Wien(mon). „Natürlich kein Riesenerfolg“: So bezeichnete der EU-Abgeordnete der FPÖ, Andreas Mölzer, das Abschneiden von Barbara Rosenkranz bei der Bundespräsidentenwahl. Und: „Wehleidigkeit ist nicht angebracht.“
Für Heinz-Christian Strache kommt der Dämpfer ungelegen. Schließlich rüstet er sich gerade für die „Mutter aller Wahlschlachten“, die Wien-Wahl am 10.Oktober. Und eigentlich wollte er die Hofburgwahl ja sogar als Zwischenwahlkampf nutzen und selbst antreten.
Doch dann zuckten er und seine Berater aus drei Gründen zurück: Interne Umfragen bescheinigten ihm kein strahlendes Ergebnis. Barbara Rosenkranz wurde zu diesem Zeitpunkt außerdem noch von der „Krone“ gepusht (später „vergaß“ sie das dann trotz der von ihr eingeforderten eidesstattlichen Erklärungen der Kandidatin, mit NS-Ideologie nichts am Hut zu haben). Und drittens befürchtete Strache eine Vorverlegung der Wien-Wahl. Dann hätte er plötzlich auf zwei Hochzeiten getanzt und wäre unglaubwürdig geworden.
Rosenkranz war nicht erste Wahl Straches, die beiden waren nie ein Herz und eine Seele. Sie entstammt dem „nationalen“ Flügel. Strache legte ihr die Latte mit 35 Prozent vorsorglich unerreichbar hoch. Nach ihrem verpatzten Wahlkampfstart ließ der FPÖ-Parteichef „seine“ Kandidatin dann allein im Regen stehen. Nur bei der Abschlussveranstaltung zeigte er sich notgedrungen an ihrer Seite. Nun wird sie in der Versenkung, oder besser: in Niederösterreich, verschwinden.
Mit der Kandidatur zur Präsidentschaftswahl hätte sich Strache nicht ungern ein staatsmännischeres Profil als bisher zugelegt. Die Vorwahlplakate in Wien zeigen es: Der blaue Frontmann gibt sich weniger aggressiv als sonst, bietet weniger Angriffsfläche, und will jenen den Wind aus den Segeln nehmen, die eine besonders „tiefe“ Schlacht um Wien erwarten. Theoretisch kann er sich das auch leisten: Jeder weiß, wofür die FPÖ steht, vor allem für einen strikten Anti-Ausländerkurs. Allerdings ist die Wiener SPÖ bemüht, Straches Themen zu besetzen. Doch in einem bleibt der FPÖ-Chef wahrscheinlich unschlagbar: Die Jungen – vor allem junge Arbeiter – konnte er bisher besser als alle anderen mobilisieren.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 26.04.2010)
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