26.05.2012 08:10 | Meine Presse Merkliste 0

Karas lässt sich Verzicht honorieren

15.06.2009 | 18:18 |   (Die Presse)

Ex-Delegationsleiter wird Mitglied des ÖVP-Vorstands und bekommt EU-Bürgerbüro. „Heute ist ein guter Tag für die ÖVP“, sagte Ernst Strasser, dessen Wahl zum Delegationsleiter nun gesichert ist.

Artikel drucken Drucken Artikel versenden Senden Merken AAA Textgröße Artikel kommentieren Kommentieren

WIEN (oli/APA). Sein Vorzugsstimmenwahlergebnis, sagt Othmar Karas, hätte ihm die „moralische Legitimation“ gegeben, für den Posten des EU-Delegationsleiters zu kandidieren. Er werde davon aber Abstand nehmen. „Ich habe nie gespalten. Das gedeihliche Arbeitsklima in unserer Fraktion ist ein hohes Gut. In einer Mannschaft von sechs Personen darf kein Keil stecken.“ Und außerdem: „Jobs sind für mich keine bedeutende Frage.“

Nach tagelanger Debatte, nach einem Vier-Augen-Gespräch am Sonntagabend zwischen Karas und Josef Pröll, verkündeten der Parteichef, Karas und EU-Spitzenkandidat Ernst Strasser Montagvormittag gemeinsam die Einigung: Karas verzichtet auf den Delegationsleiter und wird dafür mit drei Zugeständnissen entschädigt – laut Pröll habe ihm Karas diese selbst vorgeschlagen. Die ÖVP wird Karas' Wiederkandidatur für den Vizepräsidenten der Fraktion der Europäischen Volksparteien im EU-Parlament unterstützen. Ein von Karas vorgeschlagenes „EU-Bürgerforum“ wird in der Politischen Akademie der ÖVP eingerichtet. Und Karas bekommt Sitz – aber keine Stimme – im ÖVP-Vorstand sowie in der wöchentlichen Ministerratsvorbesprechung der Volkspartei.

„Heute ist ein guter Tag für die ÖVP“, sagte Ernst Strasser, dessen Wahl zum Delegationsleiter nun gesichert ist. Diese wird nächste Woche in der ÖVP-EU-Fraktion stattfinden. Für beide, ihn und Karas, gebe es genug Arbeit, so Strasser. „Den Glamour überlassen Othmar und ich gern irgendwelchen ,Seitenblicke‘-Herren.“ Parteichef Josef Pröll meinte, der Sieg bei der EU-Wahl sei ein „gemeinsamer Erfolg sowohl des Spitzenkandidaten als auch der Vorzugsstimmenkampagnen“ gewesen. Kurt Bergmann vom Karas-Personenkomitee wollte sich gestern zur Einigung nicht äußern.

 

Voggenhuber sagt Karas ab

Obwohl nun in der ÖVP-Akademie angesiedelt, sieht Karas sein „EU-Bürgerforum“ weiterhin als überparteilich an. Schließlich habe er Vorzugsstimmen auch aus dem roten und grünen Lager bekommen. Er, Karas, werde nun mit roten oder grünen EU-Politikern wie Herbert Bösch oder Johannes Voggenhuber über eine Beteiligung an seinem „Bürgerforum“ sprechen. Voggenhuber hat sich ursprünglich sogar bereit erklärt, an Karas' Initiative mitzuwirken, um die „Verweigerung der Österreicher gegenüber Europa zu durchbrechen“. Davon will er unter den neuen Umständen aber nichts mehr wissen. „Es kommt für mich nicht infrage, dass das ein Ableger der ÖVP-Parteiakademie wird“, so Voggenhuber. „Ich werde Karas sagen, dass ich sicher nicht an einer parteiabhängigen oder pseudounabhängigen Initiative teilnehmen werde. Ich bin nicht ÖVP-nahe. Ich habe keinerlei Anlass, irgendein Feigenblatt für die unsägliche Europapolitik der ÖVP abzugeben.“

Auch der scheidende SPÖ-EU-Abgeordnete Herbert Bösch zeigt sich skeptisch: Er wisse von Karas' Einladung, an seinem „Bürgerforum“ mitzuarbeiten, nur aus den Medien. „Ich hoffe, er wird mit mir reden, wenn er was will.“ Er könne derzeit nur sagen, dass er „die Arbeit des Kollegen Karas bisher sehr geschätzt“ habe.

 

„Missbrauch des Wählerwillens“

Kritik kam von Blau und Orange: FPÖ-Generalsekretär Herbert Kickl befand, die ÖVP „fahre einfach über den Wählerwillen drüber“. BZÖ-Chef Josef Bucher sprach von einem „Missbrauch des Wählerwillens“.

 

("Die Presse", Print-Ausgabe, 16.06.2009)

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo
Als Gast kommentieren

...oder einloggen um als registrierter Benutzer zu kommentieren (Vorteile dieser Variante)


Mit dem Absenden Ihres Kommentares erklären Sie sich mit den Forenregeln einverstanden.

*... Pflichtfelder

Sicherheitscode
(Was bringt das?)*



Schwer lesbar?
Neuen Code generieren

Verbleibende Zeichen

136 Kommentare
 
1 2 3 4
Mr. G
17.06.2009 09:21
0 0

Wider alle demokratische Entscheidungen

Pröll hat mit seiner Entscheidung, trotz des großen Vorsprungs an Vorzugsstimmen von Karas Herrn Strasser auf der Nummer eins zu positionieren, viel demokratiepolitischen Porzellan zerschlagen. Schade, gerade Pröll hatte noch unter Schüssel mit seinen Perspektivgruppen guten Eindruck gemacht. Doch was sollen sich gerade junge Wähler/innen ab 16 denken, wenn bei einer Persönlichkeitswahl ihre Stimme für eine Person dann nach der Wahl einfach nicht berücksichtigt wird? Mit solchen Entscheidungen machen sich Pröll und Co. mitverantwortlich, dass Politik und Politiker nicht mehr ernst genommen werden. So darf man den Wählerwillen nicht geringschätzen, man sägt am demokratischen System; gerade bei der schwierigen Beziehung Österreich - EU.

Antworten Sunflower
17.06.2009 20:51
0 0

Re: Wider alle demokratische Entscheidungen

Sehr richtig und treffend formuliert!

Gast: GEHTs-NUR-NOCH-UMS-LIEBE-GUTE-GELD?
17.06.2009 06:37
0 0

UNERERSÄTTLICHER MOLOCH: EUROPÄISCHE UNION DIE NUTGZNIESSER DIESES undemokratischen KUNSTGEBILDES SIND:


KONZERNE - MANDATARE – FUNKTIONÄRE - UND DEREN ABLEGER
JE GRÖSSER DIE EU – UMSO HEFTIGER SPRUDELN DIE GELDMITTEL AN
DIESE NEUE „ ARISTOKRATIE“

wie ein beispiel zeigt ...

Geldregen vom Staat

Was haben Opel und die Bauern gemeinsam?
Richtig:
Beide bekommen Milliarden vom Staat, liegen dem Steuerzahler schwer auf der Tasche.

50 Milliarden Euro erhielten die Landwirte der EU 2008 als Zuschüsse – jd deut. Steuerzahler musste dafür 100 Euro aufbringen.
Wo bleibt der Protest? Wo bleibt der Aufstand der Politiker?
Dass die EU noch immer Jahr für Jahr knapp die Hälfte ihrer Ausgaben in die Landwirtschaft pumpt, ist ein Skandal.
Dass große Agrarunternehmen davon den Löwenanteil bekommen,
kleine Bauern nur die Reste, ebenso!

2003 hatte die EU eine Agrarreform angekündigt – um die Subventionen abzubauen.
Es wurde keine Reform, sondern eine Lachnummer!

Wer kriegt das meiste Geld?
Richtig Konzerne ...

B.u.C. Tönnies Fleisch: 2,67 Mio. Euro
Ed & F Man Sugar: 2,6 Mio. Euro
Westfleisch: 2,5 Mio. Euro

LOBBY-ARBEIT
(angeblich gibt’s in Brüssel ca. 10000!)
ist nicht umsonst.
Die (Um-) Verteilung der Mittel zugunsten der Industrie kommt nicht von ungefähr!

http://www.bild.de/BILD/politik/wirtschaft/2009/06/17/eu-subventionen/konzerne

die riesigen agrarsubventionen müssen halbiert werden;
diese immer noch gewaltigen
mittel müssen primär an kleine und mittleren Bauern fließen.
Dabei müsseen Berg- u/o Bio-Bauern besonders bedacht werden.


Gast: babenbergerin
16.06.2009 20:26
0 0

QUO VADIS ÖSTERREICH?

Ich habe diesmal die ÖVP nur wegen Karas gewählt. Das war mir eine Lehre! Der richtige Weg um junge Leute noch politikvertrossener zu machen bzw. die Nichtwählerquote zu erhöhen. Wie kaltschneuzig und nicht einmal verdeckt, sondern erschreckend durchschaubar gehen nun auch schon die alteingesessenen Parteien mit den Wählern und den Mandataren, die nicht völlig nach ihrer Pfeife tanzen, um.Quo Vadis Österreich?

Gast: blackpower
16.06.2009 16:24
0 0

Bye Bye

..und auch meine Stammwählerstimme für die Schwarzen ist damit weg. Werde weiss wählen.

Gast: eg
16.06.2009 12:57
0 0

Nicht zu vergessen,

sind die anderen neben Strasser gewählten EU Politker. Sie haben gleich vorweg den Kniefall vor Pröll gemacht und Strasser auf ihr Schild gehoben. Wie weit geht deren Gewissen?
Wenn sie mit Karas früher schon nicht konnten, wie soll es jetzt funktionieren. Karas war für sie wahrscheinlich immer schon die persona non grata, und nach dieser Schmierenkomödie glaubt auch niemand mehr, dass diese OVP Abgeordneten ein Team sind. Hier traut ja keiner dem anderen und im Hintergrund die Prölls, die alles kontrollieren.
Die Bezeichnung Intriegantenstadl wäre, so glaube ich, eine Verharmlosung.

geheimrat
16.06.2009 11:30
0 0

Was heißt eigentlich pro-europäisch????

Da gibts ja nicht nur eine Interepretationsmöglichkeit!

geheimrat
16.06.2009 11:29
0 0

Was heißt eigentlich pr-europäisch????


Gast: Eleonora K.
16.06.2009 10:16
0 0

Karas lässt sich Verzicht honorieren

Für mich standen Strache und Karas zur Wahl.
Hätte ich mich nur für Strache entschieden!
Da wäre mir die Enttäuschung erspart geblieben.

reburg
16.06.2009 09:15
0 0

Verkauft und verraten

Karas hat Österreich mit seinem Abstimmungsverhalten (Basel 2,Türkei,ec)als "glühender Europäer!!"verkauft u.verraten,genauso mit dem schäbigen Trick über die Vorzugsstimmen.Ihm ging es einzig um den persönlichen Vorteil u.Postenschacher.
Zurück bleiben arme verirrte "Vorzugsstimmenwähler"!Stimmvieh-oder gar Nützliche Idioten?

harbard
16.06.2009 07:47
0 0

man spricht nicht zu unrecht

...von der schwarzen mafia!

0 0

Ehrenhaft und pragmatisch

Die Entscheidung von Othmar Karas nützt seinem europapolitischen Anliegen und gleichzeitig der ÖVP. Der Kampf um eine klare proeuropäische Orientierung der Volkspartei und um eine scharfe Absage an jede Anbiederungspolitik gegenüber der "Krone" war wahrscheinlich von Anfang an das eigentliche Ziel der erfolgreichen Vorzugsstimmenkampagne von Othmar Karas. Diesen Kampf hat er gewonnen. Und die Wähler haben es honoriert. Bravo, Othmar.

0 0

Re: Ehrenhaft und pragmatisch

Der Punkt ist wohl, dass die ÖVP die eigenen Wähler nicht respektiert. Da redet man davon den Wähler zu motivieren, verstärkt einzubinden und dann das ?
Die Politiker und Partein verfolgen Eigeninteressen die sehr oft nichts mit dem Willen des Wählers zu tun haben. Da braucht man sich über Verdrossenheit nicht zu beklagen. Die ÖVP kann dem Himmel danken, dass es keine bürgerliche Alternative gibt.

Antworten Antworten Gast: johannes
16.06.2009 09:15
0 0

Re: Re: Ehrenhaft und pragmatisch

wieso, der wählerwille wird respektiert. er ist vorgereihti worden und kommt somit ins eu-parlament. das was viele aber nicht wissen: karas wäre ohnehin ins parlament gekommen. ich habe karas die vorzugsstimme deshalb gegeben, damit die övp weiß, warum ich övp wähle. nicht wegen strasser's stil, sondern wegen karas' stil. ob er jetzt del-leiter wird, ist mir völlig wurscht. ichhab nicht früher gar nicht gewusst, obwohl ich ein eu-befürworter bin. und mal ehrlich, wissen sie es, was ein del-leiter für aufgaben hat? das ist doch nur so ein grindiger parteijob, dessen aufgabengebiet sowieso niemandem interessiert.

Antworten Gast: tc_t
16.06.2009 08:49
0 0

auf welchen planeten leben sie?

es ist die gleiche charkterlosigkeit, wie sie einstzumals schon ein herr cap zu tage legte...

Antworten Gast: Franz
16.06.2009 08:45
0 0

Re: Charakterlos wie eh und je

Karas und ehrenhaft, was für ein Witz, der Typ ist genauso windig und verlogen wie es dem Ruf österreichischer Politiker entspricht. Manche hier im Forum schreiben von einer schwarzen Mafia, dem kann ich nur zustimmen und anfügen dass es eine rote, blaue (braune) und orange (braune) Mafia gibt

Gast: Crusader
16.06.2009 07:31
0 0

Postenschacherverein!

Die VP paßt gut zur SP - warum regen sich die schwarzen Wähler immer so über die Sozis auf? Sind doch beide der gleiche Verein.....
p.s. Jetzt wissen wir wenigstens was der Posten als Delegationsleiter kostet....

Gast: gast
16.06.2009 06:47
0 0

strasser zurückreihen

meine karas-vorzugsstimme war eigentlich gedacht, diesen unwählbaren strasser zurecht zu stutzen.

Antworten david_kern
16.06.2009 10:50
0 0

Re: strasser zurückreihen

Ging mit genauso

Antworten Gast: johannes
16.06.2009 09:17
0 0

Re: strasser zurückreihen

strasser wurde zurechtgestutzt. das muss ihm peinlcih sein und auch der övp. aber wenigstens wissen sie, was ein echter övp-wähler wirklich will. nämlich einen menschen wie karas im eu-parlament. nicht so einen trottl wie strasser, der nur duruch die partei was ist. dann könnt ich ja wahrlich spö wählen.

Gast: pepe
16.06.2009 06:37
0 0

Rückgrat

Wer kein Rückgrat hat tut sich halt leichter beim Bücken!!!

Gast: gast
16.06.2009 06:36
0 0

na fein...

zuerst die Vorzugsstimmen ignorieren um einen ausrangierten "nicht so erfolgreich gewesenen Zweit-Ligisten" noch oben zu heben und dann auch noch so offensichtlichen Postenschacher betreiben.

Na wenn DAS nicht die richtigen Leute für Brüssel sind um sich dort von Lobbyisten und "Sponsoren" den Lebensabend versüßen zu lassen. Klar: noch ein bissl EU-Politik muss man auch machen, aber das bekommt das Stimmvieh zuhause eh nicht mit ob und was man in der Ferne überhaupt macht...

0 0

Sitz, aber keine stimme?....

was fuer ein schwachsinn - und die kosten fuer die fluege!! jede woche!!........

0 0

Politikverdrossenheit

Da "beklagt" sich die ÖVP über die Politikverdrossenheit aber missachtet konsequent jede Form von direkter Demokratie, das Volk darf wählen, aber was richtig ist, entscheidet noch immer die Partei. Das erinnert an eine Volksdemokratische Partei aber nicht an eine Volkspartei. Pfui !

Sunflower
16.06.2009 00:06
0 0

Vorzugsstimmen

Wozu vergeben die Wähler Vorzugsstimmen, wennn ein eindeutiges Ergebnis sowieso ignoriert wird! Das ist eine Wählerpflanzerei ersten Ranges! Vorzugsstimmen abzugeben bringt also eh nix! Gut zu wissen......


Gast: Wanderer
16.06.2009 00:04
0 0

ÖVP berügt ihre Wähler

Hat nicht einst ein gewisser Wolfgang Schüssel vollmundig gelogen und vor den Wahlen 1999 angekündigt, die ÖVP würde, falls sie nur den 3. Platz erreiche, in Opposition gehen?

Ein guter Freund wählte "Karas" und damit eben auch die ÖVP. Heute sagt er: "Danke Herr Pröll, das war zum letzten Mal, dass ich ÖVP wählte!"

Nun, ich hätte einer VP mit Strasser als Spitzenkandidat, der österr. Polizei ruinierte und damit für einen guten Teil der heutigen Sicherheitsproblematik Schuld trägt, niemals meine Stimme gegeben

 
1 2 3 4

Umfrage

  • Die Suche nach einer griechischen Regierung ist gescheitert. Was bringen die Neuwahlen?
  • Die Radikalen Parteien, vor allem die "Radikalen Linken", werden stark zulegen und den Sparkurs beenden.
  • Die zwei Großparteien können ihre Macht wiedererlangen und setzten ihre Sparpolitik fort.
  • Das Wahlergebnis wird sich nicht ändern und somit findet sich erneut keine stabile Regierung.
  • Weiß nicht/egal.

Mein Parlament