20.06.2013 00:05 Merkliste 0

Deutscher Bundestag segnet Euro-Rettungsschirm ab

29.09.2011 | 12:44 |   (DiePresse.com)

Angela Merkel kann aufatmen: Die Ausweitung des Rettungsfonds EFSF wurde mit Kanzlermehrheit beschlossen. Nur 85 von 611 Abgeordneten stimmten dagegen.

Artikel drucken Drucken Artikel versenden Senden Merken AAA Textgröße Artikel kommentieren Kommentieren

Mehr zum Thema:

Der Deutsche Bundestag hat am Donnerstag mit sehr großer Mehrheit die Stärkung des Euro-Rettungsschirms EFSF beschlossen. Von 611 abgegebenen Stimmen waren 523 für das Gesetz. 85 Abgeordnete lehnten es ab. Drei enthielten sich. Die Regierungskoalition aus Union und FDP hat bei der Abstimmung über die Ausweitung des Euro-Rettungsschirmes im Deutschen Bundestag am Donnerstag die politisch wichtige Kanzlermehrheit erreicht. Nach Angaben des Bundestags stimmten bei der Union 226 Abgeordnete für den Schirm, bei der FDP waren es 89. Das sind insgesamt 315 Koalitionsstimmen. Mindestens 311 wären für die Kanzlermehrheit nötig gewesen.

Aus dem Oppositionslager hatten SPD und Grüne schon vorher angekündigt, ebenfalls für die Stärkung des EFSF zu stimmen. Nur die Fraktion der Linkspartei lehnt dies ab. Nun muss noch der Bundesrat in einer Sondersitzung an diesem Freitag dem Gesetz zustimmen. Das Ja der Länderkammer gilt als sicher.

Der Vorsitzende des Europaausschusses, Gunther Krichbaum (CDU), appellierte zuvor an das Verantwortungsgefühl der Abgeordneten. "Es geht um mehr als Koalitionsfragen, es geht um die Zukunft des Euro", sagte er der Nachrichtenagentur AFP. Der Bundestag müsse mit der Zustimmung zum erweiterten Euro-Rettungsfonds EFSF ein "wirkungsvolles Signal auch in die Märkte hinein geben".

Widerstand in der Regierungspartei FDP

Die FDP-Bundestagsabgeordnete Sylvia Canel bekräftigte indes ihre Ablehnung des EFSF. "Ich stelle mir einen anderen Weg für Europa vor - ein Europa, das nicht auf Schulden aufgebaut ist", sagte sie im "Hamburger Abendblatt". Der FDP-Bundestagsabgeordnete Burkhardt Müller-Sönksen, der sein Abstimmungsverhalten zuvor offengehalten hatte, kündigte hingegen sein Ja für den erweiterten EFSF an.

Der EFSF-Rettungsfonds soll neue Instrumente und zusätzliche Gelder zur Stützung von Euro-Krisenländern erhalten. Die Ratifizierungen könnten bis Mitte Oktober abgeschlossen sein. Österreich wird am Freitag in einer Sondersitzung des Parlaments der Stärkung und Anwendungserweiterung des EFSF aller Voraussicht nach mit Unterstützung der Regierungsparteien und der Grünen zustimmen.

Schäuble, Brüderle: EFSF wird nicht "gehebelt"

Der Rettungsschirm wird laut FDP-Fraktionschef Rainer Brüderle nicht durch einen sogenannten Hebel finanziell noch zusätzlich verstärkt. "Meines Erachtens wird es ihn nicht geben", sagte Brüderle am Donnerstag im Deutschlandfunk vor der Entscheidung des Bundestages über die Ausweitung des EFSF-Rettungsschirms. Auch Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) wies die Gerüchte entschieden zurück.

Die SPD hat Schäuble zuvor vorsätzliche Täuschung über das wahre Ausmaß der Euro-Rettung vorgeworfen. "Es wird niemals hinter dem Rücken der Abgeordneten irgendeine Veränderung geben", sagte Schäuble. Er selbst habe nie von "Hebeln" gesprochen, mit denen die geplante Kreditsumme des Euro-Hilfefonds von 440 Milliarden Euro noch zusätzlich ausgeweitet werden kann, sagte Schäuble. Er habe gesagt, man werde diesen Fonds so effizient wie nur möglich nutzen. "Es bleibt dabei, die Haftungssumme, die der Deutsche Bundestag beschließt, kann ohne einen neuen Beschluss des Deutschen Bundestages nicht verändert werden", sicherte Schäuble zu.

Warnungen vor Erweiterung

Unmittelbar vor der Abstimmung hat CSU-Chef Horst Seehofer Angela Merkel davor gewarnt, den Deutschen immer mehr Lasten aufzubürden. Es dürfe nicht sein, dass die Bundesrepublik am Ende ihre eigene Kreditwürdigkeit verspiele, sagte Seehofer der "Süddeutschen Zeitung". Seehofer warnte davor, den Rettungsschirm ständig zu erweitern und ihn am Ende zu überspannen. Die CSU stehe zur jetzigen Reform, lehne aber neuerliche Erweiterungen des Schutzschirms ab.

SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier erklärte dagegen, er bezweifle, dass die im Euro-Rettungspaket vereinbarten Finanzhilfen ausreichten, um die Finanzkrise zu bewältigen.

(Ag.)

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo

Mehr zum Thema:

Mehr aus dem Web

87 Kommentare
 
1 2 3
Gast: orlsfuss
29.09.2011 09:19
1 2

Prof. Hans-Werner Sinn zur Eurokrise

Prof. Hans-Werner Sinn zur Eurokrise

http://goo.gl/jwMqR

Antworten Gast: Unsinn ist ein Wirtschaftsverbrecher und arbeitet gegen das eigene Volk
29.09.2011 13:44
1 1

Re: Prof. Hans-Werner Sinn zur Eurokrise

Was sind denn Sie für einer ? Hans Werner Sinn ist für alle da aber sicher nicht für den Teil der hart arbeiten muss. Der Mann hat doch keine Ahnung. Das ist ein Neoliberaler der übelsten Sorte und genau so ein Finanzverbrecher und seine Thesen haben erst uns alles eingebrockt. Und jetzt will er wieder einmal den grossen Max spielen.

Gast: Eierbär
29.09.2011 09:14
2 1

Wer gestern AnnWill sah

und die deutsche Pampigkeit erlebte, mit denen Richard Sulik behandelt wurde, kann sich vorstellen, wie die Deutschen in einer europäischen Zentralregierung fuhrwerken würden. Da darf Werner dann bei Wohlverhalten den Wagen holen: Harry hol schon mal den Wagen!

Re: Wer gestern AnnWill sah

Muss Ihnen leider Recht geben. Nicht nur das Politiker sehr oft und offensichtlich auch wider besseren Wissens handeln (Parteizwang und übergeordnete Interessen!?), man versucht nicht einmal mehr der Eindruck zu werwecken, man höre Gegenargumenten überhaupt zu.

Gast: Novaris
29.09.2011 08:17
2 0

Umverteilung von UNTEN nach OBEN

Die Gesetze zum erweiterten EFSF - später ESM - wird der Bundestag verabschieden. Danach kommt die Banklizenz mit dem 8-fachen Hebel --- am Anfang.
Wo bleibt dann die Mitsprache des Parlaments ?
Die "Märkte" wollen die Vergemeinschaftung der Schulden und hohe Zinsen, die via Verschlechterung des Ratings der bisher solventen Staaten fällig werden.
Also, geringes Risiko und hohen Profit, wofür der Steuerzahler haftet und mit Steuererhöhungen und Ausgabenkürzungen zahlt.
Bisher unerwähnt ist geblieben, daß ca. 5% der Reichsten 70% der Investitionen halten.
Es geschieht hier somit eine gigantische, unsoziale Umverteilung von UNTEN nach OBEN.
Die für den Steuerzahler billigere Lösung des Problems wäre wohl ein Plan zur Bankenrettung gewesen.
Ein solcher Plan wurde bisher im Bundestag aber nicht diskutiert. Warum wohl ? Die Bankenlobby hat ganze Arbeit geleistet.
Welcher Bankvorstand möchte denn den Staat als Miteigentümer in der HV sitzen haben und ihm auch noch mögliche Profite auszahlen wollen, von schmaleren Salären der Vorstände etc. ganz zu schweigen.
Fazit : Die Rettungsschirme bringen dem Steuerzahler Verluste, Bankenrettungen aber Eigentümerrechte.
Wer bei den Rettungsbemühungen Pate gestanden hat, ist somit geklärt

0 1

Re: Umverteilung von UNTEN nach OBEN


>Die "Märkte" wollen die Vergemeinschaftung der Schulden und hohe Zinsen, die via Verschlechterung des Ratings der bisher solventen Staaten fällig werden.<

Na ja, der 8-fache Hebel ist ja nicht Gesetz, es könnte auch ein 20-facher Hebel zur Anwendung gelangen.

Der würde dann so um die 60% der Euro-Länder-Verschuldung abdecken.

Nehmen wir mal an, die Euro-Länder bezahlen dafür 4% Zinsen, davon 1,5% (derzeit) an die EZB und die Differenz - 2,5% - an den EFSF.

Vier Prozent von ca. 5 Billionen Euro sind 200 Mrd Euro.

Kein Cent davon an die "Märkte" sondern an die Eigentümer von EZB und EFSF.

Wer sind die Eigner dieser zwei Institutionen?

Jedenfalls würde der Gewinnausschüttungs-Anteil Österreichs p.a. ca. 5,1 Mrd Euro betragen (wenn ca 185 Mrd ausgeschüttet werden würden).

Natürlich müsste die Hebel-Variante entsprechend gut vorbereitet und nicht ad hoc, wenn die Hütte schon fast abgebrannt ist, eingeführt werden.

Re: Re: Umverteilung von UNTEN nach OBEN

Erinnert irgendwie frappant an das "Finanzsystem" der ehemaligen UdSSR. Das hatte danach jedoch folgendes Ergebnis:
Offizieller Kurs: 1 USD = 0,5 RUR
Taxikurs: 1 USD = 40 und mehr RUR.
Und nebenbei, es gab auch kein ausreichendes Warenanbot mehr, welches man um offiziell in Geschäften um RUR kaufen konnte.

Ich, für meinen Teil, würde gerne auf diese finanzpolitische Wahnsinnstat verzichten. Aber wie man sieht, Menschen lernen wirklich nicht viel aus der Geschichte.

Gast: Hubert aus Berlin
29.09.2011 07:51
6 2

Stimmt mit Nein!


Re: Stimmt mit Nein!

lieber Hubert aus Berlin!
WIR würden ja gerne nein sagen, nur WIR haben nichts mehr zu sagen, genauso wie IHR.
Schuld daran sind WIR (und IHR), weil wir uns zu lange alles gefallen lassen haben.
Unser Kinder werden UNS möglicherweise einmal fragen, wie wir denen das ermöglichen konnten.
Und keiner von uns wird dabeigewesen sein oder es gewußt haben, was jetzt passiert - wie vor über 70 Jahren....

Gast: gasthaus wirtshaus
29.09.2011 07:41
11 1

das ist

der Anfang vom Ende...da werden uns folgende Generationen sehr dankbar sein...Nur weil sich Politiker davor scheuen ein offensichtlich gescheitertes Experiment endgültig für gescheitert zu erklären. Stümper!

Gast: smilefile
29.09.2011 07:23
11 0

Bis zur vollendeten Zerstörung der sozial. Strukturen,..

Die Österreichische Bundesregierung hat die Investitionsförderung für Studierendenheime schlagartig auf Null reduziert. Die für 2011 bereits vorgesehenen 11 Millionen Investitionsförderung werden an die Heimträger nicht mehr ausbezahlt. Damit drohen massive Heimpreiserhöhungen für Studierende, wichtige Investitionen können nicht mehr finanziert werden,..

Danke Europa! / Es ist eine Freude dein Steuerzahler zu sein,...

Antworten Gast: Febobo
29.09.2011 12:34
4 0

Re: Bis zur vollendeten Zerstörung der sozial. Strukturen,..

Das macht nichts! Die obdachlosen Studenten werden sich der revolutionären Masse anschließen.

So gesehen hat das Ganze auch etwas gutes.

 
1 2 3