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Griechen wollten EU-Geld für Grenzzaun

07.02.2012 | 18:11 |  Von unserem Korrespondenten OLIVER GRIMM (Die Presse)

Athen erhält Millionenbeträge aus dem EU-Budget für die Reform seines Asylwesens, doch die Dinge bessern sich aus eigenem und fremdem Verschulden nicht.

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Brüssel. Im Gespräch mit der „Presse“ und anderen internationalen Medien bestätigte EU-Innenkommissarin Cecilia Malmström am Dienstag, dass die griechische Regierung um eine EU-Subvention für den Bau des umstrittenen Zauns zur Abwehr von Flüchtlingen an der Grenze mit der Türkei angesucht hat.

„Es gibt so viele andere Dinge, die sie in Griechenland tun müssen, dass der Bau einer Mauer nicht die wirksamste Maßnahme ist“, sagte Malmström. „Die Kommission hat die Tradition, keine Mauern zu finanzieren. Wir finden, dass sie eher niedergerissen werden sollten“, fügte sie hinzu. Aus diesem Grund habe Brüssel auch Anträge Spaniens um EU-Geld für den Bau der Grenzanlagen in den spanischen Exklaven Ceuta und Melilla abgewiesen.

Malmström kritisierte die griechischen Behörden scharf für ihr Versagen, das Asylwesen auf einen europäischen Standard zu bringen. „Die humanitäre Situation in den Asylzentren ist weiterhin schrecklich“, sagte sie. Am Geld mangelt es ausnahmsweise nicht: Allein in den Jahren 2007 bis 2010 hat Griechenland aus vier EU-Fördertöpfen für Asyl- und Zuwanderungspolitik insgesamt 215,5 Millionen Euro erhalten. Heuer hat Athen Anspruch auf weitere 89,8 Millionen Euro. „Ich bin aber keineswegs zufrieden mit den Reformen“, erklärte Malmström.

 

„Wir trinken aus dem Urinal“

Aus diesem Grund werde kommende Woche eine Gruppe von Kommissionsbeamten nach Griechenland reisen, um den Behörden unter die Arme zu greifen. Im Frühjahr will sich die Kommissarin selbst ein Bild machen.

Schon im vergangenen September veröffentlichte die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch einen Bericht über das griechische Asylwesen. In den vier wichtigsten Flüchtlingslagern an der griechisch-türkischen Grenze herrschten unmenschliche Zustände. „Es gibt keinen Strom und kein Wasser. Wir trinken aus dem Urinal“, sagte zum Beispiel ein Iraker. Im Lager Tychero müssen die Flüchtlinge auf dem Betonboden schlafen, nur mit Pappendeckeln als Unterlage. Griechische Aufseher bestätigten gegenüber Human Rights Watch, dass die Insassen des Asylantenlagers in Plastikflaschen urinieren müssen, weil sie keinen Zugang zu funktionierenden Toiletten haben.

Die Abgründe des griechischen Asylwesens werden durch die Schuldenkrise natürlich verschärft, doch die meisten Missstände gibt es schon seit Jahrzehnten. Das Anti-Folter-Komitee des Europarates zum Beispiel hat Griechenland schon im Jahr 1997 gemahnt. Passiert ist seither nichts.

 

Mitschuld des Nordens

Ganz schuldlos sind die anderen EU-Staaten aber nicht an dieser Misere. Sie bestehen nämlich weiterhin darauf, dass in Europa in Sachen Asyl die Regeln der „Dublin-II“-Verordnung gelten. Sie besagen, dass jenes Land für einen Asylwerber zuständig ist, in dem er erstmals Boden der EU betritt. Die meisten Flüchtlinge kommen über Europas Südostflanke; 75 Prozent der Aufgriffe illegaler Einwanderer finden in Griechenland statt.

Erst unlängst, beim informellen Innenministerrat in Kopenhagen vor wenigen Tagen, wehrten die Minister den Vorschlag von Kommissarin Malmström ab, die Asylströme gleichmäßiger auf die einzelnen Staaten zu verteilen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 08.02.2012)

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8 Kommentare
enzo
08.02.2012 15:57
0 0

Endlich die Lösung

Ein Grenzzaun gleich so nach dem Vorbild des "Eisernen Vorhanges" dann ist endlich die Außengrenze sicher.
Wird auch höchste Zeit !!!

0 0

Re: Endlich die Lösung

Aber der "Eíserne Vorgang" war schon ein bisserl was anderes als das, was die Griechen jetzt bauen! Da gab es Minengürtel, Selbstschußanlagen und jede Menge Hochsitze, von denen aus die Grenzsoldaten auf jenen hinknallten, der sich traute, als "Republikflüchtling" diesen "Paradiesen der Werktätigen" zu entrinnen!

Zugegeben, der "Eiserne" war ein Schutzwall nach INNEN, der griechische Grenzzaun einer nach AUSSEN. Und dazu stellt sich natürlich auch diese Frage: Würden griechische Grenzer ebenso bedenkenlos auf afrikanische und asiatische "Boatpeople" schießen, wie es die Soldaten in den kommunistischen Ländern auf die EIGENEN LANDSLEUTE tagten?

Das tun nicht einmal die US-Wächter am Grenzwall zu Mexico. Insofern wäre es sinnvoller, allen nach Europa strömenden Auswanderern bereits in ihren jeweiligen Heimatländern klar zu machen, daß Europa leider NICHT ihr "gelobtes Land" ist, wo für sie Milch und Honig fließt. Sondern eine wirtschaftlich unter unzähligen "Schuldenbergen" erdrückte Region, deren Zukunft im Dunkeln liegt.

Sogar die brasilianischen Kicker, die früher in hellen Scharen nach Europa strömten, bleiben jetzt lieber daheim, weil sie der Meinung sind: Europa liegt eh am Boden!

Leider erzählen kriminelle Schlepperbanden ihrer potentiellen exotischen Kundschaft noch immer jeden nur erdenklichen Blödsinn; denn was mit ihrer Klientel auf dem Zielkontinent weiter geschieht, das interessiert diesen Verbrechern natürlich nicht die Bohne!

Kingscross
08.02.2012 09:12
2 0

kopieren

Griechenland soll es wie die Türkei machen ihre arabischen und kurdischen etc. Immigranten für ein Hungerlohn von 100Euro pro Monat hier arbeiten lassen und die Intelligenten Griechen massenweise in ausland verstreuen damit sie sich dort verbreitern und die Sachen etc. dort kopieren können und hier dann eine ähnlich variante herstellen oder aufbauen mit ihren extrem billigsten emigrierten Arbeitern aus dem Osten. Die türken sind doch nur so wirtschaftlich erfolgreich weil sie alles Deutschland etc. kopiert haben von der Schule aus angefangen.

Alpha17
08.02.2012 05:16
2 0

Das würde der gefluteten EU viel Geld ersparen.


gedanke
07.02.2012 21:49
0 3

Griechen wollten EU-Geld für Grenzzaun

Freiheit ist doch ein Menschenrecht oder gilt das für andere nicht?

Gast: gasti
07.02.2012 20:38
5 3

der ist endlich überfällig

die griechische grenze ist löchrig genug und erdogan bereitet es freude so viele flüchtilinge wie möglich richtung eu zu schicken

Re: der ist endlich überfällig

Ja er zählt jeden einzelnen mit,
Weiter leuchten !!!!

Gast: Pro
07.02.2012 20:03
5 1

gleichmäßiger verteilen?

Wie schauen denn die Vorschläge aus, die Österreich (derzeit 3mal so stark belastet wie der EU-Durchschnitt) massiv entlasten sollen?