WIEN. Sonntagfrüh, kurz nach neun Uhr schon, betrat Barbara Rosenkranz, die selbst ernannte Familienkandidatin, das Wahllokal in ihrer niederösterrichischen Heimatgemeinde Seebarn, allein, ohne Ehemann Horst Jakob und die zehn Kinder. Für die Journalisten und Kameraleute hatte die Präsidentschaftskandidatin der FPÖ zwar ein mildes Lächeln übrig, aber kaum mehr: Sie bitte darum, ihre Privatsphäre zu respektieren. Es sei ein schöner Frühlingstag, und er werde gut ausgehen. Sprach's und machte sich flugs auf in Richtung Wien.
Rosenkranz: Nationalkonservative Vorzeigemutter kann Fischer nicht gefährden
Alle 8 Bilder der Galerie »Im Musikverein besuchte Rosenkranz dann ein Konzert der Philharmoniker. Der Deutsche Christian Thielemann dirigierte Ludwig van Beethovens „Neunte“. Als textliche Untermalung seiner Sinfonie hatte der Komponist seinerzeit Friedrich Schillers Ode „An die Freude“ ausgewählt. Doch zur Freude sollte Rosenkranz der schöne Frühlingstag am Ende nicht gereichen – im Gegenteil: Nur 15,6 Prozent gaben der FPÖ-Kandidatin ihre Stimme, 78,9 Prozent votierten hingegen für Amtsinhaber Heinz Fischer. Viel deutlicher kann eine Wahl nicht ausgehen.
Den zweiten Herausforderer, Rudolf Gehring von der Christlichen Partei (5,4 Prozent), vermochte Rosenkranz zwar deutlich auf Distanz zu halten. Doch jene 35 Prozent, die ihr Parteichef Heinz-Christian Strache zu Wahlkampfbeginn in einem Anflug von Übermut prophezeit hatte, verfehlte sie klar: 15,6 Prozent sind nicht einmal die Hälfte davon. Und selbst ihr eigenes Ziel, Willfried Gredlers 16,96 Prozent aus 1980, erreichte sie nicht.
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In der eher spärlich besetzten FPÖ-Zentrale am Wiener Friedrich-Schmidt-Platz stellte sich mit Fortdauer des Nachmittages immer mehr Katzenjammer ein. Die Fragen, die sich hier alle stellten, lauteten: Wie kam es, dass Rosenkranz im März noch über 20 Prozent lag und dann kontinuierlich abstürzte? Waren es ihre zweifelhaften Aussagen zum NS-Verbotsgesetz und zu den Gaskammern, die nicht nur die „Kronen Zeitung“ als ihre mediale Fürsprecherin, sondern auch eine ganze Reihe Wähler verschreckte? Doch außer dem EU-Abgeordneten Andreas Mölzer, der „im nicht vorbereiteten Wahlkampf“ den Grund des Übels ortete, wollte niemand Antworten auf diese Fragen geben.
Strache: „Mediale Hexenjagd“
Die Kandidatin selbst kam gegen halb fünf Uhr ins FPÖ-Hauptquartier, sichtlich gezeichnet vom Wahlkampf und dem ernüchternden Resultat. Die Parteifreunde klatschten minutenlang in die Hände, demonstrativ, als wollten sie nicht wahrhaben, dass die Siegesserie der FPÖ nun unterbrochen wurde.
In seinem ersten Statement machte Strache dann „die unglaubliche mediale Hexenjagd“ auf Rosenkranz“ verantwortlich für das Ergebnis. Fischer gratulierte er zwar – allerdings sei der Bundespräsident von 50 Prozent der Österreicher „nicht gewählt“ worden. Rosenkranz hielt es mit ihrem Parteichef: Angesichts der Umstände sei das Ergebnis „ein respektables“ und sie „durchaus zufrieden“.
Morgen wird sie wieder heimkehren, nach Niederösterreich, um ihren alten Job zu tun: den der Landesrätin für Baurecht und Tierschutz. Strache hingegen hat ohnedies schon die längste Zeit ein anderes Gebäude im Visier als die Hofburg. Es liegt gegenüber der FPÖ-Zentrale: das Wiener Rathaus.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 26.04.2010)


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