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Parteienförderung: Österreich ist Vizeweltmeister

26.06.2012 | 18:21 |  PHILIPP AICHINGER (Die Presse)

Die Koalition beschließt höhere Zuwendungen für die Parteien. Im internationalen Vergleich liegt Österreich aber bei den Förderungen schon jetzt an der Spitze.

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„Natürlich muss eine Partei in einer Parteiendemokratie Mittel zur Verfügung haben“, sagte Kanzler Werner Faymann nach dem Ministerrat am Dienstag. Und Vizekanzler Michael Spindelegger erklärte, er könne die Kritik an der höheren Parteienfinanzierung „nicht nachvollziehen“. Man müsse ja sehen, dass im Gegenzug die Wahlkampfkostenrückerstattung gestrichen und auch die Parteienförderung auf Länderebene reduziert werde. „Dann werden wir am Ende des Tages sehen, ob da wirklich so viel übrig bleibt.“

Es bleibt viel übrig. Denn wenn man alle Förderungen für alle Parteien (Parteienförderung bei Bund, Land und Gemeinden, Klubförderung, Geld für die Parteiakademien, Wahlkampfkostenrückerstattung) zusammenrechnet, zahlte schon bisher jeder Wahlberechtigte 30 Euro an die Parteien. Künftig werden es 32 Euro sein. Das ergebe bei den mehr als 6,33 Millionen Wahlberechtigten eine Gesamtsumme von rund 200 Millionen Euro, rechnet Politologe Hubert Sickinger vor. Damit sei man innerhalb der EU-Staaten endgültig die Nummer eins bei der Parteiförderung, sagt der Experte.

Auch weltweit ist man ganz vorn mit dabei, wie ein Vergleich des deutschen Politologen Karl-Heinz Naßmacher von der Uni Oldenburg zeigt. Er verglich bereits im Jahr 2004 die Kosten der Demokratie weltweit, indem er die Parteiausgaben pro Kopf in Relation zur Wirtschaftsleistung stellte: Demnach hat Japan die höchsten Ausgaben für Parteien. An zweiter Stelle folgt bereits Österreich. Deutschland lag in der Statistik in der Mitte, am Ende rangierte Großbritannien. Naßmacher warnt zwar davor, die exakte Reihung überzubewerten, weil die Studie auf nationalen Daten beruhe und die diversen Arten der Parteienförderung oft nur schwer zusammenzurechnen seien. Aber man könne aus der Studie sehr wohl sehen, welche Gruppen von Ländern viel und welche wenig für Parteien ausgeben.

Warum ist Österreich ganz vorn mit dabei? Das sei historisch gewachsen, meint Naßmacher: „Österreich ist ein Land, in dem die Wähler schon immer heftig umworben wurden.“ Bereits vor Jahrzehnten sei es unter Österreichs Parteien üblich gewesen, auch außerhalb von Wahlkämpfen auf Plakaten zu werben. „Das würden Sie in Deutschland nur zu Wahlkampfzeiten sehen“, betont Naßmacher im Gespräch mit der „Presse“. Dazu komme, dass es in Österreich vergleichsweise große Parteiapparate und ein hohes Organisationsniveau bei den Parteien gebe. Auch das gehe insbesondere bei einem vergleichsweise kleinen Land ins Geld.

--> Das Gesetzespaket im Überblick

Konkret erhöht wird in Österreich künftig die jährliche Förderung der Bundesparteien, und zwar von 15,259 auf 29,13 Millionen Euro (4,6 Euro pro Wahlberechtigtem). Die Wahlkampfkostenrückerstattung fällt: Sie betrug 14 Millionen Euro, naturgemäß nur in Jahren mit einer Nationalratswahl. Heißt im Klartext: In Wahljahren bleibt die Fördersumme für die Parteien in etwa gleich. In den übrigen vier Jahren einer Legislaturperiode aber bekommen die Parteien nun rund 14 Millionen mehr als bisher (Verteilung auf die Parteien siehe Grafik). Die Reduzierung der Länderförderung werde im Gegenzug eher gering (zwei bis drei Millionen weniger) ausfallen, rechnet Sickinger.

 

Transparenz schreckt Spender ab

Aber warum erhöht die Koalition die Parteienförderung? Zum einen haben die Großparteien noch beträchtliche Schulden aus den letzten Nationalratswahlen. Diese gilt es zu tilgen, zumal 2013 die nächste Wahl zu schlagen ist. Zum anderen gibt es in den Parteien die Furcht, dass man künftig weniger Einnahmen aus Parteispenden hat. Schließlich gelten hier künftig strengere Regeln – und das könnte den einen oder anderen vom Sponsoring abhalten. Das geben die Parteienvertreter auch offen zu: „Dieses Transparenzgesetz wird dazu führen, dass wahrscheinlich kaum noch Spenden an Parteien fließen werden“, meinte etwa ÖVP-Klubchef Karlheinz Kopf am Dienstag.

Zumindest um die staatliche Förderung müssen sich die Parteien keine Sorgen machen: Die Förderung wird künftig jährlich um die Inflationsrate erhöht.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 27.06.2012)

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153 Kommentare
 
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Gast: Austrogrieche
28.06.2012 17:41
0 0

Demokratie muss uns was wert sein

sagten einige Politiker. Ich frage: Welche Demokratie?

Der Kopf sagt dass die Spenden ausbleiben werden durch die Transparenz. Indirekt ein Eingeständnis, dass "Spender" Gesetze kaufen können - sonst hätten diese wohl kein Problem mit der Geheimniskrämerei.

Österreich ist um nix besser als GR, IT, CYP und auf welche Länder sonst noch hingehauen wird.

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Genau deswegen

Und genau wegen solchen Aktionen besteht auch null Interesse der Politiker die Politikverdrossenheit (=Desinteresse) der Österreicher in ein Politikinteresse zu wandeln.

Die Mehrheit, die "blinde" Masse, checkt ja gar nicht was hier passiert und welch Misst ihre Händeschüttler hier bauen.
Die Meldungen ziehen an ihnen vorbei und die Wahlen ins Land und nix wird sich ändern.

Man kann hier im Forum zu recht raunzen, doch die da oben juckt das kein Bisschen, denn der "blinden" Masse ist es ganz egal, weil so erzogen.

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Unvorstellbar...

...überall wird eingespart, nur die Politker bekommen mehr Geld für immer desaströsere Leistungen. Strukturreform Fehlanzeige. Österreich versinkt in Korruption, die handelnden Menschen ähneln eher Witzfiguren. Jedes Diskussion zielt von massiv medientrainierten Marionetten nur darauf ab, die Schwachstellen der anderen Protagonisten offen zu legen. Um die Sache ging es schon lange nicht mehr. Man kann gar nicht so viel fre..en, wie man kotzen möchte...

Antworten Gast: Die EU ist unser Untergang....
27.06.2012 15:10
2 0

Re: Unvorstellbar...

Die Parteienförderung um 60 % anheben, dann den Ostermaier erklären lassen, daß uns das wert sein muß, wenn wir die Demokratie lieben, das muß man erst einmal zusammen kriegen. Und dabei täglich ein erbärmliches Schauspiel liefern und unsere Souveränität per ESM nach Brüssel abliefern und dann noch von mehr Demokratie reden, das übersteigt jede Grenze des guten Geschmacks, das ist einfach widerlich. Nein, diese Parteien will ich nicht, ein Populist bin ich keiner, vielleich aber ein Utopist!

Solange dem Österreicher sein Bier und Schnitzel wichtiger ist...


....können die alles tun.

Es ist ja schon lustig, wenn es nicht so trauig wäre.

1 0

Ich bin für 400 Millionen

Ich bin für 400 Millionen und mehr pro Jahr, aber dafür eine komplett neue Politikerlandschaft, die für ihr Geld auch wirklich was leisten und nicht bloß ihre Klientel versorgen und begünstigen.

Wenn in Österreich um dieses Geld was weiter ginge, ja dann verdoppelt der Bürger diese Summe aber liebend gerne.
Es scheitert halt mal alles wieder am Konjunktiv.

2 0

Vizeweltmeister im aussackeln

Siebenschläfer im reformieren
arbeitet nur dem Stache&Co in die Hände!

Wie wär's mit einer adäquaten Parteienförderung?

Anstatt 4,6 Euro pro Wahlberechtigtem 4,6 Euro pro tatsächlichem Wähler...

Und ich dachte schon,...

...dass uns das Geld ausgeht bzgl. Finanzlkrise usw.
Denn da klagten alle Politiker, dass unsere Zukunft ungewiss sein... so ungewiss ist sie aber doch nicht, wenn die noch mehr Geld in der Reserve haben bzw. sich vom Steuerzahler hohlen und somit den Todesstoß der Mittelschicht anordnen!

3 0

und wen wundert es da noch,

das die Lebenskosten insgesamt um einiges höher als in D. bspw sind ?!

Würden die Regierenden wenigstens etwas fürs Volk tun, würde mancher dies ja verstehen; abs SO ????

Schon längst waren wir Spitzenreiter was die MwSt betraf, nun weil man sich die nicht weiter anheben getraut, gewährt man sich selbst solch unverschämt hohe Zuwendungen ?!

Gast: Violent Fungus
27.06.2012 12:32
5 0

war ja klar...

...für die Universitäten und FHs ist natürlich nicht genug Geld da...

...das Geld muss ja für sinnvollere Investitionen herangezogen werden...

Gast: sid
27.06.2012 12:30
1 0

und noch ein dritter Versuch, umformuliert

Ich find unsere Demokratie super, und mir wird auch überhaupt nicht schlecht wenn ich daran denke, dass ich von eben Erwähnter dazu genötigt werde, unseren Politikern ihr Wunderland zu finanzieren.

...vielleicht gehts so durch die 10sUhr

Raubritter

weil es keine Spenden mehr gibt - holen sich diese Volkszertreter die Kohle vom Steuerzahler - elegant gelöst !!!

ein fatales Signal in Zeiten wie diesen..

Es grenzt doch fast an unüberbietbarer Überheblichkeit, dass in Zeiten einer veritablen Finanzkrise, wo sämtliche Steuern und Gebühren erhöht worden sind, sich der Kanzler und sein Vize vors Volk stellen und sagen, dass die Parteienförderung nahezu verdoppelt wird !
Also wenn sich da nicht etwas im Wahljahr 2013 bewegt, dann ist dem Österreicher nicht mehr zu helfen.

Gast: m9m
27.06.2012 11:49
9 0

Irgendwie muss die ÖVP und die SPÖ auch die eigenen Schulden los werden...

daher gefällt dies sicher auch manch Banken (anzunehmen Raiffeisen, Bawag? ) dass die Parteienförderung erhöht wird...

Holts euch das Geld von KHG, Meischb, MPA, usw.

Dort könnt ihr das Geld holen, den für die Klientel arbeitet ihr ja, also sollen die zumindest die Parteien offiziell finanzieren und nicht hinten herum, dann könnte das mit der Transparenz auch funktionieren, den wissen tun es ja eh schon alle wie das da oben abläuft!

Prost Mahlzeit!

7 0

Unwählbar...

Typen, die ihr eigenes Salär erhöhen (verdoppeln klingt ja schon fast obszön) während alle andern sparen oder zum Sparen verdonnert werden sind unwählbar und eine Schande für jede Demokratie!

Gast: Rätselonkel
27.06.2012 11:27
2 0

Preisfrage

Wer ist es, der immer wieder vor dem "Schreckgespenst" Strache warnt, diesem jedoch bei jeder Gelegenheit den Rücken stärkt?

Na?

Gast: Ceterum
27.06.2012 10:47
3 0

Es ist möglich?!

Das Loriot-Manderl vom Herrn Faynachtsmann kann die Kritik an der Verdoppelung der Parteienförderung „nicht nachvollziehen“. Da ist es leicht nachvollziehbar, das Herr Spindelegger so für die endgültige Marginalisierung der ÖVP sorgt. Da Herr Faymann fleißig mitmacht, wird die Hoffnung langsam größer, dass Österreich die Griechenlandisierer los wird und endlich etwas Neues nachkommen kann.

7 0

"Austro Bonds"

Schulden durch sinnlose Ausgaben, Selbstbedienungsmanier in den Organisationen, Panikaktionen in Wahlzeiten inklusive Zuckerl für Machterhalt werden einfach auf die Bevölkerung verteilt - die österreichische Parteienförderung.
Ein unhaltbarer Zustand und ein demokratischer Systemfehler.

Gast: WolfgangWanz
27.06.2012 10:35
10 1

Dafür wurde Bausparprämie gekürzt

Die letzte Möglichkeit wie sich der "kleine Mann" doch noch etwas ansparen kann wurde gekürzt, und die so ersparten Gelder zu den Parteien umgeleitet....

Danke


Gast: WolfgangWanz
27.06.2012 10:35
1 1

Dafür wurde Bausparprämie gekürzt

Die letzte Möglichkeit wie sich der "kleine Mann" doch noch etwas ansparen kann wurde gekürzt, und die so ersparten Gelder zu den Parteien umgeleitet....

Danke


8 0

Versager!

NUR Vizeweltmeister :-(

Antworten Gast: Stimmt!
27.06.2012 11:01
2 0

Re: Versager!

... das habe ich mir auch gedacht, nicht einmal DAS können diese Typen richtig machen...^^


Gast: betadonna
27.06.2012 10:30
11 0

die größten verbrecher österreichs sitzen im parlament..

irgendwann wird hoffentlich die zeit der abrechnung kommen u. sie werden für das aussackeln der österreicher bezahlen müssen..

Ganz komisch

Zu dieser Debatte und der Gesetzesbeschließung findet keine Übertragung des ORF´s aus dem Parlament statt. Ich denke mir meinen
Teil dazu.
Aber die Presse könnte für ihre Leser
eine Livestream-Übertragung doch anbieten. Im Standard gibt es sie.

 
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