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Bürgerinitiative: In Österreich 14.250 Unterschriften nötig

03.02.2012 | 18:21 |  ANNA GABRIEL (Die Presse)

Ab 1.April haben Bürger die Möglichkeit, die EU-Kommission zur Vorlage eines Gesetzesvorschlags aufzufordern. Der Nationalrat bereitet die Rechtsgrundlage vor. Vertrauen der Bürger zurückgewonnen werden.

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Wien/Brüssel. 2012 – das „Jahr der Aktion“, in dem das Vertrauen der Bürger zurückgewonnen werden soll. Nicht ohne Grund ist dieser Vorsatz oberste Priorität der Kommission für die kommenden Monate, nachdem die Zustimmung der Bevölkerung zum europäischen Projekt in der Krise dramatisch gesunken ist. Ein Grund für das schlechte Image des Staatenbundes ist das subjektive Gefühl der Bürger, Entscheidungsprozesse der Behörden in Brüssel nicht oder nur indirekt beeinflussen zu können.

Das soll sich mit 1.April ändern. Da startet die EU-weite Bürgerinitiative, ein mit dem Vertrag von Lissabon beschlossenes Instrument zur Stärkung der partizipativen Demokratie in der EU. In Österreich wurde das entsprechende Begleitgesetz zwar noch nicht verabschiedet – es muss erst mit einer Zwei-Drittel-Mehrheit im Parlament beschlossen werden. Kanzler Werner Faymann kündigte trotzdem schon vor einiger Zeit an, ein besonders in der Schuldenkrise populär gewordenes Thema auf den Plan rufen zu wollen: die Finanztransaktionssteuer. Die SPÖ will das Thema im Rahmen der Bürgerinitiative auf eine „soziale Ebene ausweiten“ und dafür an vorderster Front kämpfen, sagt SPÖ-Pressesprecher Oliver Wagner zur „Presse“. Man führe daher bereits Gespräche mit Schwesterparteien und Gewerkschaften in mehreren europäischen Ländern. Auch könnten derlei Initiativen dazu beitragen, den „Bürgern die EU wieder näherzubringen“, so Wagner.

Weniger optimistisch ist man in der SPÖ offenbar, was das zweite große Vorhaben des Kanzlers betrifft – ein EU-weites Anti-Atom-Volksbegehren. Nicht ohne Grund: Kommissionspräsident José Manuel Barroso wies schon im vergangenen Jahr darauf hin, dass eine Bürgerinitiative zur Kernenergie nicht im Einklang mit den Verträgen stehe. Tatsächlich gebe es hier noch rechtliche Bedenken, räumt Wagner ein. Zudem sei der Zeitpunkt für die Sensibilisierung mit Fragen der Atomkraft im Vergleich zum vergangenen Jahr – Stichwort Atomkatastrophe Fukushima – unvergleichbar schwieriger. Dennoch will die SPÖ jede Gruppierung unterstützen, die ein solches Volksbegehren ins Leben ruft, so Wagner.

Den Zeitplan zur Ratifizierung der Initiative bis zum 1.April will die Regierung einhalten – Kritik kommt aber vonseiten der Grünen: Zwar wollen sie für die nötige Zweidrittel-Mehrheit im Nationalrat sorgen, bemängeln aber hohe Hürden bei der Abgabe von Unterstützungserklärungen, wie die Angabe einer Reisepass– oder Personalausweisnummer. Dem hält die SPÖ entgegen: Zwar sollten die Hürden gering sein, Rechts- und Fälschungssicherheit müsse man aber trotzdem sicherstellen, betont Wagner.

 

Online-Sammelsysteme für Unterstützer

Die Bürgerinitiative befähigt die Bürger zur Aufforderung eines Gesetzesvorschlags durch die Kommission. Freilich gilt es dafür aber einige Auflagen zu überwinden: So sind für die Einreichung einer Vorlage mindestens eine Million Unterschriften aus mindestens einem Viertel – das sind derzeit sieben – Mitgliedstaaten notwendig. Für jedes Land gilt je nach Einwohnerzahl eine Mindestzahl an Unterschriften, in Österreich sind es 14.250. Für das Einsammeln der Unterschriften haben die Organisatoren ein Jahr Zeit, auch soll es nun Online-Sammelsysteme für Unterstützungserklärungen geben. Es können sowohl zivilgesellschaftliche Proponenten als auch Gewerkschaften und Parteien eine Initiative starten. Dann hat die Kommission 20 Monate Zeit, ehe sie eine Stellungnahme abgeben muss.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 04.02.2012)

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7 Kommentare
Gast: Euroverdruss
04.02.2012 22:48
3 0

Dürfen wir noch wählen ?

Ein typisches Beispiel der Politikerkaste, wie sie leider auch bei uns zuhause ist, stellt der EU-Parlamentspräsident Martin Schulz dar. Am 2.2.2012 konnte man im ZDF eine Diskussion zwischen dem Vorsitzenden der slowakischen liberalen Partei und Ökonomen Richard Sulik einerseits und dem EU-Parlamentspräsidenten und Buchhändler Martin Schulz andererseits verfolgen, wo Sulik gewagt hat, auf die Einhaltung von EU-Verfassungsregeln zu dringen und den ganzen Wahnsinn und die Aussichtslosigkeit der Griechenlandpakete anzuprangern. Die Reaktion von Schulz darauf spiegelt das gesamte Kastenverständnis über Demokratie und Rechtsstaatlichkeit wieder. Ein überzeugendes Gegenargument fiel Schulz auf die Vorwürfe nicht ein, stattdessen in gewohnter Berufspolitikermanier persönliche Untergriffigkeit gegenüber Sulik. Ein Jammer, dass bei uns so viele Politiker vom Schlage wie Schulz das Reden haben und wir keine maßgeblichen Politiker mit dem Grundverständnis von Sulik haben.
Für alle, die von den Propagandawalzen für die angebliche Notwendigkeit der Griechenlandhilfen, die zu einem Gutteil für unsere Sparmaßnahmen ursächlich sind, genug haben und sich mit den Argumenten des slowakischen Ökonomen auseinandersetzen wollen, ein Hinweis auf youtube über den demaskierenden Auftritt des EU-Parlamentspräsidenten > http://www.youtube.com/watch?v=fvadsbue_wY
" target="_blank">http://www.youtube.com/watch?v=fvadsbue_wY

Vor allem die Sequenzen ab 0’10’’ und die Antwort bei 1’00’ sind höchst interessant.

Gast: lph
04.02.2012 16:21
3 0

Subjektives Gefühl

Zitat Presse: "Ein Grund für das schlechte Image des Staatenbundes ist das subjektive Gefühl der Bürger, Entscheidungsprozesse der Behörden in Brüssel nicht oder nur indirekt beeinflussen zu können."
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Tut mir leid - ich kann es nicht mehr lesen, dass der Bürger (das Volk) ständig herabgemacht bzw. bevormundet wird. Was soll bitte der Kommentar "subjektives Gefühl der Bürger"?!? Das ist doch bitte nur eine Wortfloskel, um die EU-Diktatur schönzureden! Schande so etwas in der Presse zu publizieren!

Gast: tigermond
04.02.2012 05:21
1 0

wie viele unterschriften brauchen wir damit gesetze entfernt werden?


nur das wäre vertrauensstärkend.

gms_
04.02.2012 00:32
1 0

Re. :"Für jedes Land gilt je nach Einwohnerzahl eine Mindestzahl an Unterschriften, in Österreich sind es 14.250."


Selbst wenn in Österreich, Deutschland und den Niederlanden eine Mio. Stimmen eingesammelt würden, wären immer noch die jeweiligen Mindeststimmenzahlen von vier zusätzlichen Staaten einzuholen, um die 7-Länder-Hürde zu überspringen.

Das hat mit /Bürger/bewegung nichts mehr gemein, weil Bürger den dafür nötigen Organisationsgrad über soviele Landes- und Sprach-Grenzen hinweg idR nicht aufbringen. Selbst 10 Millionen Unterschriften wären wertlos, wenn im siebenten Land ein paar Stimmen fehlen.

Auch wäre neu, daß im EU-Parlament ein Quorum an die Herkunft der Abgeordneten gebunden ist. Da aber das EU-Parlament sowieso kein Initiativrecht hat, erübrigt sich dort das Thema wohl.
Wo man aber das Initiativrecht dem Bürger vorgaukelt, geht's plötzlich sehrwohl um die Herkunft der Stimmen. Muß man wirklich paranoid sein, um darin ein System zu erkennen?

Antworten Gast: Wirtschaftler
04.02.2012 12:19
1 0

Re: Re. :"Für jedes Land gilt je nach Einwohnerzahl eine Mindestzahl an Unterschriften, in Österreich sind es 14.250."

Man muss Ihnen zustimmen. Das Ganze ist nichts anderes als eine Beruhigungspille bzw. Plazebo für dumme Bürger. Jeder Entscheidungsprozess, in dem die Bürger Europas miteingebunden werden, wird damit durch die Fristen auf den St.Nimmerleinstag verschoben und damit wirkungslos. Damit werden alle positiven Bemühungen blockiert.
Bin gespannt, ob die Bürger den Missbrauch merken...... ?????

Gast: UKW
03.02.2012 23:29
2 0

Diese "Bürgerinitiativen" kennen wir schon, wo die SPÖ federführend die Strippen zieht

Was hat das mit "Bürgerinitiative" zu tun, wenn statt Bürgern die Bundeskanzlerpartei die Fäden zieht.

Antworten Gast: nonSense
05.02.2012 10:00
0 0

'da Fay' hat schon den ersten Platz reserviert. Gegen sein Stimmvieh kommt doch keiner mehr auf.

. . . höchste Eisenbahn für eine Europastragetie gegen den Parteisumpf

Eine 'paneuropäische' Opposition gegen den Filz und Sumpf.
Schluss mit dem Superstaat, weg mit Brüssel's 'pork barrel'.

Europas Wissenschaften müssen die Wirtschaft integrieren und die Ressorts der Ländern sollen's umsetzen.