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Krisenmanagement: Rehn soll Chefkoch der Krise werden

10.10.2011 | 18:27 |  von Wolfgang Böhm (Die Presse)

Eifersucht und Machtspiele dominieren den Kampf gegen die Krise. Ruf nach einem einzigen Koordinator, einem EU-Finanzminister, wird lauter. Kommissar Olli Rehn soll der Chefkoch der viel zu vielen Köche werden.

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Brüssel. Sie nennen sie „Merkosy“, weil sie gemeinsam zum Sinnbild der Krise geworden sind. Der Spitzname für die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel und den französischen Staatspräsidenten Nicolas Sarkozy, die derzeit alle paar Wochen ihre Köpfe zusammenstecken, um über neue Instrumente gegen die Krise zu beraten, ist aber nicht freundlich gemeint. Auch am Montag, einen Tag nach ihrem Treffen in Berlin, ging wieder ein Raunen durch die EU-Institutionen. Mit zunehmender Skepsis beobachten Vertreter von EU-Kommission und EU-Parlament, wie die beiden vor jedem EU-Gipfel die Linie vorgeben.

Machtspiele und Eifersucht dominieren das Krisenmanagement. Das wurde zuletzt deutlich, als Kommissionspräsident José Barroso in einer Rede vor dem Europaparlament die Rolle seiner EU-Institution in der Bewältigung der politischen Herausforderungen lautstark einmahnte.

„Es sind tatsächlich zu viele Leute, die derzeit das Krisenmanagement betreiben“, kritisiert der liberale deutsche Europaabgeordnete Wolf Klinz. Er fordert eine effizientere Koordinierung durch nur noch eine Person: Währungskommissar Olli Rehn. Er soll der Chefkoch der viel zu vielen Köche werden und künftig als EU-Finanzminister auch die Sitzungen bei den wichtigen Ecofin-Treffen (nationale Finanzminister) leiten.

Die mächtige Justizkommissarin Viviane Reding spricht sich ebenfalls für Rehn aus. Sie argumentiert, dass Deutschland und Frankreich weiter der Motor Europas sein könnten. „Aber damit wir uns in die richtige Richtung bewegen, reicht ein Motor nicht aus, wir brauchen auch einen Piloten“, sagte sie bei einer Rede vor der Pariser Politikhochschule Science Po.

Derzeit betreiben nicht weniger als sieben Spitzenpolitiker das Eurokrisenmanagement. Jeder mit ganz unterschiedlichen Interessen: Neben Merkel und Sarkozy sind das EU-Ratspräsident Hermann van Rompuy, Kommissionspräsident Barroso, Euro-Gruppen-Vorsitzender Jean-Claude Juncker, EZB-Präsident Jean-Claude Trichet und eben Währungskommissar Rehn. „Das kann nicht funktionieren“, so der langjährige Unternehmer Klinz.

 

Gegen Wirtschaftsregierung

In den Hauptstädten der kleineren und mittleren EU-Staaten wird vor allem der Vorstoß von Merkel und Sarkozy für eine Wirtschaftsregierung auf Ebene der Staats- und Regierungschefs kritisiert. Sie würde lediglich zu einer „Kompromissmaschinerie“ entarten, einem Abtausch nationaler Interessen, bei dem Paris und Berlin die Hauptrolle spielen, lauten die Einwände.

„Wir müssen dieses unkoordinierte Nebeneinander künftig verhindern“, kritisiert der Kabinettschef von Barroso, Johannes Laitenberger. Er drängt darauf, zu den „Instrumenten auf Ebene der EU-Verträge“ zurückzukehren. Sprich: Statt dass die EU-Regierungschefs das Krisenmanagement abseits jeder demokratischen Kontrolle betreiben, soll es eine geordnete Zuständigkeit nach EU-Regeln geben: Die EU-Kommission schlägt Vorgangsweisen vor, die zuständigen nationalen Minister und das Europaparlament entscheiden darüber. Im Falle des verschärften Eurostabilitätspakts ist es der EU-Kommission mit Hilfe des Europaparlaments bereits gelungen, hier zumindest wieder den Fuß in die Türe zu bekommen. „Eine solche Gemeinschaftsmethode wäre auch im Interesse kleinerer Länder wie Österreich“, heißt es unter Diplomaten.

Rehn selbst hat bisher zu den Plänen eines EU-Finanzministers nicht Stellung genommen. Er verweist allerdings darauf, dass für eine Beschleunigung des trägen EU-Krisenmanagements noch etwas anderes notwendig wäre. Bei einer Rede in Helsinki forderte er das Ende der Einstimmigkeit in Fragen der Fiskal- und Wirtschaftspolitik. Nur so könnte rascher auf neue Entwicklungen reagiert werden.

Auf einen Blick

Sieben Politiker kümmern sich derzeit in der EU um das gemeinsame Krisenmanagement (Merkel, Sarkozy, van Rompuy, Barroso, Trichet, Juncker, Rehn). Die Kritik an unkoordiniertem Vorgehen und Machtkämpfen wächst. Deshalb wird gefordert, dass der unparteiische Währungskommissar Olli Rehn künftig als Chefkoordinator der Krise agiert.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.10.2011)

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13 Kommentare
Gast: Haushaltsschule
12.10.2011 22:34
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Chefkoch der Krise, das ich nicht lache

die können ja gar nicht kochen, ist ja alles schon total angebrannt.

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herrliche Wortschöpfung Merkozy ! Danke. Die 2 die den Euro in höchste Gefahr bringen indem sie ungeeignete Partner an Board halten, bis das ganze Boot sinkt, falls die Lahmen nicht freiwillig in eigenes Boot nehmen

herr Reh hat sich um die Forcierung der Ausweitung Europas nach Asien verdient gemacht, mit der Aussicht der Asiatisierung Europas im Express.

Gast: Blankenstein Husar
11.10.2011 11:37
1 0

Irrwitzig!

Dieselben Herrschaften, die diese Krise verschuldet haben,
sollen sie jetzt lösen.

Das ist genauso, wie wenn Verbrecher zu Richter gemacht werden...

Gast: c8w
11.10.2011 10:47
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Der Grund der geschaffenen Krise enttarnt sich durch Forderungen immer mehr.

Eine Person, die der EU Wirtschaft voransteht, eine Person, die der EU Finanzwirtschaft vorsteht. Weniger Macht bei den Staaten, (noch) mehr Macht bei der EU. Wenige Personen und ein Staatenbund sind halt leichter zu kontrollieren, als viele Regierungen mit vielen Personen dahinter.
- ist aber erst der Anfang.

Ordo ab chao. Chaos schaffen, um eine neue Ordnung anzubieten.

War das bei den Bilderbergertreffen auch so geplant?
- Oder ist durch Zufall etwas anders verlaufen?
- kann ich mir bei den Politdarstellern nicht vorstellen.

Wann kommt die eine Weltregierung? - der Weltpräsident?
Ist dies per Datum auch schon vorgeplant?
- oder muss man das große Chaos durch die große Inflation durch die Krisen"rettungsschirme" noch abwarten? - kommt die "Ordnung" dann?

Gast: BKM
11.10.2011 08:37
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Rehn, der Chefkoch

Rehn also. Der, der den (finanziellen) "Hebel" erfunden hat, das Wunder der Notenpresse, das uns retten soll und die Hyperinflation bringen wird. Insoferne ist der Titel "Chefkoch der Krise" gar nicht mal so schlecht gewählt. Prost Mahlzeit denn.

Gast: check
11.10.2011 08:21
2 1

Griechenland MUSS RAUS aus der Euro-Zone!


Nur durch diese generalpräventive Maßnahme und den damit verbundenen Lerneffekt für andere Schuldenländer ("Aha, so schaut das aus wenn ein Staat seine Beamten nicht mehr zahlen kann") werden Politiker und Gewerkschafter den nötigen Sparprogrammen zustimmen.

Wenn aber jetzt GR mit europäischen Steuergeld "gerettet" wird, dann ist der Damm unhaltbar gebrochen, dann kommen Portugal, Spanien, Italien, Frankreich, Belgien,... ebenfalls "unter den Schirm". Ist ja bequemer als Sparen.

Und dann, liebe Freunde, dann ist GANZ Europa auf Jahrzehnte ein Trümmerfeld!

EU Finanzministerium

Will die EU überleben, dann braucht sie staatsähnliche Strukturen.

Strukturen der sich alle Staaten unterordnen müssen.

Finanzen, Steuern und Soziales werden dann gemeinsam bewältigt und vereinheitlicht.

Damit wären dann auch wirtschaftlich sinnvolle Maßnahmen in Ländern wie Griechenland einfach umzusetzen.

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Re: EU Finanzministerium

Das ist leicht gesagt, aber was folgert denn daraus?

Wir würden uns dann ganz mit Haut und Haar diesem EU-Moloch ausliefern! Denken Sie einmal an die Sanktionszeit wie rasch man da unter die Räder kommen kann! Das arge daran war, daß man ganz einfach eine demokratisch gewählte Regierung nicht mochte und dann zu derartigen Mitteln greift! Eigentlich ein Wahnsinn!

Außerdem wer würden denn dann bestimmen? Genau jene Leute, die doch an dem ganzen Desaster Schuld sind. Warum haben die nicht früher aufgeschrien, als die ganzen aufgestellten Regeln von einzelnen Staaten ignoriert wurden?

Nicht der Rehn!

Bitte nicht den Rehn. Der größte Lügner und schlimmste Lobbyist in der Kommission! Aber leider sehe ich dort auch sonst niemanden, der für einen solchen job geeignet wäre. Früher hielt ich den Juncker für fähig - der hat sich aber leider auch als Lügner und lupenreiner Lobbyist entlarvt.
So einen Job darf nur einer machen, der auch den Mut zur Wahrheit - und zwar auch gegenüber dem Volk - hat.

merkosy

machens ja nur, weil die kommission völlig paralysiert ist, wenn barroso jetzt aufjault, dann hat er vorher was verschlafen. wenn schon eu-regierung dann auch ordentlich und nicht mit rückzieher beim auftreten der großen!

Genau das Problem

Einer muß der Pilot sein. Provintionalissmus und Nationalissmus bringen das ganz Schiff zum Untergang.

Ist Europas einzige Chance.

Antworten Gast: Multiple Solution
11.10.2011 11:14
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Die "einzige" Chance.

lol

Ihr Denken ist wohl etwas einseitig beschränkt.
Finden Sie immer nur eine Lösung?

Ist schon klar, dass viele von nur einer Lösung reden- dies ist ja auch schön vorgegeben. :-)

Ist dies aber echt Ihre Meinung- oder bekommen Sie etwas dafür bezahlt?

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3 Alternativen:

1.: Rückkehr zur NAtionalstaatlichkeit ... dann kann jeder wieder pleite gehen. D.h. das Projekt EU ist gescheitert.

2.: Eine zentrale (Finanz)Politik, dann hat das europäische Projekt eine reelle Überlebenschance

3.: wir wurschten so weiter - wird aber schlussendlich in punkt 1 oder 2 enden...ist nur ein Hinauszögern des Unvermeidlichen.