Hippach (red.) Hippach – 17,59 Prozent. Diese Zahl werden die Einwohner der kleinen Gemeinde Hippach im Tiroler Zillertal nicht so schnell vergessen. Denn mit dieser Zahl wird Hippach als die Gemeinde mit der niedrigsten Wahlbeteiligung bei den Bundespräsidentschaftswahlen 2010 in die Geschichte eingehen. Nur 188 der 1069 Wahlberechtigten gaben ihre Stimme ab, 178 waren gültig. Ergebnis: 80,3 Prozent für Heinz Fischer; 11,8 Prozent für Barbara Rosenkranz; 7,9 Prozent für Rudolf Gehring.
„Eine niedrige Wahlbeteiligung hatte sich in den letzten Tagen abgezeichnet, aber dass wir unter den Wahlverweigerern die Spitzenreiter sein würden, überrascht mich dann doch“, sagt Gerhard Hundsbichler, Bürgermeister der 1398-Seelen-Gemeinde im Bezirk Schwaz. „Ich bin von einer Beteiligung zwischen 30 und 40 Prozent ausgegangen, zumal Hippach bei Wahlen in der Vergangenheit immer im Trend oder sogar darüber gelegen hat.“
Hundsbichler führt das hauptsächlich auf die „geringe Wertschätzung“ des Amtes des Bundespräsidenten und die fehlenden ernst zu nehmenden Konkurrenten von Heinz Fischer zurück. Außerdem sei der Wahlkampf von Anfang an nicht in Schwung gekommen und die Medienaufmerksamkeit weit hinter vorangegangen Wahlen zurückgeblieben.
Besonders vermisst hat Hundsbichler eine TV-Konfrontation des Präsidenten mit seinen Herausforderern. „Vielleicht sollte man diesen Wahlausgang zum Anlass nehmen, um darüber nachzudenken, ob die Wahl des Bundespräsidenten beispielsweise mit einer Nationalratswahl zusammengelegt werden sollte“, schlägt der ÖVP-Bürgermeister vor. „Denn während bei Gemeinderatswahlen die Beteiligung stets sehr hoch ist, weil deren Ausgang die Bürger unmittelbar betrifft und die Wahlkampfthemen greifbarer sind, kann man bei abstrakteren Wahlen wie Nationalrats- und Präsidentschaftswahlen eine zunehmende Politikverdrossenheit beobachten.“ Eine Entwicklung, die zum Nachdenken anregen solle.
Floriani-Feier statt Fischer
Einen weit profaneren Grund glaubt Ludwig Fleidl, der Sekretär des Hippacher Gemeindeamts, gefunden zu haben. Die alljährliche, im gesamten Zillertal sehr beliebte Floriani-Feier der Feuerwehr fand dieses Jahr nicht am 1.Mai statt, sondern am 25.April, dem Wahltag, um nicht mit dem ebenso beliebten Gauda-Fest zu kollidieren, das diesmal auf den 1.Mai fällt. „Unsere Wahllokale sind nur bis 12 Uhr offen, genauso lange dauerte die Floriani-Feier“, erzählt Fleidl, der diesmal ebenfalls auf die Stimmabgabe verzichtet hat. Zudem seien die Wege in der Berggemeinde Hippach ins Ortszentrum mühsam und weit.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 27.04.2010)
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