!