Euro-Schirm wird zur Versicherung

19.10.2011 | 18:28 |  Von unserem Korrespondenten OLIVER GRIMM (Die Presse)

Berlin und Paris vereinbaren, dass die EFSF den Kauf von Anleihen der Euroländer versichern kann. Diese Lösung erledigt drei Probleme mit einem Streich. Unter anderem soll das Zinsen für neue Schulden drücken.

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Brüssel. Wie macht man aus 440 Milliarden Euro eine Billion, zwei oder gar zweieinhalb? Über diese Frage zerbrechen sich seit Wochen Europas Finanzexperten den Kopf. Wenige Tage vor Beginn des Treffens der Staats- und Regierungschefs sowie der Finanzminister der Euroländer zeichnet sich ab, welche Antwort sie gefunden haben: Das Euro-Rettungsvehikel EFSF soll eine Versicherung für die Staatsanleihen von Euroländern werden.

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Nach deutsch-französischen Regierungsplänen soll das so funktionieren: Wenn ein Land der Eurozone eine Anleihe begibt, aber die Befürchtung hat, dafür nicht genügend Käufer zu finden und folglich einen höheren – möglicherweise untragbar hohen – Zinssatz zahlen zu müssen, soll die EFSF (in vollem Wortlaut: Europäische Finanzstabilisierungsfazilität) als Versicherung einspringen. Sie soll den zögerlichen Anlegern anbieten, im Fall des Kaufs der betreffenden Staatsanleihe einen Teil des theoretischen Verlustrisikos zu übernehmen. Im Gespräch ist eine Risikoübernahme von 20 bis 30Prozent des Anleihevolumens. Diese Sicherheit soll die Hemmungen der Investoren abbauen und für verstärktes Interesse an Staatsanleihen aus der Eurozone sorgen. Wenn sich mehr Käufer für einen Bond interessieren, sinkt logischerweise dessen Verzinsung. Und damit wird es für den infrage kommenden Staat billiger, sich selbst auf dem Markt zu refinanzieren.

 

Dreifacher Nutzen für die Eurozone

Diese Lösung erledigt drei Probleme mit einem Streich: Erstens ist es für ihre Umsetzung nicht erforderlich, das gerade erst in mühsamen zwischenstaatlichen Verhandlungen ausgeweitete Statut der EFSF zu ändern. Zweitens kann sie unter Umständen mit der Schaffung der Versicherung vorab verhindern, dass ein Euroland überhaupt ins Trudeln kommt, weil ihm seine Refinanzierungskosten über den Kopf wachsen.

 

Der sogenannte „Hebeleffekt“

Drittens erlaubt diese Lösung die „Hebelung“ des EFSF-Budgets, von der seit Längerem die Rede ist. Einfach gesagt: 440 Milliarden Euro (abzüglich der Mittel für die laufenden Programme für Irland, Portugal und Griechenland) würden nie reichen, um Italien oder Spanien herauszuboxen. Kann man aber die EFSF-Mittel als Hebel ansetzen, um die private Finanzierung der Schuld dieser Staaten anzukurbeln, hat man auf einfache Weise viel gewonnen – egal, ob der „gehebelte“ Betrag eine, zwei oder noch mehr Billionen Euro ausmacht. Die Bundestagsfraktionen der deutschen Regierungsparteien CDU und FDP haben daher am Mittwoch grünes Licht dafür gegeben.

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Und auch bei der Finanzierung großer Infrastrukturprojekte will man künftig „hebeln“. Kommissionspräsident José Manuel Barroso erklärte am Mittwoch, bis zum Jahr 2014 230 Millionen Euro aus dem EU-Budget dafür zu verwenden, mit der Europäischen Investitionsbank (EIB) „Projektanleihen“ aufzulegen. Sie sollen Pensionsfonds und Versicherungskonzernen die Beteiligung an Bauprojekten schmackhaft machen. Bis zu 4,5 Milliarden Euro sollen so „gehebelt“ werden. Eine Kommissionsexpertin gab aber zu, dass dieser 20-fache Hebeleffekt von der Güte der Projekte abhängen wird. Und klar ist: Das Risiko für den Ausfall trägt der Steuerzahler. Für die 230 Millionen Euro haftet das EU-Budget, für jeden darüber hinausgehenden Betrag die EIB.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 20.10.2011)

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50 Kommentare
 
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Schwachsinn ist unversicherbar


Gast: Reflector
20.10.2011 18:24
0

Absoluter Unsinn - nackte Panik nichts anderes


Wo sind nun die

ÖVP-Gschaftelhuber wie zum Beispiel der Karas und was wollen sie dem Volk sagen?

Eine Kleinigkeit bleibt jedoch unerwähnt,

nämlich ob man tatsächlich die (bösen) Geldgeber findet, welche diesem Konstrukt auch vertrauen. Oder ob das ganze nicht doch immer mehr zu einer Inzucht mit den europ. Banken + EZB allein führt.

Dazu ein kurzer Witz, welcher übrigens der neuen, französichen IWF-Chefin zugeschrieben wird:

Was ist der Unterschied zwischen Banken im Kommunismus und Kapitalismus?
Im Kommunismus werden die Banken verstaatlicht und gehen pleite. Im Kapitalismus gehen die Banken pleite und werden dann verstaatlicht.

Gast: Europäer
19.10.2011 23:54
0

EU-Kommissionspräsident Jose Manuel Barroso sieht einen "äußerst schwierigen Zeitpunkt für das europäische Aufbauwerk".

Solange die breite europäische Bevölkerung
nicht mit einer Verschlechterung ihrer Lebensqualität und Pensionen dafür bezahlen muss, solange sehe ich da kein Problem.

Gast: Staatsbankrott
19.10.2011 21:59
3

alles Lüge

Es wird eh so kommen das Griechenland aus dem Euro austritt und sich dann alle umsonst freuen, da der ESFS in Wirklichkeit der Gewinn der Spekulanten ist, nur das kann man dem Volk so ja nicht sagen ;-)
Das ist allerdings alles OK so, denn um so eher zerfetzt es den Euro und das EU Gebilde.

Gast: Hans im Glück
19.10.2011 21:31
3

Am Montag beginnt das ENDE des EUR...


Antworten Gast: N_K
20.10.2011 21:02
0

Re: Am Montag beginnt das ENDE des EUR...

Am Montag? Das glaube ich nicht.

Das "Endspiel" läuft doch schon seit langer Zeit, nur traut sich keiner (vor lauter Diarrhoea chylosa), den Stecker der "Beatmungsmaschine" zu ziehen.

Gast: Game over
19.10.2011 21:26
4

Währungsrettung?

Wie sagte Prof. Hankel?

Eine Währung, die man retten muss, ist keine.

Damit hat er eindeutig recht. Basta!
Die Regierung lässt sich laufend von Frankreich vorführen. Solange, bis wir auch pleite sind.
Wer heute noch immer glaubt, dass das gut ausgehen könnte, glaubt auch an den WEihnachtsmann. Der Euro ist Geschichte - und für diesen Müll soll der deutsche Steuerzahler bluten.

Die Politdeppen können doch nicht so naiv sein, dass sie nicht wissen, was von vielen Wissenschaftlern vorausgesagt wurde. Da wurden politische Entscheidungen gegen den Willen der Bevölkerung getroffen und wir sollen den Müll bezahlen.

Raus aus dem Euro, rettet Euer Geld!

Re: Währungsrettung?

...rettet euer Geld! Ja! Und deshalb Geld von der Bank holen solange das noch möglich ist und in den Sparstrumpf stecken.
Ich hab die Schnauze gewaltig davon voll, von der Politik, den Banken und der Wirtschaft abgezockt, betrogen und belogen zu werden!!!!
Es reicht!

gibt es irgendeine möglichkeit,

politiker entmündigen zu lassen?

abwählen geht ja leider nicht mehr.

Die Diktatur in der EUdSSR wird Realität - Demokratie ist Geschichte!

und die Gekauften Medien, die Dichter, Studenten und Intellektuellen schweigen.
Eine untergehende Gesellschaft swingt in ihren letztenb Zügen...

Gast: Dirlewanger
19.10.2011 19:15
4

Seht nur, wie sehr sie schon verzweifelt sind, die EU Deppen rund um Barrolo!

Mit einem sogenannten "Schirm" wollten sie also ihre Banken-Welt "erretten", sprich uns Europäer verarschen, aussaugen und beherrschen.

Jetzt fliegt ihnen mit ihrem Euro die EU um die Ohren.

Wir werdens überleben und diese Falotten absetzen...

aber ohne "Schirm"....

Gast: Rip it up
19.10.2011 19:14
3

In so etwas und für so etwas

wollen diese Verbrecher weiteres Geld das sie den Leuten vom Buckel runterhauen versenken.

http://www.krone.at/Welt/Griechenland_Schwere_Krawalle_im_Athener_Zentrum-Mutter_der_Streiks-Story-299791

Antworten Gast: Staatsbankrott
19.10.2011 22:07
1

Re: In so etwas und für so etwas

Wichtig ist das man die ganze Angelegenheit richtig auffasst. Die Griechen demonstrieren nicht weil sie nicht sparen wollen sondern weil sie raus aus der EU und Euro wollen, nur man lässt sie nicht. Die haben gar kein Interesse an irgendwelche Hilfen von sonst wo, sondern wollen einfach nur Ihre Souveränität zurück und weg von der EU Diktatur. Unsere Systemmedien stellen es so dar als ob die Griechen Schmarotzer wären, weil unsere Politiker die Wahrheit nicht bringen können. Der ESFS wird der Gewinn der Währungsspekulanten sein und das ist der Wunde Punkt im Geldsystem.

Gast: na toll
19.10.2011 18:50
7

in brüssel

steht ein irrenhaus....


Antworten Gast: da wirst Du toll
19.10.2011 19:08
5

Re: in brüssel

und da schaut der Barrosso und der Rompuy heraus.

Re: Re: in brüssel

OH SCHRECK OH KRAUS da BAUENS ja SCHAFFOTE auf

Die Quizfrage des Tages

Woher soll das Geld für diesen extragroßen Schutzschirm kommen?

Macht Euer Kreuzerl:

[] Nazigold aus dem Toplitzsee
[] Grassers Konten in Liechtenstein
[] ein Darlehen von Imperator Zork, Beherrscher der Galaxis


Re: Die Quizfrage des Tages

Siehe mein Kommentar 2 Absätze unten.
Aber Spaß beiseite: Das Geld wird eben einfach direkt aus der Notenpresse der Europäischen Zentralbank nachgedruckt werden.
Der Geldumlauf wird also verdoppelt werden, zahlen werden das alle "Blödmänner", die für sich selber vorgesorgt und daher Sparguthaben haben, also weniger die Griechen oder Portugiesen, sondern in erster Linie die Österreicher, Deutschen, Holländer etc.....

Gast: Anonym..
19.10.2011 18:12
2

Wir glauben Ihnen alles!

Welcher Zivilist und Staatsdiener sind eigentlich Interessiert Fehlinvestitionen von anderen Staaten und Banken zu finanzieren? Und bei uns wird Länge mal breite gespart! Es handelt sich schließlich um die Modernisierung des Staates.
ZB In einer Abteilung von unserem Staatsdienst werden Saisonarbeiter 1-2 Monate früher zum AMS betteln geschickt weil diese Abteilung Sparen muss.. (Diese werden ca 4 Monate geparkt beim AMS anstatt für 2-3) Laut dem Arbeitsvertrag ist Streiken nicht gestattet. Öffentliche Aussagen sind auch nicht gestattet. usw..

Aber die Zocker von anderen Staatsgebieten und Banken bekommen ZIG MILLIARDEN! Es sin Maßnahmen welche Notwendig sind um Europa zu retten.
Wir leben ja wirklich in einer Demokratie.
Ich muss kotzen..

Angeblich wird sich auch Deutschland selbst demnächst unter den Schutzschirm begeben...

...die Haftung in der Höhe von 100 Billionen Euro wird ersten Meldungen zu Folge Österreich zusammen mit Liechtenstein übernehmen.

Re: Angeblich wird sich auch Deutschland selbst demnächst unter den Schutzschirm begeben...

Yeah, wann kann's endlich losgehen - ich bin nämlich Pekuniärmasochist und kann es kaum mehr erwarten!
Lächz!!!

Re: Angeblich wird sich auch Deutschland selbst demnächst unter den Schutzschirm begeben...

Dieses Ereignis gibt Angela Merkel dann ENDLICH die Gelegenheit ihre DDR wieder AUFERSTEHEN zu lassen und ENDLICH eine DEMAKATIONSLINE an der Österreishen Grenze zu schaffen.

Gast: Aufruf_Aufruf
19.10.2011 17:36
2

Keinen Cent mehr den Kriminellen

Zahlt keine Steuern mehr, macht dieses tote System endgueltig kaputt. Keinen Cent mehr, beluegt, betruegt diese Verbrecher

Antworten Gast: very simple
19.10.2011 18:33
2

Re: Keinen Cent mehr den Kriminellen

Mache ich schon die längste Zeit.Lebe nach dem Grundsatz den die Heide Schmidt kluger Weise einmal gesagt hat:Dem Staat gehört die Kalorienzufuhr gedrosselt. Würden viele das so machen,dann könnten die Politiker eben nicht das machen, was sie machen.

 
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