Der polternde Franzose und die störrische Deutsche

21.07.2011 | 18:18 |  CLAUDIA DANNHAUSER (Die Presse)

Die politische Achse: Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel und der französische Präsident Nicolas Sarkozy zeigen beim Euro-Krisengipfel ihre Animositäten. Ihre Vorgänger waren anders - und auch nicht.

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Brüssel/Wien. Es ist bei jedem Treffen dasselbe: Irgendwann ist bei beiden der Zeigefinger hoch in der Luft. Selbst Mittwochabend, als sich die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel und Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy im Vorfeld des Euro-Krisengipfels in Berlin zum Abendessen trafen, war es so. Dabei hatten sich die beiden nur kurz zur Begrüßung vor den Kameras postiert. Es reichte, um diese kleine Geste der Disharmonie ins Bild zu rücken. Selbst die üblichen Küsschen geraten dem eitlen Franzosen und der unprätentiösen Deutschen oft zum ungelenken Gnadenakt mit gespitzten Lippen. Wie anders war das noch bei ihren Vorgängern: Gerhard Schröder und Jacques Chirac schienen sich förmlich zu erdrücken in ihrer überbordenden Gunstbezeugung.

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„Madame No und Monsieur Duracell“

Das deutsche Nachrichtenmagazin „Spiegel“ beschrieb das ungleiche Duo Merkel/Sarkozy einmal als „Madame No und Monsieur Duracell“. Er poltert und macht viel Tamtam. Sie zaudert, wägt ab, bleibt dann aber hart. Dass Sarkozy einmal beteuerte, er möge Merkel mehr als manche schreiben, lässt erahnen, wie tief da so manche Kränkung sitzt. Was nichts daran ändert, dass sie sich immer wieder ganz uncharismatisch durchsetzt. Das schadet dann allerdings Sarkozy weniger, als es Merkel nützen könnte. In Berlin und Umgebung ist die deutsche Kanzlerin wegen ihrer Europapolitik seit Monaten unter stetem Beschuss.

Jetzt ist schon klar, dass die Eurokrise Merkel und Sarkozy vor ganz andere Herausforderungen stellt, als ihre Vorgänger, die sich streckenweise ganz der politischen Aussöhnung und dem Fortschreiben des europäischen Projekts widmen durften. Aber ganz so paletti lief auch in den letzten 50 Jahren das Wirtschaftswachstum nicht ab. Und dann war da noch der Zusammenbruch der Sowjetunion, die deutsche Einigung, die Jugoslawien-Kriege et cetera, et cetera.

In der historischen Rückschau wird zudem einiges verklärt. Die politische Achse zwischen Paris und Berlin war zwar bislang immer der stärkste europäische Motor. Ein dritter Player gesellte sich aus diversen Gründen nicht dazu, selbst wenn die Franzosen von Zeit zu Zeit nach Großbritannien schielten. Und auch ein haltbares Gegengewicht hat sich nicht etabliert, obwohl die Auswahl mittlerweile aus 27 EU-Ländern zu treffen wäre. Oder vielleicht gerade deshalb.

 

Große Gesten, pragmatische Annäherung

Es stand nicht immer nur die uneigennützige Versöhnungsgeste im Vordergrund, es war eben oft auch die pragmatische Idee, die für die deutsch-französische Annäherung verantwortlich war. Wie auch immer: 1962 feierten Konrad Adenauer und Charles de Gaulle eine gemeinsame Messe in Reims, 1963 unterzeichneten sie den Elysée-Vertrag. 1984 hielten sich Helmut Kohl und François Mitterrand in Verdun minutenlang an der Hand. Und Gerhard Schröder besuchte 2004 als erster Kanzler mit Jacques Chirac die Feiern der Sieger des Zweiten Weltkriegs in der Normandie.

Dass Schröder aus anfänglicher Ignoranz und Fehleinschätzung der Bedeutung des Treffens eigentlich schon abgesagt hatte, ist eine andere Sache. Und auch, dass sein Verhältnis zu Chirac anfangs eher unterkühlt war, bevor es die gemeinsame Ablehnung des Irak-Krieges inniglich werden ließ. Wie im Übrigen auch Georges Pompidou und Willy Brandt lange Zeit wenig miteinander anfangen konnten. Dafür waren Valéry Giscard d'Estaing und Helmut Schmidt von Anfang an ein Herz und eine Seele.

Wenn es also dauert, bis man einander findet, sollte sich Angela Merkel wohl wieder einmal einen Louis-de-Funès-Film ansehen. Das hat sie angeblich getan, um den „kleinen Napoleon“, so nennt sie Sarkozy angeblich, besser zu verstehen. Und was bleibt diesem? Ein Blick in einen alten Heinz-Erhardt-Streifen? Den Zeigefinger hatte der zumindest auch öfters in der Höh'.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 22.07.2011)

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20 Kommentare
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Beide verkaufen

Ihr eigenes Volk und die Zukunft der nächsten Generationen.

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Re: Beide verkaufen

PS.
Auszug aus dem ESM Vertrag der EU:

Artikel 9: Kapitalabrufe

Ziffer 3: … Die ESM-Mitglieder sagen hiermit bedingungslos und unwiderruflich zu, bei Anforderung jeglichem … durch den Geschäftsführenden Direktor an sie gerichteten Kapitalabruf binnen 7 (sieben) Tagen nach Erhalt dieser Aufforderung nachzukommen.


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Nein, wie die sich immer herzen und küssen! Ein tapferer Mann!


Gast: robert
23.07.2011 08:38
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Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel

eins muss man ihr lassen sie denkt voraus als sie sagte in 50 jahren werden wir alle vom Euro profitieren

Gast: Plach2
22.07.2011 20:55
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Unser JA-sager Bundeskanzler war auch dort!

Das hätte er telefonisch aus Wien viel billiger machen können!

Sogar die Genossen selber (Nowotny (SPÖ) von der Nationalbank) kritisiert öffentlich die Entscheidungsschwäche..... (... wäre billiger für den Steuerzahler gekommen, hätte man früher gehandelt)

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Dick und Doof sind auferstanden, Halleluja!


Gast: Eurrora
22.07.2011 17:48
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Vorsicht vor dem abgezwickten halb Franzosen .

Siehe Libyen ,Strauss- Kahn usw.

Gast: barbababa100
22.07.2011 16:49
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Schwere Explosion in Oslo!

Regierungsgebäude zerstört!
Wer steckt dahinter?

Heinz Erhardt für Herrn Sarkozy? - Aber gern!

"Des Menschen Leben beginnt auf alle Fälle
in einer Zelle.
Doch manchmal endet's auch, bei Strolchen,
in einer solchen!"

Dieser Spruch gilt nicht nur für den erwähnten Franzosen - das will ich doch stark hoffen (dürfen).

Gast: Bonn
22.07.2011 12:21
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Sarkozy

Hat dieser inkompetente Präsident eigentlich eine Vorstellung über den möglichen Zahlungsausfall Deutschlands? Der Mann stellt unmögliche Forderungen an Deutschland. Juristen werden vielleicht sogar von erpressung sprechen. Hoffentlich wird der Mann nicht wiedergewählt. Das wäre eine Erlösung für die ganze Welt.

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Lösung des Problems

wer heute das Mittagsjournal hört,
kann unseren Nowotny als "Experten" dazu hören.
Der vezapft wieder Polemik der feinen Art!

Gast: gerechtiker
22.07.2011 02:39
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Rest-Europa

wo ist Rest-Europa?

alles nur FR und BRD?

mir persönlich als demokrat unverständlich, wie andere staaten mit zig mio bevölkeung übergangen werden.

wo ist ungarn, rumänien , polen, belgien, holland, tschechien, slovakei, österreich usw?

null. nix.

millionen von bürgern werden übergangen.

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Re: Rest-Europa

Weil der Feigmann Faymann nicht im Stande ist eigene Vorschläge zu erarbeiten und zu präsentieren. Das gleiche gilt auch vom neuen ÖVP Chef.

Antworten Gast: EU-Fan (trotzdem)
22.07.2011 10:29
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Re: Rest-Europa

Die von Ihnen angeführten Staaten sollen froh sein, dass wenigstens zwei die Größe und Kraft haben, etwas zu bewegen in diesem Nationalstaatenkonglomerat voller patriotischer Zwerge, die es nicht schaffen über ihren selbstgeschaffenen hohen Tellerrand hinauszublicken in die weite Welt. Wären die nicht alle so verbohrt und vernagelt, gäbe es schon längst die Vereinigten Staaten von Europa und diesen ganze unnötige Zirkus nicht.
So aber müssen die potenten Europäer stets wegen vieler Schwachbrüstiger ihre Zeit und ihr Geld verplempern, das woanders besser angelegt wäre.
Wenn das so weiter geht, wird es wohl sinnvoller sein, ein Europa der zwei Geschwindigkeiten, eine (reiche) Euro-Kernzone und eine Nichteuro-Randzone zu schaffen...

Gast: radius
22.07.2011 00:12
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Eigentlich finde ich, dass die sich gar nicht küssen müssten.

Diese Küsserei und dann das Messer in den Rücken ist eine Verlogenheit per se. Trägt dazu bei, dass die Bevölkerung sich abwendet.

Trotzalledem muss Merkel hart bleiben, das Mobbing der Franzosen darf nicht durchgehen.

Gast: tigerenter
21.07.2011 23:09
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wie reden die eigentlich miteinander?

englisch?
oder kann er deutsch, sie französisch?

schade, daß man die nie im originalton miteinander sprechen hört.

Antworten Gast: gastgastgast
22.07.2011 10:46
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Re: wie reden die eigentlich miteinander?

"(...)
Merkel: Mit Wladimir Putin spreche ich überwiegend Deutsch, weil er besser Deutsch spricht als ich Russisch - obwohl ich ihn auch verstehe, wenn er Russisch spricht. Mit Nicolas Sarkozy unterhalte ich mich immer mit Dolmetscher, denn er spricht kein Deutsch und ich kein Französisch. Und mit George Bush spreche ich meistens Englisch. Zur Sicherheit ist bei allen politischen Gesprächen in der Regel ein Dolmetscher dabei. (...)"
http://www.angela-merkel.de/page/26_410.htm" target="_blank">http://www.angela-merkel.de/page/26_410.htm

Antworten Gast: marek18
22.07.2011 10:43
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Re: wie reden die eigentlich miteinander?

Merkel spricht russisch und englisch. Sarko genügen Hände und Füssen.

Antworten Gast: EU-Fan
22.07.2011 10:43
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Re: wie reden die eigentlich miteinander?


Bei solchen Treffen haben die Diskutanten immer einen kleinen Kopfhörer im Ohr und es wird simultan übersetzt, da es bei 27 EU-Mitgliedsländer und 23 Sprachen, die in der EU-gesprochen werden, jede Menge Dolmetscher gibt.

Abgesehen davon spricht die deutsche Kanzlerin Angela Merkel neben ihrer Muttersprache Deutsch fließend Englisch und Russisch. Französisch sind ihr nur ein paar Höflichkeitsfloskeln geläufig.

Der französische Staatspräsident Nicolas Sarkozy spricht neben seiner Muttersprache Französisch auch etwas Ungarisch (sein Vate war Ungar) und kaum Englisch.

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