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Cohn-Bendit: Europas grüner Katalysator

11.06.2009 | 18:05 |  Von unserem Korrespondenten RUDOLF BALMER (Die Presse)

Der „rote Daniel“ ist längst ein grünes Zugpferd. Als Kandidat der Grünen in Frankreich führte Cohn-Bendit seine Partei zu einem spektakulären Erfolg.

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Paris. Die Grünen tanzten vor lauter Vorfreude auf ihrer letzten Wahlveranstaltung. Ihr Spitzenkandidat, Daniel Cohn-Bendit, strahlte übers ganze Gesicht, er wand und drehte sich wie ein Tanzbär auf der Bühne, weil die Umfragen seiner Liste „Europe Ecologie“ ein sensationelles Ergebnis verhießen. Von dann 16,3 % der Stimmen und 14 Sitzen (gleich viel wie für die von den Wählern praktisch ex aequo platzierten Sozialisten) hatte aber nicht einmal der unverbesserliche Europa-Optimist Cohn-Bendit geträumt. Als er vor Monaten aus Deutschland nach Frankreich zurückkam, um seinen ziemlich deprimierten Freunden bei „Les Verts“ (Die Grünen) wieder einmal seine Hilfe anzubieten, glaubte ihm kaum einer, als er ein Ergebnis von „10 plus x“ Prozent als Vorgabe nannte.

Dennoch sahen die französischen Grünen in ihm den Retter aus der Not, wie schon 1999, als er mit ihnen bei den Europawahlen fast zehn Prozent der Stimmen erhielt. Seit den vernichtend schlechten Ergebnissen bei den Präsidentschafts- und Parlamentswahlen von 2007 zweifelten „Les Verts“ an ihrer Existenzberechtigung. Wozu brauche es sie, da doch von Umwelt, Nachhaltigkeit, Klimaschutz etc. mittlerweile alle sprachen, inklusive der rechte Staatspräsident Nicolas Sarkozy.

 

Mit Pro-Europa-Politik gepunktet

Gerade weil er nicht zu Frankreichs politischem Establishment gehört, gelang es Cohn-Bendit, mit den französischen Grünen aber über all die Schatten zu springen und eine politisch offene, klar proeuropäische Umweltliste zu bilden, auf der dann auch Leute wie der Globalisierungskritiker und Bauernrebell José Bové, die bekannte frühere Untersuchungsrichterin Eva Joly oder Freunde des Naturschützers und Fernsehstars Nicolas Hulot kandidierten.

Die meisten anderen Listen beschäftigten sich mehr mit der französischen Innenpolitik, oder, wenn sie von Europa sprachen, dann kritisierten sie vorab die Mängel der EU-Politik. Nicht so Cohn-Bendit, der von Europa schwärmte, wenn er beispielsweise bei seinen Auftritten ein Video mit der von Mstislaw Rostropowitsch solo gespielten „Hymne an die Freude“ kommentiert: „Ist das nicht schön? Das wiegt ebenso viel wie die 27 Nationalhymnen. Ihr könnt die EU kritisieren, und mit Recht. Aber ihr könnt sie nur kritisieren, weil sie existiert.“

 

Vom Rädelsführer zum Realo

Keiner verkörpert Europa in dieser Weise und mit seiner persönlichen Geschichte wie er. Er kam als Kind einer aus Deutschland vor dem Naziterror geflüchteten jüdischen Familie und als „Staatenloser“ am 4. April 1945 auf die Welt, optierte nach seiner Kindheit für die französische, mit 14 Jahren aber für die deutsche Staatsbürgerschaft. Das ermöglichte es den französischen Behörden, den später als „roter Daniel“ berüchtigten Anarchisten und Rädelsführer der Studentenrevolte des Mai 68 in seine „Heimat“ auszuweisen. Der freche Rotschopf wurde damit erst recht zum Idol einer Generation.

Die roten Haare des heute 64-Jährigen sind inzwischen etwas grau geworden, der Blick aus den blauen Augen ist aber immer noch forsch provozierend. Seit den bewegten Zeiten des Mai 68 hat er sich politisch sehr gemäßigt. Als viele seiner früheren antikapitalistischen Freunde in Frankreich gegen das „neoliberale“ Europa Sturm liefen, plädierte er für ein Ja zum EU-Verfassungsvertrag.

Seit mehr als zwanzig Jahren steht er stets mit einem Fuß in der deutschen, mit dem anderen in der französischen Politik, und mit beiden tanzt er in Straßburg auf der parlamentarischen Bühne der Union. Jetzt mehr denn je, nach seinem jüngsten Wahlerfolg. „Das ist der ,D-Day‘ der Ökologiebewegung“, triumphierte er am vergangenen Sonntag. Er träumt schon von einer grünen Welle, die sich von der „Landung“ in Frankreich auf ganz Europa ausdehnt.

Sein Etappenziel ist die Bildung einer Allianz der linken Mitte in Frankreich, aber auch in Straßburg. Die Schwächung der Sozialdemokraten in mehreren EU-Staaten eröffnet neue Bündnisperspektiven ohne dominierende Fraktion. Der vereinte Kampf gegen die Kandidatur des wieder antretenden EU-Kommissionsvorsitzenden José Manuel Barroso soll in Cohn-Bendits Augen der erste Test für diese Erneuerung werden, bei der er – wie immer ohne falsche Bescheidenheit – als ökologischer Katalysator eine entscheidende Rolle spielen möchte.

ZUR PERSON

Daniel Cohn-Bendit war prominenter Exponent der 68er-Bewegung. Der „rote Daniel“ wurde 1984 Mitglied der Grünen und ein Jahrzehnt später in das Europaparlament gewählt. Er gilt in seiner Partei als „Realo“. In der europäischen Fraktion ist er derzeit Kovorsitzender. Der 64-Jährige kandidierte diesmal nicht für seine deutschen Grünen, sondern für die französischen Parteikollegen, und fuhr einen klaren Erfolg ein.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 12.06.2009)

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9 Kommentare
Gast: Kudasai
13.06.2009 12:40
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Dani als er

noch jung und provokant war:
http://blip.tv/file/2230329

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Cohn-Bendit sagte,

daß Gegner der EU-Verfassung psychisch krank sind.

Ich glaube dass sagt alles über diesen Politiker aus.

Gast: Bösewicht
12.06.2009 10:50
0 0

.

Vielleicht wäre ein Gegenüberstellung mit der Causa Groer einen Bericht wert, um die unterschiedliche Herangehensweise zum Thema Kindesmissbrauch in Politik und Kirche zu beleuchten. Ein paar Pukte könnten sein:
Die Kinder: Hier, kleine Mädchen; dort, ein Ministrant.
Die Stellungnahmen der Beschuldigten: Dort, eisernes Schweigen; hier, Fernsehauftritte und ein Buch mit der Darstellung von Details.
Die Stellungnahmen der Amtskollegen: Dort, verbissenes Haareraufen und zerknirschte Medienbriefe; hier, begeistertes Zujubeln.
Die Reaktion der Institution: Hier, die Wahl zum Vorsitzenden; dort, die Verbannung in ein Kloster.
Die Reaktion der Medien: Hier, ein Jubelartikel und kein Wort über die Vorfälle; dort, hunderte Seiten Skandalberichterstattung.

Antworten Gast: Messalina
12.06.2009 15:46
0 0

Re: .

da fehlen einem wirklich die Worte, wenn ich an Journalisten denke, kommt mir automatisch das Wort Huren in den Sinn

Gast: Crusader
12.06.2009 08:26
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Ein Kinderonkel als Symptom europäischer Verkommenheit....

..aber die Linke dieser Prägung wurde auch bei dieser Europawahl abgewählt - trotz kleiner Erfolge....

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Den Göttern sei Dank ist das nicht so.

"Keiner verkörpert Europa in dieser Weise und mit seiner persönlichen Geschichte wie er."

Gast: Beobachter
12.06.2009 04:53
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Da hat sie mir das Hosentuerl aufgemacht.

Sie war nicht einmal 5 Jahre alt. Eine herrliche Euro-Symbofigur.

Antworten geheimrat
12.06.2009 08:45
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Re: Da hat sie mir das Hosentuerl aufgemacht.

http://www.schweizerzeit.ch/0501/kinder.htm

Gast: Der oberste Obersozialist
11.06.2009 19:42
0 0

Sein Hauptanliegen: Aufhebung nationaler Souveränität

Hauptinstrument: Masseneinwanderung integrationsresistenter Unterschichtler. Waffen: Einchüchterung, vorzugsweise mit Nazikeule, Verdummung. Qualifikation: Besondere Analysen als Kindergärtner.

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