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Voggenhuber rät nicht zu grüner Stimme

13.05.2009 | 12:45 |  Von unserer Korrespondentin REGINA PÖLL (Die Presse)

Der scheidende EU-Mandatar im Gespräch mit der "Presse" über seine Nicht-Kandidatur: "Es wäre nicht das erste Mal, dass man mich in guten Zeiten unerträglich findet und in schlechten zu mir kommt."

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Die Presse: Neuen Prognosen zufolge holen die Grünen bei der EU-Wahl nur noch weniger als zehn Prozent. Würde es mit Ihnen auf der Liste besser gehen?


Johannes Voggenhuber: Ich glaube, es gibt niemanden, der das bestreitet. Nach all den Wahlen, bei denen wir zwischen 30 und 50 Prozent zugenommen haben, hätte es keinen Grund gegeben, nicht etwa 16 Prozent zu holen, also diese Erfolgsgeschichte fortzusetzen und ein drittes Mandat zu holen. Noch dazu in einer Situation, in der grüne Ideen wichtiger sind denn je und in der möglicherweise 30 oder 40 Prozent der Österreicher nicht wissen, was sie wählen sollen – europäische Österreicher.


Sollte es tatsächlich nur noch ein Mandat sein: An wen werden die Grünen es verlieren?


Voggenhuber: Ich will mich nicht in Prognosen ergehen. Ich kann nur sagen: Statt drei eins – das berührt mich bitter. Und seit Monaten erhalte ich tausende Mails von Menschen, die alle sagen: Wir sind politische Menschen, wissen aber nicht, wen wir wählen sollen, wollen auch nicht zu Hause bleiben. Sagen Sie uns, was wir wählen sollen.


Und was sagen Sie ihnen?


Voggenhuber: Ich sage ihnen das nicht, denn das ist nicht meine Aufgabe. Dazu müsste ich selbst kandidieren. Aber da gibt es sehr viele, die uns zu einem dritten Mandat verholfen hätten und ganz sicher nicht unkritisch sind. Urbane, Junge und so weiter.


Sie fassen sich kein Herz und empfehlen eine Stimme für die Grünen?


Voggenhuber: Nein. Nüchtern betrachtet ist eine Person in der Politik nicht ausschlaggebend. Dass mir die Grünen Unrecht getan haben, es Mobbing gegeben hat, ist nicht sehr relevant angesichts dessen, dass ein Fehler passiert ist. Um mit Talleyrand zu sprechen: Das war kein Verbrechen, es war viel schlimmer – ein Fehler. Das sagte er auf die Frage, ob es falsch war, Ludwig XVI. den Kopf abzuschlagen. Ohne vergleichen zu wollen: Es war ein schwerer Fehler.


Wie beurteilen Sie den Wahlkampf?


Voggenhuber:
Die Auseinandersetzung hat leider mit Europa sehr wenig zu tun und viel mit der Dunstglocke nationaler Befindlichkeiten, den Umtrieben der „Kronen Zeitung“ und dem Schielen nach den EU-skeptischen Stimmungen. Fragen wie die der Finanzkrise und des sozialen Europas drängen geradezu. Doch da ist nur niemand imstande zu sagen, was das soziale Europa ist.


Und die Grünen?


Voggenhuber: Eine kritische Anmerkung kann ich mir nicht verkneifen, wenn Frau Lunacek in der ORF-„Pressestunde“ fordert, die EU müsse endlich Vorgaben machen für Mindeststandards, bei Mindestlöhnen, bei der Steuer. Ich darf daran erinnern, dass die EU keine Kompetenzen dazu hat und dass es ihr Abgeordneter war, der zehn Jahre dafür gekämpft hat, dass diese Kompetenzen verankert werden. Was mir bei den sozialen Rechten, glaube ich, unter anderem gelungen ist. Immerhin bemühen sich die Grünen, Europa im Wahlkampf zu thematisieren, siehe zum Beispiel die EU-Asylrichtlinie. Aber vielleicht passiert das nicht sichtbar genug.


Müsste die Partei, von der Grünen-Chefin Glawischnig bis zur Spitzenkandidatin Lunacek, Konsequenzen ziehen, falls es tatsächlich nur ein Mandat wird?


Voggenhuber: Im Wahlkampf ist wohl nicht die Stunde, darüber zu reden, obwohl ich dazu eine sehr klare Überzeugung habe.


Können Sie sich vorstellen, dass die Partei Sie nach der Wahl zu Hilfe ruft, sollte es nur ein Mandat sein?


Voggenhuber: Es wäre nicht das erste Mal, dass man mich in guten Zeiten unerträglich findet und in schlechten zu mir kommt. Ich lese, man will 13 Prozent. Wobei ich 16 Prozent als Wahlziel hatte und denke, ein Konkurrent (Lunacek, Anm.) sollte mehr anstreben, aber gut. Das dritte Mandat wurde, wie es scheint, verspielt. Es wäre eine Chance gewesen, sich nach dem Niedergang bei der Nationalratswahl zu reaktivieren.


Was kommt für Sie nach dem EU-Parlament?


Voggenhuber: Ich überlege, prüfe Angebote – Aufgaben, nicht Ämter. Vielleicht ein Buch darüber, wie es in Europa wirklich läuft.

Die Reaktion der Grünen
Bundessprecherin Eva Glawischnig nimmt die Kritik Voggenhubers gelassen: "Kritik ist wichtig und zulässig. Das tut nicht weh. Wir nehmen sie ernst", erklärte sie am Mittwoch. Wichtig sei, die Idee der Sozialunion durchzusetzen. Voggenhubers Entscheidung sei eine "persönliche". Sie stellte jedoch fest: "Es ist schwer für die Spitzenkandidatin, das neu zu machen und offenbar ist es auch schwer, sich von Platz eins zurückzuziehen."

NEUE PROGNOSE

Gemäß einer Untersuchung von Wissenschaftlern des Trinity College in Dublin und der London School of Economics holt die SPÖ bei der EU-Wahl am 7. Juni sechs Mandate (–1 gegenüber 2004), die ÖVP holt fünf (–1) und die FPÖ drei Mandate (+2). Je ein Mandat holen der Prognose zufolge die Grünen (–1), das BZÖ (+1) und die Liste Hans-Peter Martin (–1).

In Prozent käme die SPÖ auf 30, die ÖVP auf 27, die FPÖ auf 19, die Grünen auf 9,4, das BZÖ auf 8,7 und Martin auf 6,1. Erstellt wurde die Prognose im Auftrag der Beratungsagentur Burson-Marsteller.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.05.2009)

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25 Kommentare
 
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Prolet
16.05.2009 16:15
0 0

Die Glawuröse hat es nicht leicht, aber bald eine wichtigere Aufgabe als Grüne-Mutter - da leistet sie ihren Beitrag ohne Privilegien!


Gast: josef pfannenstill
15.05.2009 08:18
0 0

die"wirklichen Grünen"

Herr Voggenhuber hat es erkannt! Im Grunde sind die Grünen nicht wählbar.
In den letzten Jahren - speziell nach dem Abgang von AvB - haben sich die österreichischen Grünen von einer Umweltbewegung zu einer ideologisch verblendeten Linkspartei entwickelt. Schade!

Als ehemaliger Grün bzw. LiF-Wähler gibt es eine Alternative: diesmal Othmar Karas von der Volkspartei!

Gast: me_too
13.05.2009 17:46
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Selber denken ?

Zitat :"Wir sind politische Menschen, wissen aber nicht, wen wir wählen sollen, wollen auch nicht zu Hause bleiben. Sagen Sie uns, was wir wählen sollen."


Antworten Darabimo
14.05.2009 08:13
0 0

Re: Selber denken ?

Diese Aussage mit den Anrufen hat mich auch erschüttert. Ich dachte, bei den Grünen gibts die meisten Intellektuellen. Scheinbar doch nicht. Sie weden doch nicht bei der FPÖ zu finden sein?

Gast: Vogelhuber
13.05.2009 15:27
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Rückseite

Wer soll in schlechten Zeiten zu Vogelhuber rennen, wem nützt er außer sich selbst?
Ich befürchte der Herr Vogelhuber ist so egozentrisch, dass er sich selbst ernst nimmt. Es war wie üblich: Die 3. Garnitur nach Brüssel, Vogelhuber, Karas usw. haltn nicht weil er was kann oder weiss.................... Das bildet er sich nur selbst ein.

harbard
13.05.2009 13:23
0 0

Voggenhuber rät nicht zu grüner Stimme

...es scheint als bekäme er mit zunehmendem alter mehr hirn!

Gast: maxmuster
13.05.2009 12:08
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Werde zum Nichtwähler

Ist mir leider noch nie passiert - aber bei dieser Wahl werde ich ungültig wählen, auch wenns der grünen Bewegung schadet. Anders kapieren es die Grünen in Wien aber nicht

NeroRosso
13.05.2009 11:16
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Die Grünen haben diesmal wenig Chancen

denn Voggenhuber war einer der wenigen - neben Cohn-Bendit - der dieser Patrei überregionale Aufmerksamkeit gebracht hat.

Diesmal gehts um "Mit Barroso" = Schleimi oder "Ohne Barroso"

Also auf zur Wahlurne, damit dieser selbstgefälige Gartenzwerg endlich abgelöst wird!

Gast: Zahlbürger
13.05.2009 10:24
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Quotenfrauen

Sesselkleber, Politpensionisten und Vitamin B Bubis. Und es geht was weiter in der EU. Glück auf!

ghost85
13.05.2009 08:45
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Na, der ist wohl stink sauer

derart über die eigenen Leute herzuziehn, grauslich!
Bin mal gespannt für welche Farbe er nach der EU-Wahl arbeiten wird.
So was von charakterlos hab ich noch selten erlebt.
Wie kann man den eigenen Leuten nur so in den Rücken fallen?
Nur weil er nicht mehr kandidieren darf?
Was für ein Egozentriker

Antworten Gast: iglaubsnet
13.05.2009 09:22
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Re: Na, der ist wohl stink sauer

habens die diskussion von anfang an mitverfolgt? dann wüssten sie, dass sich voggenhuber extrem zurückgehalten hat. es sollte doch auch für einen politiker möglich sein, blinden parteigehorsam abzustreichen und eine eigene meinung zu formulieren, besonders wenn "mann" mit weiblicher eloquenz unter dem gendervorwand abserviert wird

Antworten Antworten ghost85
13.05.2009 09:48
0 0

Re: Re: Na, der ist wohl stink sauer

Es ist ganz simpel, entweder er steht zu dem, was seine Partei erreichen will auch wenn er mal nen Schritt zurück machen muss oder nicht.

Wenn die Ziele seiner Partei seinen Idealen entsprechen, sofern er denn welche hat, dann wird er das nicht sabotieren

Antworten Antworten Antworten Gast: gugel
13.05.2009 13:33
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Re: Re: Re: Na, der ist wohl stink sauer

er müsste ein Doofkopf sein, würde er für seine Partei lieber unter Lunacek 10% wollen, wo doch mit ihm als Kandidat 16 % nicht so unwahrscheinlich sind. Lunacek müsste ihrer Partei zuliebe ein Stück zurücktreten, mindestens nach der verlorenen Wahl.

Antworten Antworten Antworten Antworten ghost85
13.05.2009 15:43
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Re: Re: Re: Re: Na, der ist wohl stink sauer

Schon richtig.
Aber so ein Kommentar wie dieses Schadet der Partei massiv.
Das ist nur Rache, mehr nicht

beardsley
12.05.2009 23:08
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die prognose

schaut einigermaßen realistisch aus. bis auf spö vor övp. wenn övp ihre klientel mobilisieren kann, sollte sie doch die nase vorne haben.

Antworten Gast: ÖVP-Kernwähler
12.05.2009 23:53
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Re: die prognose

Blöde nur, dass ich nicht mehr ÖVP wählen werde....

Antworten Antworten Gast: SPÖ Stammwähler
13.05.2009 09:16
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Re: Re: die prognose

Dafür werde ich ÖVP wählen!

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Filmtipp: "Idiocracy"


GESTERN: Schüssel, Plasnik, Haider, Karas, VdBellen, Voggenhuber

HEUTE: Faymann, Pröll, Strasser, Strache, Lunacek...

MORGEN: Verhaltensoriginelle und Sonderschüler als Staatslenker?

Antworten Gast: Chronist
13.05.2009 10:28
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Re: Filmtipp:

Lustig. Aber politisch nicht korrekt. Schließlich gibt es keine Sonderschulen mehr. Man gibt den Verhaltensoriginellen jetzt die Möglichkeit sich frühzeitig auf ihren späteren politischen Job vorzubereiten und integriert sie rechtzeitig. Als Sonderschulen dürfte man eigentlich nur mehr Tanzschulen und Baumschulen bezeichnen. Aber ich denke im Sinne der dancing stars wird es aus diesem Bereich bald eine Ministerin geben.

Gast: Mottifont
12.05.2009 20:53
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Schade um Voggenhuber

Voggenhuber, Karas, Rübig und Swoboda - das sind die österreichischen Europaabgeordneten, die man auch in ausländischen Berichten immer wieder findet. Mit Voggenhuber haben die Grünen ihre Europakompetenz völlig abgegeben - Lunacek hat keine Ahnung, und das merkt man auch.

Antworten Gast: Olga B. (Sibirien)
13.05.2009 10:36
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Re: Ade Grüne

Also ich finde Lunacek super. Allein die Wortwahl ( Neussprech Wording) und der Tonfall. Jede Emanze aus der Net Cafe Frauendiskussionsgruppe fühlt sich sofort geborgen. Das soziale Wohlgefühl stellt sich bei Jobversprechungen der Grünen ohnehin sofort ein.
Und das ganze zeitnah zur Walpurgisnacht. Ein Höhepunkt der poltischen Saison.

Antworten Gast: Babenbeger
12.05.2009 21:34
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Schade um einen Wendehals?

Voggenhuber hat mit Swoboda gemein, daß beide Wendehälse der schlimmsten Sorte sind. Ersterer war vor der EU Abstimmung strikter Gegner eines Beitritts, um danach sofort in Brüssel zu sitzen. Swoboda forderte einen Türkei Beitritt, um jetzt der lieben Stimmen willen, auf einmal gegen den Türkeibeitritt zu sein. Wetten, daß er nach der Wahl wieder für einen für die Aufnahme der Türkei in die EU und gegen eine Volksabstimmung zum Lissabonvertag Stimmung machen wird.

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sehe ich nicht so

ja, er war gegen die EU und nach dem das Volk anders entschieden hat, akzeptierte er das Resultat und machte das Beste daraus. So etwas nennt man professionell. Mittlerweile dürfte er zur Einsicht gekommen sein, die EU schützt uns ein klein wenig vor unseren Kronepropagandisten.
Aber ein Problem bleibt, wen wählen?

Antworten Antworten Antworten Gast: gast
19.05.2009 16:27
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Re: sehe ich nicht so

er ist draufgekommen, wie die grünen allgemein, dass die eu ein super instrument zur zerstörung der europäischen nationen ist! deswegen ist er ein überzeugter eu-befürworter!

Antworten Antworten Antworten Gast: Barbara S.
13.05.2009 06:26
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Coco de mer verdreht die Dinge aber ganz gewaltig

Er akzeptierte das Resultat und machte das Beste daraus?

Ja, für ihn selber machte dieser Wendehals das Beste draus, in dem er mords abgecasht hat.

Zwischen einem Abstimmungsergebnis akzeptieren und sich in Windeseile um 180° drehen ist halt schon ein gewaltiger Unterschied!

Sich genau von jener EU bezahlen zu lassen, die er kurz davor noch vehement abgelehnt hat, ist mit Verlaub charakterlos.

Ein Diskutant hier hatte es einmal auf den Punkt gebracht:
Wenn die FPÖ bei der kommenden - ohnehin sinnlosen - EU-Wahl am 7. Juli stark gewinnen sollte, wird dann der Herr Voggenhuber deswegen gleich FPÖ-Mitglied?


 
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