EU erteilt US-Wunsch nach mehr Geld gegen Krise Absage

16.09.2011 | 18:26 |  Von unserem Korrespondenten OLIVER GRIMM (Die Presse)

Die erstmalige Teilnahme eines US-Finanzministers an einem Treffen der EU-Finanzminister endete im polnischen Wrocław mit beidseitiger Verstimmung. Die Europäer verbitten sich Ratschläge von Timothy Geithner.

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Wrocław. Die erstmalige Teilnahme eines US-Finanzministers an einem Treffen der EU-Finanzminister endete am Freitag im polnischen Wrocław (Breslau) mit beidseitiger Verstimmung. Timothy Geithner blitzte mit seinem Wunsch ab, die Europäer mögen doch bitte ihren Krisenfonds EFSF aufstocken und ein milliardenschweres Paket zur Wirtschaftsbelebung schnüren.

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Die Europäer mussten ihrerseits zur Kenntnis nehmen, dass für die Amerikaner knapp 14 Monate vor der Präsidentenwahl, bei der Barack Obama um eine zweite Amtszeit wird kämpfen müssen, auch in der Frage der Stabilisierung der Finanzmärkte einzig die Belebung der schwachen US-Konjunktur und der Schutz der eigenen Banken zählen. Denn von einer Diskussion über eine globale Steuer auf Finanztransaktionen, wie sie die europäischen Minister in Wrocław mit ihm führen wollten, hielt Geithner nichts.

 

„Risiken von Märkten nehmen“

„Die Regierungen und Zentralbanken müssen die katastrophalen Risken von den Märkten nehmen und leichtfertiges Gerede über die Auflösung der Institutionen des Euro vermeiden“, sagte Geithner laut der Nachrichtenagentur Reuters bei einer Diskussionsveranstaltung der Ideenschmiede Eurofi am Rande des Ministertreffens.

Im Kreise der 17 Euro-Finanzminister forderte Geithner die Europäer auf, den EFSF so umzubauen, dass er mit mehr Risiko größere Kredite vergeben kann, falls große Volkswirtschaften wie Italien oder Spanien Hilfe benötigen. „Sie sollten darüber nachdenken, sofern es nicht Rocket Science (sinngemäß „höhere Mathematik“, Anm. d. Red.) ist“, waren Geithners Worte, wie ein Sitzungsteilnehmer der „Presse“ sagte.

Die EFSF (Europäische Finanzstabilisierungsfazilität) ist jener Fonds, der gemeinsam mit dem Internationalen Währungsfonds (IWF) die Hilfen für Irland und Portugal finanziert (Griechenland erhält bilaterale Darlehen der anderen Euroländer und des IWF).

Die Europäer erteilten Geithner eine klare Absage. „Wir diskutieren über eine Erhöhung oder Ausweitung des EFSF nicht mit einem Nichtmitglied der Eurozone“, sagte Jean-Claude Juncker, Chef der Gruppe der Finanzminister der Eurozone, bei einer Pressekonferenz auf die Frage nach Geithners Wünschen. „Wir können jederzeit mit unseren amerikanischen Kollegen diskutieren. Ich würde gern hören, wie die Vereinigten Staaten ihr Defizit und ihre Schulden senken“, erklärte Belgiens Finanzminister Didier Reynders.

 

Fekter kritisiert Geithner scharf

Noch schärfer drückte sich wie gewohnt Österreichs Finanzministerin Maria Fekter (ÖVP) aus. Geithner habe gesagt, „dass wir Geld in die Hand nehmen sollen, um das System nicht in Schwierigkeiten zu bringen“, sagte Fekter vor Journalisten. Daraufhin habe ihn Deutschlands Finanzminister Wolfgang Schäuble „ganz klar darauf aufmerksam gemacht, dass das allein beim Steuerzahler abzuladen wahrscheinlich nicht möglich ist“, führte Fekter aus.

Als die Europäer daraufhin Geithner auf die Einführung einer Finanztransaktionssteuer ansprachen, um Spekulationen einzudämmen, habe „er das striktestens abgelehnt, der Herr Geithner“, sagte Fekter. „Ich hätte mir doch erwartet, wenn er uns die Welt erklärt, dass er sich anhört, was wir den Amerikanern erklären wollen.“

 

Griechen erhalten frisches Geld

Beschlüsse fielen nicht, es war ein informelles Treffen. Mehrere Minister machten aber klar, dass die sechste Tranche des 110-Milliarden-Euro-Programms für Griechenland noch vor dem Europäischen Rat am 17. und 18. Oktober ausgezahlt wird. „Wir werden bis Oktober über die Auszahlung entscheiden“, sagte Juncker.

Ebenfalls noch vor dem EU-Gipfel sollen alle 27 Parlamente der auf Regierungsebene bereits fixierten Ausweitung und Flexibilisierung des EFSF zustimmen. Der Fond soll dann bis zu 440 Milliarden Euro an Krediten vergeben und freier auf den Märkten agieren können. Der Nationalrat wird dem am 30. September zustimmen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 17.09.2011)

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82 Kommentare
 
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Gast: Arthur Johann Geiger
18.11.2014 13:56
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Nur ein Hochlohn Hightech Europa hat zukunft,''noch können Wir das Erbe der Korrupten zum guten wenden''!!!

Attention Europa,Deutschland wird von Russland,China manipuliert,es gibt nur ein funktionierendes Konzept Europa,USA,Japan in paradiesische Verhältnisse zu katapultieren(den es ist fünf nach zwölf beim Klimawandel und Weltwirtschaft):
Zivilcourage ist angesagt,die haben Uns lange genug für dumm verkauft.Den Rettungschirm können wir getrost Möllemann-Schirm nennen.Also steht auf und fordert nachfolgendes von Partei oder Staat welcher Ihr auch immer angehört um das Europa-Paradies zu schaffen und den Erde-Planeten zu retten.Endlos Milliarden an Devisen für Öle,Gas etc.können durch Nuklearkraft eingespart und die den Erde-Planeten vernichtende Erderwärmung stark reduziert werden.Strafe-Ausgleichs-Zoll auf Wahren von Arbeiter ausbeutenden und Umweltverpestenden Staaten würde die heimische Industrie schützen und macht den Europa Standort für die Industrie wieder attraktiv,mit dem Ergebnis der Vollbeschäftigung.Strafe-Ausgleichs-Zoll auch innerhalb Europas würde den Arbeiter ausbeutenden Industrietourismus mit seinen chaotischen Wahrentransporten eindämmen und Europa stabilisieren.''Also ein Gemeinnütziger Europäischer Energiekonzern welcher über neu zu errichtende Nuklearkraftwerke ganz Europa von Fossilen Brennstoffen unabhängig macht und über einen Stromcent eine Minderst-Rente (850 Euro) für jeden Europäer sichert.Das Rentenalter schrittweise reduzieren.Arbeitszeit-Reduzierung zur schaffung und Erhalt von Arbeitnehmer-bedarf.Das Elektroauto in der Stadt Pflicht.Wahren aus Billig-Staaten mit Strafe-Ausgleichs-Zoll belegen.So einfach ist es die Voraussetzungen für das Paradies zu schaffen.''
Shalom i Spiritu Sancti Vatikan,God Bless Barack Obama!!!
Yes,We Can.Never Forget.Never Forgive!!!

Antworten Gast: dagobert besenginster
18.09.2011 21:35
0

Re: Nur ein Hochlohn Hightech Europa hat zukunft,''noch können Wir das Erbe der Korrupten zum guten wenden''!!!

die weltverbesserer kriechen jetzt auch aus ihren löchern. kein gutes zeichen für die gesamtlage.

was noch mehr Schulden für unser Land allein bedeuten würden

http://www.krone.at/Oesterreich/In_Wien_probte_vor_hundert_Jahren_der_Poebel_den_Aufstand-Frappierend_aktuell-Story-296492

sollte man ausnahmsweise hier sehr genau lesen, da die Vorzeichen wahrlich sehr sehr ähnliche sind !

Gethner sollte endlich akzeptieren,

das die Us gar nicht mehr die Kraft hat, den Westen ihre WÜnsche der eigenen Interessen vorzuschreiben, und sich erst selbst erholen, aber am besten aus dieser Union befreien wird müssen welche von Banken und der Hochfinanz ins Leben gerufen und kontrolliert wird !
Alles andere nennt man im fernen Osten Harakiri !

Gast: barra
18.09.2011 04:01
0

für was reden sie miteinander wenn sie eh nicht hören wollen was der andere zu sagen hat.


schuldenländer geben anderen schuldenländern die schuld für ihre schulden


Der Junker nimmt das Maul voll

Ich dachte, wir hätten ein Finanzproblem.
Ich dachte, dass die Fachleute untereinander um Lösungen "ringen", wie sie immer so schön sagen.

Statt dessen spielen sie beleidigte Leberwurst.

Unser Junker (nicht der Präsident oder das EU-Parlament, oder die Regierung, nein der Junker!) behauptet, er wisse ganz genau, was jetzt zu tun ist, ganz genau wisse er das, und er lasse sich von einem Dahergelaufenen nichts, aber auch gar nichts sagen.

Und so beleidigt er einen nicht unwesentlichen Repräsentanten der größten Volkswirtschaft dieser Erde nur für den kurzen Ruhm des politischen Kleingeldes.

Was für ein Kleinbürger "regiert" hier unser Europa.
Zitat:„Wir diskutieren über eine Erhöhung oder Ausweitung des EFSF nicht mit einem Nichtmitglied der Eurozone“, sagte Jean-Claude Juncker.

Kurz gesagt, wir sollten dem Junker die Leviten lesen, erstens wegen Kompetenzüberschreitung, zweitens wegen Hochmuts, drittens wegen schlechtem Benehmens.

Denn: Wo bleibt seine Lösung? Gell, hat er nicht, aber immer was Gscheites absondern.

Bleibt die Frage, wo war der Offizier, als sein Junker frech drauflos plauderte?

Gast: Altemanze , seit 1981 Begründerin der Basisgehaltdiskussion
17.09.2011 12:59
0

info aus den USA

http://money.cnn.com/2011/09/16/news/economy/bloomberg_jobs_riots/index.htm

über 1300 Kommentare...und viele sind für 1 Verbot von cinesischen Waren...

Antworten Gast: K. Schweiger
18.09.2011 01:04
0

Re: info aus den USA

Sie haben vollkommen recht. 2 wären besser.

USA mit der größten Staatspleite der Menschheitsgeschichte


geben anderen gute Tipps - Arroganz, die einfach nicht mehr zu überbieten ist. Die glauben tatsächlich, sie sind die Größten, Besten und Schönsten auch, wenn sie schon über dem Abgrund schweben.

Ein Land, das mitten in wirtschaftlichem, politischem und sozialem Desaster wurschtelt, spielt sich wieder zum Maßstab aller Dinge auf.

Ärgerlich.


Antworten Gast: dagobert besenginster
17.09.2011 14:43
0

Re: USA mit der größten Staatspleite der Menschheitsgeschichte

hochmut kommt vor dem fall

Ist das der Geist von Europa?

Zitat vom Spiegel:
"Die Schuldenkrise in Griechenland wirkt sich immer stärker auf das Leben der Bürger aus. Weil staatliche Krankenhäuser ihre Rechnungen nicht mehr zahlen können, hat der Schweizer Pharmakonzern Roche seine Lieferungen gestoppt. In einigen Häusern könnten nun wichtige Medikamente knapp werden. "

Will Europa die griechische Kinder zum sterben veruteilen?

Re: Ist das der Geist von Europa?



Gaaanz falsch!

Griechenland + die Griechen haben das ganz alleine gemacht. Europa hat nur Geld hinein gepumpt - ausgegeben und verkorrumpiert haben das die Griechen.
Ein Jahrtausende alte Korruptionsgeschichte, mein Verehrter, dort war das nie anders.


Die EU ist gaenzlich verloren!

Wie kann sich die EU mit der USA anlegen? Wenn der grosse Bruder den US-Markt für EU-Produkte schliesst, können die Europaer ihre Produkte ins Meer versenken!

Gast: Sonne im Herzen
17.09.2011 09:37
0

Wie wärs damit: kein Konkurs, sondern Ausgleich?

für Griechenland und die anderen.

Wir zahlen in Summe ca. 70% an Steuern, Abgaben und Gebühren (wenn man den Arbeitgeberbeitrag, MWSt,... einrechnet) und es reicht noch immer nicht?
Ich will nicht dass alles futsch ist.

Gast: sois
16.09.2011 23:35
0

die kriegskassen der bankrotten USA sind leer- also sollen die europer länger hackeln und einfach mehr zahlen.


Antworten Gast: peaka
17.09.2011 12:09
0

Re: die kriegskassen der bankrotten USA sind leer- also sollen die europer länger hackeln und einfach mehr zahlen.

Jahresarbeitszeit USA: 1.848 Stunden

Jahresarbeitszeit Deutschland: 1.646 Stunden.

Gast: richard28
16.09.2011 23:07
1

Wenig hilfreich...


Es wäre interessanter gewesen, Geithner zu fragen, wie die Regierung in Washington mit einem Staat der USA umgeht, der vor dem Bankrott steht. Welche Hilfen hat man z.B. Californien gewährt?

Antworten Gast: klausazH
18.09.2011 21:08
0

Re: Wenig hilfreich...

Geithner ist ja auch vermutlich nicht einfach illegal aufgetaucht sondern wurde eingeladen, oder? vielleicht, weil man seine meinung hören wollte?sind diese beleidigten reaktionen vielleicht dem eigenen boulevard geschuldet? emotionen haben bei so wichtigen sachen keinen platz.

Gast: birnenpago
16.09.2011 23:07
0

Bravo MITZI erklär dem Schotterschaufler die Welt

wir lukrieren als einziger Staat der Welt GEWINNE aus der Griechenlandkrise. Lass dir nix gfallen. Wir Österreicher stehen hinter dir! Wir sind ja Deppen die sich echt freuen, wenn wir 40 Mille einzahlen und einen Gewinn von 28.000 Euronen abzocken.

Mitzi for ever!!!

Ja, wir bauen Feindbilder auf...

Nur: diesmal zu Recht! Kleiner Unterschied, Frau Fekter.

Gast: 4545
16.09.2011 22:31
1

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Österreichische Banken haben 1,7 Billionen Derivate in den Bilanzen.

5-10% Verlust und die Bilanzen lösen sich in Asche auf.

www.wiweb.at

GEAB N°57 ist angekommen.

Sehr geehrte Poster! Wenn auch Sie den ESM-Vertrag für gefährlich halten, dann schreiben Sie doch bitte einem Medienunternehmen Ihrer Wahl, um eine Berichterstattung anzuregen.

Praktische Unterstützung fürs Mailen - ein Klick, unterzeichnen, senden:
http://www.banken-volksbegehren.at/index.php/politik/94-mailing-aktion-anregung-einer-berichterstattung-zum-esm

Gast: Febobo
16.09.2011 19:46
3

Österreichische Banken stehen angeblich kurz vor dem Kollaps

Auf Wirtschaftsblogs macht das Gerücht die Runde, dass die österreichische Bankenlandschaft auf viel wackligeren Beinen steht, als bisher angenommen. Liebe Medien, als Leser erwarte ich mir, dass der Sache nachgegangen wird:

http://www.zerohedge.com/news/guest-post-shtf-austria-soon

Gast: Ein Denkender
16.09.2011 19:34
4

Geithner ist inkompetent

Herr Geithner hat schon im Bundesstaat New York vollkommmen versagt: Trotz vieler Warnungen sah er die Banken-und Finanzkrise nicht kommen.
And als Finanzminister der USA hat er lediglich den Banken Geschenke gemacht.
Gut, dass niemand auf diesen neo-liberalen Desasterkapitalisten gehört hat.

Antworten Gast: gast1002
16.09.2011 21:15
2

Re: Geithner ist inkompetent

Geithner als guter Freund der Wallstreet - das sind ja alles seine Auserwähltenfreunde" -wird sicherlich keine Transaktionssteuer einführen, denn dann könnten H Soros, Blankfein usw keine Milliarden mehr abzocken.....und unseren dummen Bankern faule Hypopakete verkaufen

 
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