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Griechenland-Wahl: Warnung vor "Monat der Tragödie"

16.05.2012 | 13:53 |   (DiePresse.com)

Nach dem Scheitern der Regierungsbildung stehen die Griechen unter Druck. Denn ohne stabile Führung gibt es keine internationale Hilfe. Die Übergangsregierung soll noch bekanntgegeben werden.

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Nach dem Scheitern aller Gespräche über eine Regierungsbildung muss im pleitebedrohten Griechenland neu gewählt werden. Als Wahltermin wurde nach Angaben aus Parteikreisen am Mittwoch der 17. Juni festgelegt. Noch heute soll über die Bildung einer Interimsregierung beraten werden. Am Nachmittag will der griechische Staatspräsident Karolos Papoulias die Entscheidung über deren Zusammensetzung bekanntgeben.

Die Verfassung sieht vor, dass die Übergangsregierung von einem der Chefs der höchsten Gerichtshöfe des Landes und parteilosen Persönlichkeiten geführt wird. Die Regelung ist aber im Verfassungstext lose angelegt: Die Parteichefs könnten sich auch auf eine andere Person einigen. Dies könnte der noch amtierende Finanzexperte Lucas Papademos sein. Diese Regierung hat als einzigen Auftrag, Wahlen durchzuführen und nur dringende Alltagsprobleme zu lösen.

Aus dem Votum am 6. Mai war die radikallinke Syriza von Alexis Tsipras als zweitstärkste Kraft nach konservativer Nea Dimokratia (ND) und vor sozialistischer Pasok hervorgegangen. Tsipras will trotz drohenden Staatsbankrotts das Sparprogramm des Landes auf Eis legen.

Schicksalswahl für Griechenland

Die Griechen heben verstärkt ihr Geld von den Banken ab. Griechische Sparer haben alleine am Montag bis zu 800 Millionen Euro abgezogen. Dies geht aus einem Protokoll der Regierungsverhandlungen hervor. Präsident Karolos Papoulias beruft sich darin auf Notenbank-Chef Giorgos Provopoulos und spricht von einer Stimmung der Angst, die in Panik umschlagen könnte. Noch bilden sich aber keine Schlangen vor den griechischen Finanzinstituten.

Beobachter sprechen von einer Schicksalswahl am 17. Juni. Denn angesichts der finanziellen Turbulenzen gehe es auch um die Frage nach Euro oder Drachme, die alte Währung. Papoulias warnte am Dienstag, der Juni könne zu einem "Monat der Tragödie" für das Land werden. Immerhin braucht Griechenland dringender denn je eine neue arbeitsfähige Regierung, um einen Staatsbankrott abzuwenden. Ohne internationale Hilfen ist das Land Ende Juni pleite, diese sind aber wiederum an eine stabile Führung des Landes gebunden.

--> Umfrage: Was bringen die Neuwahlen?

Der Chef der Konservativen, Antonis Samaras, rief alle Griechen auf, eine "pro-europäische Front" zu bilden, die das Land im Euro hält. "Es geht bei den nächsten Wahlen um unseren Verbleib im Euroland", sagte Samaras. Sozialistenchef Evangelos Venizelos sprach von "schlimmen Bedingungen" für Neuwahlen. "Das Volk hat uns gesagt, wir sollen im Euroland bleiben", gab er sich überzeugt. Ähnlich äußerte sich der Chef der gemäßigten Demokratischen Linken, Fotis Kouvelis. In Anspielung auf die Radikallinken sagte er: "Einige haben engstirnig die Parteiinteressen über das Wohl des Landes gestellt."

"Wir haben unsere Wähler nicht verraten"

Tsipras, dessen Radikallinke nach der ersten Wahl zur zweitstärksten Kraft aufgestiegen sind, sah im Wahlergebnis eine Bestätigung seines Programms. Der Wähler hätte ihn damit aufgerufen, das Sparprogramm zu stoppen. "Wir haben unsere Wähler nicht verraten." Seine Partei arbeite nicht mit Samaras und Venizelos zusammen, weil diese der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel und IWF-Chefin Christine Lagarde versichert hätten, das Sparprogramm einzuhalten. Die anderen Parteien und das Ausland verstünden nicht, "dass ein Volk, das alles verloren hat, nicht erpresst werden kann", so Tsipras.

"Lasst uns jetzt eine linke Regierung bilden und die Politik beenden, die unser Land zerstört hat", rief der 37-Jährige in der Nacht auf Mittwoch seinen Anhängern zu. An seinem Widerstand waren letztlich alle Sondierungen und Verhandlungen gescheitert. Laut aktuellen Umfragen hat das "Bündnis der Radikalen Linken" große Chancen, die kommenden Präsidentschaftswahlen zu gewinnen.

Der Vorsitzende der rechtsorientierten "Unabhängigen Griechen" (ANEL), Panos Kammenos, meldete sich ebenfalls zu Wort, um die Wahlkampftrommel erneut in Ganz zu setzten. Seiner Meinung nach hätten die internationalen Geldgeber Griechenland besetzt. Ziel der Neuwahlen sei deshalb "ein Griechenland für die Griechen" wieder zu erlangen.

Dax stürzte ab, Euro unter 1,28 Dollar

Die Finanzwelt reagierte am Dienstag geschockt. An den Märkten setzte nach der Ankündigung von Neuwahlen eine Verkaufswelle ein. Der deutsche Leitindex Dax stürzte um 1,41 Prozent auf 6361,30 Punkte und markierte damit den tiefsten Stand seit Ende Jänner. Der Kurs des Euro rutschte kräftig ab. Im Nachmittagshandel fiel die Gemeinschaftswährung unter die Marke von 1,28 US-Dollar und erreichte bei 1,2769 Dollar zeitweise den tiefsten Stand seit Mitte Jänner.

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(Ag./Red.)

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76 Kommentare
 
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Gast: mickmann
16.05.2012 15:46
2 1

Man stelle sich folgendes Szenario vor :

Die Griechen haben wieder die Drachme und es setzt eine zeitnahe wirtschaftliche Erhohlung ein (Beispiel ist Argentinien).
Ob da nicht auch Spanien, Portugal und vielleicht auch Italien appetit bekommen ?
Ob das nicht auch ein Teil der Angst ist die Deutschland und Frankreich haben ?
M.V.

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griechenland naeher an die tuerkei ?

ein radikaler gedanke waere eu-austritt und formation einer engeren gemeinschaft mit der tuerkei, einem wirtschaftlich aufstrebenden land, isoliert von der eu. ausser in der religion sind griechen den tuerken doch auch gesellschaftlich/kulturell naeher als den westeuropaern.


Gast: Gast0815
16.05.2012 11:48
4 1

Jetzt geht es ruckzuck.

Jetzt geht es ruckzuck. Bankenrun, Bankencrash, Austritt aus dem Euro und/oder Staatspleite, Bürgerkriegsähnliche Zustände. Ansteckung der anderen PIGS-Staaten. Und das alles innerhalb der nächsten Wochen.

Das war alles vorhersehbar. Nur eben nicht für Politiker. Einzelne Experten haben das schon vor Jahren so vorhergesagt und haben dazu sogar ein Buch geschrieben.

Re: Jetzt geht es ruckzuck.

Nichts gegen Experten.
Wenn´s aber eines Buchs bedarf um dem Durchschnittsbürger zu erklären, dass ein Staat, in dem 1/4 keine Arbeit haben, dessen Wirtschftsleistung schrumpft und dessen Verbindlichkeiten ebenso wie die dafür anzubietende Verzinsung steigen, ggfs. ein finales Finanzproblem hat, dann wird´s wohl Viele wesentlich überraschender treffen als Sie und ich uns das ggfs. gedacht haben könnten.

Griechenland

Sind eigentlich die politischen Verbrecher, die Griechenland in den Euro gelogen haben, schon verhaftet?

Re: Griechenland

Da kann geholfen werden: Als sich Griechenland 2001 in den Euro hinein log - hinein lügen konnte - war in Deutschland Genosse Gerhard Schröder an der Macht und sein Genosse Verheugen, ein besonderer Falott, EU-Erweiterungskommissar. Tja, und in Griechenland war der Genosse Simitis Regierungschef und der war ja auch damals, 2000, so freudig mit dabei, als die EU-Sozen zum "Boykott" Österreichs bliesen.
Als 2003 in der EU schon aufflog, dass und wie die Griechen - und die Genossen in Portugal auch! - sich 2001 in den Euro hinein gelogen hatten und "Maasstricht" für die inexistent ist - drehte der Genosse Verheugen in der Kommission mit Unterstützung des Schröder und seines Genossen Finanzminister Eichel im Rat jede weitere Untersuchung ab!

Besonderer Hammer: Bis vor zwei Jahren war ein Grieche, der maßgeblioch am Lügengebäude Athens ex 2001 mit gestrickt hatte - Vizepräsident der EZB! Und keinen regte das auf? Ach so, ein Bilderberger...

Antworten Gast: abgezocktes Sparerschaf
16.05.2012 14:15
1 0

Der war gut!!!

Brüllendes Gelächter an einem kalten, wolkenverhangenen Tag.

Das sind keine politischen Verbrecher

das sind ganz primitive Diebe, die lebenslänglich Steinbruch verdient haben.

Leider liefern die usa nicht aus nach Den Haag

Re: Griechenland

Alle haben ihre budgetäre Lage zu diesem Zeitpunkt schön geredet,. Österreich gliederte ebenso Schulden aus wie Deutschland oder Frankreich und alle wussten es!

Ist nicht schön, aber die Wahrheit!

Antworten Gast: ccs
16.05.2012 11:53
0 0

Re: Griechenland

gilt natürlich auch für die EU-ler die wissentlich weggeschaut haben. oder?

Re: Griechenland

keiner hat eine Nettopension unter €10.000. Daneben verdienen die Meisten noch prächtig dazu. Ob es sich jetzt um Gerhard Schröder oder Joschka Fischer handelt - egal. So etwas wie das Einstehen für politische Verantwortung gibt es nicht. Jeder Unternehmen haftet für grobfahrlässige Fehler seiner Lehrlinge, also z.B. für Fünfzehnjährige, die ein paar Hundert Euro im Monat verdienen. Politiker, die zehntausende Euro im Monat verdienen, haften für gar nix.


Re: Sehenswert

gute doku, der letzte satz des films bringt die sache wohl auf den punkt!

"change or die"

aber ich persönlich glaube ja, dass es schon zu spät ist, schon allein den braindrawn können die doch niemals mehr ausgleichen, der bankrott scheint ja echt unausweichlich zu sein, und von den milliarden die wir da runter geschickt haben können wir uns endgültig verabschieden!

Re: Sehenswert

Das sollte man sich unbedingt ansehen. Es spiegelt das korrupte Verhalten der EU-Politiker und der ND und Pasok. Hat sich das angesehen, versteht man sehr gut, wie es zu diesem Desaster kommen konnte.

Die Griechen sind die besseren Demokraten!

Die Griechen verteidigen die Demokratie und die Mitteleuropaer stellen ihre Demokratien den Banken zur Verfügung!

Antworten Gast: Hardliner 1
16.05.2012 11:46
4 0

Re: Die Griechen sind die besseren Demokraten!

Was hat die gigantische Staatsverschuldung mit Demokratie zu tun? Dem griechischen Volk kann man den Vorwurf nicht ersparen, dass es immer diejenigen Parteien gewählt hat, die ihm das Blaue vom Himmel versprochen hat - unter Inkaufnahme einer immensen Staatsverschuldung.

Re: Die Griechen sind die besseren Demokraten!

das sehe ich genauso.

Jetzt treten die Folgen

einer korrupten Vorgangsweise offen zutage. Wer war es denn, die den Griechen den Euro hinterher warfen? Es waren das Gruselkabinett in Brüssel und die nationalen Regierungen, die den Griechen alles gewährten, was sie wollten. Natürlich im Sinn der Wirtschaft und der Banken, die sich mit Hilfe der Kredite, die man den Griechen noch zusätzlich gewährte, fett gefressen haben. Nun ist Griechenland an den überbordeten Krediten pleite gegangen, hat keinen Cent mehr in der Kasse und steht am Abgrund. Sie haben alles überzogen, was man überziehen konnte und das mit Wissen der Brüsseler Bürokraten und auch mit Wissen der nationalen Regierungen. Nur, der Krug geht so lange zum Brunnen, bis er bricht. Und nun ist er gebrochen und wir stehen jetzt vor einem Scherbenhaufen. Danke Brüssel und danke jenen korrupten Politikern, die uns das Ganze eingebrockt haben.

Re: Jetzt treten die Folgen

Es ist doch so leicht alles Fehler der Politik unterzuschieben, obwohl doch der Wähler diese bestimmt ...

Hallo, ist da jemand?

Kennt sich da noch einer aus? Hü und hott, Pro und Contra, Euro oder Drachme, EU oder NichtEU, Finanz oder Bilanz, Milliarden und trotzdem Pleite und so weiter. Und dazu jede Menge widersprüchlicher Sachkommentare von selbsternannten Ultraklugen...ich vermute, hier wird bewusst vernebelt und viel Sand in die Augen aller Beteiligten gestreut. Merkolland werden da zusätzlich das Ihrige beitragen. Vielleicht sollte man Runen werfen, um schlau aus diesem Schlamassel zu werden. Oder schafft sich Europa wirklich selber ab? Nicht einmal die Fussball-EM wird hier noch eine Linderung bringen, im Gegenteil...frage mich einer, was da noch alles kommen wird.

Re: Hallo, ist da jemand?

Die vielfälltigen Meinungen zeigen doch nur, dass es keine eindeutige Antwort gibt. Die Welt ist halt nicht schwarz/weiss sondern grauuuuuuuuuuuu

Demokraten westlicher Prägung ...

fürchten freie Wahlen "wie der Teufel das Weihwasser" und meinen ein "Volksentscheid sei gefährlich" weil dieser vorgefasste politische Packelei stören könnte?
.
Die selben Politiker erdreisten sich aber, zu "Wahlen in Brüderländern", Beobachter als Wächter über demokratisches Zustandekommen entsenden?

Plädoyer für einen griechischen, absoluten Neuanfang

Ich möchte an dieser Stelle einmal für einen viel tiefergreifenden Lösungsvorschlag und Wandel plädieren wollen, sozusagen für einen griechischen, absoluten Neubeginn. Die Diskussionen rund um Fragen wie: Euro-Austritt ja/nein, Sparprogramm ja/nein, etc. mögen wichtige Fragen sein, um die sich seriöse Ökonomen und politische Entscheidungsträger streiten sollen. Was die Griechen jedoch wohl vielmehr benötigen, wäre ein totaler Neuaufbau ihrer Zivilgesellschaft und letztlich auch eine neue Staatsphilosophie. Meiner Meinung nach wäre der Zeitpunkt günstig dafür. Selbstverständlich bräuchte es zur Realisierung im Minimum eine ganze Generation, wahrscheinlich länger. Ich denke jedoch, dass die Motivation vieler Griechen für mein angesprochenes "griechisches Grossprojekt" gross sein dürfte. Denn die aktuellen Fragen drehen sich um "Pest oder Cholera". Mein "Neubeginn" wäre jedoch mehr: Eine Vision, vielleicht auch - in einem gewissen Sinne - Utopie, oder zumindest ein "grosses Ideal".

Eine Aufführung sämtlich relevanter Punkte würde an dieser Stelle zu weit führen. Ich denke jedoch, dass u.a. folgende Gesichtspunkte breit und öffentlich diskutiert und sodann auch umgesetzt (Verfassungsreform, aber auch - sehr wichtig - durch ein verändertes Wertesystem in Erziehung und Schule/Bildung!) werden müssten:
- Verhältnis "Staat - Bürger"?
- Wie definieren wir den "Staatsbürger"
- Was sind die Ansprüche an den Bürger und den Staat?
- Was soll zur "Staatsraison" erhoben wer?
- etc.

Re: Plädoyer für einen griechischen, absoluten Neuanfang

Abgesehen von den Bedenken von Pilatus bzgl. der Mentalität hätte ich auch noch eine Anmerkung:

Der von Ihnen beschriebene Prozess tut fast überall Not. Auch in AT. Aber uns geht´s ja gut, wir können auf die "faulen Griechen" herabblicken. Oder die Spanier, die aber auch noch keine griechischen Verhältnisse haben. Und diese Griechen werden sich auch denken, dass es tiefer nicht mehr geht - deshalb ist´s ein guter Zeitpunkt für Umkehr.
Weit gefehlt. Es geht noch tiefer. Und zwar wesentlich.

Was ich damit sagen will: (Fast) kein Mensch ändert seine Grundeinstellung, bevor er/sie ein existenzielles Problem hat.
Dazu muss sich GR erstmal damit auseinandersetzen, welche Handlungen zum Problem geführt haben, wer davon profitiert hat. Das geht meist nicht in Harmonie (um´s mal vorsichtig auszudrücken). Dann muss wieder Ausgleich geschaffen werden.
Und dann ist die Zeit für eine von allen getragene neue Vision.

Alldas muss nicht gewalttätig passieren - SWE hat diese gemeinsame neue Sicht auch vergleichsweise schnell und reibungslos erarbeitet. Ich habe ehrlich die Hoffnung noch nicht aufgegeben, dass uns letzteres Beispiel irgendwannmal einleuchtet und wir beginnen, Ähnliches umzusetzen.

Um nocheinmal auf das Mentalitäts"problem" zurückzukommen: Europa hat das Problem, die Tür zur Flucht erst dann zu öffnen, wenn das Dach schon einstürzt. Eine Ruhe, die sich SWE nicht geleistet hat - und diese dann dafür in der Umsetzung hat zeigen können.

Re: Re: Plädoyer für einen griechischen, absoluten Neuanfang

Auch Ihnen, lieber Kollege, besten Dank für Ihre Zeilen.

Zu Ihrer ersten Bemerkung ("Der von ihnen beschriebene ..."): Dies sehe ich durchaus ähnlich. Für mir besser vertraute Gebiete wie Süditalien (Apulien, Kalabrien, etc.) gilt das Gleiche. Selbst - auf den ersten Blick - gut funktionierende Gesellschaften im Norden, hätten gewisse (sagen wir mal) "Justierungen" nötig. Der Unterschied: a. Dringlichkeit, b. die "Neuorientierung" müssste wohl nur punktuell und weniger tiefgreifend erfolgen.

Ob es nun "noch tiefer geht" (wie Sie es bezeichnet haben) oder aber nicht, spielt bei meinen Erwägungen im Prinzip keine wesentliche Rolle. Selbstverständlich ist jedoch das Bewusstsein für den "Ernst der Lage"entscheidend dafür, ob man die "Neuorientierung" angeht, wie konsequent und in welchem Zeitraum. Die Motivation spielt eine gewichtige Rolle.

Zu Bemerkung zwei ("Was ich damit..."): Ich denke schon, dass die Probleme in Griechenland gross (existentiell) genug sind, um eine Veränderung herbeiführen zu wollen. Sie werden diese Notwendigkeit mittlerweile kaum mehr einem Griechen schmackhaft machen müssen. Dass die Aufarbeitung und Neuorientierung kein harmonischer Prozess sein würde, ist klar. Ist die Mehrheit der Bevölkerung jedoch von der oben angesprochenen Notwendigkeit überzeugt, folgen sie demgemäss einem gemeinsamen Ziel, einer Vision, werden sich diese Konflikte in fruchtbare Auseinandersetzungen umsetzen lassen.

Ihren letzten Absatz würde ich unterschreiben.

Sie werden diese Notwendigkeit mittlerweile kaum mehr einem Griechen schmackhaft machen müssen.

In diesem Punkt erlaube ich mir Widerspruch, denn:
- Griechenland ist so zerrissen, dass der Wähler alle denkbaren Parteien so mit Mandaten ausgestattet hat, dass (noch) keine Regierungsbildung notwenig ist. Das zeigt keinen sehr ausgeprägten Konsens. Nicht mal den Konsens, dass Wandel notwendig ist.
- Der Trend geht definitiv in Richtung einer Partei, die das Problem nachgewiesenermassen nicht entdeckt hat. Und somit keine Lösung anbieten kann, die sich im Ergebnis davon unterscheidet, laufend mehr auszugeben als einzunehmen.

Ich denke deshalb, dass GR noch Einiges vom Schwenk entfernt ist. Wie übrigens auch AT.

Der Unterschied liegt in der Wirtschaftsleistung, jedoch nicht in der Mentalität des Lebens auf Pump. Letzteres ist jedoch das Problem, das von Ersterem nur übertüncht wird.

 
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