EU freut sich über die „Weisheit der Griechen“

29.06.2011 | 18:21 |   (Die Presse)

Europa reagiert erleichtert auf die Annahme des Sparpakets durch das griechische Parlament. Die Beteiligung der Privatgläubiger Griechenlands an der Umschuldung nimmt Form an, die Ratingagenturen spielen mit.

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Wien/Reuters/Apa/Jaz. Er habe nie an der „Weisheit der Griechen“ gezweifelt, meinte Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann in Berlin nach der Annahme des Sparpakets durch das griechische Parlament. Auch die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zeigte sich hocherfreut über das Ergebnis in Athen: „Es ist wirklich eine sehr gute Nachricht.“

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Ähnlich klangen die Worte am Mittwochnachmittag in Brüssel. Es sei ein „wichtiger Schritt nach vorn“ gemacht worden, so EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso und EU-Ratspräsident Herman Van Rompuy bei einer gemeinsamen Pressekonferenz. Griechenland habe einen „lebenswichtigen Schritt weg von dem sehr ernsten Szenario einer Staatspleite gemacht“, so Barroso. Die Abgeordneten, die dem Paket zugestimmt haben, hätten eine „bemerkenswerte Führungsstärke bewiesen“.

Auch in Österreich war bei Politikern Erleichterung der vorherrschende Gemütszustand – zumindest, wenn sie auf der Regierungsbank oder in der Hofburg sitzen. Von der Opposition kamen mitunter kritische Worte. Der Grund dafür ist, dass die Annahme des Sparpakets den Weg für die Auszahlung der nächsten Zwölf-Milliarden-Euro-Tranche aus dem Hilfspaket von EU und IWF ebnet. Am Sonntag soll dazu ein Sonderministerrat in Brüssel stattfinden.

 

Staatspleite vorerst abwendbar

Für Griechenland ist dieses Geld dringend notwendig, um eine Staatspleite – vorerst – abzuwenden. So muss Griechenland im August auslaufende Staatsanleihen im Ausmaß von 6,6 Milliarden Euro bedienen und könnte laut offiziellen Aussagen ab Mitte Juli keine öffentlichen Gehälter und Pensionen mehr auszahlen.

Eine derartige Staatspleite könnte jedoch einen schwer prognostizierbaren Effekt auf die Situation anderer, finanziell angeschlagener europäischer Staaten haben und somit Schockwellen auf den internationalen Finanzmärkten auslösen. Letztere reagierten daher auch mit Zuwächsen auf die Nachrichten aus Athen.

Ob das langfristig so bleiben wird, ist fraglich. So erwarten viele Experten, dass langfristig eine Umschuldung Griechenlands unumgänglich sein wird. „Europa wird Griechenland so lange durchfüttern, bis sich die anderen Schuldenstaaten stabilisiert haben und ein Scheitern Griechenlands diese Staaten nicht mehr anstecken kann. Bei den hohen Schuldenquoten Griechenlands ist eine Stabilisierung aus eigener Kraft extrem schwierig“, meint Jörg Krämer, Chefvolkswirt der Commerzbank. Auch in der Politik gibt es in der hellenischen Frage nicht nur Optimisten. So erwartet der Fraktionsführer der FDP, Rainer Brüderle, dass „es zum Zeitpunkt X zu einer Umschuldung kommen wird“.

 

Banken signalisieren Zustimmung

Währenddessen nimmt die von der Politik geforderte Beteiligung der Privatgläubiger an einer Umschuldung konkrete Form an. Zuvor haben europäische Großbanken signalisiert, dem Vorschlag des französischen Bankenverbands zuzustimmen. Demnach investieren die Institute mindestens die Hälfte ihrer griechischen Anleihen in neue Staatspapiere mit längeren Laufzeiten. Dafür scheint es auch von den Ratingagenturen grünes Licht zu geben, die dieses Vorgehen nicht als „Zahlungsunfähigkeit“ Griechenlands bewerten wollen. Dann wäre Griechenland auch endgültig von den Finanzmärkten – also Geldgebern – abgeschnitten.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 30.06.2011)

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10 Kommentare

Na blöd werns sein...

..die Griechen. Das Geld, dass die nicht mehr zurückzahlen müssen / können einfach auszuschlagen.... ;-)

Gast: eduard c. hemminger
30.06.2011 09:03
0

Mehr sprachliche Präzision, bitte!

EU ≠ Europa - wär' vielleicht schön, aber
Europa ist auch nicht EU!

Liebe "DIE PRESSE":
Ich würde mir wünschen, daß Sie beide Begriffe deutlich auseinander halten! Die von Ihnen immer wieder penetrant und anscheinend nach Belieben vorgetragene Gleichsetzung beider Begriffe zeigt bloß das Dilemma, in dem sich unsere frechgebeulten "EU-liten" und ihre Schreiberlinge tagtäglich heftiger wiederfinden.
Volksverdummung über wissentlich falsch eingesetzte Begrifflichkeiten führen zu Missverständnissen und rächen sich früher oder später.

Gast: Demokratius
29.06.2011 21:53
1

EU freut sich über die „Weisheit der Griechen“

Wer ist "die EU"?

Wer sind "die Griechen"?

Eine "demokratische" Mehrheit der jeweiligen Bürger?

Antworten Gast: Diogenes F
30.06.2011 11:25
0

Re: EU freut sich über die „Weisheit der Griechen“

Das sind die, wo man keine Eulen hintragen muss, das freut den Ackermann besonders. Die EU-Weisen dürfen Pause machen, denn die Weisheit der Parlamentarier hat überzeugt, sie nehmen das Geld und alles bleibt wie gehabt.

Gast: Nikolaos Koutsoukalis
29.06.2011 21:51
1

Griechenlandkrise

Natuerlich Europa freut sich fuer die Entscheidung der antihellenischen Regierung. Es handelt sich nicht um ein Sparprogramm sondern fuer die Abschafung Griechenlands. Ein Amerikaner mit griechischem Namen kam von Amerika Griechenland zu verkaufen. Die Karikaturen die Abgeordnete heissen und heute fuer den Ausverkauf Griechenlands zugestimmt haben, werden ohne irgenwelchen Zweifel von dem Volk sehr bald verurteilt. Die Wahlen kommen und alle diese Verschwoerer werden zun Teufel gehen.

Antworten Gast: Gast.Gast
30.06.2011 11:32
1

Re: Griechenlandkrise

An dieser Stelle eine kurze Replik, J.Haider würde durch Sonne Mond und Sterne gejagt, als er der EU zutraute den Ausverkauf von Ländern zu bewerkstelligen. Nun sehen wir die Ausschlachtung Griechenlands und die Verelendung seiner Bürger. Erst wurden sie in Kenntnis ihrer korrupten Führung animiert zu Verschwendung und Geldannahme, nun wird das Volk dafür zur Kassa gebeten und eine Transferunion erfunden. Praktisch, das müsste doch in anderen EU-Ländern auch funktionieren.

Gast: r.tiroch@t-online.de
29.06.2011 21:43
2

Blindheit

Unser herr Brüderle leidet an Glaubens-und Sehschwäche. erst glaubte er nicht, dass griechenland erneut gerettet werden muß, dann sah er nicht, dass eine Umschuldung ansteht. Nun garantiert er sie geradezu? Weiß der blinde Mann was er so abläßt?

Gast: EU, pfiatti
29.06.2011 21:34
1

Bravo EU!

Jetzt loben Barroso, der EU-Hermann - eine Art politischer Berti Vogts - und Konsorten die "Weisheit der Griechen".

Normal müßten man über diese Witzbolde laut lachen, wenn nicht alles - nicht nur in Griechenland - so trist und traurig wäre.

Aber unser Herr Bundeskanzler hat keine anderen Sorgen als das Abfeiern eines sinnlosen Sommerfestes, wo des Steuerzahlers Gelder über den Weg der öffentlichen Parteienfinanzierung verfressen und versoffen wurden. Na als dann, Herr Faymann: Prost und Mahlzeit!

Oje

Wie verkommen muss man als Politiker sein um so eine ENTSCHEIDUNG gegen das VOLK als FREUDIGE und GUTE Nachrichricht zu Loben.Das Grische Parlament hat für Geld das eigene Volk verraten und Verkauft und die Demokratie schwer Beschädigt und zwar ÜBERALL.
Noch sind 3 von 4 Griechen gegen diesen BESCHLUSS wann sind es Morgen oder Übermorgen ?
Man Bedenke mit ESM kommt das ENDE aller Demokratien IN der EU und es gibt keine EIGENSTÄNIGE Staaten mehr.

Antworten Gast: Gast.Gast
30.06.2011 11:47
0

Re: Oje

Als Bürger ist man auf korrekte Informationen der Regierung angewiesen um sich ein Urteil bilden zu können. Nun wissen wir um das Demokratiedefizit der EU, die flapsigen Sprüche Junkers, die Kompetenzverlagerung der Staatsangelegenheiten nach Brüssel zu 80% und die geduldeten mafiösen Jagdgründe in der EU. Weiters hat man über die Neutralität gelogen, die Nato ist das bestimmende Element und von Amerika wird der Eintritt der Türkei aus durchsichtigen Gründen forciert. Banken und Konzerne scheinen der vorrangige Zweck dieser EU zu sein. Prost , Mahlzeit.

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