Für IHS-Chef Bernhard Felderer sind die Pensionen "die Königsfrage" in den Verhandlungen um das Sparpaket. Und auch die EU entdeckt die Wichtigkeit des Themas für sich, den Pensionen sollen nun Medienberichten zufolge Priorität eingeräumt werden. Die EU kann sich demnach vorstellen, das gesetzliche Pensionsantrittsalter bis 2060 um bis zu sieben Jahre zu erhöhen.
--> Grafik: Wer wann in Pension geht
Nächste Woche soll EU-Sozialkommissar Laszlo Andor ein Weißbuch für "angemessene, sichere und nachhaltige Pensionen" präsentieren. Es sei "dringender denn je", die Pensionssysteme an die wirtschaftlichen und demografischen Veränderungen anzupassen", steht in dem Entwurf laut "WirtschaftsBlatt". Bis 2060 könnte sich die Lebenserwartung um "fünf bis sieben Jahre" erhöhen, das Pensionsalter sei "an den Zuwachs der Lebenserwartung anzupassen".
Schweden erst mit 75 Jahren in Pension?
Bis dahin liegt das Rentenalter in Österreich für Männer und Frauen bei 65 Jahren - plus sieben Jahre würden hierzulande wie in den meisten anderen EU-Ländern ein Pensionsantrittsalter von 72 Jahren bedeuten. In den vorliegenden Plänen der nationalen Regierungen kommen nur die italienischen Pläne an dieses Ziel heran. Dort wird für den Zeitraum nach 2020 laut EU-Kommission ein gesetzliches Pensionsantrittsalter von 73 Jahren erwogen. Einen Schritt weiter könnten aber auch die Schweden gehen: Ministerpräsident Fredrik Reinfeldt dachte zuletzt laut darüber nach, seine Landsleute erst mit 75 in den Ruhestand treten zu lassen.
"Hacklerregelung" beschränken
Dem "Weißbuch"-Entwurf zufolge soll der Zugang zur Frühpensionen und anderen vorzeitigen Ausstiegsszenarien eingeschränkt werden. Gemeinsam mit Belgien, Frankreich und Luxemburg wird Österreich als EU-Land genannt, wo wegen zu vieler Frühpensionen Handlungsbedarf besteht. Der Zugang zur "Hacklerregelung" müsse beschränkt, die Übergangszeit für die Angleichung des gesetzlichen Pensionsalters von Männern und Frauen (bis 2033) reduziert werden. Die Bedingungen für die Invaliditätspension müssten strikt angewendet werden.
Pensionssyteme sonst "unleistbar"
Die EU-Kommission begründet ihren Vorstoß damit, dass die Pensionssysteme für die in der Krise ohnehin klammen Staatsbudgets sonst unleistbar würden. Schon heute kosten sie im EU-Schnitt gut zehn Prozent des BIP, für 2060 lauten die Prognosen ohne Reformen auf durchschnittlich 12,5 Prozent. Durch die längere Lebensarbeitszeit könnten zudem Pensionskürzungen vermieden oder sogar ins Gegenteil verkehrt werden.
Maßnahmen im Pensionssystem sind derzeit einer der Knackpunkte bei den Sparpakets-Verhandlungen in Österreich. Wirtschaftskammer-Präsident Christoph Leitl hatte zuletzt eine Erhöhung des gesetzlichen Pensionsantrittsalters gefordert - auf 67 Jahre bis 2022 und auf 69 Jahre bis 2032. Das Pensionsalter von Frauen und Männern sollte zudem rascher angeglichen werden, meinte Leitl. Außerdem sollten die Österreicher - mit entsprechenden Pensionszuschlägen - bis zum Alter von 75 Jahren arbeiten können.
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