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EU-Parlaments-Präsident: Demokratie in EU ist geschwächt

08.05.2012 | 15:22 |   (DiePresse.com)

Die Parlamente würden bei EU-Entscheidungen in der Schuldenkrise vom Europäischen Rat umgangen. Das sei "nicht hinnehmbar", so Martin Schulz. Er will bei den Beratungen über den Fiskalpakt protestieren.

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Der Präsident des Europäischen Parlaments hat am Dienstag in scharfen Worten eine Entmachtung der gewählten Parlamente in der Europapolitik kritisiert. "Wir befinden uns in einer Phase der Entparlamentarisierung in der EU, die nicht zuletzt vom Europäischen Rat gewollt ist." Das sagte EP-Präsident und ehemaliger Vorsitzender der Sozialistische Fraktion, Martin Schulz, bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit seinem Kollegen des deutschen Bundestags, Norbert Lammert (CDU).

Hauptkritikpunkt der beiden war dabei, dass die Parlamente in der Schuldenkrise umgangen werden. Lammert pochte darauf, dass die Haushaltspolitik zentrale Kompetenz der Parlamente sei, die niemand anderes übernehmen könne. Der Europäische Rat ist das wichtigste Entscheidungsgremium der Union. Er wird von den Staats- und Regierungschefs und damit der exekutiven Gewalt der Mitgliedstaaten gebildet.

EP-Präsident Schulz kündigte an, dass er sich bei Brüsseler Beratungen über den Fiskalpakt zur strafferen Haushaltsdisziplin weigern werde, den Raum zu verlassen. Es sei "absolut nicht hinnehmbar", dass bei den Beratungen zwar der EZB-Präsident, nicht aber die Volksvertreter anwesend sein sollten.

Eine Schwächung der Demokratie

Beide Präsidenten kritisierten zudem, dass die EU-Kommission die nach Brüssel gesandten nationalen Haushaltsentwürfe künftig zwar prüfe. Die Kriterien allerdings von den Beamten selbst aufgestellt werden. "Es muss die zentrale Rolle des Europäischen Parlaments sein, die Kommission hier nicht auf grüner Wiese operieren zu lassen", betonte Lammert.

In der Finanz- und Schuldenkrise haben sich die europäischen und nationalen Parlamente bereits mehrfach beschwert, dass die Regierungen mit ihren Vereinbarungen an den Volksvertretungen vorbei wichtige Beschlüsse fassten und damit die klassischen demokratischen Strukturen schwächten.

In Deutschland wird derzeit noch über den Einfluss des Bundestags auf Entscheidungen über den dauerhaften Euro-Rettungsschirm ESM diskutiert. Lammert hatte am Montag gefordert, dass das Plenum der Volksvertretung hier mehr Rechte erhalten soll und Entscheidungen nicht vorrangig im Haushaltsausschuss getroffen werden, der aus wenigen Abgeordneten besteht.

(Ag.)

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9 Kommentare
Gast: germanember
01.06.2012 11:39
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demokratie oder parlamentarische diktatur

Was eigentlich versteht man unter Demokratie ? Ich kenne kein Land , in dem es diese wirklich gibt ! Die BRD als demokratie zu bezeichnen ist lachhaft , da der Bürger bei Wahlen sein Kreuzchen machen darf , und das war es dann ! Demonstrationsrecht , es muß gefragt werden , ob man demonstrieren darf , und wenn gewissen Leuten das Thema nicht im Kram paßt , wird diese Verboten ! Doch Herr Schulz spricht im EU-Parlament von Demokratie, seltsam , er weiß doch selbst, das jegliche Souverenität eines Staates dort ausgehebelt wird !

Gast: Jimmy
10.05.2012 02:49
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Überraschung

also von schulz hätte ich so ein statement am wenigsten erwartet.

Gast: R. K.
08.05.2012 18:14
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Nanu

Der "Europäische Rat", das sind die von Ihren Völkern demokratisch legitimierten Staatsoberhäupter der jeweiligen EU-Staaten, die sich alle zwei Monate treffen, sollen eine Schwächung der Demokratie sein? Wie denn das?

Re: Nanu

das ist doch das perverse an der Diskussion um die Demokratisierung der EU. Fordert jemand mehr Macht für die Parlamente, heißt es gleich die gewählten Regierungen werden ausgehebelt - entscheiden die Regierungsvertreter im Rat (DAS zentrale Machtzentrum in der EU) heißt es Ausschaltung der Parlamente.

Antworten Antworten Gast: R. K.
08.05.2012 21:42
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Re: Re: Nanu

Genau. Und ganz pervers wird es dann, wenn sich irgendein Regierungsvertreter zuhause rechtfertigt, indem er sich auf die EU ausredet. Und noch ärger wird es, wenn Politiker seiner eigenen Partei auf die EU und deren angebliche Machenschaften schimpfen....
Und das Allerärgste: Viele Menschen behirnen das nicht.

Gast: Nordlicht
08.05.2012 17:43
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EU-Parlaments-Präsident: Demokratie in EU ist geschwächt

Ich bin mir sicher, dass der Parlaments-Präsident das Wort "Demokratie" nicht einmal buchstabieren kann. Wenn der von Demokratie schwaffelt, dann weiß dieser Super-Demokrat nicht von was er redet.

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EU-Parlaments-Präsident: Demokratie in EU ist geschwächt

behauptet gerade jemand, der vor seinem Antritt ein Interview im ARD gab welches vor Abneigung der direkten Demokratie nur so strotze ?!

Mal sehen ob ich davon noch eine Aufzeichnung finde in der er gänzlich das Gegenteil dieser Aussagen völlig bewusst und überzeugt von sich gab.

Antworten Gast: ehschowurscht
12.05.2012 11:00
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Re: EU-Parlaments-Präsident: Demokratie in EU ist geschwächt

Meinten Sie dieses Interview?

http://www.tagesschau.de/multimedia/sendung/bab/bab1864.html


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Re: Meinten Sie dieses Interview?

nein, sonders das aus Brüssel über die direkte Demokratie und seine seltsame Meinung dazu.