26.05.2013 01:33 Merkliste 0

Frankreich drängt auf Finanztransaktionssteuer

06.01.2012 | 18:01 |  Von unserem Korrespondenten Rudolf Balmer (Die Presse)

Der französische Präsident Sarkozy will seine politische Bilanz verbessern und die „Tobin Tax“ einführen – notfalls im Alleingang. Die Deutschen sind nicht abgeneigt, wollen aber lieber eine europäische Lösung.

Artikel drucken Drucken Artikel versenden Senden Merken AAA Textgröße Artikel kommentieren Kommentieren

Paris. Seit vierzig Jahren wird über James Tobins Vorschlag der Einführung einer Besteuerung der internationalen Finanztransaktionen diskutiert. Und plötzlich eilt es für einen: Der französische Staatspräsident Nicolas Sarkozy will diese Idee, die in der Finanzkrise erneut aktuell geworden ist, noch vor dem Ende seiner Amtsperiode im heurigen Jahr verwirklichen.

Wie mehrfach in der Vergangenheit droht er den anderen mit einem Alleingang. In einem Gespräch mit dem französischen Sender BFM-RMC ließ Sarkozys Sonderberater Henri Guaino die Katze aus dem Sack: „Die Entscheidung über die Einführung der Finanztransaktionsabgabe wird noch vor Monatsende fallen.“

Frankreich wolle so „mit dem guten Beispiel vorangehen“ und die Partner – allen voran Deutschland – ermuntern, dem Exempel zu folgen. Natürlich wäre es besser, die Deutschen von Beginn weg mit dabei zu haben, gesteht Guaino zu. Doch länger warten auf die Zustimmung aus Berlin will der ungeduldige Sarkozy offenbar nicht mehr. Die Zeit läuft ihm davon.

Spätestens im März muss er sagen, ob er sich im April für eine Wiederwahl bewirbt. Seine Chancen auf ein zweites Mandat stehen derzeit nicht gut. Um so eiliger hat er es, noch ein paar konkrete Beschlüsse zustande zu bringen, die seine Bilanz aufbessern könnten. Seit 2008 verspricht Sarkozy eine „Moralisierung“ des Kapitalismus.

Breite Unterstützung

Die „Tobin Tax“ entspricht diesem Wunsch und wird zudem in Frankreich fast einstimmig von links bis rechts als innovative Finanzierungsquelle unterstützt. Vor Sarkozy hatte sich bereits Präsident Jacques Chirac dafür stark gemacht, dann aber mangels internationaler Unterstützung bloß eine kleine Abgabe auf Flugtickets zur Finanzierung von Entwicklungsprojekten eingeführt.
Mit einem einseitigen Vorpreschen gedenkt Sarkozy, einige seiner europäischen Partner zum Nachziehen bewegen zu können. „Ich erinnere daran, dass Deutschland seine grundsätzliche Zustimmung gegeben hat und dass wir, Deutsche und Franzosen gemeinsam, in Brüssel Vorschläge gemacht haben. Diese sind von der Kommission aufgegriffen worden und werden in den kommenden Wochen debattiert“, sagte Guaino.

Die Zeitung „Libération“ vermutet, dass eine entsprechende Gesetzesvorlage noch vor Ende Februar in einer von Sarkozy verlangten Sondersession des Parlaments diskutiert und verabschiedet wird, damit die Abgabe ab 2013 in Kraft treten kann. Das Thema soll beim gemeinsamen Mittagessen in Berlin am kommenden Montag zwischen Sarkozy und der deutschen Kanzlerin Angela Merkel besprochen und am 30. Januar beim EU-Gipfel erörtert werden.

Steuer soll 55 Mrd. Euro bringen

Die Finanztransaktionssteuer, die in der EU (unter der Annahme eines Satzes von 0,1 Prozent auf Aktien und 0,01 Prozent auf andere Finanzprodukte) pro Jahr 55 Mrd. Euro einbringen könnte, war auf französischen Wunsch hin auch beim G20-Treffen im November in Cannes besprochen worden, stieß aber bei den USA, Großbritannien und neuen Wirtschaftsmächten wie China auf Ablehnung. Deutschland hat bisher auf eine europäische Einigung gesetzt. Auch Paris hofft auf eine Zustimmung aus Brüssel. Sarkozy meint aber offenbar, dass man bei der Beschlussfassung etwas mehr Tempo machen muss.

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo

Mehr aus dem Web

59 Kommentare
 
12
Gast: der nicht mit dem Mob tanzt
09.01.2012 16:18
0 0

Steuer soll 55 Mrd. Euro bringen

Das ist ein feuchter Wunschtraum der sich nicht erfüllen wird.
Denn einerseits wollen die Befürworter dass dadurch der Handel mit Finanzprodukten stark gedämpft wird, was auch sicher passieren wird, andererseits berechnen sie aber die erhofften Steuereinnahmen anhand des nur geringfügig reduzierten bisherigen Handelsvolumens.
Damit widersprechen sie sich selbst.
In Wirklichkeit kostet die Finanztransaktionssteuer den Staat indirekt insgesamt mehr als er an ihr direkt verdient.

Diese Steuer ist nur ein Knochen, den man den wütenden Wählern hinwirft, damit sie daran eine Weile kauen und Ruhe geben!

Finanztransaktionen verlaufen ausnahmslos über den Computer, der die Liste der möglichen Finanzplätze in der Welt anbietet, worauf man den gewünschten Platz anklicken muss. Klickt jemand auf einen Platz, wo man Transaktionssteuer zahlt, wird der Computer fragen: "Wollen Sie wirklich Transaktionssteuer bezahlen?". Nur der, der dann "Ja" anklickt, wird die Steuer bezahlen, das ist in Wirklichkeit niemand!

Deshalb sind aus dieser Steuer keine Einnahmen zu erwarten, sie dienen ausschließlich nur dazu, das dumme Volk ruhig zu halten!

Gast: gast45
08.01.2012 20:34
0 0

was ist die finanztransaktionssteuer wirklich

.. nehmen wir ein auto mit sagen wir mal 20.000 euro verkaufspreis her .
bis das auto beim händler steht, ist vermutlich ein volumen von 200.000 euro an finanztransaktionen (lohnzahlungen, versicherungen, wareneinkauf, transport, wartungskosten usw. usw.) .. angefallen.. also sagen wir 200 euro finanztransaktionssteuer. bezogen auf die 20000 euro verkaufspreis ist das eine steuererhöhung von immerhin einem prozent (und das gilt dann nicht nur für autos, sondern weil ja überall finanztransaktionen anfallen für alles was verkauft wird, egal ob es sich um den rasierer, die wurstsemmel, die autoreperatur, benzin, heizöl, medikamente handelt) .. und wer zahlt letztlich diese steuererhöhung auf alle produkte und dienstleistungen um geschätzte 1% ?
genau ..der konsument und niemand sonst ..

die steuer ist also nichts anderes wie eine versteckte mehrwertssteuererhöhung.

es ist schon ein jammer, wie die leute sich das geld aus der tasche ziehen lassen, weil sie die zusammenhänge nicht verstehen und deshalb immer wieder auf schlagworte wie "die reichen werden zahlen und euch betrifft es ohnehin nicht" hereinfallen ......

Gast: gast45
08.01.2012 19:57
0 0

finanztransaktionssteuer wäre eine massensteuer

.... benzin, getreide usw. wird alles in dollar abgerechnet .. also müssen die dollars gekauft werden , eventuell abgesichert werden. wenn das alles besteuert wird, dann wird halt benzin, lebensmittel, wieder mal teurer. Kapitalerhöhungen werden auch wieder schwerer, heist also mehr firmen die in konkurs gehen, und weitere vernichtung von arbeitsplätzen ..
sorry .. leute .. es wird nicht die grossen treffen, sondern wie immer die kleinen wähler, weil sie immer wieder den fehler machen sich von leuten ohne fachwissen, (was versteht ein sarkozy , ein faymann von finanzmärkten :-) das geld aus der tasche ziehen zu lassen .....

Gast: KHG
08.01.2012 18:53
0 0

Da unsere Finanzministerin am Puls der europäischen Gestalter weilt

wird sie nun sicher noch intensiver über die Umsetzung einer Finanztransaktionssteuer nachdenken.

Gast: Pastor Hans-Georg Peitl
08.01.2012 09:50
0 0

Ein jedes Land verwalte sich selbst

Wen Sarkozy meint, er möchte in Frankreich eine neue Steuer einführen, um Frankreich zu erhalten, so ist dies korrekt.

Wenn er es tut um die EU zu erhalten, so ist dies nicht korrekt, weil ja nicht die Franzosen die Dienstgeber von den Beamten in Brüssel sein können.

Und weil dem so ist, so müsste ein jedes Land selbst darauf schauen, dass es überlebensfähig ist.

Es schaut ja auch nicht die österreichische Bundesregierung wie Niederösterreich oder Wien überlebt, sondern ein jedes Gebiet verwaltet sich letztlich selbst.

Sonst bräuchte es in Wien keine Gemeindesteuern zu geben.

Euer

Pastor Hans-Georg Peitl
Bundesobmann der
Freiheitlichen Christen Österreichs (FCÖ)
http://jachwe.wordpress.com
http://freiheitlichechristen.internet4u.at

Why

kill the cow in order to tax the milk?

0 0

Wozu?

Interessant ist dass der Satz für Aktien 10x so hoch wie für "andere Finanzprodukte" sein soll. Reale Werte werden also wie bei allen anderen Bürgerknechtungsaktionen an den Staat gehen während vermutlich diverse Rettungspakete von noch zahlungsfähigen an nicht mehr zahlungsfähige Staaten (Frankreich,...) völlig steuerfrei das verschleudern von Steuergeldern erlauben. Groteske prolongiert.

Gast: MönchMaier
07.01.2012 20:56
1 1

Gut so!

Endlich werden damit dann auch die Überweisungen nach Cayman Islands usw. besteuert!
Ich wär daher für den Namen "Flöttlsteuer" in der weiteren Politikpolemik!
:-)

Gast: Die zahme Hilde
07.01.2012 20:37
1 1

Transaktionssteuer

1. Für eine sogenannte Tobin-Steuer ist es längst zu spät. Man hätte sie vor 10 oder 20 Jahren einführen sollen.

2. Trotz Steuern wird weitergezockt. Europa nimmt 55 Mrd. Euro ein und gibt sie bei kommenden Pleiten wieder an die Zocker zurück. Der Steuerzahler ist auf jeden Fall der Dumme. Und was sind schon 55 Mrd.? Die Banken haben schon Tausende von Milliarden bekommen, oder nicht?

03. Das einzig Wahre wäre das Trennbankensystem. Aber dazu sind die Politiker ja zu feige, weil das die Banken oder die Londoner City oder die Wallstreet nicht wünschen.

Die zahme Hilde


Gast: Halbwissen
07.01.2012 20:35
0 0

na, wenn es keinem abgeht

was ich aber bezweifle

Ist ja immerhin Eigenkapital, welches ja nicht so ausreichend vorhanden ist.
Macht Absicherungsgeschäfte für Firmen und auch Bauern etc. ziemlich teuer.
Bei diesen extremen Hebeln kann dies manche Produkte ( reale Produkte wie Weizen, Benzin etc. ) um einige Prozente teurer machen.

Gast: iona
07.01.2012 14:36
2 2

hurra!

endlich outet sich einer als staatsmann der diesen titel verdient und macht etwas vernünftiges.

er braucht niemanden fragen.
ER ist der präsident.

wenn er wartet daß ihm irgendwelche hohlen Eu-hansln irgendwann in hundert jahren erlauben sein land zu regieren wie er es für richtig hält kann er nur verlieren.

er braucht niemanden fragen. ER ist der präsident

Man kann zur Transaktionssteuer so oder so stehen.
Aber Ihr Demokratieverständnis ist seltsam.

Antworten Antworten Gast: Mona B.
07.01.2012 20:07
1 0

Re: er braucht niemanden fragen. ER ist der präsident


Demokratie ist eine innerstaatliche Angelegenheit der wahlberechtigten Staatsbürger.

Sarkozy ist Präsident von Frankreich und somit den Franzosen verpflichtet.
Die Erlaubnis von Nichtfranzosen a la Faymann, Berlusconi, Papandreou usw. ist für sein Amt nicht vorgesehen und in der Tat absolut entbehrlich.

Re: Re: er braucht niemanden fragen. ER ist der präsident

Muss er deshalb "niemanden" fragen?

Antworten Antworten Antworten Antworten Gast: Mona B.
03.03.2011 16:13
0 0

Re: Re: Re: er braucht niemanden fragen. ER ist der präsident

Gewiss niemanden von den "hohlen Eu-hansln" oder den G20, um die es in dem Artikel geht.

Re: hurra!

Dummheit stirbt offensichtlich nie aus

Antworten Antworten Gast: Hammvieh
07.01.2012 16:42
1 0

Re: Re: hurra!

Die bringt im Sozialismus einen selektiven Vorteil und wird daher dort stark vererbt.

Gast: Walter_
07.01.2012 12:05
1 0

Krank einfach

Ich zahle wenn ich mir eine Aktie kaufe Ordergebühren und wenn ich eine Aktie verkaufe ebenso. Bank verdient an mir der Staat ebenso.
Wenn Aktiengewinne dann noch die Abgeltungsteuer.
Wozu zusäzlich der ganze Müll mit der Transaktionsuer dann ??

Und Kartofeln mit Aktien zu vergleichen empfinde ich als Witz schlechhin ! Eine Kartoffel kann ich essen eine Aktie nicht !

0 0

Re: Krank einfach

nur zahlt die Bank bei eigenen Transaktionen kein Gebühren, dies zahlt nur der Aussenstehende, der die Leistungen der Bank in Anspruch nimmt.
Daher sollte der Staat daran auch etwa verdienen, isnbesonders, weil es die Volatilität reduziert.

Antworten Antworten Gast: Halbwissem
07.01.2012 20:21
0 0

Re: Re: Krank einfach

Je illiquider ein Markt, desto HÖHER ist die Volatilität !

Gast: kibitz
07.01.2012 11:41
3 1

Schuss nach hinten


Die Finanzplätze der Welt (City of London, Schweiz etc.) werden sich freuen.


Antworten Gast: Gluteus Maximus
07.01.2012 12:35
1 0

:-)

ja ich mache mir auch grosse sorgen um die finanzplätze der welt..........;-)

Antworten Antworten Gast: Halbwissen
07.01.2012 20:24
0 0

Re: :-)

Um diese müssen Sie sich nicht sorgen !

Die bekommen ja das Geld und die konsumfreudigen Finanzmitarbeiter die an den besteuerten Finanzplätzen abgezogen werden.

1 1

Re: Schuss nach hinten

alle Staaten brauchen Geld, und alle werden das System gerne übernehmen.
Es will halt niemand der Vorreiter sein.
Frankreich ist wenigstens ein ausreichend großer Wirtschaftsraum mit internationaler Verflechtung, dass das funktionieren wird.

Gast: Gluteus Maximus
07.01.2012 09:49
3 5

Absolut richtig so eine Steuer. Für jede Kartoffel muss man

Umsatzsteuer bezahlen. Diese Steuer trifft vor allem Spekulanten die ein riesen Rad abgelöst von der Realwirtschaft drehen. Ich als Privater bin gerne bereit für meine Kartoffel (Privatkredit) eine kleine Transaktionssteuer zu bezahlen vor diesem Hintergrund.

 
12