Van Rompuy kritisiert jüngste Ratings als "aberwitzig"

03.08.2011 | 11:26 |   (DiePresse.com)

Er zeigt Unverständnis über zuletzt erfolgte Länder-Einstufungen der Ratingagenturen. Die Befugnisse des EU-Ratspräsidenten könnten erweitert werden.

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EU-Ratspräsident Herman Van Rompuy ist in der Euro-Krise um Beruhigung bemüht. Angesichts der aufgetauchten Bedrohungsszenarien für Italien und Spanien durch deutlich gestiegene Zinsunterschiede (Spreads) gegenüber deutschen Anleihen sagte Van Rompuy in mehreren internationalen Zeitungen, diese Entwicklung sei "verwunderlich". Gleichzeitig kritisierte er die Ratingagenturen, deren jüngste Abwertungen für Zypern und Griechenland "aberwitzig" seien.

Das vom jüngsten Euro-Gipfel beschlossene zweite Rettungspaket für Griechenland sei "außergewöhnlich" und kein Präzedenzfall für andere Staaten. Zu Italien und Spanien betonte der Ratspräsident, dass beide Länder mit ihren Sparpaketen gut unterwegs seien. Den Märkten warf Van Rompuy vor, bei ihren Risikoeinschätzungen angesichts der vorhandenen Daten "völlig aus dem Rahmen zu fallen".

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Wird van Rompuy zum "Sprecher des Euro"?

Zudem wird in der Europäischen Union (EU) fieberhaft über eine bessere Leitung der Eurozone nachgedacht. EU-Kreisen zufolge könnten dazu die Befugnisse von EU-Ratspräsident Van Rompuy erweitert werden. Demnach würde der EU-Ratspräsident künftig als eine Art Koordinator und Sprecher des Euro fungieren, um die Politik im Währungsraum stärker zu bündeln und zu disziplinieren.

Damit soll insbesondere auch das Vertrauen an den Finanzmärkten gestärkt werden, wie mehrere hochrangige EU-Vertreter erläuterten. Ziel sei es, die Kakophonie der zahlreichen Politiker aus den Mitgliedsländern zu beenden. "Es muss eine Stimme geben", sagte eine Person, die mit der Vorbereitung der monatlichen Treffen der Euro-Finanzminister (Eurogruppe) betraut ist.

Sarkozy für stärkere Rolle von Van Rompuy

Van Rompuy leitet die Treffen der Staats- und Regierungschefs der 27 EU-Staaten. Eine offizielle Rolle in der Eurozone hat er bisher zwar nicht. Aber er leitete zwei Krisengipfel der 17 Euro-Staaten in diesem Jahr. So war es der frühere belgische Ministerpräsident, der auf das jüngste Brüsseler Treffen drängte, auf dem ein neues Hilfspaket für Griechenland sowie zusätzliche weitreichende Schritte zur Euro-Rettung beschlossen wurden.

Frankreich und Deutschland wollen noch in diesem Monat Vorschläge für eine bessere Leitung der Eurozone vorlegen. Auch die Europäische Kommission arbeitet an solchen Plänen und will diese auf einem EU-Gipfel im Oktober vorlegen. Einem Bericht der französischen Tageszeitung "Le Monde" zufolge gehört Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy zu denen, die Van Rompuy mehr Macht bei der Führung der Eurozone geben wollen. Ein hochrangiger Vertreter des Währungsraums sagte dazu, einen formellen Vorschlag dazu gebe es noch nicht. Die Position Deutschlands sei noch unklar.

Führungsmangel in der EU

Viele EU-Vertreter sind der Auffassung, dass die Euro-Krise verschärft worden sei durch einen Führungsmangel. Kritik wird in diesem Zusammenhang an der Finanzminister-Gruppe laut. "Die Eurogruppe funktioniert nicht", sagte ein hochrangiger EU-Vertreter.

Der Eurogruppen-Vorsitzende, Luxemburgs Ministerpräsident Jean-Claude Juncker, zeige Anzeichen von Amtsmüdigkeit. Zudem ist er Deutschland und Frankreich ein Dorn im Auge, weil er sich nicht scheut, die
beiden größten EU-Staaten zu kritisieren.

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113 Kommentare
 
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Gast: Karl Huber
04.08.2011 10:40
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"Sprecher" des Euro

Ich lach mich deppert!
Eine weiteres Ablenksmanöver von deren DUMMHEIT und FAULHEIT!
Wozu haben wir die Regierungschefs (außer unser Geld zu stehlen)??
WIE LANGE wollen wir und das noch anschauen?
Ich befürchte. Mit "Wahlen" wird sich NULL ändern. Nein. Ich befürchte nicht. Ich bin mir sicher.

Gast: Gehirnchirurg
04.08.2011 10:10
2 0

EURO WEG.....



SCHILLING HER !

Antworten Gast: Grübler
05.08.2011 09:04
0 0

Re: EURO WEG.....

Schilling? Sie denken zu kurz, nämlich nur 20 Jahre zurück! Das ist doch nicht reaktionär und nach hinten schauend genug. Ich selber werde nicht ruhen, bis die römischen Sesterzen wieder eingeführt sind.

Gast: Nato Pilot
03.08.2011 20:34
1 0

Angesichts der aufgetauchten Bedrohungsszenarien

wäre es voraussehend sicher klüger gewesen, Ratingagenturen zu bombardieren anstatt Tripolis.

Gast: tigerauge
03.08.2011 18:59
2 0

ja in der wirtschaft ist so einiges aberwitzig.

in der politik auch.

gierige finanzhaie haben nicht vor jemals jemandem zu vertrauen den sie abzocken wollen. werden sie auch nicht.
das vertrauen in den dollar und die dummheit der massen reicht ihnen als mittelpunkt der welt.

die euler sollten sich vielmehr bemühen das vertrauen ihrer bevölkerung zu bekommen. sonst ist das ganze schauspiel schneller vorbei als die nächste budgetplanung reicht.

mit noch mehr zentraler macht und noch einsameren entscheidungen eines unerwünschten diktators mit seinem trupp an völlig abgehobenen supernannys, die uns vollends entmündigen wollen, wird das nicht gelingen.
wir wollen unsere demokratie behalten und darauf werden wir bestehen.

Antworten Gast: Das Schnurrbart Haar der Hauskatze
03.08.2011 19:42
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Re: wir wollen unsere demokratie behalten und darauf werden wir bestehen.

Könnt ihr ihre Angst schon riechen?

Antworten Antworten Gast: tigerhai
03.08.2011 21:25
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Re: Re: wir wollen unsere demokratie behalten und darauf werden wir bestehen.

manchmal.
sonst seh ich nur, daß die keine ahnung haben, wie sie das bekommen könnten, was sie haben wollen, was ihnen aber nicht zusteht und sie deshalb nicht erreichen werden, weder auf dem rechtmässigen noch auf krummen wegen.

Antworten Gast: Frank Oberhauser
03.08.2011 19:18
0 0

Re: ja in der wirtschaft ist so einiges aberwitzig.

Wirr!!!

Gast: Nigel
03.08.2011 18:43
1 1

Herman van who??

Dieser Mann ist der ideale "Chef". Man beobachte, wie er auf Kritik reagiert:

http://www.youtube.com/watch?v=bypLwI5AQvY

Ich liebe sie die Briten. Bei allen Fehlern, aber die pfeifen sich einfach nichts.


0 0

Re: Herman van who??

Man kann stehen zu Van Rompuy wie man will, aber wie Nigel Farage ihn hier beschimpft ist so ziemlich das tiefste was ich je gehört habe. Man kann eine Person kritisieren, aber nicht persönlich beleidigen und das ist genau das was Farage hier getan hat.

Re: Herman van who??

Van Rompuystilzchen.

Die EU

sollte den Ratingagenturen einfach mal den Arsch versohlen. Verbieten sollte man die.

Antworten Gast: Frank Oberhauser
03.08.2011 19:17
3 0

Re: Die EU

Genau! Diese ständige Kritik an der sozialpopulistischen Schuldenpolitik ist ja wirklich nur zu lästig.

Wir wollen nicht immer daran erinnert werden, dass es so nicht geht.

Re: Re: Die EU

Populistische Schuldenpolitik ist eine Sauerei (das "Sozial" auf jeden Fall nicht!), weils unseren Mist auf unsere Kinder schiebt. is scho richtig. Aber Sie wollen doch wohl nicht ernsthaft behaupten das irgendeine profitgierige Agentur bestimmen darf wer wie viel wert ist? Sogar die Zentralbanken dürfen nix außer AAA kaufen, da lääst sich die Zentralbank von ein paar Amerikanern vorgeben in wen sie investieren darf! Ohne die Ratingagenturen gäb es doch überhaupt keine Schuldenkrise.

Re: Re: Re: Die EU

Die Zentralbanken dürfen nix als AAA kaufen, weil sie das in ihre Statuten geschrieben haben. Nicht die Ratingsagenturen. Diese Statuten könnte man ändern, ohne in den USA nachfragen zu müssen.

"Aber Sie wollen doch wohl nicht ernsthaft behaupten das irgendeine profitgierige Agentur bestimmen darf wer wie viel wert ist?"
Bitte befassen Sie sich damit, was ein Rating aussagt. Und interpretieren Sie dort nicht hinein, was nicht drinsteht. 10 Minuten Internet-Recherche zeigen, wie wenig oder viel soetwas eigentlich aussagt.
Niemand bestimmt, was z.B. GR "wert ist". Aber darf man bitte öffentlich sagen, dass GR die Kredite nicht mehr selbst bedient sondern das von anderen Staaten übernommen wird?

"Ohne die Ratingagenturen gäb es doch überhaupt keine Schuldenkrise"
Vielleicht geht´s ja auf. Eigene Ratingagentur gründen, weiter täglich mehr ausgeben als einnehmen und das dann "Nachhaltig" nennen. Ist sicher viel besser, wenn man dann zahlungsunfähig ist und das "AAA" nennt.

Gast: Austria Intelligence Service
03.08.2011 18:29
0 0

Aber witzig ist es schon das ein Netzwerk dem ihr in den Ar.ch gekrochen seit

euch jetzt mit seinem Schließmuskel erdrückt.

.-))

Gast: mysterium
03.08.2011 18:38
1 0

Das Belgien des VanRompuj ist die größte Kakophonie, Herr Ratspräsident und

das mit Ihnen an der Spitze.

Gast: radius
03.08.2011 18:17
2 0

Ein Bock wird Gärtner, das ist ja wirklich erfreulich.

War er doch Ministerpräs. in Belgien, einem hochprofitablen Schuldenland, das sich bald einreihen wird in die PIIGSZ B. Ist schön langsam unaussprechbar die Wurscht.

Die Nettozahlerländer werden immer mehr an den Rand gedrückt von einer korrupten, skrupellosen "Machtelite", die immer größere Solidarität einfordern von uns Noch-Nettozahlern. Wir sind ja der profitableste Wirtschaftsraum der Welt, tönt Van Rompuj, diese S.. .

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Der Mann ist nicht nur unfäig

sondern auch taktlos.

"Ziel sei es, die Kakophonie der zahlreichen Politiker aus den Mitgliedsländern zu beenden."

Total abgehoben von "seinen" Mitgliedern.

Anstatt die Milliarden den Griechen zu überweisen, wobei leider ein paar verschwinden, sollte die EZB die Anleihen am Sekundarmarkt kaufen ohne viel tamtam. Da könnten sie mit 150 Mrd die ganzen Griechenland Schulden aufkaufen.

Am besten wäre freilich gewesen, den ganzen Zirkus gar nicht anzufangen.

Mstrich nicht erreicht? Nachfrist von 2 Jahren und dann tschüss.

Re: Der Mann ist nicht nur unfäig

Na, recht hat er. Das es unsere Heimat noch nicht getroffen hat ist doch wahrscheinlich nur Glück, die Spekulanten haben da doch Spaß dran und verdienen sich ne goldene Nase - alles weil die Ratingagenturen ihnen künstlich Gründe geben mehr oder weniger Zinsen zu verlangen. Und alleine können wir alle ja ohnehin nix mehr machen, als ob die österreichische Proteste überhaupt wahrnehmen würden!

1 0

Der Mann ist nicht nit unfähig

Ziel sei es, die Kakophonie der zahlreichen Politiker aus den Mitgliedsländern zu beenden.

Bruxelles locuta causa finta

Genau so stellt sich halt das abgehobene Polit-, Diplomaten- und Beamtenpack in EU-ristan ihre schöne neue Welt vor.

Problem halt nur, ihnen geht's ähnlich wie den DDR-Kommunisten nach dem Volksaufstand von 1953: Als ihnen der Parteigenosse Berold Brecht attestierte, sie sollten sich besser ein anderes Volk suchen...

Antworten Antworten Gast: Zynie
03.08.2011 18:12
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Re: Bruxelles locuta causa finta

Das Problem dabei ist nur, dass sie dies gerade tun - via Einwanderungspolitik (Hoffentlich bin ich jetzt kein Hassblogger)

....der nächste Schritt

zur europäischen Transferpolitik. Ist nur noch eine Frage der Zeit bis auf EU Ebene über nationales Budget entschieden wird. Ich frage mich manchmal was diese Brüssel Bonzen all die Jahre getan haben? Das Griechenland pleite ist, Spanien und Portugal die nächsten IWF Kandidaten sind und Rumänien und Bulgarien schon lange am IWF Tropf hängen, hat die EU auch einem Van Rompuy und einem Barosso zu verdanken. Gar nichts haben die getan. Nur zugeschaut wie Schulden aufgebaut werden! Warum? Ganz einfach! Um uns nun diesen Sch*** hier zu verkaufen wie engere Zusammenarbeit und eine europäische Transferpolitik, Solidarität und so ein Mist. Solidarität muss man sich verdienen und beruht auf Gegenseitigkeit!!! Aber während wir hier führ Griechenland kräftig zahlen dürfen, wurde in Griechenland kein einziger Millionär (und davon gibt es dort leider zu viele) zur Kasse gebeten. Das Schlimme daran ist dass die europäische Kommission über die Zustände in Griechenland schon lange gewusst und nichts unternommen hat nun eine solidarische Zusammenarbeit und eine Transferunion fordert.....

Re: ....der nächste Schritt

Griechenland: Hat jemand gehört, dass die Griechen ihr wie Blei am Staatssäckel saugendes Militär verringern, gar abrüsten wollen? Nein! Griechenland hat in der ganzen EU den höchsten Anteil für Militärausgaben am BIP!.
Wo bleiben da unsere heimischen "Abrüster" ? Es wird immer von den (angeblich) so "armen" Griechen gesprochen, denen doch jetzt gar solche "Lasten" auferlegt würden, weil das lustige Schuldenmachen - trotz der eh pro Jahr um die 8 bis 10 Milliarden "Förderungs"- , Agrar- und sonstigen Euro-Milliarden "aus Brüssel" - nun nicht mehr so lustig wie seit 2001 weiter gehen soll?
Nur: Ein "stolzes Militär" brauchen die so dringend - weil sie gar so viel Angst vor - dem Nato-Partnerland Türkei haben woillen...

Kopfschütteln

Ausgerechnet der Herr Van Rambouy, erfolgloser ehemaliger Ministerpräsident des hoch verschuldeten Belgien, soll nun der Euro-"Chef" werden?

Da braucht man doch erst gar nicht an den Ratingagenturen herum mäkeln! Wenn solche Typen wie dieser - genau so wie der eitle luxemburgische Lügenbaron Juncker, der halt auch so gerne einmal EU-Präsident werden wollte - sich zu "Leitfiguren" eines stabilen Euro aufschwingen wollen - "die Märkte" gehen da eben schnell in volle Deckung. Nix böse "Spekulanten", sondern eben die von den EU-besoffenen Medien nicht wie Kreti und Pleti desinformierten Manager und Chefökonomen der großen weltweit operierenden Pensionsfonds, Lebensversicherungen und sonstigen Fonds misstrauen allem, was von solchen Wichten wie eben dem Herrn Rambouy an wichtigmacherischen Sprechblasen in die Welt gesetzt wird. Denn sie müssen die Gelder ihrer Millionen Anleger ordentlich und ertragbringend anlegen - und verdienen damit zu Recht ihre Boni.

Noch etwas: Warum die Amis nicht schon längst herunter geratet wurden erklärt sich einfach damit, dass sie unbeschränkte Buntpapier mit dem $-Zeichen weltweit für ihre Importe als Zahlungsmittel (und "Währungsreserve" wie bei der EZB des M. Trichet) anbringen -
Wer es nicht annimmt - wird einfach in die "Steinzeit zurück gebombt" (Lieblingsspruch von US-Politifalken) , äh, "befreit" wie der Irak des Saddam Hussein, der auf 15 Jahre seine Erdöleinnahmen an die Amis verpfanden musste...

 
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