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Irland: Der Fiskalpakt bleibt umstritten

31.05.2012 | 18:22 |  WOLFGANG BÖHM (Die Presse)

Irland hat über eine Teilnahme am Pakt abgestimmt. Aber nun warten ungeachtet des irischen Wahlergebnisses weitere Hürden für den Vertrag, der wegen Untergrabung von Demokratie und Souveränität kritisiert wird.

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Wien. Eigentlich sollte er nur festschreiben, was allen EU-Regierungen am Fall Griechenland sinnvoll erschien: Die Reduzierung von Staatsschulden, gemeinsame Kontrolle von Budgetverfehlungen und eine bessere Koordinierung der Wirtschaftspolitik in der Eurozone. Doch das Problem mit dem im vergangenen Dezember beschlossenen Fiskalpakt begann damit, dass er zweierlei Maß nicht zuließ. Auch Länder ohne akute Probleme sollen sich durch diesen Pakt zur Einführung einer Schuldenbremse verpflichten und im Fall eines Verstoßes gegen die strengeren Haushaltsregeln ein Kuratel von EU-Kommission und EU-Rat akzeptieren.

So bleibt der Fiskalpakt ungeachtet des irischen Wahlergebnisses umstritten. In Deutschland wackelt noch immer die Zwei-Drittel-Mehrheit, in Österreich laufen FPÖ, BZÖ, Grüne und sogar einige SPÖ-Abgeordnete dagegen Sturm. Bisher wurde der Pakt lediglich von Griechenland, Portugal und Slowenien ratifiziert. In Niederlande machen die Rechtspopulisten unter Geert Wilders dagegen mobil, in Italien die nach wie vor mächtige Partei von Silvio Berlusconi.

Was sind tatsächlich die heiklen Punkte des Pakts?

Spardruck. Die Vertragspartner verpflichten sich, eine Schuldenbremse – möglichst in Verfassungsrang – einzuführen. Das bedeutet, dass künftig ihr strukturelles Defizit nicht mehr als 0,5 Prozent der Wirtschaftsleistung betragen darf. Für Länder, die ihre Gesamtverschuldung auf unter 60 Prozent des BIP gesenkt haben, ist der Spielraum mit 1,0 Prozent etwas größer. Diese Regelung schränkt in Zeiten schlechter Wirtschaftslage die Staaten nicht bei erhöhten Sozialleistungen ein, aber sie gibt ihnen auch weniger Spielraum für Konjunkturprogramme, um mit staatlichen Mitteln das Wirtschaftswachstum anzukurbeln. Ausdrücklich wird auf „außergewöhnliche Umstände“ wie etwa Naturkatastrophen verwiesen, bei denen die strengen Haushaltsregeln ausgesetzt werden. Damit es künftig in wirtschaftlich problematischen Zeiten trotzdem Wachstumsimpulse gibt, will der französische Präsident François Hollande dem Fiskalpakt auch neue Finanzinstrumente wie Eurobonds und EU-Projektbonds gegenüberstellen. Mit ihnen soll das Ankurbeln der Wirtschaft auch in Zeiten eines angespannten Haushalts ermöglicht werden.

Souveränität. Wenn sich ein Land nicht an die Regeln des Fiskalpakts und des bisherigen Stabilitätspakts hält und deshalb von der EU-Kommission ein Defizitverfahren eingeleitet wird, muss es vorübergehend auf volle Souveränität in seiner Haushaltspolitik verzichten. Es muss sich zu einem Reformprogramm verpflichten, das von EU-Kommission und Rat nicht nur abgesegnet, sondern auch überwacht wird. Es steht dann also ebenso unter Kuratel wie heute Griechenland. Im Gegenzug kann das Land mit günstigen Krediten aus dem gemeinsamen Euro-Rettungsfonds (ESM) rechnen. Problematisch ist, dass dieser Prozess ohne jegliche parlamentarische Kontrolle stattfindet. Es gibt nicht einmal eine Kontrolle durch das Europäische Parlament. Die Einschränkung der Souveränität gilt aber nur temporär, so wie bei jedem hoch verschuldeten Land, das bisher durch Kredite des IWF aufgefangen wurde. Nach der Sanierung ist die Haushaltspolitik wieder allein nationale Angelegenheit – freilich innerhalb der nun enger gewordenen Euro-Spielregeln.

Wirtschaftsregierung
. Eine Wirtschaftsregierung als solche wird es trotz anderslautender Ankündigungen vorerst nicht geben. Aber die Teilnehmerländer des Fiskalpakts müssen ihre Wirtschaft besser aufeinander abstimmen. Dabei muss nicht nur auf mehr „Wettbewerbsfähigkeit“, sondern auch auf einen „sozialen Zusammenhalt“ Rücksicht genommen werden.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 01.06.2012)

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36 Kommentare
 
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Die Rolltreppe zum ESM, unserer Einäscherung, wird angeworfen.

Es ist aber völlig egal wie die Abstimmung über das windige Papier ausgeht
weil das ganze sowieso eine aufgelegte Farce ist.
Es reicht wenn 12 von 17 Länder den Vertrag ratifizieren - und nur in einem Land wird abgestimmt.

Die EU Administration hat gelernt den gesamten Entscheidungsprozess so hinzubiegen, das auf jeden Fall Deutschland und den anderen Nettozahlern wie Österreich zu Gunsten der Minderleister maximal geschadet wird.

Die Iren durften abstimmen,

aber die Österreicher dürfen nur blechen.

http://www.wienerzeitung.at/meinungen/gastkommentare/455425_Der-groesste-Betrug-bzw.-Selbstbetrug-in-der-Geschichte-der-2.-Republik.html

Artikel lesen, eigene Meinung bilden und bei Gefallen weiterempfehlen.

naja

"Tatsächlich hat das, was der Jurist gegen den europäischen Spar-Vertrag vorzubringen hatte, auch gewiefte Europarechtler nachdenklich gemacht. Der Vertrag, so Gysi, verstoße schon deshalb gegen das Grundgesetz, weil er von Deutschland nie wieder gekündigt werden könne. Bis in alle Ewigkeit also sei Deutschland verpflichtet, mit angezogener Schuldenbremse zu fahren.

Da hat er einen Punkt. Tatsächlich bestätigte Steffen Kampeter, der Parlamentarische Staatssekretär im Finanzministerium, was bei erster Lektüre des Vertragstextes jedem Leser auffällt: "Ein Kündigungsrecht ist im Vertrag nicht vorgesehen."

Der Schreck mag selbst manchem Europafreund unter den Abgeordneten in die Glieder gefahren sein: Kann das angehen? Darf der Bundestag per Gesetzesbeschluss einen Vertragstext in Kraft setzen, der künftige Parlamente daran hindert, die rigiden Spar-Artikel im Grundgesetz jemals wieder zu ändern?"

http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-84631742.html

wie schaut das in österreich aus?
wer treibt den fiskalpakt voran?

Gast: Get
31.05.2012 18:50
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Sie dürfen wie vorgeschrieben abstimmen...

Sonst wird solange abgestimmt bis das Ergebnis paßt.

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Re: Sie dürfen wie vorgeschrieben abstimmen...

nur vorgelebte T.emokratie.

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Wenn man als Privater blind für seine Nachbarn

haften würde, müsste man entmündigt werden.
Die EU feiert sich wegen dieses Unfugs - superklug eben.

Fiskalpakt Ja oder Nein spielt keine Rolle mehr

es sind nur Verträge und Vereinbarungen. Diese sind in der EU kaum das Papier wert auf dem sie gedruckt werden.

Vielleicht besteht noch eine kleine Möglichkeit das Desaster abzuwenden. Bei all den mittelmäßigen bis unfähigen Entscheidungsträgern in der EU muss man allerdings ein sehr optimistischer Mensch sein um dies anzunehmen.


Na aber Hallo!

Jössas! Die "armen" Iren (Spanier, Griechen)! Jetzt werden sie von der "pösen, pösen" EU drangsaliert und letztendlich "versklavt"! "Buh, Buh - EU!" Gut, soll sein, aber ein wenig wäre es doch angebracht, die Geschichte(n) dieser Staaten zu betrachten. ALLE DREI haben handfest SELBST daran gearbeitet, in die Miseren zu schlittern, in denen sie sich befanden und noch immer befinden. Der hemmungslose Pump, mit dem die Iren auch ihr "privates" Wirtschaftswunder finanzierten, was vor dem Platzen dieser Blase als beispielhaft hingestellt wurde, der irrwitzige Immobilien"run", auf den die Spanier - freiwillig!!! - setzten, und letztendlich das abenteuerliche Staatssystem, das sich die Griechen leisteten - von der intelligenten Steuervermeidung mal abgesehen -, das Alles ist schon vergessen(?). Und an all dem soll ausschliesslich die EU schuld sein! Und jetzt, zu "Bereinigung" dieses Misthaufens nur das Geld hergeben, ohne auch nur irgendwie kontrollieren zu können oder zu dürfen? Und wenn sie (die "Teufelin" EU) nach Kontrolle verlangt, wird sie taxfrei zur unmenschlichen Diktatorin (ernannt)? Na, aber wirklich "Hallo"! Ein zur "Brust nehmen" der "Unschuldslämmer*I*nnen" (ich kann's und will's nicht lassen) ist schon gerechtfertigt. Auch wenn's weh tut. Wohl ein wenig selbst schuld daran, liebe "Versklavte", dass es dies tut.

Re: Na aber Hallo!

Das ist zwar durchaus nicht unrichtig - ich bin aber inzwischen mit solchen Kommentaren ein wenig vorsichtig.
Sie wissen schon - das alte Glashaus/Steine-Problem.

Ihr persönlicher Anteil (bzw. Ihres Haushalts) am Schuldenstand von Bund/Land/Stadt & ausgelagerter Schulden lässt sich mit StatistikAustria-Daten recht einfach annähern. Überlegen Sie in einer ruhigen Minute, ob´s Ihnen gefallen würde, diesen Betrag mal locker flockig wegzugeben.

Wiederholen Sie den Vorgang jährlich und beurteilen Sie, ob die Differenz zum jeweiligen Vorjahr tatsächlich bei Ihnen als Verbesserung Ihrer Lebensqualität angekommen ist.

Gast: mistaustria
31.05.2012 13:56
3 1

und wenn nicht

frägt man sie halt nochmal..und nochmal..und nochmal....

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Warum wird zensuriert, wenn man den Inhalt des ESM-Vertrags postet?


Nutzt euch eh nix, jeder findet ihn im web.

Die völlige Übergabe der Finanzen an ein ungewähltes, unkontrollierbares Gremium, das ausserhalb jeder Gerichtsbarkeit steht ,ist ein PUTSCH !
da können die Medien noch so dröhnend schweigen !!

Re: Warum wird zensuriert, wenn man den Inhalt des ESM-Vertrags postet?

Man hat den Eindruck, die Zensi hält die Meinungsfreiheit/freie Meinungsäußerung letztlich für ein Missverständnis !

Re: Warum wird zensuriert, wenn man den Inhalt des ESM-Vertrags postet?/Stefania

Mehr als seltsam sind die Ratschlüsse der "Tante Zenzia", da stimme ich Ihnen völlig zu!

Ratschlüsse der "Tante Zenzia"

Hierbei handelt sich eher um Kurzschlüsse

Gast: Glühender Europäer
31.05.2012 13:41
3 1

Wann wird der EU-Auflösungspakt unterschrieben?

Darf ich zumindest einmal das vom VP-Innenministerium gestoppte Anti-EU-Volksbegehren unterschreiben?

Egal ob man einen Haushalt, ein Unternehmen oder einen Fitnessklub leitet – man kann nur das Geld ausgeben, das man entweder verdient oder sich leihen kann

Aber warum um alles in der Welt galt dieses Prinzip nicht für das irische Banksystem?

Re: Egal ob man einen Haushalt, ein Unternehmen oder einen Fitnessklub leitet – man kann nur das Geld ausgeben, das man entweder verdient oder sich leihen kann

@CreepingConsumption. Sie werden "hier" keine Antwort bekommen!

Re: Re: Egal ob man einen Haushalt, ein Unternehmen oder einen Fitnessklub leitet – man kann nur das Geld ausgeben, das man entweder verdient oder sich leihen kann

Glauben Sie mir - auch sonst nirgends. Nicht, dass ich´s nicht versucht hätte;-)

Gast: grübelgrübel
31.05.2012 12:13
9 1

Der Chef der Ja-Kampagne

Was für ein "ehrenhafter" Titel.

Aber sie machen es wenigstens ganz offen.

Das irische Regime hat wirklich keinen Genierer mehr, wenn es der Machtergreifung der EUdSSR dient.

„Die Iren werden diesmal Ja sagen“

Aber natürlich werden sie das. Sie wollen ja Geld! Auch meines!

Antworten Gast: xx
31.05.2012 12:35
5 1

Re: „Die Iren werden diesmal Ja sagen“

nachdem man ausreichend Gehirnwäsche gemacht hat und die Leute verängstigt, wenn sie gegen den ESM-Diktaturpakt stimmen, werden die Iren natürlich zustimmen.
ESM bedeutet ja, daß die Länder, die diesem (weitgehend in seinen Details unbekannten) "Fiskalpakt" zustimmen, praktisch entmündigt werden. Sie geben ihre Budgethoheit an ein "anonymes", allseits immunes Gebilde ab, welches in Zukunft z.B. darüber bestimmt, wieviel die unterworfenen Länder in Zukunft für Gesundheitsversorgung, Pensionen, Bildungssystem etc. ausgeben dürfen bzw. wo "Strukturanpassungen" zu erfolgen haben.....
Willkommen in der Diktatur, Irland!

Motto der Regierungen: Geld ausgeben, irgendwer wird schon zahlen ... Und dies ist der Ursprung aller Krisen !

Der Steuerzahler muss für alles haften (u.noch mehr bestrafen bzw. ausbaden ist verantwortungslos), für Versäumnisse, Misswirtschaft ,Bürokratie und Pleitestaaten.

Es ist der falsche Weg ! (leider will niemand Verantwortung übernehmen)

Gast: Hans M..
31.05.2012 11:12
2 1

NEIN

Ihr Kelten .
NEIN,NEIN,NEIN
Lasst euch nicht knüppeln.
Wie eine alte Oma,unterschreibt nichts was ihr nicht einhalten könnt.

Gast: Matador
31.05.2012 10:55
2 0

Irland ist noch immer Nettoempfänger - also schwer abhängig.


Gast: AVier
31.05.2012 10:49
0 0

Wird heute in Irland auch über den ESM abgestimmt?

Wird heute in Irland nur über den Fiskalpakt oder gleichzeitig auch über den viel brisanteren ESM (Europäischen Stabilitätsmechanismus) abstimmt?

no-na!

was haben die Iren auch für eine andere Möglichkeit?

 
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